Schrödingers Chopin: Warum Chopin in Augsburg war und doch nicht

Um mich bei der gewaltigen Hitze zu zerstreuen, die in meinem Dachkabuff für über 36°C auch dank fehlender Wanddämmung gesorgt hat (nota bene: 2016 war nicht einmal das Dach isoliert), kam mir in meiner zufälligen YouTube-Wiedergabe die wundervolle Chopin-Nocturne op. 27 Nr. 2 – interpretiert von der ebenso wundervollen Maria João Pires – unter und damit eine Idee: War Chopin eigentlich je in Augsburg? Zum Hitzesudern und Nachdenken – Schrödingers Katze war mit am Werk – und Schreiben dieses Texts lief sein Werk jedenfalls in Dauerschleife. Hört es euch beim Lesen des Nachfolgenden ebenfalls gerne an:


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Dass Chopin nicht der ‚Erfinder‘ der polnischen Musik-Romantik ist, weiß man seit etlichen Jahren: Es war die in St. Petersburg an der Cholera gestorbene Pianistin und Komponistin Maria Szymanowska (1789–1831) als eine Wegbereiterin. Um sie soll es heute aber nicht gehen, doch dieser Umstand mit der Cholera 1831 ist hier von hoher Bedeutung.

Flucht aus der Heimat

Frédéric Chopin flüchtete am 2. November 1830 aus seiner Heimat Polen. Einerseits aus beruflichen Gründen, weil er in Warschau für seine zwar höchst erfolgreich aufgeführte Musik keine Zukunft sah – das Non-Plus-Ultra waren Paris und St. Petersburg –, und andererseits, weil die politischen Verhältnisse in Polen freiheitsmäßig so aussichtslos waren, dass sich St. Petersburg als Ort des Aufschwungs ohnehin ausschloss: der sog. Novemberaufstand bzw. Polnisch-Russische Krieg, der am 29. November 1830 begann, brachte für Polen die komplette Abhängigkeit von Russland samt Umerziehung und Russifizierung mit Aufhebung der polnischen Verfassung, Aufhebung der Presse- und persönlichen Freiheit – was auch der Ukraine heutzutage im Fall einer Kriegsniederlage und jedem anderen angegriffenen und überrannten Land drohen würde. Auch noch in den 1860er Jahren wurden katholische Bischöfe von den Russen verschleppt und ermordet, wurde die polnische Sprache als Amtssprache auch in Schulen verboten, Pogrome gegen Juden nahmen stark zu. Abertausende Polen flohen daher in den Westen, wo man sie aufnahm und ihnen in der Regel half, wo es nur ging, und dadurch eine Art Polen-Manie ausbrach, die zu Chopins Karriere bedeutend beitrug.

Zu seiner Biografie möchte ich hier nicht näher eingehen, sondern mich auf die Zeit um 1830/31/32 konzentrieren.

Was nicht in der Wikipedia steht

Auch ich schaue ziemlich als erstes in die Wikipedia, um mich zu einem Thema näher zu informieren (um von da dann weiterzuschauen): Zwar wird in seinem Artikel von seiner Europareise 1830/31 berichtet, erstaunlicherweise ohne jedoch nur ein einziges Mal die Cholera zu erwähnen, die damals in fast ganz Europa verheerend wirkte und ausufernd vielen Menschen das Leben kostete. Fanny Hensel hat sie in Berlin überlebt und schrieb als Dankeschön und zum Gedenken an daran verlorene Menschen ihre so berührende Cholera-Kantate. Deshalb ist es auch ein Wunder, dass Chopin bei seiner Reise übers Land und von Stadt zu Stadt nicht auch draufgegangen ist, besonders bei seiner fragilen eigenen Gesundheit durch wahrscheinlich langjährige und damals sehr verbreitet gewesene Lungentuberkulose, an der auch schon seine jüngste Schwester Emilia im Teenie-Alter starb.

Jedenfalls geht es in neutralem Plauderton in Chopins Wikipedia-Artikel weiter, dass Chopin über Breslau und Dresden zunächst nach Wien reiste und von dort – er verließ Wien am 20. Juli 1831 – über Salzburg und München (Konzert am 28. August 1831) nach Stuttgart (Anfang September).

Diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Was dazwischen lag, wird nicht erwähnt, und genau dort komme ich mit meiner Zeitungsforschung ins Spiel. Zu Chopin in Augsburg und Ulm wurde nämlich noch nie geschrieben. War er also nie dort? Oder doch? Ich drösele euch die Reiseverhältnisse dazu auf.

Intelligenz=Zettel-Titel um 1800 © gemeinfrei
Intelligenz=Zettel-Titel um 1800 © gemeinfrei

Am 29. August 1831 erfolgte im Augsburgischen Intelligenzblatt (zeitweise auch Intelligenz-Zettel) folgende Bekanntmachung (hätte es damals schon eine Corona-Warn-App gegeben mit Einspeicherung der Impfnachweise: Die Leute wären wohl dankbar dafür gewesen):

„Im Namen Sr. Majestät des Königs. Den sämtlichen Behörden wird nachstehend ein Abdruck der unterm 16ten dieses Monats von Seite des k. k. österreichischen Guberniums in Tyrol erlassenen Kundmachung in Betreff der daselbst angeordneten Vorsichts=Maaßregeln gegen das Eindringen die Cholera morbus mitgetheilt, um nicht nur das Publikum, insbesondere aber den Handelsstand davon geeignet zu verständigen, sondern auch um Jenen, welche Behufs der Durchreise nach Tyrol über die bayerischen Gränzen hereinpassiren wollen, nur dann den Eintritt zu gestatten, wenn sie sich mit den nöthigen, alle Formalitäten genau erfüllenden Ausweisen versehen haben. Augsburg am 24. August 1831.“
Des Weiteren folgen ausführlichste Tipps zu solchen Vorsichtsmaßregeln:
„1.) Menschen und Thieren, sie mögen wo immer herkommen, wird der Eintritt in die Provinz Tyrol und Vorarlberg nur gegen legalen Gesundheits=Paß, die Einfuhr der Waaren aber nur gegen legalen Reinheits=Paß bis auf weitere Bestimmung gestattet.
2.) Diese Gesundheits= und Reinheits=Pässe müssen nebst der Unterschrift des ausfertigenden Amtes, und eines angestellten Arztes auch mit deren Amts=Siegel versehen seyn.
3.) Menschen, Thiere und Waaren, welche aus den mit der Cholera angesteckten, oder derselben verdächtigen Orten und Gegenden kommen, müssen sich überdies über die bestandene Kontumaz [Quarantäne] und Reinigung legal ausweisen [die Pässe mussten zuvor ebenso vom Amt validiert werden]. […]
6.) Da es dem ungeachtet gelingen kann, daß sich Menschen auf heimlichen Wegen einschleichen, so wird ferner die genaueste Handhabung dieser Verordnung nicht nur allen Land=Gerichten und Magistraten eingeschärft, sondern es wird nebstdem auch den Gemeinde=Vorstehern, und in abgelegenen Weilern und Häusern allen Bewohnern überhaupt zur strengsten Pflicht gemacht, alle fremden Personen […] sogleich anzuhalten, und nach Umständen entweder über die Gränze zurückweisen, oder aber zur weitern Untersuchung an die nächste politische Obrigkeit unter der nöthigen Vorsicht zu begleiten. Vorzüglich sind in dieser Beziehung herumirrende Personen, Hausierer, Karrenzieher, Bettler etc. genau zu beobachten, und mit aller Strenge nach Maaßgabe der gegenwärtigen Verordnung zu behandeln. Innsbruck am 16. August 1831.“[1]

Mehr oder weniger gewappnet

In Augsburg herrschte noch keine Panik, denn die Cholera war noch nicht angekommen. Aber man war äußerst wachsam, denn bereits Ende Juli 1831 hatte sich in Augsburg eine Cholera-morbus-Commission in der Residenz gegründet, die „fest entschlossen [ist], die Brechruhr weder in die Stadt noch in den Kreis zu lassen. Im ganzen Kreise werden alle Judenquartiere beschrieben, in denselben fleißig visitirt, ob keine heimlichen Juden sich dort aufhalten, und alles Sachdienliche vorgekehrt, um von dieser Seite eine Importation des Uebels zu verhüten.“[2]

Karikatur eines Mannes, der sich vor der Cholera schützen will © Wellcome Collection, Attribution (CC BY 4.0)
Karikatur eines Mannes, der sich vor der Cholera schützen will © Wellcome Collection, Attribution (CC BY 4.0)

Die alte Mär von den Juden als ‚Brunnenvergifter‘ war unterschwellig immer vorhanden und nun wieder emporgeschürt. Das Augsburger Tagblatt hielt sich weiter aber tapfer gegen den Antisemitismus in der Stadt und schrieb: „Wir sind überzeugt, daß kein Vernünftiger einer solchen durchaus unterwiesenen Sage Glauben schenken wird; wir erlauben uns aber die dringende Bitte an sämmtliche Behörden, die größtmögliche Sorge zu tragen, daß solche Nachrichten nicht unter dem Volke ausgestreut werden können, ja den Verbreitern sogar nachzuforschen und sie zu bestrafen. Die Sicherheit und die Ruhe des Landes erheischen dringend diese Vorsorge, da wir ja wissen, daß sogar Unruhen auf dem Grund dieser Ausstreuungen entstanden sind.“[3]

Im Juni hatte die Cholera Preußen erreicht. Chopin reiste dort hindurch, als die Hölle dort noch nicht los war. Im April 1831 wurden in Moskau und Warschau die Theater geschlossen, sodass auch Schauspieler:innen des deutschen Theaters in Moskau arbeitslos wurden.[4] Für Chopin deshalb ein weiterer Grund, die Oststaaten zu meiden.

