Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

 

Frau und Musik – Komponistinnen

 

"Jede Frau [und eigentlich auch jeder Mann] sollte mindestens ein Jahr lang Frauengeschichte studieren, egal, was sie sonst macht. Jede Frau ändert sich, wenn sie erkennt, dass sie eine Geschichte hat." (Gerda Lerner)

 

Geschichte – v. a. Frauengeschichte – ist mir ein großes Anliegen. Wie kam es, dass Frauen "in der Kirche" zu schweigen hatten? Wieso wurden sie v. a. im 17. und 18. Jahrhundert durch Kastraten ersetzt? Warum gibt es so viele Werke von einem "Anonymus" – könnte sich dahinter doch eine Frau verbergen? Warum sind Frauen – bis auf berühmte Ausnahmepersönlichkeiten – in der Geschichte so unsichtbar? Warum wurden sie durch die Geschichtsschreibung unsichtbar gemacht? Warum sind v. a. in der Musik ihre Werke vielfach so unbekannt?

Die meisten der historischen Frauenbiografien wurden erst im Zuge der Zweiten Frauenrechtsbewegung seit den 1970er Jahren erforscht. In der Sparte Musik war die Vorreiterin die Dirigentin und Musikhistorikerin Elke Mascha Blankenburg (19432013), die sich damals fragte, wo all die Frauen geblieben sind.

Weil sie all diese Fragen umtrieben, krempelte sie die Ärmel hoch, gründete mit einigen Mitstreiterinnen den Internationalen Arbeitskreis Frau und Musik e. V. und durchforstete die Musikarchive – sie fand mehr als 300 Namen von Komponstinnen und noch mehr ihrer Werke, fast alle bis dato kaum veröffentlicht und nahezu unbekannt. 1980 organisierte sie das erste große internationale Komponistinnen-Festival in Köln – gegen teils gewaltige Widerstände von Seiten der meist männlichen Kollegen. Dennoch führte sie im Rahmen dieses Festivals die erste Oper einer Frau, Francesca Caccinis (15971640) La liberazione di Ruggiero dall'isola d'Alcina (1625), spektakulär wieder auf – eine überwältigende Musik, die man bis dahin im regulären Konzertbetrieb nie gehört hatte. Dank Elke Mascha Blankenburgs Engagement wurde auch das Archiv Frau und Musik in Frankfurt/Main ins Leben gerufen, das heute mit über 25.000 Medieneinheiten (Kompositionen gedruckt und geschrieben, Nach- und Vorlässe aus aller Welt, Graue Literatur, Briefautografe von Clara Schumann, Linksammlungen etc.) das älteste, größte und bedeutendste und beeindruckendste Archiv dieser Art weltweit ist. Und ich habe das große Glück, freischaffend für dieses Archiv arbeiten zu können.

Welche Komponistinnen kennen Sie? Gerne können Sie oben anhand der Komponistinnen-Leiste quizzen und mit den untenstehenden Komponistinnen vergleichen. Machen Sie auch die Probe aufs Exempel: schlagen Sie Ihre Tageszeitung auf und schauen Sie in den Konzertteil. Notieren Sie, wie viele Werke von Frauen gespielt werden. Keines? Bravo! Es liegt noch viel Arbeit vor uns, die Werke von Frauen gleichberechtigt neben der Musik von Männern im Konzertbetrieb zu etablieren. Gute Musik ist gute Musik, egal ob von Mann oder Frau.

Schwierig ist aber bereits auch die Suche nach Werken von Frauen. Mit z. B. dem Furore-Verlag in Kassel hat sich ein Verlag etabliert, der sich speziell um die Veröffentlichung von Werken von Frauen kümmert. Diesen Verlag muss man aber kennen – häufig sind solche Spezialeinrichtungen aber unbekannt, da schon die Notensuchmaschinen falsch eingestellt sind: möchte man sich zu Werken von Komponistinnen schlau machen und gibt man dazu auf Verlagsseiten das Stichwort "Komponistin/Komponistinnen" ein, erhält man 0 Treffer, da oftmals nur nach Namen gesucht werden kann. Kennt man diese aber nicht schon vorher, wird dadurch der Anschein erweckt, es gäbe keine Musik von Frauen. Das Archiv Frau und Musik verfügt aber über Suchmaschine, mit der man fündig wird.

