Hungersteine – (un)bekannte Katastrophen-Zeugen

„Wer einst mich sah, der hat geweint. Wer jetzt mich sieht wird weinen“ – steht auf einem 1904 per Fotografie bestätigten sogenannten Hungerstein mit der Jahreszahl 1874. Hungersteine heißen so, weil es durch extrem niedrigen Wasserstand der Flüsse möglich war, Botschaften und Jahreszahlen in große Steine zu gravieren. War es so weit, gab es innerhalb kürzester Zeit Hungersnöte, denn Mehlmühlen waren in alten Zeiten noch an die Flüsse gebaut, ihre Mühlräder mit Flusswasser betrieben oder vom Fluss hingeleitet. Ohne Wasser herrschte Stillstand. Vorräte waren oft sehr schnell aufgebraucht, schneller Import war oft vergebens, weil es anderswo auch wenig oder kaum hatte. Einige der Hungersteine sind bekannt, 40 davon finden sich in dieser Wikipedia-Liste: Die meisten finden oder fanden sich in der Elbe (31), Rhein (3), Weser (2), Mosel (1), erstaunlicherweise keinen in der Donau beziehungsweise noch nicht bekannt, nicht mehr bekannt oder im Lauf der Jahre zerstört oder entfernt. Aus Augsburg sind von Lech und Wertach keine Hungersteine bekannt.

Zeitreisen auf Papier

Seit Jahren befasse ich mich mit historischen Augsburger Tageszeitung der Jahre 1746 bis 1885 (bis dahin reicht derzeit die Digitalisierung) nicht nur zu Musik- und Kulturnachrichten, sondern auch zu Seuchen, Mord, Kindsmord, Femiziden, Scheintod, Erdbeben und Naturkatastrophen wie Dürren, Felsstürze und Hochwasser und habe auch alle darin greifbaren Hungersteine dokumentiert.

Der früheste Bericht dieser Art in den Augsburger Zeitungen findet sich in der Ordinari Postzeitung vom 17. Oktober 1834. Er erzählt von einem solchen Hungerstein „an der Eisbreche zu Trier“ mit den Jahren 1749 und 1800. Erst 34 Jahre später – 1834, im heißesten Sommer des 19. Jahrhunderts[1] – kam dieser Stein also wieder zutage, weil Niedrigwasser herrschte. Dem Bericht nach „geht die Schifffahrt“ zwar „ihren geregelten Gang, sowohl auf der Mosel, wie auf dem Rhein. Nur können die Schiffe kaum halbe Ladung einnehmen. Auf dem Oberrhein ist die Dampfschifffahrt eingestellt.“[2]

Ordinari Postzeitung vom 17. Oktober 1834. Screenshot © Susanne Wosnitzka

Bei Trier gibt es wohl einen bekannten Hungerstein, der allerdings keine eingravierten Jahreszahlen aufweisen soll.[3] Möglich, dass die Zahlen über die vielen Jahre vom natürlichen Wasserstrom ausgeschliffen wurden. Möglich aber auch, dass es sich hier um einen noch unbekannten Stein handelt, zu dem ich bislang nichts weiter finden konnte. Vielleicht ist jetzt ja die Zeit gekommen, weil die Mosel Niedrigwasser hat. Also zieht los und berichtet!

Vielleicht finden sich auf historischen Trier-Ansichten diese Eisbrecher im Wasser. Das waren Vorrichtungen, um gefährlichen Eisgang im Frühwinter und Spätfrühling zu brechen beziehungsweise um das Eis aufzubrechen, denn wenn dieses zum Stocken kam, das Wasser aber auch Totholz und andere Gegenstände mit sich spülte, waren die Brücken gefährdet. In Prag sieht man solche Brecher noch an der Karlsbrücke. Vielfach wurden Brücken bei Hochwasser mitgerissen – und besonders auch Häuser der armen und ärmsten Bevölkerung, die sich Häuser und Wohnungen auf höheren Gefilden nicht leisten konnte. Deshalb hat man – der Häufigkeit dieser Ereignisse wegen – viele Brücken über Jahrhunderte aus Holz gebaut, weil diese auch schneller wiederaufgebaut waren und Reise- und Transportwege gangbar blieben.