Pfuideibel

Die hygienischen Bedingungen in Augsburg (und anderswo) waren so verheerend, dass im Tagblatt Folgendes berichtet wurde:

„Lassen wir also unsere Post bei dem alten Thore [hier ist das heute noch existierende Rote Tor gemeint] hereinfahren, und sind wir zufrieden, daß sie nicht hinter der Stadtmauer hereinfährt, denn da könnte sie leicht umwerfen, und die Passagiere mit buchstäblicher Wahrheit in Schlamm und Morast legen. Da ist die mephistische Luft zu Hause, da muß die Cholera zuerst ausbrechen, wenn sie zu uns kömmt.“[5]

Man kam dann auf die Idee, ankommende Briefe an den Stadttoren abzufangen, sie zu durchstechen und über Feuer zu räuchern, um sie zu desinfizieren. Bis dahin war noch das Tabakrauchen auf offener Straße verboten. Weil man von der Wirksamkeit der Räucherung aber überzeugt war, führte genau das dafür, dass 1832 das öffentliche Rauchverbot in Augsburg aufgehoben wurde, denn was konnte besser sein, als mit Tabakrauch direkt vor dem Gesicht sich selbst und die einzuatmende Luft damit zu ‚desinfizieren‘?

Im Januar 1832 tauchten im Tagblatt erstmals konkrete Zahlen zu den Cholera-Toten in Wien, Ungarn, Galizien, Böhmen und Mähren auf. In Halle/Saale wurde die ganze Stadt durch die hereingebrochene Cholera buchstäblich gelähmt. In Wien waren bis zum 9. Februar 1832, „im Ganzen erkrankt 4125, genesen 2150, gestorben 1972, in ärztlicher Behandlung geblieben 3.“[6] Wie sich Augsburg gerade so vor dieser grässlichen Welle retten konnte, könnt ihr ausführlich en détail hier bei mir nachlesen – zurück bis zu den ersten Angesteckten, die rigoros in ihrem eigenen Haus eingesperrt wurden.

1-2-3 im Sauseschritt…

Chopin war also der Cholera buchstäblich davongefahren – per Kutsche, denn Eisenbahnbetriebe gab es in Deutschland erst ab 1835. In musikalischem Sinne als sog. Dux (Führer) einer Fuga – die Cholera als Comes (Gefährte) hinterdrein. Zurück zur Ausgangsfrage: War er nun in Augsburg oder nicht? Nun, wo keine Belege, da auch kein Dortsein, oder? So einfach ist es nicht, denn wir wissen noch viel zu wenig oder sind solche Informationen durch unglückliche Umstände verloren gegangen. In einem 2027 erscheinenden Aufsatz im kommenden Maria-Theresia-Paradis-Lesebuch (Böhlau, Hg. Irene Suchy) erläuterte ich die Reisesituation für 1783:

Maximilianstraße Augsburg. I. Owen nach Robert Batty, ca. 1835 © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Maximilianstraße Augsburg. I. Owen nach Robert Batty, ca. 1835 © wikimedia.commons (gemeinfrei)

In dieser Zeit gab es nämlich noch die Sparte der Ankommenden Reisenden und Herrschaften im Augsburger Intelligenzblatt, wodurch Maria Theresia Paradis für einen einzigen tatsächlichen Aufenthalt im Dezember 1783 dort belegbar ist (ein zweiter Aufenthalt im Spätsommer dieses Jahres ist nun definitiv ausschließbar). Diese Sparte gab es so teilweise auch im Augsburger Tagblatt, aber nicht (mehr) für das Jahr 1831. Diese zuvor in mehreren Jahren regelmäßig hintereinander veröffentlichten Sparten waren interessen- oder platzabhängig: Je nach Verleger flog diese Sparte raus oder wurde wieder reingesetzt. Kriegs- oder Seuchenmeldungen verdrängten solche Reisendenmeldungen in der Regel, weil Erstere für die Bevölkerung wichtiger waren. Letzteres war für dieses Jahr der Fall.

Aufschlüsselung

Daher folgende drei Punkte, die einen Aufenthalt Chopins in Augsburg zwar nicht direkt belegen, aber dass er dort gewesen sein muss:

I.
In den letzten Jahren habe ich alle greifbaren Augsburger Zeitungen (derzeit neun) der Zeit zwischen 1746 und 1885 nicht nur auf Musiknachrichten abgegrast (darüber hinaus sind sie noch nicht digitalisiert), denn erst im Verbund auch mit Wetter- und Seuchenmeldungen ersieht man die Lücken, die sich auch für reisende Musiker:innen auftun. Kein Chopin weit und breit darin. Denn: Es gibt auch Lücken in den Jahrgängen dieser Zeitungen, obwohl Augsburg als quasi deutsche Hauptstadt der Presseerzeugnisse wahrlich genug davon hatte. Nichts zu Reisenden für das Jahr 1831 im Intelligenzblatt/-zettel. Die Ordinari und die Ordinäre Postzeitung druckten keine Reisenden ab. Für dieses Jahr blieb nur noch die Neue Augsburger Zeitung, in der sich auch ankommende Reisende befinden, aber: Es gab dieses Blatt nur für einen extrem kurzen Zeitraum, der ausgerechnet mit Ende Juni 1831 endet. Somit keine Chopin-Meldung vorhanden. Wäre diese Zeitung krankheitsbedingt nicht eingestellt worden, hätten wir Chopin ganz sicher darin gefunden.

II.
Chopin reiste – wie oben angegeben – relativ schnell, da sein Ziel ja Paris war und er sich nicht auf offizieller Tournee befand mit entsprechend dafür anberaumter Zeit in den angepeilten Städten und im Vergleich mit Maria Theresia Paradis‘ Reise. Die Route Salzburg–München–Augsburg–Ulm–Stuttgart war damals bis heute die schnellste Direktverbindung. Und es war die einzige mit der Postkutsche durchgängig (!) fahrbare Strecke. Die Ausweiche über Ingolstadt und Ansbach wäre ein viel zu großer und auch unlogischer Umweg gewesen. In diesem Fall wäre Augsburg nicht angefahren worden, weil dann Augsburg für diese Station wiederum einen Umweg darstellt. Deshalb spricht die Auswertung der bekannten Postkutschenwege nur für den Weg über Augsburg und Ulm.[7] Die Ulmer Zeitungen sind für Reise- und Musikforschung bis heute völlig vernachlässigt und noch immer nicht digitalisiert. Tragischerweise auch der Augsburger Intelligenzzettel nicht, der besonders für das 18. und frühe 19. Jahrhundert wertvollste und einzig erhaltene Informationen dazu birgt. Aber dafür habt ihr ja mich.

III.
Als Übernachtungsort diente meinen Forschungen am Wahrscheinlichsten die Goldene Traube. Von München bis Ulm oder Stuttgart ohne Halt oder Aufenthalt zu fahren, war nicht üblich und auch an einem Tag nicht zu schaffen. Die Goldene Traube war der Hauptübernachtungs- und -konzertort für einheimische wie durch Augsburg reisende Musiker:innen, weil sie einen expliziten Konzertsaal aufwies, der bei Übernachtung auch ohne weitere Wege durch die Stadt bespielt werden konnte, sofern man sich rechtzeitig polizeilich dafür anmeldete. Das wesentlich teurere Hotel Drei Mohren (heute Maximilian’s) kam für Chopins finanzielle Verhältnisse dieser Zeit eher nicht in Frage. Es verfügte zwar ebenfalls über einen Saal, der aber ‚nur‘ rund 300 Personen umfassen konnte.

Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka
Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka

Der große Saal der Goldenen Traube war tatsächlich speziell für Konzertaufführungen um 1770 gebaut worden, verfügte seitwärts über einen kleinen Saal, einen anliegenden Rotunda-Saal, und wenn man dann noch den Speisesaal zusätzlich öffnete, war darin Platz für sage und schreibe 2.200 Menschen – heute unvorstellbare Dimensionen dort, die sich bis nach hinten zum Zeugplatz erstreckten, aber alles über Zeitungen und weitere meiner Dokumentenfunde nachweisbar und notariell damals bereits beglaubigt – bis zum Bau des Münchner Odeons der wohl größte offizielle Konzertsaal der damaligen Welt. Darin spielten auch Clara Schumann und Franz Liszt, wozu ihr hier mit weiteren Belegen nachlesen könnt.

Wenn ein Chopin auch in Augsburg ein Konzert gegeben hat, dann dort. Allerdings existieren in den Augsburger Zeitungen zu einem möglichen Konzert weder entsprechende Ankündigungen noch Rezensionen. Sollte er privat aufgetreten sein, wurde dies in den Zeitungen in der Regel nicht erwähnt. Also auch hierfür kein Chopin zu finden. Chopin hätte zudem entsprechende Empfehlungen mitbringen müssen, das Konzert hätte vorbereitet werden müssen durch Saalreservierung (Musiker:innen hatten die Säle selbst anzumieten), polizeiliche Benachrichtigung im Voraus, und im Nachgang mussten von den Einnahmen 10 % in die städtische Armenkasse eingezahlt werden. Chopin hätte also jemanden vor Ort gebraucht, der oder die wissend war und entsprechend managen konnte. Spontan aufzutreten, war nicht möglich, da die Veranstaltungen in Augsburg so gemanagt wurden, dass sich bis ins späte 19. Jahrhundert so gut wie keine Veranstaltung mit einer anderen überschnitt. Falls doch, gab es empörte Leserbriefe und man gelobte Besserung.