Um auch dieses Thema anzugehen, fand ich den idealen Verein – abgesehen vom Archiv Frau und Musik: musica femina münchen e. V. Dort kann ich mit Hilfe weiterer Fachfrauen als eine der Vorstandsfrauen dafür sorgen, dass Musik von Frauen bekannter wird, indem wir verschiedene tolle Aktionen unterstützen und auf die Beine stellen wie z. B. das Münchner "Komponistinnen-Klavier" der Grafik-Designerin Irmgard Voigt im Rahmen der weltweiten Aktion "Play Me, I'm Yours" – dieses Klavier ging mittlerweile als Spende an eine Schule für jugendliche Flüchtlinge und verbreitet dort viel Freude. Alle zwei Jahre vergeben wir auch einen Kompositionsauftrag an eine Komponistin, der dann vom Münchner Kammerorchester im Prinzregententheater umgesetzt und uraufgeführt wird.

All diese Fragen, die sich Elke Mascha Blankenburg damals gestellt hatte, trieben mich ebenfalls um – und damals hatte ich von ihrem Namen noch nie gehört. "Wenn man an an der Uni eine ganze Vortragsreihe mit Musik von Männern machen kann – ist es dann auch möglich, so etwas auch mit Musik von Frauen zu machen?", wettete ich mit mir selbst. In Beantwortung dieser Frage öffnete sich mir nach und nach ein gewaltiger Kosmos an höchst interessanten Biographien, Schicksalen, Werken und an Literatur. Und so entstand auch der Wunsch, mein Wissen mit anderen Menschen zu teilen, denen es bislang ähnlich ergeht. Dieser Wunsch entwickelte sich zu einer ganzen Vortragsreihe, die ich immer weiter erschließen und Teil für Teil auch für Sie zugänglich machen möchte:

 

Komponistinnen und ihre Werke im Spiegel ihrer Zeit
Vortragsreihe

Diese von mir entwickelte Vortragsreihe besteht aus einzelnen Lebensgeschichten und dem Schaffen von rund 15 hervorragenden Komponistinnen aus der Zeit des 11. bis 21. Jahrhunderts.

Neben bekannten Namen stehen auch die von regionalen Künstlerinnen (auf den Augsburger/Ulmer Raum beschränkt), die bislang kaum entsprechend gewürdigt wurden und werden. Mit dieser Auswahl möchte ich nicht nur rein auf Biografie und Werk aufmerksam machen, sondern auch auf die Schwierigkeiten, die komponierende Frauen hatten und teils noch immer haben, aber auch auf die Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen, deren Werke bekannt zu machen.

Zudem bietet diese Vortragsreihe einen fundierten Überblick über die Musikgeschichte.

Vorgestellt werden:

