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Zum Sterben schön – tödliche Mode

Veröffentlicht am 23.07.2015

Dame mit Reifrock. Robert Delaunay (1749-1816, Kupferstecher), "Les adieux" nach Jean-Michel Moreau Le Jeune (1741-1814) © allgemeinfrei (wiki commons) Dame mit Reifrock. Robert Delaunay (1749-1816, Kupferstecher), "Les adieux" nach Jean-Michel Moreau Le Jeune (1741-1814) © allgemeinfrei (wiki commons) ZUM STERBEN SCHÖN – TÖDLICHE MODE

"Zum Sterben schön [...] Schätzungen gehen davon aus, dass allein in England in den ersten beiden Jahrzehnten der Mode 3000 Frauen starben, weil gewaltige Kleider in Brand geraten waren. Auch Unfälle, bei denen sich Frauen mit den Säumen ihrer Krinolinen in Antriebsrädern von Kutschen und Maschinen verfingen, gehörten bald zur Tagesordnung", so ein Artikel aus dem SPON.

Viele Frauen sind tatsächlich in diesen Kleidern gestorben, so z.B. auch Mathilde von Habsburg-Teschen (1849-1867). Grund des Feuerfangens war – was im Artikel allerdings nicht erwähnt wird – oftmals die Tränkung der Kleider mit dem leicht brennbaren Glyzerin/Glycerin, welches den Stoffen mehr Fülle verleihen sollte.

Mathilde wurde als heimliche Zigarettenraucherin erwischt und verbarg die Kippe hinter ihrem Kleid, das Feuer fing. Sie starb an ihren schwersten Verbrennungen erst zwei Wochen später unter größten Qualen. Eigentlich brachte sie das Patriarchat um, das Frauen das Rauchen verbot...vielfach schafften es Frauen auch wegen der Sperrigkeit ihrer Kleider nicht mehr rechtzeitig ins Freie. Auch undurchdachte Theaterausgänge wurden zur Todesfalle, wenn die Türen nicht nach außen, sondern nur nach innen aufgingen: Menschen, die in Panik flüchten wollten, stemmten sich gegen die Türen und brachten sie so nicht auf, wurden zu Tode getrampelt oder zerquetscht. Als besonders krass wurde in dieser Zeit der Wiener Ringtheaterbrand 1881 empfunden, der mindestens 386 Menschen das Leben gekostet hatte. Erst im Zuge dieser Katastrophe wurden umfassende strenge Brandschutzgesetze erlassen.

Historischen Zeitungen zufolge, die ich im Rahmen meiner Dissertation durchleuchtet habe, kam es auch relativ oft vor, dass dreiste, gewissenlose Diebe und Diebinnen während Theateraufführungen plötzlich "Feurio!" riefen, was derartige Massenpaniken mit Todesfolgen hervorruf – im allgemeinen Gedränge bedienten sich die Dieb/innen schamlos an den Wertsachen der Bewusstlosen oder Toten. Auch Sophie (1847-1897), Schwester von Kaiserin Elisabeth, starb 1897 einen solch grässlichen Tod während des Brandes des Bazar de la Charité in der Rue Jean Goujon in Paris. Allerdings nicht an Behinderungen durch ihre Kleider, sondern weil sie sich weigerte, das Gebäude zu verlassen, bevor nicht alle anderen Personen in Sicherheit gebracht worden waren.

Sehr gefährlich war auch die Modefarbe "Schweinfurter Grün", das besonders beliebt für Tapeten war: ein bestimmter Pilz (Penicillium brevicaule) setzte dabei aus leimgebundenem Schweinfurter Grün organische Arsenverbindungen frei. Diese Farbe wurde ab 1882 in Deutschland verboten und später als Insektizid eingesetzt.

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