Aus diesem Grund war im Augsburger Theater in der Regel mittwochs und samstags spielfrei – weil diese Tage für Konzerte reserviert waren. Auch dies konnte ich aus den Augsburger Zeitungen dank meiner angefertigten Liste mit rund 11.500 Einzelaufführungen im Theater am Lauterlech und im heutigen Staatstheater nachweisen, wozu ihr hier bei mir ausführlich belegt und mit Statistiken versehen nachlesen könnt. Wer nur schnell auf Durchreise ist, plant all dies nicht. Anders Clara Schumann, die ihre besten Freundinnen Emilie und Elise List und ihre Schülerin Käthchen Then in Augsburg vor Ort hatte, die ihre Konzerte dort organisierten, wozu ihr hier bei mir ebenfalls nachlesen könnt. Wenn Chopin also nicht dringend – wie Clara Schumann als eben erst zur Witwe gewordene Ehefrau – Geld brauchte, hat er in Augsburg nicht konzertiert, zumal das Honorar für seinen Auftritt in München gegebenenfalls gereicht haben dürfte, um in Augsburg nicht auch gleich wieder spielen zu müssen.

Clara Schumann 1857, fotografiert in München von Franz Hanfstaengl © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Clara Schumann 1857, fotografiert in München von Franz Hanfstaengl © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Wer allerdings nicht vorhatte, in Augsburg aufzutreten, übernachtete eher im Weißen Lamm. Dort nächtigte zwar Wolfgang Amadé Mozart am 22. Oktober 1777; sein Konzert im heute nicht mehr existenten privaten Fuggersaal kam über eine private (!) Einladung dorthin zustande, während der Saal der Goldenen Traube ein öffentlicher Konzertort war. Mozart konnte sich den Aufenthalt im Weißen Lamm eigentlich nicht leisten und ging mit Schulden von dannen.[8] Wer im Weißen Lamm übernachtete, spielte in der Regel in keinem öffentlichen (!) Konzert, auch keine Maria Theresia Paradis, die 1783 ebenfalls im Weißen Lamm übernachtete und ebenfalls privat auftrat – ihr Konzertort ist heute nicht mehr bekannt.[9] Beethoven übernachtete ebenfalls im Weißen Lamm, war damals aber weder eine reisende Sensation noch irgendwie bekannt. Dass das Ehepaar von Schaden ihm eine Auftrittsmöglichkeit organisierte (in der Barfüßerkirche), war also ebenfalls privat aufgezogen.[10]

Fazit

Somit haben wir zwar noch immer eine Lücke zwischen München und Stuttgart – diese Lücke aber nun voll an neuen Überlegungen und Gedanken und dem Fazit, dass Chopin den Weg über Augsburg und Ulm genommen haben muss. Durch Auswertung aller vorhandener Informationen, Querverbindungsüberlegungen und Einkreisen bzw. Ausschluss anderer Möglichkeiten bleibt nur dieser Schluss.

Schrödingers Chopin, der dort war und doch nicht. Mehr ist nicht zu sagen.

Bild zeigt die letzte Fotografie eines leidenden Chopins, der auf einem Stuhl sitzt; hier als Collage von mir mit leicht angepasstem Hintergrund und eine Katze neben ihn gepflanzt
Chopin mit (Schrödingers) Katze, Canva-Collage © Susanne Wosnitzka

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Einzelnachweise
[1] Augsburgisches Intelligenzblatt, Nr. 36, 29. August 1831, S. 76f.
[2] Augsburger Tagblatt, Nr. 207, 30. Juli 1831, S. 899.
[3] Ebda.
[4] Ebda., Nr. 27, 27. Januar 1831, S. 107.
[5] Ebda., Nr. 219, 12. August 1831, S. 947.
[6] Ebda., Nr. 47, 16. Februar 1832, S. 191.
[7] Vgl. Alois von Coulon: Post-Karte von Baiern. München 1810, in: https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-HSS-00000BSB00010994?cq=&lang=de, zuletzt abgerufen am 28. Juni 2026.
[8] Vgl. Sylvia Schreiber: Wolfgang Amadeus Mozart gibt in Augsburg ein Konzert. Was heute geschah – 22. Oktober 1777, in: BR Klassik, Artikel vom 22. Oktober 2020: https://www.br-klassik.de/themen/klassik-entdecken/was-heute-geschah-22101777-mozart-gibt-konzert-in-augsburg-100.html, zuletzt abgerufen am 28. Juni 2026.
[9] Vgl. Marion Fürst: Maria Theresia Paradis. Mozarts berühmte Zeitgenossin, in: Annette Kreutziger-Herr/Melanie Unseld (Hg.): Europäische Komponistinnen, Bd. 4, Köln–Weimar–Wien (Böhlau) 2005, S. 88, zit. nach Ullrich, Hermann: Maria Theresia Paradis‘ große Kunstreise. Durch den Elsaß und die Schweiz nach Paris, in: Österreichische Musikzeitschrift 18 (1963), S. 482. Ullrich gibt dort an, diese Angabe stamme aus einer Abhandlung von Walter Pillich zu Paradis‘ Konzertreisen. Der Legationssekretär der österreichischen Gesandtschaft bei der freien Reichsstadt Augsburg, Ignaz von Büttner, schreibt, es habe ein öffentliches Konzert am 27. Dezember 1783 in Augsburg gegeben. Meinen Recherchen nach war es aber kein öffentliches.
[10] Vgl. Günther Grünsteudel: Beethoven, in: Augsburger Stadtlexikon, Artikel vom 8. September 2009, zuletzt abgerufen am 28. Juni 2026.

Antonia Bembo „L’Ercole amante“ | UA 25./26. Mai 2023 Stuttgart

Donnerstag 25. Mai 2023, 18:30 Uhr, Württembergische Landesbibliothek Stuttgart: Einführungsvortrag zur UA von Antonia Bembos (um 1640 bis um 1720) Oper L’Ercole amante (1707) mit Susanne Wosnitzka M. A. und Prof. Dr. Silke Leopold (Moderation: Dr. Ute Becker), Eintritt frei
Freitag 26. Mai 2023, 19 Uhr, Liederhalle Stuttgart, Mozartsaal
Uraufführung von L’Ercole amante

Eine Veranstaltung der Stuttgarter Reihe von Il Gusto Barocco mit Yannick Debus als Ercole | Guillem Borràs, Dramaturgie | Il Gusto Barocco, Barockorchester | Jörg Halubek, Musikalische Leitung

„Was haben wir all die Jahre verpasst? Wir möchten mehr davon!“, schrieb 1960 der Musikkritiker Marc Blitzstein begeistert und gleichzeitig entsetzt, als er zum ersten Mal Werke der früh verstorbenen Komponistin Lili Boulanger (1893–1918) auf Schallplatte hörte, herausgegeben von ihrer berühmten großen Schwester Nadia. Werke von Frauen galten lange Zeit als ‚minderwertig‘, weil man Frauen gemäß ihres ’schwachen‘ Geschlechts und damit zugeschriebenen Eigenschaften für nicht genug schöpferisch-genial hielt. Frauen sollten nur reproduzieren, Kinder bekommen und einen Haushalt schmeißen können – nicht aber selbst und eigenständig etwas produzieren und sich schon gar nicht damit auftretend in der Öffentlichkeit zeigen, der ‚Schicklichkeit‘ wegen. Dennoch ließen sich viele Frauen nicht davon abhalten – weil sie privilegiert oder eigenständig oder bedeutend genug waren, dass man ihre Werke aufhob oder doch herausgab. Viele hatten keine Chance, Vieles ging verloren, Vieles wurde erst in den letzten 50 Jahren durch die hartnäckig-tapferen Bemühungen vor allem der Frauenmusikbewegung wieder sicht- und hörbar gemacht. Woran liegt es also noch immer, dass der Anteil an Werken von Frauen in den rund 130 deutschen Profi-Orchestern noch immer beschämend bei unter 2 % liegt? Dazu wird Musikwissenschaftlerin Susanne Wosnitzka erzählen und zum vertiefenden Vortrag zu Antonia Bembo von Silke Leopold überleiten.

Alle Infos zu dieser Veranstaltung entnehmen Sie bitte der Veranstaltungswebseite: https://www.ilgustobarocco.de/stuttgarterreihe23/

Zum Aufwärmen und Vorglühen für diese Veranstaltung eine Sendung des SWR zu Komponistinnen des Barock, darunter auch Antonia Bembo: https://www.swr.de/swr2/musik-klassik/sie-uebertraf-wirklich-noch-die-erwartung-swr2-alte-musik-2023-03-05-100.html

Raphaela Gromes: Clara Schumann & mehr | 25. März 2023 Augsburg

Titelbild Veranstaltung MAN-Museum © Staatstheater Augsburg
Titelbild Veranstaltung MAN-Museum © Staatstheater Augsburg

Samstag, 25. März 2023, 19:30 Uhr, MAN-Museum Augsburg, Heinrich-von-Buz-Straße 28, 86153 Augsburg
Einführungsvortrag 18:30 Uhr

Im ersten Kammerkonzert von Raphaela Gromes als Artist in Residence des Staatstheaters Augsburg stehen die Komponistinnen Clara Schumann, Pauline Viardot-García und Luise Adolpha le Beau im Fokus. Die Duo- und Triokompositionen der herausragenden Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts wird Raphaela Gromes gemeinsam mit ihrem langjährigen Klavierpartner Julian Riem und dem Violinisten Daniel Dodds präsentieren.

Vortrag zum Konzert: »Null Bock auf München« – Augsburg im Fokus!
Susanne Wosnitzka hat sich intensiv mit der Augsburger Musikgeschichte und Komponistinnen beschäftigt und kann erstmals Clara Schumann und Luise Adolpha le Beau in Augsburg nachweisen. Die Musikwissenschaftlerin bringt alle drei Komponistinnen in einen engen Zusammenhang und gibt weitere unbekannte Einblicke ins Augsburger Musikkulturleben des 19. Jahrhunderts.

