Historische Femizide aus Augsburger Zeitungen – Abbilder unserer Zeit?

„49Jähriger ersticht in Ingolstadt seine 45jährige Ex-Partnerin vor den Augen der gemeinsamen Söhne“[1] – „30jähriger Mutter vier Mal in den Kopf geschossen – Frau trennte sich kurz vor der Tat von Partner [Fall Nina H. in Augsburg]“[2] – „Frau schwebt nach Messerangriff in Stuttgart in Lebensgefahr: Täter ist mutmaßlich ihr Ehemann“[3]

Meldungen zu Morden an Frauen der jüngsten Zeit in Deutschland reißen nicht ab, wie im Fall von Nina H. in Augsburg auch noch in laufenden Prozessen, wie die Augsburger Allgemeine in Reihe berichtet.

Wir lesen von solchen Taten fast täglich, die Presse im Allgemeinen titelt oft mit „Erschütternder Fall“, sehr oft in Zusammenhang mit „Beziehungstat“ oder (schlimmer) als „Familiendrama“, noch relativ selten mit „Femizid“. Dabei erschüttern uns solche Taten in der Regel nicht mehr, weil sie zu alltäglich geworden sind. Kommentare bei Bluesky oder Instagram besonders von Frauen bestätigen diese Beobachtung:
Wir sind es gewohnt, Gewalt zu erfahren. Uns wird von klein an eingetrichtert: Geh nicht mit fremden Männern, lass dich nicht auf sie ein, geh nicht in der Dunkelheit alleine, halte dich von abgelegenen Orten fern etc. – sofern es sich um fremde Männer handelt. Wir kennen diese Sprüche alle, sie begleiten uns ein Leben lang, wir werden sie nicht mehr los. Fast möchte ich schreiben: Sie scheinen in unserer DNA verankert zu sein. Wir möchten so nicht denken, sind als Selbstschutz aber darauf angewiesen.

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Historischer Femizid in Augsburger Zeitungen

Auch zum diesjährigen #Spooktober veröffentlichte ich auf Twitter täglich einen Thread mit grauenvollen Nachrichten aus alter Zeit – nun bereits im dritten Jahr – und dieses Jahr mit Schwerpunkt auf historischem Femizid:

Dieses Jahr aus den Jahren 1876 bis 1878, gefunden in historischen Augsburger Tageszeitungen dieser Zeit, die ich im Rahmen meiner musikgeschichtlichen Forschungen bislang für die Jahre 1746 bis nun 1878 auf interessante Nachrichten aller Art abgetippt habe:

Augsburg um 1835. Stahlstich von F. Höfer © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Augsburg um 1835. Stahlstich von F. Höfer © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

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Anna Billmaier, die Schlächterin von Haidhausen | #femaleheritage

Historische Zeitungen sind nicht nur ein Quell der Freude an längst verschütt gegangenen Nachrichten zu Kunst und Kultur, sondern auch ein Hort der Dokumentation des Bösen wie im Fall der Anna Billmaier in München-Haidhausen 1848.

CN Gewaltverbrechen
Triggerwarnung!

Im Rahmen der Forschungen zu meiner musikwissenschaftlichen Dissertation anhand mehrerer historischer Augsburger Tageszeitungen der Jahre 1746 bis 1878, die national und international berichteten, kam auch eine Fülle an Gewaltverbrechen und vermeidbarer Tode hervor. Unter Ersteren auch eine Menge an – in heutigen Zeitungen gerne genannten – ‚Beziehungsdramen‘; Männer, die ihre Ehefrauen und/oder Kinder aus eigenem Lebensüberdruss umbrachten, aus Eifersucht, kleinem Ego und toxischen Männlichkeitsvorstellungen – die ganze Palette, die man noch heute in solchen Nachrichten findet. In historischen Zeitungen, die aus (pseudo)moralischen Gründen unschickliche Begriffe sonst vermieden, werden solche Morde sehr klar als solche bezeichnet. Das Wort ‚Beziehungsdrama‘ habe ich in keiner der vier von mir lückenlos untersuchten Magazine gelesen. „Anna Billmaier, die Schlächterin von Haidhausen | #femaleheritage“ weiterlesen