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Mozarts "Groschengrab"

Veröffentlicht am 02.12.2013

Facebook- Blog, 24. Juli 2013

Das unmittelbar nach Wolfgang Amadé Mozarts Tod 1791 entstandene Gerücht, er sei vergiftet worden, ist bis in unsere Zeit hinein (noch) nicht verstummt. 1798 berichtete ein Zeitzeuge über ein belauschtes Gespräch zwischen Mozart und seiner Frau Konstanze, in dem Mozart unter Tränen sagte: "Nein, nein, ich fühle mich zu sehr, mit mir dauert es nicht mehr lange; gewiss man hat mir Gift gegeben! Ich kann mich von diesem Gedanken nicht loswinden." Woran Mozart letztendlich starb, ist bis heute unklar – zig Expert/innen streiten sich darüber. In seinem Totenschein steht "hitziges Frieselfieber" – und das konnte von Schnupfen mit seinen diversen Auswirkungen bis hin zu rheumatischen Erkrankungen alles mögliche sein. Mozarts Leiche jedenfalls wurde im Stephansdom in der Taufkapelle aufgebahrt – von dort gings hinaus auf den Friedhof St. Marx.

In Milos Formans Film "Amadeus" regnet es zum Zeitpunkt der Bestattung erbärmlich – das Wetter ist windig und kalt. Mozarts Frau Konstanze kehrte schon bald um – sie hatte wohl ihr 3-Wetter-Taft vergessen an jenem 6. Dezember 1791. Niemand folgte dem Sarg, der stumm und schwarz in dichter werdendem Nebel verschwindet. Doch halt! An jenem 6. Dezember war es strahlend schön –

Mozart muss also erst am 7. Dezember bestattet worden sein, ein Tag, an dem es eklig nass war. Wegen des grässlichen Wetters ließ der Totengräber Mozarts Sarg zunächst in einer Totenkammer stehen und machte sich erst am nächsten Tag bei angenehmerem Wetter an die Arbeit. Der Leiche konnte das ja schließlich egal sein.

Mozart wurde nicht in einem Massengrab ohne Sarg bestattet (im Film nur in einen Leichensack eingenäht und mit Kalk überschüttet): Kaiser Joseph II. erließ zwar Spargesetze, stieß dadurch aber auf Widerstand in der Bevölkerung und schaffte daraufhin einige Erlässe wieder ab. Darunter auch der Erlass zu Sparsärgen mit Klappe, durch die der Leichnam fiel – einen davon kann man im Wiener Bestattungsmuseum bestaunen. Mozart hatte einen wohl schlichten, einfachen Sarg, der in ein Mehrfachgrab eingelassen wurde – er teilte sich sein "ewiges Plätzchen" mit anderen Toten. In diese Mehrfachgräber passten 16 Särge, vier auf vier über- und nebeneinander gestapelt.

Nach ca. 10 Jahren wurden diese "Armengräber" aufgehoben, um Platz für neue zu schaffen. Der Totengräber hatte sich 1791 zwar die Lage von Mozarts Sarg in einem kleinen Buch notiert, dummerweise ging dieses aber später verloren. Nach mündlicher Überlieferung soll sich Mozarts Sarg in der obersten Etage links befunden haben. Niemand hatte sich in der Folgezeit um sein Grab gekümmert – weder seine Witwe noch andere Angehörigen und Freunde. In drei von mir untersuchten Augsburger Tageszeitungen aus dieser Zeit keine einzige (!) Anzeige zu Mozarts Tod. Aber Wochen später auf Seite 1 eine riesen Anzeige, dass Konstanze Mozart Witwenrente erhält – und das nicht zu knapp! Erstaunlich...allerdings war es 1791 auch üblich, dass nach der Einsegnung in der Kirche die Begräbniszeremonie hiermit vorbei war – daher auch keine offizielle Begleitung zum Friedhof.

17 Jahre (!) nach Mozarts Tod besuchte seine Witwe erstmals den Friedhof von St. Marx, fand sein Grab aber nicht. Diese mir nicht ganz "koscher" vorkommende Frau zu beleuchten, ist wieder eine andere spannende Geschichte. Um 1850 machte man sich ernsthaft daran, nach Mozarts Grab zu suchen – erst rund 60 Jahre nach dem Beginn des Mozart-Hypes. Am vermuteten Ort wurde gegraben und dann ein "echter" Mozart-Schädel präsentiert. Wie in meinem vorigen Blog beschrieben, waren gewisse Leute auf Schädel scharf – kein Knochen am menschlichen Körper fasziniert schließlich mehr. 2006 wurde zuletzt versucht, mit Hilfe der noch vorhandenen Knochen anderer Mozartscher Familienmitglieder eine Übereinstimmung per DNA zu finden – vergebens. Dennoch wird bis heute der "echte" Mozart-Schädel im Mozarteum in Salzburg verwahrt.

Mozart hat zwei Schädel und somit drei Gräber: ein "echter" und ein echter "echter". Auf dem lauschig-verwunschenen St. Marxer Friedhof, ein (leeres) Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof und eine Vitrine für den "echten" Schädel. Und eigentlich auch noch ein viertes: die leckeren Mozart-Kugeln sind wahre "Groschengräber".

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