Alle Infos dazu sowie einen Link zu den Tickets finden Sie auf der Webseite des Staatstheaters Augsburg: https://staatstheater-augsburg.de/romanzen_mehr

Die Zukunft des Konzerts: Wem gehört die Bühne? | Berlin

Di, 29. Nov. 2022, 14 // SiLENT GREEN, KUPPELHALLE, BERLIN
WEM GEHÖRT DIE BÜHNE?
14–18 Uhr Diskurs mit anschließendem Imbiss | Ab 19 Uhr Konzert

Zum Abschluss des mehrjährigen Kooperationsprojekts von PODIUM Esslingen mit der Kölner Philharmonie und dem Muziekgebouw Eindhoven zum Thema Die Zukunft des Konzerts stellen sich junge Musiker*innen und Expert*innen die Frage: „Wem gehört die Bühne?“. Der diskursive Block am Nachmittag will bewusst verschiedene Perspektiven auf das höchst aktuelle Thema Wem gehört die Bühne? zeigen und zugleich Raum für Erfahrungsaustausch bieten.

Nach der Diskursveranstaltung lädt PODIUM Esslingen zu einem kammermusikalischen Abend ein, bei dem der 29-jährige Künstlerische Leiter Joosten Ellée dem Publikum nicht nur die Musik nahebringen möchte, die ihm und seiner Generation von kreativen Festivalmacher*innen am Herzen liegt, sondern auch welche Aspekte ihm bei der Konzertgestaltung wichtig sind.

Programm
14 Uhr Symposium (incl. Kaffeepause)
Panel I: „Was wird gespielt?“
Impulsgeberin und Podiumsteilnehmerin: Susanne Wosnitzka
Podiumsgäste u. a. Steven Walter (Intendant Beethovenfest, ehem. Künstlerischer Leiter PODIUM Esslingen
18 Uhr Informeller Austausch mit Imbiss
19 Uhr Konzert mit Musiker*innen von PODIUM Esslingen und mit Werken u. a. von Julius Eastman
20 Uhr Ausklang

Eine Veranstaltung von PODIUM Esslingen | Philharmonie Köln | Muziekgebouw Eindhoven.

Das Projekt wird gefördert im Fonds Doppelpass von der Kulturstiftung des Bundes

Anmeldung erbeten an: anmeldung[at]podium-esslingen.de | Alle Infos dazu finden Sie auch unter diesem Link: https://www.silent-green.net/programm/einzelansicht/cal/event/detail/2022/11/29/wem-gehoert-die-buehne/

Orgelmusik auch mit Komponistinnen | Augsburg

Festkonzert Orgelmusik in Zeiten von Corona | Sonntag 18. September 2022 | 15:00 Uhr Augsburger Dom | 19:00 Uhr St. Anna | Eintritt frei

Ein Projekt, bei dem ich nicht involviert bin, aber hingehen werde: Der Deutsche Musikrat führt gemeinsam mit der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland das Projekt Orgelmusik in Zeiten von Corona durch. Das Projekt bildet einen Beitrag zum Jahr der Orgel, das die Landesmusikräte für 2021 ausgerufen hatten:

„Im Rahmen des Projekts entstanden 17 Kompositionen für Orgel, die die Corona-Zeit künstlerisch reflektieren. Nach den Zeiten der Lockdowns, in denen die Live-Musik fast vollständig zum Schweigen verpflichtet war, fördert das Projekt Orgelmusik in Zeiten von Corona aktiv das Wiederaufblühen des Musiklebens in Kirchen und Konzerthäusern. Bestandteil des Projekts sind zahlreiche Veranstaltungen wie Konzerte und musikalisch umrahmte Gottesdienste und Andachten im Projektzeitraum ab September 2021 bis November 2022, bei denen Kompositionen aus dem Kompendium Orgelmusik in Zeiten von Corona vorgetragen werden.

Zudem kommt es am Sonntag, 18. September 2022 in Augsburg zur Gesamt(ur-)aufführung sämtlicher Orgel-Neukompositionen, die im Rahmen des Projekts entstanden sind. Interpretiert werden die Werke von ausgewählten jungen Organistinnen und Organisten aus ganz Deutschland.“

Darunter Werke der Komponistinnen Dorothea Hofmann, Kathrin A. Denner, Barbara Dennerlein, Dorothée Hahne, Nicole Johänntgen, Anna Korsun und Iris Rieg (hier finden Sie alle Kompositionen).

Der Dom ist auch mit meinen Forschungen verknüpft. So konnte ich durch die Suche in historischen Augsburger Tageszeitungen Leben und Werk vieler Domkapellmeister wie zum Beispiel Franz Bühler mit neuen Funden ergänzen (dessen Nachlass, seinen Niedergang und finanziellen Ruin durch die Säkularisation um 1806, sein Job als Bediener einer riesigen ‚Kriegsorgel‘) und anderer Meiser, die durchaus auch weltliche und halbsäkulare Konzerte in Augsburger Gaststätten wie der Goldenen Traube gaben.

Ethel-Smyth-Symposium Podiumsgespräch | Berlin

Ethel Smyth um 1880 © gemeinfrei
Ethel Smyth um 1880 © gemeinfrei

»I have fought the good fight for English art abroad«
Die Opernkomponistin Ethel Smyth zwischen Deutschland und England
Symposium am So 25. September 2022 | Curt-Sachs-Saal – Staatliches Institut für Musikforschung | Ben-Gurion-Straße | 10785 Berlin
Anmeldung zur Veranstaltung zwingend nötig unter: https://www.dso-berlin.de/de/mitmachen/fuer-alle/veranstaltungsanmeldung

Sie nahm kurzerhand die Orchesternoten ihrer Oper ›The Wreckers‹ wieder an sich und verhinderte so weitere Aufführungen nach der Premiere am Leipziger Neuen Theater, da ihr die Kürzungen des Dirigenten Richard Hagel nicht passten. Bei Gustav Mahler, dem damaligen Musikdirektor der Wiener Hofoper, klopfte sie beherzt an die Tür, um ihm ihre neueste Oper in Komponistinnenmanier am Klavier mit vollem Körpereinsatz zu präsentieren und begeisterte letztendlich seinen Kapellmeister Bruno Walter, der ausrief, sie sei ja »ein echter Komponist«. Bei dem britischen Dirigenten Thomas Beecham setzte sie durch, als sogenannter Composer-conductor selbst die Uraufführung ihrer vierten Oper zu dirigieren – die Rede ist von der englischen Opernkomponistin Ethel Smyth.

Am Sonntag, den 25. September 2022, widmet das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin einen Tag dieser spannenden Komponistin, Dirigentin, Autorin, Suffragette und musik- und gesellschaftspolitisch engagierten Persönlichkeit. In vier musikwissenschaftlichen Vorträgen soll in einem Ethel Smyth gewidmeten Symposium, zunächst ausgehend vom Geschlechterdiskurs um 1900 in Bezug auf Komponistinnen, die vielfältige Persönlichkeit, ihr künstlerisches Schaffen und sonstiges Wirken beleuchtet werden. Um auf die → Aufführung der französischen Originalfassung ihrer dritten Oper ›The Wreckers‹ (Les Naufrageurs) durch das DSO unter der Leitung seines Chefdirigenten Robin Ticciati und der Mitwirkung eines hochkarätigen Solist:innen-Ensembles am Abend in der Philharmonie einzustimmen, wird im zweiten Teil des Symposiums auf ihr Œuvre und im Speziellen auf die Oper näher eingegangen werden.

Als Referentinnen konnten ausgewiesene Smyth-Expertinnen der musikwissenschaftlichen Genderforschung gewonnen werden. Abrunden wird das Symposium eine Podiumsdiskussion zum Thema ›Komponistinnen auf dem Vormarsch: Umgang mit der vielfältigen historischen Persönlichkeit Ethel Smyth und ihrer Musik heute‹, in der die Verzahnung von musikwissenschaftlicher Forschung und Musikpraxis ebenso zur Sprache kommen wird wie die Vermittlung des Wissens über Komponistinnen an die breite Öffentlichkeit.

Moderation: Dr. Marleen Hoffmann (Berlin)

Programm

14 Uhr Begrüßung Dr. Rebecca Wolf, Benjamin Dries, Dr. Marleen Hoffmann
14.05 Uhr Vortrag 1 Prof. Dr. Rebecca Grotjahn (Detmold / Paderborn)
»Sie ist die Saite, auf der er spielt.«
Komponistinnen im Geschlechterdiskurs um 1900
14.35 Uhr Vortrag 2 Dr. Marleen Hoffmann (Berlin)
»Work is the only safe source of happiness.«
Die Opernkomponistin Ethel Smyth: Leben, Œuvre und Selbstbild
15.05 Uhr Pause
15.20 Uhr Vortrag 3 Prof. Dr. Cornelia Bartsch (Dortmund)
»What if I were young again?«
Ethel Smyths musikpolitische Strategien der Maskerade
15.50 Uhr Vortrag 4 Dr. Angelika Silberbauer (Wien)
»Out of the German Wood«
Ethel Smyths ›The Wreckers‹ als britische Nationaloper?
16.20 Uhr Pause
16.35 –
18 Uhr
Podiums­diskussion Komponistinnen auf dem Vormarsch –
Umgang mit der viel­fäl­tigen his­tori­schen Persönlichkeit Ethel Smyth und ihrer Musik heute

Moderation:
Dr. Rebecca Wolf (Staatliches Institut für Musikforschung)

Gäste:
Prof. Dr. Rebecca Grotjahn, Dr. Marleen Hoffmann, Prof. Dr. Cornelia Bartsch, Dr. Angelika Silberbauer, Susanne Wosnitzka (Archiv Frau und Musik Frankfurt/Main)

Im Anschluss: Konzert in der Philharmonie

18.10 Uhr Einführung Konzerteinführung im Südfoyer mit Habakuk Traber
19 Uhr Konzert ›The Wreckers‹ (Les Naufrageurs) – Oper in drei Akten (konzertante Aufführung, Deutsche Erstaufführung der Fassung in französischer Sprache)

Mit Robin Ticciati (Dirigent), Solistinnen und Solisten, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin. 