  • Hildegard von Bingen (ca. 10981178) war nicht nur Medizinerin, Visionärin und Schriftstellerin, sondern schuf Responsorien und Antiphonen, die sich von der Gregorianischen Musik ihrer Zeit abheben. Ihr "Riesencodex" zeugt von einer unglaublichen musikalisch-visionären Schaffenskraft, mit der sie den Geschmack ihrer Zeit aus den Fugen hob. Als Schöpferin des bislang ältesten bekannten Singspiels der Welt (Ordo virtutum – Das Spiel der Kräfte) forderte sie ihre Zeit spektakulär heraus.
  • Italienische Renaissance-Komponistinnen: Francesca Caccini (1587 nach 1641), Barbara Strozzi (16191677) und Maddalena Casulana (um 1544 um 1590). Barbara Strozzi gab zu Lebzeiten acht Madrigalbücher mit ihren Werken heraus – so viele wie ihr weltweit bekannter Kollege Claudio Monteverdi (15671643). Frauen der legendären Concerti delle donne, die am Hof von Florenz gegründet wurden, einen ungeheuren Boom erlebten und selbst die Instrumentenmacher und den Gebrauch von hohen Instrumenten wie die Violine bis heute nachhaltig beeinflussten, trugen zur Verbreitung von Renaissancemusik auch an Deutschlands Höfen maßgeblich bei. Diesen Frauen ist es zu verdanken, dass sich mit ihrer Performance, die alle Register der Affetti zog und Dissonanzen auf erstaunliche Weise voll auskostete, die Renaissance als Wiedergeburt der Antike bis heute in ganz Europa als neue Lebensart durchsetzen konnte.
  • Barbara Kluntz (16611730) und die Ulmer Sammlungsfrauen – bislang einzig bekannte Ulmer Komponistin des 17./18. Jahrhunderts. Das "Schneiderbärbele" war auch Schriftstellerin, Dichterin, Clavieristin und Musikpädagogin. Ihre beiden noch existierenden Choralbücher zeigen eine Fülle an Chorälen, die sie neu setzte, bearbeitete und auch als Arien erklingen ließ. Ihre Kontakte reichten bis nach Berlin, von wo aus sie sich mit der neuesten modernen Musik versorgen ließ und Ulm so zu einer Blütestätte der süddeutschen Musikkultur aufbaute.
  • Komponierende Prinzessinnen: Wilhelmine von Preußen (Kurfürstin von Brandenburg-Bayreuth, 17091758), Anna Amalia von Preußen (17231787), Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach (17391807) und Maria Antonia Walpurgis von Sachsen (17241780) – Schöpferinnen herausragender Opern, Singspiele und Kammermusikwerke. Wilhelmines Hoftheater – von ihr mitkonzipiert und entworfen – wurde 2013 ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Sie war Tonschöpferin, Librettistin und sogar Sängerin ihrer eigenen Werke – Gesamtkunstwerke lange vor Richard Wagner! König Friedrich II. – der selbst komponiert hatte – war Zeit seines Lebens mit seinen Schwestern Wilhelmine und  Anna Amalia von Preußen eng verbunden – mit Wilhelmine flüchtete er sich vor dem tobenden Vater ("Soldatenkönig") in die Musik, sie ging mit ihm auch ins Gefängnis, als der strenge Vater Friedrichs besten Freund hinrichten ließ. Anna Amalia ist es zu verdanken, dass die Musik Bachs und Kirnbergers auch in Wien erst bekannt wurde, da sie als erste die Musik Bachs sammelte und von seinen Schülern lernte. Durch einen Besuch Gottfried van Swietens in Berlin, der einige Werke Bachs nach Wien mitbrachte und Wolfgang Amadé Mozart zeigte, konnte Letzterer Bachs Werke studieren und z.B. auch einen Bach-Choral als Gesang der Geharnischten in seine weltbekannte Zauberflöte integrieren. Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach schuf mit ihrem "Musenhof" in Weimar die Grundlage für Goethes und Schillers Erfolge, die ohne ihr Zutun wohl kaum bekannt geworden wären. Durch ihr Mäzenat forderte und förderte sie diese Dichter zu Höchstleistungen. Ihr kammermusikalischen Werke und ihre Singspiele nach Goethetexten zeugen von unglaublicher Feinsinnigkeit und Hingabe an die Musik. Maria Antonia Walpurgis von Sachsen griff die neue Gedankenrichtung der Aufklärung auf: in ihren Amazonen-Opern metzeln die Kriegerinnen die Männer nicht nieder, sondern gehen mit ihnen einen freundschaftlichen Bund ein im Sinne der Gleichberechtigung. Diese setzte Maria Antonia Walpurgis auch in den Stimmen ein: alle Hauptpartien sind ausschließlich für Sopranlage geschrieben und somit alle auf einer Ebene.
  • Maria Theresia Paradis (17591824): Mozarts berühmte Zeitgenossin aus Wien, die als Kleinkind aufgrund eines traumatischen Erlebnisses erblindete, wurde zeitweise von Dr. Franz Anton Meßmer geheilt, gab Konzerte in Wien und gründete eine eigene Musikschule, in der sie blinde und sehende (!) Kinder gemeinsam höchst erfolgreich unterrichtete, da sie mit einem be-greifbaren Notensetzkasten arbeitete. Während ihrer drei Jahre dauernden Europatournee traf sie in Paris auf Carl Philipp Emanuel Bach (17401788), der sie aus Hochachtung vor ihrem Leben und Werk portraitieren ließ (verschollen), und auf Valentin Haüy (17451822), der die erste Blindenschule von Paris betrieb. Aufgrund von Maria Theresias Setzkasten, den sie mit dabei hatte, überarbeitete er sein Lernsystem für Blinde – ohne diesen Setzkasten wäre die heutige Blindenschrift von Louis Braille (18091852), der ein Schüler Haüys war, nicht möglich gewesen. Maria Theresias bekanntestes Werk – die Sicilienne – wurde erst in den 1960er Jahren durch die anrührende Interpretation von Jacqueline du Pré wiederentdeckt.
  • Augsburger Persönlichkeiten: Nannette Streicher geb. Stein (17691833, Klavierbauerin, Pianistin, Sängerin und Komponistin), Anna von Schaden (17631834, Pianistin, Komponistin), Susanna Jacobina Jungert (17411799, Sopranistin), Hortense de Beauharnais (u. a. Königin von Holland, auch Komponistin, 17831837), Eleonore Schikaneder (17511821) und Madame Voltolini (~1790) – innovative Schauspieldirektorinnen mit Open-Air-Theater. Ohne Nannette Streichers Flügel hätte Ludwig an Beethoven seine besten Werke für Klavier wohl nie geschrieben, wie er selbst einmal sagte. Mit ihrem Bruder Matthäus Andreas Stein und ihrem Mann Johann Andreas Streicher, der bester Freund Friedrich Schillers war, führte sie in Wien die Ideen und Geschäfte ihres für den Pianoforte-Bau bedeutenden Vaters Johann Andreas Stein fort, hatte in Wien einen eigenen Musiksalon, in dem sie u.a. auch Carl Maria von Weber förderte. Anna von Schaden war Berufsmusikerin am Hof von Oettingen-Wallerstein und eng mit Nannette Streicher befreundet. Susanna Jacobina Jungert war Künstlerische Leiterin der Augsburger "musicübenden und -liebenden Gesellschaft" und war verantwortlich für die Augsburger Erstaufführungen einiger berühmten Werke. Weitere Frauenbiografien zeigen einen dichten Teppich an Vernetzung und Musikleben in dieser bedeutenden Reichsstadt.
  • Fanny Mendelssohn Hensel (18051847): nicht "nur" die Schwester von..., sondern als eigenständige Persönlichkeit verfasste sie eine große Menge an beeindruckenden und bezaubernden Liedern, die meist von der Sehnsucht nach Freiheit singen – die sie als "Frauenzimmer" kaum genießen durfte, während ihr Bruder in ganz Europa auf Reisen ging. Gesegnet mit ebensolchem Talent und Genie musste sie erleben, wie ihr Bruder ihre Werke als die seinen ausgab. Mit der zeitgenössischen Rolle der Frau hadernd konnte sie dennoch durch familiäre Bestimmungen nicht ausbrechen und verpasste so den Anschluss an die moderne Gesellschaft, während andere Frauen aus ihrem familiären Umfeld wie Rahel Varnhagen oder Henriette Herz mit ihren literarisch-philosophischen Salons den Grundstein legten zu einer aufgeklärten Welt.
