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Würdiges Grabmal für Sophie Menter

Veröffentlicht am 23.07.2015

Sophie Menter in ihrer St. Petersburger Zeit, Gemälde von Ilja Repin (1887). © allgemeinfrei (wiki commons)Sophie Menter in ihrer St. Petersburger Zeit, Gemälde von Ilja Repin (1887). © allgemeinfrei (wiki commons)Ein würdiges Grabmal für Sophie Menter – eine Aktion von mfm zu ihrem 170. Geburtstag 2016

Die Stadt München verfügt über eine einzigartige Oase am Rand des Glockenbachviertels: den Alten Südfriedhof. Dort liegen berühmte (z. B. Carl Spitzweg) als auch weniger berühmte Personen und Persönlichkeiten der Isarstadt. Mit seiner herausragenden architektonischen Anlage als auch der „verwunschenen“ Gräberanlage reiht er sich ein in die „romantischen“ Friedhöfe dieser Welt wie Père Lachaise (Paris) oder St. Marx (Wien).

mfm

Mit musica femina münchen e.V. (mfm) existiert ein preisgekrönter Verein (Anita-Augspurg-Preis der Stadt München, Bundesverdienstkreuz), der sich um die Belange historischer Komponistinnen sorgt als auch in München aktiv schaffende Komponistinnen fördert (z. B. Auftragswerke mit dem Münchner Kammerorchester, eigene Konzertreihen). mfm sorgt auch dafür, dass Münchner Komponistinnen z. B. in der Wikipedia präsenter sind. In diesem Zusammenhang wurde mfm auf die Pianistin, Musikpädagogin und Komponistin Sophie Menter (1846-1918) aufmerksam, deren Grabstätte sich auf dem Alten Südfriedhof befindet. Befand sich ihr Grab mit seiner Holzstele im Herbst 2014 noch in einem halbwegs passablen Zustand, so ist ihr Grabplatz jetzt im Juli 2015 in einem höchst desolaten: die Holzstele ist aufgrund Fäulniserscheinungen nach hinten umgekippt, die Randumfassung ist gelockert, das Grab von Unkraut bzw. nicht gepflegten Gewächsen völlig überwuchert (siehe Bild unten). Sophie Menter hat etwas Schöneres verdient!

Vergessener Weltstar

Sophie Menter (verh. Popper; 29. Juli 1846 München bis 23. Februar 1918 Stockdorf) war eine deutsche Pianistin, Musikpädagogin und Komponistin. Sie wurde als erste Frau Ehrenmitglied der Philharmonischen Gesellschaft in London. Der Musikverein Innsbruck ernannte sie ebenfalls zu seinem Ehrenmitglied.

Sophie Menter wurde als Tochter des Cellisten Joseph Menter in München geboren und begann schon früh unter Anleitung ihrer Mutter und ihrer älteren Schwestern mit dem Klavierspiel. Ihren ersten Unterricht erhielt sie von dem damals in München wirkenden Sigmund Lebert, dem späteren Gründer der Stuttgarter Musikschule. Nach dem Tode ihres Vaters studierte sie ab 1857 am königlichen Konservatorium bei Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901, Hofkapellmeister von König Ludwig II., ebenfalls bestattet auf dem Alten Südfriedhof), Leonhard und Julius von Kolb und schließlich privat bei Friedrich Niest bis zu ihrem erfolgreichen Debüt am 24. November 1862 in einem Konzert der Musikalischen Akademie in München. Daraufhin begann sie eigene Konzerte zu veranstalten und Konzertreisen zu unternehmen, deren längste sie Anfang 1866 in die Schweiz führte.

Entscheidend für ihr Bekanntwerden in Norddeutschland wurden zwei Auftritte ein Jahr später im Leipziger Gewandhaus, dem renommiertesten deutschen Konzertsaal, wo sie stürmisch gefeiert wurde. Es folgte ein Besuch in Berlin, bei dem sie mit Carl Tausig bekannt und dessen Schülerin wurde, und ein Jahr später ein Aufenthalt in Wien, wo sie Franz Liszt kennenlernte, mit dem sie bis zu dessen Tod eng befreundet war. Dieser schätzte Sophie Menter als beste Pianistin ihrer Zeit ein, sein fünftes und letztes Klavierkonzert ist ihr zugedacht. Sie wurde wegen ihrem Können auch als „réincarnation de Liszt“ bezeichnet (Liszts „Wiederverkörperung“).

1868 wurde Sophie Menter Hofpianistin des Fürsten von Hohenzollern in Löwenberg in Schlesien. Sie heiratete 1872 den Violoncellisten David Popper (1843-1913), mit dem sie eine Tochter hatte. Sie wurde 1886 geschieden, zur k.k. Kammervirtuosin ernannt und war von 1883 bis 1887 Professorin am Sankt Petersburger Konservatorium. Während dieser Zeit knüpfte sie enge Kontakte zu Peter I. Tschaikowsky, Anton Rubinstein und Nikolai Rimsky-Korsakow.

Von 1887 bis 1902 lebte Sophie Menter auf dem bereits 1884 von ihr erworbenen Schloss Itter bei Kitzbühel und auch in Stockdorf bei München, wo sie 1918 verstarb.

(Text- und Bildquelle: wikipedia, Art. Sophie Menter)

Zustand des Menter-Grabs im Juni 2015 © Susanne WosnitzkaZustand des Menter-Grabs im Juni 2015 © Susanne WosnitzkaIdee

mfm möchte für Sophie Menter eine würdige Grabstätte. Sophie Menter würde 2016 ihren 170. Geburtstag feiern – ein fabelhafter Anlass, sie wieder ins Gedächtnis der Stadt zu rufen, z. B. auch mit Vorträgen oder Friedhofsführungen. Die bisherige Holzstele mit der eingeschnitzten Lyra kann noch nicht sonderlich alt sein. Möglicherweise hatte Sophie Menter ursprünglich einen Grabstein. Ob dieser beim verheerenden Bombenangriff auf München davon betroffen war (wie z. B. das Grab ihres Lehrers Josef Gabriel Rheinberger) oder noch existiert, wäre herauszufinden. Falls ja möchte mfm diesen Grabstein mit Hilfe einer Crowdfunding-Aktion, Projektgeldern z. B. der Gleichstellungsstelle München oder Benefiz-Konzerten restaurieren und wieder aufstellen lassen. Falls nein: wäre es möglich – unter Berücksichtigung der Friedhofsordnung bzw. der restauriertechnischen Möglichkeiten – einen Grabstein von woanders her zu beschaffen, der aus dieser Zeit stammt? Nicht nur als Musikwissenschaftlerin, sondern auch als gelernte Möbelrestauratorin ich weiß um das Credo solch historischer Anlagen: So wenig wie möglich [verändern] – so viel wie nötig [erhalten]. Gibt es eine Möglichkeit der Wiederherstellung bzw. Rekonstruktion des Grabes? Könnte man auch ggf. einen neu angefertigten Stein auf „alt“ trimmen und mit entsprechenden Namens- und Lebensdaten versehen aufstellen?

Anfragen meinerseits als Mitvorsitzende von mfm an die Friedhofsverwaltung und an weitere entsprechende Stellen sind am Laufen...

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