Alle Infos auch abrufbar auf der Webseite des Deutschen Symphonie-Orchesters.

Kanonbildung ohne Emilie Mayer | Vortrag & Konzert in Hamburg

KONZERT: Dienstag, 5. April 2022 | 20 Uhr | Halle 424, Hamburg
VORTRAG: Mittwoch, 6. April 2022 | 19 Uhr | Wiese eG, Hamburg

FELIX MENDELSSOHN (1809–1847): Ein Sommernachtstraum op. 61 (Auszüge) | HENRY PURCELL (1659–1695): The Fairy Queen (Auszüge) | EMILIE MAYER (1812–1883): Sinfonie Nr. 2 in e-Moll

Dirigentin: Holly Hyun Choe
Nach neogenesis führt ensemble reflektor mit seinem neuen Programm eclipse seine Beschäftigung mit Gendergerechtigkeit und Diversität in der musikalischen Praxis fort. Inspiriert von der Rezeptionsgeschichte der Komponist:innen und ihrer Werke setzt sich das Ensemble in about.eclipse mit dem musikalischen Kanon auseinander: Wie entsteht dieser? Wer wird darin aufgenommen und warum? Und welche Verantwortung tragen Publikum und Musiker:innen für die Kanonbildung?

Unterstützt wird ensemble reflektor dabei vom Archiv Frau und Musik e. V., sowie den Musikwissenschaftlerinnen Susanne Wosnitzka und Meredith Nicoll. Im Vortrag und anschließenden Workshop kommen Orchestermusiker:innen und Publikum zu einem inspirierenden Austausch zusammen.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Archiv Frau und Musik statt.

Wir bitten um Reservierung unter karten@ensemble-reflektor.de mit der Angabe Ihres Namen und der Anzahl der Plätze. Die Reservierung ist frei, wir bitten Sie beim Konzert nach pay-what-you-can-Prinzip unser Projekt zu unterstützen. Alle Konzerte erfolgen unter den aktuellen Corona-Bestimmungen, über die wir Sie gern kurz vor dem Konzert noch einmal informieren.

Mitwirkende

Susanne Wosnitzka // Vortrag
Meredith Nicoll // Workshop

Lesetipp
Barbara Beuys: Emilie Mayer. Europas größte Komponistin. Eine Spurensuche. Dittrich-Verlag 2021.

Mehr als nur Talent | 175. Todestag Fanny Hensel – Konzert mit Lichtbildvortrag

Fanny Hensel, gezeichnet von Wilhelm Hensel © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Fanny Hensel, gezeichnet von Wilhelm Hensel © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Mehr als nur Talent – Zum 175. Todestag von Fanny Hensel
Konzert mit Lichtbildvortrag, Freitag, 13. Mai 2022 | 20:00 Uhr | Isarphilharmonie | Gasteig HP8
Zu gegebener Zeit veröffentlichen wir hier Ticketpreise und Infos zur Ticketreservierung

Mit
Ute Ziemer, Sopran | Sirka Schwartz-Uppendiek, Klavier | Susanne Wosnitzka, Lichtbildvortrag | Michael Herrschel, Lesung

„Daß ich bei so gänzlichem Mangel an Anstoß von außen dabeibleibe, deute ich mir selbst wieder als ein Zeichen von Talent.“ (Fanny Hensel)

Ein Lichtbildvortrag mit klassischer Musik zum Mitreisen gibt Einblicke in die Biografie der Komponistin Fanny Hensel Mendelssohn (1805–1847), die in ihrem kurzen Leben ein riesiges Œuvre geschaffen hat, das erst in unserer Zeit wieder entdeckt wurde und wird.

Die Musikwissenschaftlerin Susanne Wosnitzka (Archiv Frau und Musik) stellt in ihrem Vortrag Fanny Hensels Italien-Reise 1839/40 in den Mittelpunkt, die deren Kreativität enorm beflügelte und ihr erstmals persönliche Freiheit bescherte. Wegstationen auf ihrer Durchreise waren u. a. München sowie Schloss Hohenschwangau. Durch dessen fantastische Lage wurde sie wahrscheinlich zu ihrem Schwanenlied inspiriert. In Italien wurde Fanny Hensel erstmals als “wahrer Componist” bezeichnet – von niemand Geringerem als dem Komponistin Charles Gounod, der ihr Talent verehrte und der sich in dieser Zeit als Stipendiat in der Villa Medici aufhielt.

Antoinetta Brandeis. Trevi-Brunnen, um 1890 © gemeinfrei
Antoinetta Brandeis. Trevi-Brunnen, um 1890 © gemeinfrei

Susanne Wosnitzka begab sich im Jahr 2017 selbst nach Italien und auf die Spuren von Fanny Hensel in Rom und Umgebung mit Hilfe von Fanny Hensels Italienischem Tagebuch und Briefwechsel, im Spätherbst des vergangenen Jahres nach Oberitalien. Von dort brachte sie reichhaltige fotografische Eindrücke mit.

Und mfm begab sich 1988 auf die Suche nach der damals noch kaum bekannten “Schwester von” und konnte in diesem Jahr der Vereinsgründung im allerersten Konzert Fanny Hensels Quartett für Klavier, Violine, Viola und Violoncello mit überwältigendem Erfolg uraufführen. An dieses Konzert möchten wir mit dieser Femmage wieder anknüpfen.

Zu hören sind Klavierwerke und Lieder der Komponistin sowie Zitate aus ihrer Briefkorrespondenz:

Italien, op. 8 Nr. 3 (1825) Sopran und Klavier, Text: Franz Grillparzer
An Suleika (1825) Sopran und Klavier, Text: Johann Wolfgang Goethe
Notturno napolitano (1839/40?) Klavier solo
Hausgarten (1840) Sopran & Klavier, Text: Johann Wolfgang Goethe
Auszug aus: Einleitung zu lebenden Bildern (1841) Rezitation & Klavier, Text: Wilhelm Hensel
Gondellied, op. 1 Nr. 6 (1841) Sopran & Klavier, Text: Emanuel Geibel
Juni aus Das Jahr (1841) Klavier solo
Nachtwanderer, op. 7 Nr. 1 (1843) Sopran und Klavier, Text: Joseph von Eichendorff
Mélodie cis-moll op. 4/5 Nr. 2 (1846) Klavier solo

Diese Veranstaltung wird gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München

Vilma von Webenau – verwehte Spuren?

Konzertplakat in Wien © Susanne Wosnitzka
Konzertplakat in Wien © Susanne Wosnitzka

Ein Forschungseinblick von Susanne Wosnitzka

Text erstmals veröffentlicht am 30. Juni 2019 unter https://www.jourfixe-muenchen-ev.com/vilma-von-webenau-verwehte-spuren-finden/ als Gastbeitrag für jourfixe München (ursprüngliche Webseite allerdings nicht mehr vorhanden, daher hier noch einmal wiedergegeben)

Die Lebensspuren einer äußerst bescheidenen Frau wiederzufinden ist nicht einfach.[1] Ab 1898 studierte Wilhelmine Eveline Maria von Webenau (1875–1953) – genannt Vilma – beim damals 24-jährigen Arnold Schönberg (1874–1951) als dessen erste bekannte Privatschülerin. Auf seine Einladung folgte sie ihm um 1900 nach Berlin, gab Konzerte in London, lebte zeitweise in München und dann in Wien, wo sie später in drückender Armut starb. Von Schönberg als Komponistin ihrer Zeit geschätzt, ist ihr Name heute in keiner einzigen Schönberg-Biografie als Schülerin/Studentin zu finden. Puzzlestück für Puzzlestück zusammengetragen ergibt sich nun ein Bild mit Potenzial zu Großem: Mehr als 100 Werke Vilma von Webenaus harren in Wien noch ihrer Entdeckung!

Vilma Webenau im Jahr 1927, Fotografie, für den 50. Geburtstag von Arnold Schönberg, © gemeinfrei, Schönberg Center Wien
Vilma Webenau im Jahr 1927, Fotografie, für den 50. Geburtstag von Arnold Schönberg, © gemeinfrei, Schönberg Center Wien

Mit vier daraus ausgesuchten Werken Webenaus begann musica femina münchen e. V. (mfm), diesen unglaublichen und nahezu völlig vergessenen Schatz zu heben – sie erklangen am 3. Dezember 2014 im Rahmenprogramm der Ausstellung Ab nach München! Künstlerinnen um 1900 im Münchner Stadtmuseum als wohl deutsche Erst- oder vielleicht auch als Uraufführungen. Dieses Event, meine Forschungen und Veröffentlichungen stellten den Auftakt dar zu einer daraufhin einsetzenden Nachfrage nach Wissen zu Vilma von Webenaus Leben und Werk. Dieser Blogtext stellt keinen wissenschaftlichen Artikel dar, sondern soll einen Einblick in einen Teil meiner Arbeit geben. „Vilma von Webenau – verwehte Spuren?“ weiterlesen

Fanny Mendelssohn – Leben und Schaffen | 12. November 2021 Fürth

Wilhelm und Fanny Hensel "Abschied" (aus Rom) 1840
Wilhelm und Fanny Hensel „Abschied“ (aus Rom) 1840

Die Musikwissenschaftlerin Susanne Wosnitzka (Archiv Frau und Musik Frankfurt/Main) gibt auf dem neuesten Forschungsstand Einblicke in die Biografie der Komponistin Fanny Mendelssohn (1805–1847). Die in Hamburg geborene Enkelin des Philosophen Moses Mendelssohn hat in ihrem kurzen Leben ein riesiges Œuvre geschaffen, das erst in unserer Zeit wieder entdeckt wird.