Verheerender Eisgang

Eisgang kam in der Regel zwei Mal pro Jahr statt, sofern es entsprechend kalt genug war: Wenn die Kälte im Frühwinter kam und wenn sie im Frühling ging. Den Zeitungen nach wurde über solche Hochwasser mit Überschwemmungen relativ ‚normal‘ berichtet: zwar seufzend, aber unaufgeregt, weil man solche Zustände ohnehin schon gewohnt war. Wir kennen das nur nicht mehr wegen Klimawandel. Deshalb ist heute jedes Hochwasser schon eine ungewohnte Sensation für sich. Auch bei Hochwasser wurden die Mühlen am Wasser als erste zerstört. Hungertyphus war oft die Folge, der nach solchen Verheerungen immer wieder lokal auftrat und manchmal streute. Die Elends-Beschreibungen lesen sich heute noch so horrorvoll wie damals, unterzogen von unterschwelligem Antisemitismus:

„Vom Rhein, 10. Febr. Wir erhalten so eben Briefe aus dem Westrich voll betrübender Nachrichten über die gränzenlose Armuth: ‚Sie können sich gar keinen Begriff machen, heißt es, von der hier herrschenden Noth. Das Elend im Rhön und im Spessart mag arg gewesen seyn, aber ärger gewiß nicht, wie in einzelnen Dörfern unsers Westrichs. Gehen Sie nach Pirmasens und in die umliegenden Ortschaften, gehen Sie nach Kaiserslautern und in die umliegenden Dörfer, wie Reichenbach, Rodenbach, Riegelbach, da treffen Sie eine Armuth – eine Schrecken erregende und Betrübniß zugleich. Vor allem aber ist es der Bezirk Zweibrücken, in dem die allgemeine Verarmung sich furchtbar ausbreitet. Schon seit dem Jahr 1847 lauter Mißjahre! Schulden auf Schulden! Der Jude kündet auf, das Gut kommt auf die Gant, und der Mann ist ein Bettelmann, eine Last für die Gemeinde mit sammt seiner Familie. Besonders sind es die Gemeinden Contwig und Niederauerbach bei Zweibrücken, in denen nur der Hungertyphus durch den Bezirksphysicus Dr. Stemmler als im höchsten Grade ausgebrochen bezeichnet wird.‘“[4]

Katastrophen-Tourismus

Der Tourismus – hauptsächlich aus anderen Ländern kommend – ging ungehindert weiter mit noch immer sehr großem Andrang von Reisenden, damals wie heute. Fanny Hensel erlebte während ihrer Rom-Reise 1839 das Gegenteil von Dürre:

Fanny Hensel, gezeichnet von Wilhelm Hensel © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Fanny Hensel, gezeichnet von Wilhelm Hensel © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Am 4. November dieses Jahres reiste sie mit ihrer kleinen Familie inklusive deutscher Köchin unter strömendem Regen von Venedig in Richtung Rom ab. In Rovigo war von übelstem Hochwasser und dem „bedenklichsten Wasserstand des Po zu hören, und es wurde uns der Uebergang, der hier durch eine Fähre vermittelt wurde, als unmöglich geschildert. Wir liessen uns dadurch indessen nicht abschrecken und fuhren Nachmittags die drei Meilen bis zum Po. Allerdings zeigte sich uns hier das ganze Elend einer grossen Ueberschwemmung, es war, als hätten die Schleusen des Himmels sich zu einer zweiten Sündfluth geöffnet.“

Man erreicht zwar die Fähre, die aber nicht nutzbar war, weil die Überfahrt viel zu gefährlich und verboten war. Den Hensels blieb nichts anderes übrig, als nach Rovigo umzukehren. Am 7. November versuchten sie es noch einmal, weil ein Postwagen es von der anderen Seite doch hinübergeschafft hatte, weil das Übersetzen trotz noch immer steigenden Wassers erlaubt wurde. Statt 3 Paoli hatte die Truppe allerdings horrende 26 bezahlen müssen. In Florenz angekommen war die ganze Strapaze aber schon wieder vergessen.[5]

„Eine Rheinfahrt, die ist lustig…“

Clara Schumanns „Lorelei“ © Collage (gemeinfreie Einzelbilder) Susanne Wosnitzka

Eine Rheinfahrt war in dieser Zeit der Romantik das Non-Plus-Ultra an Deutschland-Erlebnis.

