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Wie im Sog

Veröffentlicht am 26.10.2017

Ethel Smyth 1930 bei der Eröffnung des Pankhurst Memorials in London (Quelle: Flickr – allgemeinfrei).Ethel Smyth 1930 bei der Eröffnung des Pankhurst Memorials in London (Quelle: Flickr – allgemeinfrei).

Wie im Sog schaute ich mir diese Bilder auf Flickr an – Suffragetten in Aktion. Eine solche Fülle an Bildmaterial fand ich noch nie an einer Stelle. Darunter auch zwei – rechtefreie – Fotos mit Komponistin Ethel Smyth, die im engsten Kreis der Suffragetten ganz vorne mit dabei agierte.

Eines davon zeigt sie wohl bei einem Päuschen in ihre Ehrendoktorinnen-Robe gehüllt zusammen mit einer kleinen Musikkapelle und Geistlichkeit. Während Flickr dazu nur "Ethel Smyth 1930" schreibt ohne weitere Informationen, weiß ich, zu welchem Anlass dieses Foto gemacht wurde, weil ich vor ein paar Jahren für 6 € ein Original-Foto aus dieser Zeit aus einem Presse-Archiv erwerben konnte, das genau diese Szene beschreibt:

 

 

 

 

Ethel Smyth dirigierte 1930 die Metropolitan Police Band of London, als in den Victoria Tower Gardens das Emmeline (und später auch Christabel) Pankhurst Memorial aufgestellt und eingeweiht wurde. Als alte Weggefährtin Pankhursts dirigierte Ethel Smyth ihren The March of the Women und den Choral aus ihrer Oper The Wreckers
 
Das weiß ich deshalb so genau, weil genau das auf meinem Foto hintendrauf steht. Im Hintergrund sieht man auf beiden Fotos nicht nur Fotografen, sondern auch Filmkameras, das heißt, dass von diesem Ereignis auch Filme existieren bzw. existiert haben, nach denen man noch suchen könnte.
 
Das andere Foto zeigt Ethel Smyth bei einer Versammlung der Women's Social and Political Union (WSPU) 1912 – das war noch vor Emily Davisons Heldinnentod (1913). 1913 verließ Ethel Smyth die WSPU und die Suffragettenbewegung, vielleicht weil ihr diese Aktion von Emily Davison zu krass war. 

Zum Zeitpunkt der Enthüllung des Denkmals der großen Frauenwahlrechtskämpferin war Ethel Smyth bereits gehörlos. Für ihre herausragenden Leistungen als Komponistin und Frauenrechtlerin bräuchte sie ihr eigenes Denkmal. Eigentlich jede mitkämpfende Frau. Meine Idee wäre: Man könnte diesen Victoria Tower Garden zu einem Park der Frauen gestalten, in dem – ausgehend von Emmeline und Christabels Denkmal – jede Suffragette ein solches Denkmal bekäme. Begehbare Pfade zwischendurch für diese "Wegbereiterinnen, Brückenbauerinnen und Felsensprengerinnen" (Virginia Woolf an Ethel Smyth), um den ganzen Park in ein nationales Denkmal (National Trust) zu verwandeln, als Ort des Erinnerns, als Ort der Inspiration, auch als Ort der Mahnung, es nie wieder so weit kommen zu lassen, dass Frauen keine Stimme haben.
 

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