  • Annette von Droste-Hülshoff (17971848) – weltberühmte Dichterin, die das Komponieren zu Gunsten ihrer Dichtkunst aufgab. Aus einer sehr musikalischen Familie stammend bekam Annette als Teenagerin die Kompositionslehre ihres Onkels Maximilian geschenkt und brachte sich fortan das Komponieren selbst bei. Parallel zu ihren Gedichten und Erzählungen entstanden so Lieder, die dem Hausgebrauch dienten und Fragmente zu Opern, die den Geschmack der Zeit wiederspiegeln. Annette war mit Sybille Mertens-Schaaffhausen und deren Lebensgefährtin Adele Schopenhauer befreundet – und zeitweise mit Ersterer liiert. Diese bislang kaum bekannte lesbische Facette Annettes wurde von ihrer Muse Levin Schücking und der Forschung nach ihrem Tod gezielt aus ihrem Lebenslauf getilgt und ihre vielen Frauenfreundschaften und -beziehungen als nicht erwähnenswert abgeurteilt, was das Annette-Bild bis heute verfälscht und erst durch die beeindruckenden Forschungen von Angela Steidele bekannt wurde.
  • Clara Schumann (18191896): nicht "nur" die Frau von..., sondern Managerin ihres Mannes und ihres eigenen Konzertlebens, Mutter, Muse, Konzertmeisterin, Komponistin, Pianistin, Salonnière etc. pp. – von ihrem Vater Friedrich Wieck streng und unerbittlich zum "Wunderkind" gedrillt, blieb sie dieser Rolle später als "Überfrau" verhaftet und zog bis zu ihrem Tod eisern ihr Konzertprogramm durch – es war die einzige "Freiheit", die sie hatte und selbst kontrollieren konnte. Von Johannes Brahms zur "Überfrau" proklamiert, hatte er selbst für komponierende Frauen nur Verachtung übrig. Clara Schumann war die einzige Musikerin, die es schaffte, als evangelisch Getaufte am streng katholischen Hof in Wien zur k.&k.-Kammermusikerin geehrt zu werden. Ohne ihr großes Zutun hätte sich ihr Mann im teils unbarmherzigen Musik- und Verlagsleben wohl nicht behaupten können.
  • Ethel Smyth (18581944): Suffragette, Komponistin, Schriftstellerin, Lesbe – Schöpferin des legendären March of the women, die – von Clara Schumann beeindruckt – in Leipzig Komposition studierte, von Johannes Brahms und Gustav Mahler aber als 'Schrulle' abgetan wurde. Einer ihrer großen Lieben, Pauline Trevelyan, widmete Ethel Smyth ihre spektakuläre Messe in D, zu der sie in München inspiriert wurde. Mit Emmeline Pankhurst, dem Flaggschiff der ersten Frauen(wahl)rechtsbewegung, demonstrierte Ethel Smyth um 1910 für die Rechte der Frauen, wurde eingesperrt und dirigierte selbst noch im Gefängnis ihren March of the women. Nach dem Ersten Weltkrieg und einer Odyssee durch Europa und Ägypten bemerkte Ethel Smyth erste Anzeichen einer späteren nahezu völligen Ertaubung. In England lernte sie Virginia Woolf zu einer Zeit kennen (und lieben), in der sich auch die berühmte Schriftstellerin Gedanken um die Emanzipation der Frau machte. Mit ihren Opern und Kammermusikwerken und als Autobiographin setzte Ethel Smyth Marksteine. Heute gilt sie als einzige Komponistin Englands, die – trotz Anfeindungen – in einer Zeit erfolgreich war, in der Frauen in 'Männerdomänen' so gut wie noch keine Lobby hatten. Dieser Vortrag ruft die Bedeutung der "Felsensprengerin, Brückenbauerin und Wegbereiterin" (Virginia Woolf an Ethel Smyth), die Entstehungsgeschichte des March of the women und die frühe Lesben- und Frauenbewegung ins Gedächtnis. Ideal v.a. für Veranstaltungen rund um den Internationalen Weltfrauentag am 8. März! Wir singen den "March selbst"!
