Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Forschungseinblicke

Veröffentlicht am 23.07.2015

Viktoria Savs (1899-1979), diente im 1. WK unerkannt als "Victor Savs" in der öst. Armee und ging als "Heldenmädchen von den Drei Zinnen" in die Geschichte ein. © allgemeinfrei (wiki commons)Viktoria Savs (1899-1979), diente im 1. WK unerkannt als "Victor Savs" in der öst. Armee und ging als "Heldenmädchen von den Drei Zinnen" in die Geschichte ein. © allgemeinfrei (wiki commons)FORSCHUNGSEINBLICKE

In Magdeburg lebte einst eine junge Frau – Dorothea Pichelt (Dorothea Geiger) –, die unerkannt als "Theodor Pichelt" als Dragoner um 1813/14 in einem Regiment diente. Bis vor Kurzem nahm man noch an, dass sie um 1850 verstarb. Im Bild zu sehen Viktoria Savs, die hier als "Symbolbild" dienen soll, da auch sie unter männlichem Pseudonym in der Armee kämpfte.

"Als 15jähriges Mädchen sah sie [Dorothea Pichelt] am 1. Juni 1805 König Friedrich Wilhelm II. und seine Gemahlin Königin Luise beim Aufenthalt in den "Drei Linden". Diese Begegnung entflammte eine große Verehrung für das Paar. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 kamen zahlreiche preußische Soldaten beim Rückzug auch durch Nordhausen. Dorothea nahm lebhaften Anteil und soll bedauert haben, nicht auch als Soldat an den Kämpfen teilzunehmen. Der Tod der heißgeliebten Königin Luise steigerte ihre trübe Stimmung. Als Friedrich Wilhelm das Volk aufrief, gegen die Franzosen zu kämpfen, verließ sie unbemekt das Elternhaus und galt als verschwunden. Sie nahm einen größeren Geldbetrag mit und kaufte sich dafür ein Pferd, eine Uniform und Waffen. Daraufhin trat sie als Theodor Pichelt dem östlich der Elbe gebildeten Freikorps als Dragoner (26. Regiment) bei, mit dem sie später auch durch Nordhausen kam. Da sie gut reiten konnte und Mut und Furchtlosigkeit vor dem Feind zeigte, blieb sie als Frau unerkannt. Mit zwei anderen Soldaten rettete sie dem Schwadronsführer das Leben, wofür sie mit einer Denkmünze geehrt wurde. Nach dem Einzug der siegreichen preußischen Truppen in Magdeburg gestand sie dem Wachtmeister, dass sie eine Frau sei. Der Kommandeur rühmte Dorothea öffentlich für ihre Vaterlandsliebe und Verdienste."

Später soll sie einen Feldwebel namens Geiger geheiratet haben, was ich ans Tageslicht bringen konnte – durch die dadurch erfolgte Änderung ihres Nachnamens war sie für die Forscher/innen vor mir unsichtbar und somit nicht mehr greifbar geworden. Durch meine Recherchen im Rahmen meiner Dissertation habe ich ihre Todeskrankheit "Halsschwindsucht" und auch ihr genaues Sterbedatum entdeckt sowie die Bestätigung, dass sie höchst ehrenhaft und respektvoll in Magdeburg auf dem Militärfriedhof bestattet wurde. Gefunden habe ich diese bedeutenden Hinweise in Der baierische Volksfreund, Bd. 2, München, den 11. Januar 1825, S. 22, und in Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nro. 7, Samstag, den 8. Jan. Anno 1825. Mehrfach belegt also.

"Ein für sie errichtetes Denkmal wurde bei Umgestaltung des Friedhofes beseitigt. Am 18. Oktober 1913 wurde durch den Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein am Geburtshaus eine Gedenktafel angebracht:

In diesem Hause wurde die Kämpferin
in den Freiheitskriegen
Dorothea Pichelt
am 26. April 1790 geboren.

Die Gedenktafel wurde bei den Bombenangriffen am 3. und 4. April 1945 zusammen mit dem Geburtshaus zerstört."

Mit dem genauen Todesdatum (19. Dez. 1824) lässt es sich nun in Magdeburg weiterforschen, denn auch lokale Zeitungen könnten damals davon berichtet haben. Ihr Grab ist allerdings nicht mehr vorhanden, da der Militärfriedhof um 1970 eingeebnet worden war, wie ich weiter herausfand. Dorothea Pichelts lokale wiki-Seite habe ich dahingehend dann überarbeitet und in Magdeburg damit große Freude über den Fund ausgelöst.

 

Update (7. Sept. 2015): Das Magdeburger Stadtarchiv hat sich selbst sofort nach Erhalt meiner Benachrichtigung auf die Socken gemacht und Dorothea Pichelt tatsächlich in lokalen Blättern der damaligen Zeit gefunden. Die Scans davon habe ich erhalten mit dem Auftrag, für eine große Magdeburger Zeitung einen Artikel dazu zu schreiben. Derzeit in Bearbeitung.

Cookie-Regelung

Diese Website verwendet Cookies, zum Speichern von Informationen auf Ihrem Computer.

Stimmen Sie dem zu?