Besonderer Schwerpunkt: Die Rom-Reise der Familie Hensel 1839/40, die als eine Art Befreiungsreise für Fanny gilt.

Passend zum Vortrag spielt Sirka Schwartz-Uppendieck Klavier- und Orgelwerke von Fanny Mendelssohn. Michael Herrschel liest Zitate aus ihrer Briefkorrespondenz.

Vortrag:
Susanne Wosnitzka (Archiv Frau und Musik, Frankfurt am Main)
Rezitation:
Michael Herrschel
Musik:
Sirka Schwartz-Uppendieck (Klavier & Orgel)

Alle weiteren Infos zu dieser Veranstaltung finden Sie auf der Webseite der Kirchenmusik Fürth.

Caroline von Staudt – Augsburger Claviervirtuosin mit seltener Bravour

Wie entdeckt man eine unbekannte, verschollen gegangene Pianistin des 19. Jahrhunderts – Caroline von Staudt? Indem man nicht gezielt danach sucht. Sie kennen das: Man stöbert vielleicht jahrelang nach der großen Liebe in irgendwelchen Paar-Foren und Handy-Apps und zeigt sich da von seiner geschlecktesten Seite, findet dann seine große Liebe aber an der Supermarktkasse im Jogginganzug.

So ähnlich finde ich meine ‚Liebschaften‘: Meist im gemütlichen Outfit am Schreibtisch und im Scrollen durch historische Zeitungen. So auch in diesem Fall. In diesem Fall fanden sich aber zusätzlich klavierspielende und komponierende (!) Nachfahrinnen, die bislang nichts von ihrer musikalischen Vorfahrin wussten. Also alles wahnsinnig aufregend und für die heutige Familie von Staudt spektakulär! Und so kam es dazu: „Caroline von Staudt – Augsburger Claviervirtuosin mit seltener Bravour“ weiterlesen

Augsburger Theatergeschichte neu erlebbar

Die Theatergeschichte Augsburgs ist zwar eine lange – allerdings existiert bislang so gut wie keine moderne Forschung bzw. Publikation dazu. Der Wikipedia-Artikel zum Augsburger Stadttheater bzw. nun Staatstheater liefert zwei historische Publikationen als Grundlage: Einen sehr umfassenden Versuch zur Geschichte der theatralischen Vorstellungen in Augsburg, geschrieben von Friedrich August Witz (1806–1880) und im Druck erschienen 1876[1] zum 100. Jubiläum der Eröffnung des neuen Schauspielhauses (1776) sowie ein paar wenige Seiten in einer Ausgabe des Augsburger Adressbuchs[2] (1971). Hie und da mögen noch einzelne weitere Artikel zu bestimmten Menschen und Ereignissen am/im Theater erschienen sein, aber diese reichen nicht aus, um diesen Teil der Augsburger Stadtgeschichte und der Theatergeschichte auch hinsichtlich der Aufführungen, des internen und externen Personals, der großen Stars, der Umbauten, der Modernisierungen, der Stadtgespräche, der Bewilligungen und Nichtbewilligungen, zu Kosten, Löhnen und Gehältern annähernd zu vervollkommnen. Zumindest so nah wie möglich an die Theatergeschichte heranzukommen, denn die Arbeit mit und an der Geschichte ist – wie Friedrich August Witz erkannt hat – nur ein Versuch, den Ereignissen in der Vergangenheit auf die Spur und damit näher zu kommen.

Theatergeschichte nicht ohne Konzertgeschichte

Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka
Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka

Letzteres ist nun möglich: Seit Beginn meiner Dissertation zur Musikgeschichte der Goldenen Traube, einer historischen und nicht mehr existenten Gaststätte im Herzen Augsburgs, die drei (!) Konzertsäle besaß, habe ich mich mit historischen Augsburger Tageszeitungen beschäftigt, in denen sich Informationen zu reisenden Musiker:innen, Komponist:innen und Künstler:innen befinden sowie Konzerte und Theaterspiele angekündigt und rezensiert werden. Nebenbei finden sich darin Diskussionen zum Augsburger Kulturleben, Auswirkungen politischer Angelegenheiten auf das Kulturleben sowie zur Theatergeschichte in abhängiger Vernetzung der großen Musikkulturzentren Theater, Goldener Traube, teils auch (aber selten) Kirchen und anderen Gaststätten und Zunfthäuser, die über einen größeren Saal verfügten. „Augsburger Theatergeschichte neu erlebbar“ weiterlesen

Clara Schumann hat null Bock | #femaleheritage

Clara Schumann hat null Bock. Sidekick: Unbekanntes zu Franz Liszt in Augsburg. Neues zur Konzertorganisation im 19. Jahrhundert in Augsburg und München

Maximilianstraße Augsburg. I. Owen nach Robert Batty, ca. 1835 © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Maximilianstraße Augsburg. I. Owen nach Robert Batty, ca. 1835 © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Blogtext gewidmet meiner Freundin Luise Kimm, Sängerin

This blogtext, written for the #femaleheritage blogparade of the Monacensia Munich, is now available in English! Thanks to Gabriella Di Laccio to publish it on her website Donne365!

Geht man ins Konzert, geht man in ein Konzerthaus, ins Theater oder in eine Kirche. Im 18. und 19. Jahrhundert ging man dazu in eine Gaststätte, in ein Hotel oder in eines der Zunfthäuser, die über einen großen Tanzsaal für Hochzeiten und andere Anlässe verfügten. Eigens als Konzertsaal angelegte Lokalitäten gab es erst relativ spät mit steigender (Massen)Nachfrage von Konzerten der Virtuosen-Superstars Niccolò Paganini (1782–1840) und Franz Liszt (1811–1886), der Schwestern Teresa (1827–1904) und Maria (1832–1848) Milanollo sowie ganzer Orchestertrupps wie dem von Johann Strauss sen. (1804–1849), die auf ihren Tourneen überall und von sehr vielen Menschen gehört werden wollten. Einer der ersten neugebauten richtigen Konzertsäle war das Münchner Odeon, erbaut 1826/28 von Leo von Klenze (1784–1864) für genau solche Zwecke.

Gaststätten im Zentrum
Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka
Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka

In Augsburg hingegen gab es so etwas bis Ende des 19. Jahrhunderts nicht. Dafür hatte man den großen Apollo-Saal der heute nur noch wenig bekannten Goldenen Traube, die im 18. und 19. Jahrhundert das Zentrum bürgerlicher Musikausübung war und Thema meiner sich in Arbeit befindenden Dissertation ist. Für diese durchforstete ich in den letzten Jahren neun Augsburger Tageszeitungen der Jahre 1746 bis (jetzt) 1878 (vorläufiges Ende der Digitalisierung mit Warten auf Nachschub) auf Musik- und Kulturnachrichten – über 100 Jahre dichteste Lokal- und Weltgeschichte mit zahlreichen anderen hochinteressanten Funden anderer Sparten, mit denen sich zum Beispiel auch die Geschichte der Ballonfahrt neu schreiben ließe oder die europäische Frauenbewegungsgeschichte, zu der ich einen eigenen unbekannten französischen Strang entdeckt habe, der zum Inhalt eines anderen Histoblogs der #femaleheritage-Blogparade der Monacensia München wird. An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei den Organisatorinnen für die persönliche Einladung, für diese Aktion mein Wissen in mehreren Blogtexten präsentieren zu können. Dieser hier ist der erste in der Reihe. „Clara Schumann hat null Bock | #femaleheritage“ weiterlesen

Konzert + „Komponistinnen“-Film in Fürth | verschoben auf 2022

Auferstehungskonzert 2021 | Fr 7. Mai 2021 | 19:30 Uhr | Auferstehungskirche im Stadtpark (Nürnberger Straße 15, Fürth) 

21. Fürther Komponistinnenkonzert

Frühlingsgefühle pur! Betörend schöne Liebeslieder und Kammermusik von vier wunderbaren Komponistinnen der Romantik: Fanny Mendelssohn, Emilie Mayer, Mélanie Bonis und Lili Boulanger. Ihre Werke werden leidenschaftlich interpretiert von Laura Demjan (Sopran), Marion Ludwig (Flöte), Anja Schaller (Violine) und Sirka Schwartz-Uppendieck (Klavier und Leitung). Michael Herrschel gibt dazwischen spannende Einblicke in die Biografien der Komponistinnen.
Passend zum Konzert anschließend 21:30 Uhr im Babylon-Kino am Stadtpark (Nürnberger Straße 3, Fürth):
Komponistinnen. Dokumentarfilm von Kyra Steckeweh und Tim van Beveren (ausgezeichnet mit dem Opus Klassik 2020 sowie weiteren Auszeichnungen in Filmfestivals in New York und Los Angeles).
Auf den Spuren von Emilie Mayer, Lili Boulanger, Fanny Hensel und Mélanie Bonis:„ein einfühlsames Portrait […] von atemberaubender Brillanz“ (Evangelische Sonntagszeitung)

Einführungsgespräch mit Susanne Wosnitzka


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Alle weiteren Informationen und Hinweise finden Sie unter: https://www.fuerth-evangelisch-musik.de/fuerth/klingendes-jahr/auferstehung/

+++verschoben+++ „Und sie komponieren, dirigieren doch!“ | Konferenz

Diversity in Music – Komponistinnen und Dirigentinnen im Musikleben heute
Freitag 20. März bis Sonntag 22. März 2020 in München, Orff-Zentrum
+++Wegen CORONA abgesagt+++
WIRD VERSCHOBEN!