  • Germaine Tailleferre (18921983): eine spontane Taxibekanntschaft, mit der sie sich rasch verheiratete, schoss ihr ein Kind aus dem Bauch – ihre Erlebnisse verarbeitete sie u.a. in wundervollen Konzerten für Harfe. Obwohl in der Künstler/innen-Szene von Paris etabliert, fühlte sie sich zeitlebens oft unsicher und zweifelte an ihrem Können und Talent. Als einzige Komponistin der Groupe des Six (mit Georges Auric, Louis Durey, Arthur Honegger, Darius Milhaud und Francis Poulenc), die sich um Jean Cocteau gebildet und in Eric Satie einen musikalischen Anführer hatte. Gemeinsam wollte die Groupe des Six weg vom Ideal der Romantik und v.a. vom alles überlagernden Stil Richard Wagners. Als Wegbereiterin der gehobenen Unterhaltungsmusik war Germaine Tailleferre auch die erste Komponistin, die sich mit dem neuen Metier "Film" auseinandersetzte und dafür zahlreiche Werke verfasste. Im Alter als Musikpädagogin an Pariser Schulen arbeitend, wurde sie von vielen Kindern als "Frau aus dem Lexikon" bewundert.
  • Alma Mahler-Werfel (18791964): Femme fatale und "Witwe im Wahn" – Oliver Hilmes' gleichnamiges Buch brachte das althergebrachte Alma-Bild, das sie selbst und oft verfälschend schuf, nicht nur ins Wanken, sondern ziemlich ins Einstürzen. Durch ihren Vater Emil Jakob Schindler in eine große Künstlerszene hineinwachsend, konnte und durfte Alma ungehindert komponieren – bis es ihr späterer Mann Gustav Mahler verbot (ohne ein einziges Werk seiner Frau überhaupt gehört zu haben), weil sein Ego mit einer weiblichen Konkurrenz nicht klarkam. Sich ihren Weg suchend, versuchte Alma in dieser Gesellschaft anderweitig anerkannt zu werden – als Muse für Künstler wie Gustav Klimt, Franz Werfel oder Oskar Kokoschka, der sich als Fetisch eine lebensgroße und voll bewegliche Alma-Puppe anfertigen ließ, nur um diese im Rausch im Garten seines Hauses zu köpfen. Während der Nazi-Zeit ausgewandert, blieb diese Frau doch nahezu ungreifbar und unbegreiflich, da sie – trotz ihres Umgangs mit Juden – weiterhin stark antisemitisch dachte und dies auch aussprach. Bis zuletzt hielt sie die Rolle der Salonnière und Herrscherin über Mahlers Musik aufrecht und zeigte bis zu ihrem Tod eine Figur, die sie nie war; eine Rolle, die die Frau Alma beherrschte – und nicht umgekehrt.
  • Nadia (18871979) und Lili Boulanger (18931918): mit einem "Tatütata" von der Straße fing es an – Nadia (die ältere der beiden Schwestern) wollte wissen, warum ein "Tatütata" so klang wie es klang. Mit ihren kleinen Fingern am Klavier erschloss sich ihr so die Welt der Musik, die sie um nichts auf der Welt vernachlässigte. Im Alter von erst 16 Jahren verdiente sie ihren Lebensunterhalt als professionelle Orgelspielerin in Paris als Stellvertreterin und Nachfolgerin von Gabriel Fauré selbst. Als erste Frau am Pult bedeutender Orchester schuf sie für Frauen somit eine Lobby am Dirigierpult; als Musikpädagogin sorgte sie dafür, dass Astor Piazzolla den Tango als seine Linie und Ausdrucksmittel erkannte. Als Gründerin eines eigenen Musikinstituts in Fontainebleau setzte sie sich vor allem für eine französisch-amerikanische Freundschaft ein und führte mit ihren Ensembles erstmals Alte Musik auf. Zeit ihres Lebens setzte sie sich auch unermüdlich für das Werk ihrer früh verstorbenen Schwester Lili ein, die bereits als Achtjährige bei Gabriel Fauré Komposition studierte und 1913 erste Preisträgerin des Grand Prix de Rome als erste Frau überhaupt wurde. Von Ricordi mit einem Arbeitsvertrag bedacht, konnte sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen – über Nacht wurde Lili so zu einer weltweiten Sensation. Heute ist Lili Boulanger meistaufgeführte Komponistin und gilt als Wegbereiterin und Hauptfigur des französischen Impressionismus.
  • Vilma Weber von Webenau (18751953) – verwehte Spuren? Die Lebensspuren einer äußerst bescheidenen Frau wiederzufinden ist nicht einfach. Ab 1898 studierte Vilma von Webenau beim damals erst 26jährigen Arnold Schönberg als dessen erste Privatschülerin. Bereits ihre Großmutter Julie von Webenau (18131887) war kompositorisch tätig: Diese hatte bei Franz Xaver Wolfgang Mozart (17911844) Komposition studiert. Julies Mutter Josephine Baroni-Cavalcabò wurde dessen Geliebte und Alleinerin. Ob aus dieser Verbindung heraus Julie entstand, ist fraglich, aber möglich. Auf Schönbergs Einladung folgte ihm Vilma von Webenau um 1900 nach Berlin. Eine Zeit lang arbeitete sie in München als Musikpädagogin und folgte Schönberg nach Wien, wo sie später in drückender Armut starb. Von Schönberg als wichtigste Komponistin ihrer Zeit hochgeschätzt, ist ihr Name heute in keiner einzigen seiner zahlreichen Biografien zu finden. Puzzlestück für Puzzlestück zusammengetragen ergibt sich – vorsichtig gezeichnet – ein Bild mit Potenzial zu Großem: mehr als 100 Werke harren in Wien ihrer Entdeckung! Mit vier Werken Webenaus begann ich in Kooperation mit musica femina münchen e. V., diesen unglaublichen Schatz zu heben. Am 3. Dezember 2014 erklangen sie rund 100 bis 80 Jahre nach ihrer Entstehung als wohl deutsche Erstaufführung in einem Vortrag mit Konzert im Rahmen der großen Sonderausstellung Ab nach München! Künstlerinnen um 1900 im Münchner Stadtmuseum. Mit welch archäologischer Akribie in einem solchen Fall von teils fehlenden oder verborgen gehaltenen Grundlagen vorgegangen werden muss, zeige ich in diesem Vortrag auf.
  • Erna Woll (19172005): als fast vergessene Komponistin des Augsburger Kyrie und vielfältiger geistlicher Werke war Erna Woll, die an der Pädagogischen Hochschule Augsburg wirkte Wegbereiterin und Miterfinderin der elektronischen Musikvermittlung. Ihre Freundin Mathilde Hoechstetter, mit der sie zusammenlebte, setzte sich für das dichterische Werk Getrud von Le Forts ein, das Erna Woll vielfältig in Musik setzte. Ihr Mitwirken und Komponieren an und zu den Donaueschinger Musiktagen und den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt trug wesentlich dazu bei, dass sich ein neuer Kirchenmusikstil nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem in den 1960er Jahren etablieren konnte.

 

Kosten:

300 € pro Vortrag (ca. 90 Minuten; Anreise/Übernachtung exklusive) in kleinerem Kreis | bei größeren Veranstaltungen VB

Ideal für Kulturzentren, Firmenfeierlichkeiten, private Feste wie Geburtstage etc. – beschenken Sie einen Freund/eine Freundin oder Ihre Kundinnen und Kunden mit einem Vortrag aus meinem Repertoire | Hausvorführungen möglich – Beamer und weitere technische Gerätschaften vorhanden

Merken

Cookie-Regelung

Diese Website verwendet Cookies, zum Speichern von Informationen auf Ihrem Computer.

Stimmen Sie dem zu?