Gibt es wirklich so wenige Komponistinnen, die Werke für große Chöre und Orchester geschrieben haben? Oder ist das nur ein Argument, um die Musik von Frauen nicht aufzuführen? Auch das Argument „mangelnder Qualität“ oder „das Gute setzt sich durch“ erscheint angesichts eines engen Kanons an immer wieder Gleichem kaum mehr haltbar.

Gerade die Alte-Musik-Szene hat den Beweis erbracht, dass unzählige Werke in den Archiven schlummern, die mit großer Begeisterung wiederentdeckt werden. Und führt nicht gerade diese enge Tradition der Klassischen Musik in die aktuelle Krise und Stagnation? Wäre mehr Diversität nicht auch hier die geeignete Lösung?

Auf dieser Konferenz beleuchten wir die Voraussetzungen für die Musikprogramm-Planung heute. Es gibt zahlreiche Werke von Komponistinnen, um bei Konzerten ein gerechteres Geschlechterverhältnis zu erreichen und Chören und Orchestern des 21. Jahrhunderts neue Hörer*innenschichten zu erschließen. Musik von Frauen ist es wert, aufgeführt zu werden!

Für das Musikleben insgesamt stellt es eine Bereicherung dar, auch das weibliche Erbe lebendig zu halten und zeitgenössischen Komponistinnen ein Podium zu bieten.
Die Konferenz bietet

• einen Roundtable mit Expert*innen und Programmplaner*innen von Orchestern und Musiktheatern
• eine Vorstellung praktikabler Stücke für Chor und Orchester
• eine Vorstellung hilfreicher Datenbanken zur Werkrecherche
• einen Kompositionsworkshop
• einen Dirigierworkshop
• Social media monitoring – Vorstellung eines Info-Dienstes zum Thema „Frauen im Konzertbetrieb“
• ein Netzwerktreffen für Komponistinnen/Dirigentinnen/Bloggerinnen/Studierende
• ein Kammermusik-Konzert mit Werken von Philippine Schick, Luise Adolpha Le Beau, Mary Wurm und Konstantia Gourzi
• eine Matinee mit Orchesterwerken von Gloria Coates, Katrin Schweiger, Dorothee Eberhardt, Manuela Kerer und Dorothea Hofmann

Zielgruppen
Intendant*innen, Veranstalter*innen, Dramaturg*innen, Konzertplaner*innen, Musikpädagog*innen, Dirigent*innen, Komponist*innen, Musiker*innen, Musikwissenschaftler*innen und am Thema Interessierte.

Alle Informationen dazu finden Sie auf der Website von musica femina münchen e. V. | Ich werde vor Ort sein in meiner Eigenschaft als Mitvorstandsfrau/Mitorganisatorin von mfm

„Komponistinnen“ | Film und Orchesterkonzert in München

Filmplakat. Mit freundlicher Genehmigung © tvbmedia productions
Filmplakat. Mit freundlicher Genehmigung © tvbmedia productions

Am Sonntag, 24. November 2019, um 12 Uhr, rollt in der Black Box im Gasteig das Rainbow Sound Orchestra Munich (RSO-M) unter der Leitung des musica-femina-münchen-Mitglieds Mary Ellen Kitchens der mehrfach preisgekrönten Dokumentation KOMPONISTINNEN den roten Teppich aus, die am Nachmittag gleich nebenan im Rio Filmpalast am Rosenheimer Platz läuft. In der von musica femina münchen veranstalteten Kombination aus Mittagskonzert und Kinovorstellung bringen die Künstler*innen zwei der vier im Film vorkommenden Komponistinnen zum Klingen, die Kyra Steckeweh und Tim van Beveren in ihrer vielbeachteten und preisgekrönten filmischen Spurensuche porträtierten.

Komponistinnen hatten es nicht nur in vergangenen Jahrhunderten schwer, sondern auch heute noch spielen sie im Konzertbetrieb eine sehr untergeordnete Rolle. Teilweise existiert das Notenmaterial nur in Handschriften, aus denen praktische Ausgaben erstellt werden müssen. Der Musikwissenschaftler Tobias Fasshauer hat sich dieser mühsamen Detailarbeit angenommen und zwei der insgesamt acht Sinfonien Emilie Mayers für Aufführungen eingerichtet. Während er in der Dokumentation die 2. Sinfonie der Berliner Komponistin vorstellt, wird das RSO-M ihre 3. Sinfonie präsentieren, von der bislang keine Einspielung existiert. Außergewöhnlich für eine Frau im 19. Jahrhundert, erhielt Emilie Mayer Unterstützung von einigen ihren männlichen Kollegen und etablierte sich als eine feste Größe im Berliner Musikleben. Ihr Schaffen strahlte auch auf andere Städte aus, jedoch geriet sie nach ihrem Tod schnell in Vergessenheit.

Dagegen zog sich Mel Bonis weitgehend ins Private zurück, nachdem sie zwar zunächst Klavier spielen und am Pariser Conservatoire studieren durfte. Ihre Eltern sorgten anschließend für die Heirat mit einem wohlhabenden Witwer und losgelöst von materiellen Sorgen widmete sich Mel Bonis der Musik. Allerdings blieb ihr die schöne Kunst als berufliche Perspektive aufgrund ihres Geschlechts und gesellschaftlicher Konventionen verwehrt. Sie veröffentlichte viele Klavierstücke, um aber nicht als Frau erkannt zu werden, änderte sie ihren Vornamen von „Mélanie“ zu „Mel“. Auch das Werk Les Gitanosexistiert in Klavierfassungen, allerdings entfaltet sich besonders in der Orchesterfassung das spanische Kolorit in diesem gut dreiminütigen Valse espagnole. Musik der beiden weiteren Komponistinnen aus der Dokumentation Fanny Hensel und Lili Boulanger wird dann am Nachmittag im Film Komponistinnen zu hören sein.

Es erwartet Sie nicht nur eine ungewöhnliche, rund einstündige Matinee, sondern auch ein Erleben der Werke aus einem ganz besonderen Blickwinkel: Das Orchester wird in der Saalmitte Platz nehmen und vielleicht darf sich das Publikum auch unter die Musiker*innen mischen, um so das Konzert aus nächster Nähe und ungewohnter Hörperspektive zu genießen.

Sonntag, 24. November 2019
12:00 Uhr | Black Box
€ 10,– (Karten buchen über München Ticket)

Rainbow Sound Orchestra Munich
Leitung: Mary Ellen Kitchens

Emilie Mayer (1812–1883) 
Symphonie Nr. 3 C-Dur
(1850, Entdeckung aus der Staatsbibliothek in Berlin – es gibt bislang überhaupt keine Einspielung dieses Werks)

Mel Bonis (1858–1937) 
Les Gitanos
op. 15/3 für Orchester (1891)

Veranstalterin: musica femina münchen e. V.
Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der LH München

Der Film läuft um 14:30 Uhr im Rio Filmpalast am Rosenheimer Platz.
Anschließend Filmgespräch in Anwesenheit der Filmemacher Kyra Steckeweh, Tim van Beveren sowie Susanne Wosnitzka als Mitwirkender im Film

Karten zu € 9,50,–   bitte direkt beim Kino unter www.riopalast.de reservieren.

Text: RSO-M

Komponistinnen | Film und Konzert mit Talk in München

+++UPDATE+++
Soeben gewann Komponistinnen auf dem 10th World Music and Independent Film Festival in Washington D.C./USA als bester Dokumentarfilm!

 

Kyra Steckeweh © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren
Kyra Steckeweh © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren

Komponistinnen – Konzert mit Klaviermusik von Fanny Hensel, Mel Bonis, Emilie Mayer und Lili Boulanger

Klavierkonzert und Film am Sonntag, 17. Februar 2019 um 17:00 Uhr Klavierkonzert mit der Pianistin Kyra Steckeweh in der Kontrapunkt Klavierwerkstatt (Dorfstraße 39 Hofgebäude, 81247 München)

Anschließend um 20:00 Uhr Münchner Filmpremiere von Komponistinnen – eine filmische und musikalische Spurensuche im Kino Monopol (Schleißheimer Str. 127, 80797 München) in Anwesenheit der Filmemacher*in Kyra Steckeweh und Tim van Beveren im Anschluss: Filmgespräch

Ausgezeichnet als „Bester Dokufilm von oder über eine Frau“ (Alive International Documentary Film Festival Los Angeles 2018):


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“Eine überfällige Doku mit Musik, die packt und dazu exzellent erzählte Geschichte(n) – großes Kompliment” (Premieren-Besucher)

© 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren
© 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren

Vorgestellt werden in Komponistinnen vier sehr verkannte aber zu ihren Lebzeiten teils damals bereits äußerst bekannte Komponistinnen, die von der Familie abgehalten wurden, zu komponieren und zu veröffentlichen (Fanny Hensel), oder die – im Gegensatz – selbstverständlich gefördert wurden, aber trotzdem von Gesellschaft und Musikwissenschaft vergessen wurden. Obwohl Lili Boulanger heute zu den meistaufgeführten Komponistinnen zählt, wurde ihr Werk erst in den 1960er Jahren wieder bekannt. Emilie Mayer zählte einst zu den meistaufgeführten Komponistinnen Berlins – ihre Werke wurden zu ihren Lebzeiten von großen Orchestern mit großem Erfolg aufgeführt. Dabei geht es auch um Fragen zur gegenwärtigen Situation: Wie wird heute mit dem musikalischen Erbe der Komponistinnen umgegangen? Warum wird ihre Musik so selten aufgeführt?

Erst durch die Recherchen von Dr. Jörg Kuhn konnte jetzt Emilie Mayers verschollen geglaubtes Grab in Berlin ausfindig gemacht werden. Mél Bonis konnte nur durch die Unterstützung ihres Geliebten zur vollendeten Komponistin heranreifen und hinterließ rund 300 Werke, musste aber für ihre Publikationen ein männliches Pseudonym verwenden, weil viele Verlage Musik von Frauen nicht ernst nahmen. Im Film sind stets Werke aller vier Komponistinnen zu hören, teils in Ersteinspielung! Kyra Steckeweh hat dazu eigens die CDs En dehors mit Klavierwerken von Mélanie Bonis und Lili Boulanger eingespielt (2016) sowie die soeben erschienene CD Vita brevis ars longa mit Klavierwerken von Fanny Hensel und Emilie Mayer.

Susanne Wosnitzka und Kyra Steckeweh in Rom © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren
Susanne Wosnitzka und Kyra Steckeweh in Rom © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren

Die (Vorstands)Mitglieder von musica femina münchen
e. V. Mary Ellen Kitchens und Susanne Wosnitzka wurden für die Dokumentation als Expertinnen im Archiv Frau und Musik in Frankfurt/Main sowie in Rom interviewt. Nur dank eines Crowdfunding-Projekts konnte der Dokufilm mit Unterstützung aus unseren Reihen fertiggestellt werden. mfm-Mitglied Karla Viebahn wurde dadurch zur Co-Produzentin.

Ein besonderes Highlight ist die erst kürzlich entdeckte Klaviersonate in d-Moll von Emilie Mayer, welche Kyra Steckeweh im vergangenen Jahr erstmalig eingespielt hat und die der Öffentlichkeit somit fast 150 Jahre nicht bekannt war.

Die Leipziger Pianistin Kyra Steckeweh konzertiert als Kammermusikpartnerin, Liedbegleiterin und solistisch. Als Solistin befasst sie sich – neben dem Standardrepertoire für ihr Instrument – mit der wenig bekannten Musik von Komponistinnen. Hierfür arbeitet sie teilweise mit Autographen, da zuverlässige Notenausgaben nicht immer verfügbar sind. Die Musik von Frauen als Teil des kulturellen Erbes wahrnehmbar zu machen, ist ein großer Ansporn für die rege Konzerttätigkeit der Pianistin.

Bitte sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Eintrittskarte!

Vorverkauf unter info@musica-femina-muenchen.de 
Kombipreis Konzert + Film 20 Euro | Eintrittspreis Konzert 12 Euro | Eintrittspreis Film 9 Euro

Abendkasse
Eintrittspreis Konzert 15 Euro | Eintrittspreis Film 9,50 Euro

Eine Veranstaltung von musica femina münchen e. V., gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München

Vilma von Webenau (1875–1953) | Vortrag

Die Lebensspuren einer äußerst bescheidenen Frau wiederzufinden ist nicht einfach. Ab 1898 studierte Vilma von Webenau (18751953) beim damals erst 26jährigen Arnold Schönberg als dessen erste Privatschülerin. Bereits ihre Großmutter Julie von Webenau (18131887) war kompositorisch tätig: Diese hatte bei Franz Xaver Wolfgang Mozart (17911844) Komposition studiert. Julies Mutter Josephine Baroni-Cavalcabò wurde dessen Geliebte und Alleinerbin. Ob aus dieser Verbindung heraus Julie entstand, ist fraglich, aber möglich. Professionellen Klavierunterricht erhielt sie bei Cäcilie/Cäcilia Frank (1851–1936?) in Wien. Auf Schönbergs Einladung folgte ihm Vilma von Webenau um 1900 von Wien nach Berlin und gab um diese Zeit auch gefeierte Konzerte in London. Eine Zeit lang arbeitete sie in München als Musikpädagogin und folgte Schönberg zurück nach Wien, wo sie später in drückender Armut starb. Von Schönberg als Komponistin geschätzt, ist ihr Name heute in keiner einzigen seiner zahlreichen Biografien zu finden.

Vilma von Webenau – Rätselhaft

Puzzlestück für Puzzlestück zusammengetragen ergibt sich – vorsichtig gezeichnet – ein Bild mit Potenzial zu Großem: Mehr als 100 Werke harren in Wien ihrer Entdeckung! Mit vier Werken Webenaus begann ich in Kooperation mit musica femina münchen e. V., diesen unglaublichen Schatz zu heben. Mittlerweile wurde vom Certosa-Verlag begonnen, diese eindrucksvollen Werke herauszugeben.

Verwehte Spuren?

Am 3. Dezember 2014 erklangen mehrere Kammermusikwerke rund 100 bis 80 Jahre nach ihrer Entstehung als wohl deutsche Erstaufführung in einem Vortrag mit Konzert im Rahmen der großen Sonderausstellung Ab nach München! Künstlerinnen um 1900 im Münchner Stadtmuseum, zusammen mit einem Vortrag von mir. Mit welch archäologischer Akribie in einem solchen Fall von teils fehlenden oder verborgen gehaltenen Grundlagen vorgegangen werden muss, zeige ich darin auf.

Derzeit bin ich eine von zwei bekannten Webenau-Forscherinnen weltweit. Meine bisherigen Forschungsergebnisse können Sie hier nachlesen (weitere Publikationen in Vorbereitung):

Susanne Wosnitzka: Vilma Weber von Webenau – verwehte Spuren?, in: Archiv Frau und Musik Frankfurt/Main (Hg.): VivaVoce Nr. 99, 2/2014, S. 2–5.
Susanne Wosnitzka: „Gemeinsame Not verstärkt den Willen“ – Netzwerke von Musikerinnen in Wien, in: Annkatrin Babbe und Volker Timmermann (Hg.): Musikerinnen und ihre Netzwerke im 19. Jahrhundert. Oldenburg 2016 (= Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts (Hg. Freia Hoffmann), Bd. 12). ISBN 978-3-8142-2338-4.
Susanne Wosnitzka: Vilma von Webenau – verwehte Spuren finden, in: Gaby dos Santos/Kulturplattform jourfixe-muenchen e. V. (Hg.): Online-Blog, veröffentlicht am 30. Juni 2019, https://www.jourfixe-muenchen-ev.com/vilma-von-webenau-verwehte-spuren-finden (Stand: 1. Juli 2019).

Links:
QWIEN – Ankündigung Festkonzert mit Vortrag Schloss Schönbrunn (17. Mai 2018), Susanne Wosnitzka (Vortrag)
mdw_Universität für Musik und darstellende Kunst Ankündigung Festkonzert mit Vortrag Schloss Schönbrunn (17. Mai 2018), Susanne Wosnitzka (Vortrag)

Hörbeispiel:
Vilma von Webenau, Befreiung


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Kosten:
VB (einzelne Vorträge ca. 90 Minuten; Anreise/Übernachtung exklusive)

Ideal für Kulturzentren, Firmenfeierlichkeiten, private Feste wie Geburtstage etc. – beschenken Sie einen Freund/eine Freundin oder Ihre Kundinnen und Kunden mit einem Vortrag aus meinem Repertoire | Hausvorführungen möglich – Beamer und weitere technische Gerätschaften vorhanden

Barbara Kluntz | Vortrag

Barbara Kluntz (16611730) und die Ulmer Sammlungsfrauen – bislang einzig bekannte Ulmer Komponistin des 17./18. Jahrhunderts. Das „Schneiderbärbele“ war auch Schriftstellerin, Dichterin, Clavieristin und Musikpädagogin. Ihre beiden noch existierenden Choralbücher zeigen eine Fülle an Chorälen, die sie neu setzte, bearbeitete und auch als Arien erklingen ließ. Ihre Kontakte reichten bis nach Berlin, von wo aus sie sich mit der neuesten modernen Musik versorgen ließ und Ulm so zu einer Blütestätte der süddeutschen Musikkultur aufbaute.

Barbara Kluntz war bei ihrem Eintritt in die Ulmer Sammlung als „Klaviervirtuosin, Orgelspielerin und Dichterin“ laut älteren Forschungen weithin bekannt. Auszüge aus ihrem nicht mehr vorhandenen Testament belegen, dass sie eine eigene Orgel, ein Clavichord, viele Musikalien und Bücher besaß.

Wie Barbara Kluntz zu ihren Fähigkeiten gelangte und welche Stellung ihr Vater als Schneider innerhalb der Ulmer Schneiderzunft hatte, ist bislang nicht bekannt. Bis dahin waren nur Patrizierinnen in die Sammlung aufgenommen worden. Weshalb Barbara Kluntz erst mit 44 Jahren in das Sammlungsstift eintrat, bleibt ebenso zu erforschen. Ihre musikalischen Tätigkeiten lassen sich erst mit ihrem Eintritt in das Sammlungsstift 1704 belegen.

Ans Ende ihres ersten Choralbuches stellt Barbara Kluntz ihr wohl fröhlichstes Credo, ihre Art der Musikanschauung:

„Ich waiß nit z’sagen, wie vil Gut,
In Musica ist verborgen;
Gott und Menschen sie g’fallen thut,
Music vertreibt die Sorgen,
Music verjagt die Traurigkeit,
Music den Geist erneüet,
Music macht Lust, und kürzt die Zeit,
und ewig uns erfreüet.
Music lieb’ ich, so lang ich leb,
und frölich meine Stimm’ erheb,
und sing: O Music! Himmels Kunst,
du bist wehrt aller Ehr’ und Gunst.“

(Choralbuch 1711, Stadtarchiv Ulm, eigene Recherche)

In meinem Vortrag erklingen kleine Werke von Barbara Kluntz live am Klavier von mir interpretiert, die ich vom Original übertrug.

Kosten:
VB (einzelne Vorträge ca. 90 Minuten; Anreise/Übernachtung exklusive)

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