Clemens Brentanos Gedicht Aus Wassers Kühle trink‘ ich Glut wurde in der Vertonung von Friedrich Silcher zum Inbegriff der Rhein-Sehnsucht. In einem fragmentarischen Schluss seines Romans Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter findet sich mit dem Gedicht Zu Bacharach am Rheine bereits die Lore Lay, eine völlig fiktive Figur, die durch Heinrich Heines Umstrickung zu Ich weiß nicht, was soll es bedeuten ebenfalls in der Vertonung von Friedrich Silcher aus dem Jahr 1824 zum Hit wurde. Auch Clara Schumann vertonte die Lorelei-Sage im Jahr 1843 in der Heine-Fassung.[6]

Am Rhein entlang

Mary Shelley © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Unzählige Schriftstellerinnen und Schriftsteller befassten sich mit dieser Sehnsuchtsreise, die oft ‚mitgenommen‘ wurde während des Reisens mit Ziel Italien und/oder Griechenland als mehrmonatige oder gar mehrjährigen ‚Grand Tour‘. Eine der berühmtesten Rhein-Reisenden war Mary Shelley, kurz bevor sie ihren Frankenstein verfasste, der auch wohl nur deswegen zustande kam, weil sie im ‚Jahr ohne Sommer‘ 1816 – ein Vulkanausbruch in Indonesien suchte als Kältewelle Europa heim[7] – wegen wetterbedingter Unbill am Genfer See festsaß und nicht weiterkonnte. Einer immer wieder gern erzählten Legende nach soll sie 1814 von der verfallenden Burg Frankenstein am Rheinufer so beeindruckt gewesen sein, dass sie auch davon zu ihrem größten Werk inspiriert wurde.[8] Ihre Reisetagebücher der Jahre 1840 und 1842 erschienen erst 2017/2018 zweibändig wunderschön bebildert und gestaltet auf Deutsch („Streifzüge durch Deutschland und Italien“, Corso Verlag[9]) als Lese- und Schwelg-Empfehlung.

La Vallée du Rhin de Bingen à Coblence von Elisabeth Susanna Maria Rebecca von Adlerflycht 1811 © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Die erste Vogelschau des gesamten Rheintals beziehungsweise das ‚Ur-Panorama‘ des Rheins von der Nahe bis zur Mündung der Mosel wurde 1811 von Elisabeth von Adlerflycht (1775–1846) gefertigt.[10]

Der Schusterstein

Screenshot © Susanne Wosnitzka

Auch 1842 gab es im Februar eine verheerende Dürre mit so wenig Wasser durch einen äußerst milden Winter, dass der sogenannte Schusterstein bei Passau nach 24 Jahren in der Versenkung wieder ans Tageslicht kam. Dieser Stein hieß so, weil in einer Dürre der 1770er Jahre der Schuster Doll auf die Idee kam, auf diesem Stein ein Paar Schuhe zu verfertigen. 1842 feilte sich Zimmermann Straßer darauf eine Säge scharf.[11]

Zu diesem Hungerstein wohl ohne Jahreszahleneinritzungen habe ich keine heutigen Artikel gefunden – ob es ihn dennoch noch gibt? 1865, 1871, 1885 und 1889[12] kam er jedenfalls noch einmal zutage und sorgte sicherlich für Lacher und Sensation:

„Passau, 26. Jan. Der sogen. Schusterstein, ein unterhalb der Donaubrücke in Folge des niederen Wasserstandes aus den Wellen emporragender Felskoloß, war gestern Gegenstand einer größeren Menschenansammlung auf der Brücke. Einer ergangenen Einladung folgend, hat man auf der Fläche desselben ein Bierfaß auf einen Stuhl gestellt, daneben ein Tischchen und von da aus den in den nebenan befestigten Schiffen befindlichen Gästen den Trunk bei circa 6 Grad Kälte gereicht, dazu die unvermeidlichen „Würstel“ angeboten. Der Schusterstein trägt diesen Namen, weil bei Trockenlegung desselben im Jahre 1842 ein munterer Schuster ein Paar Stiefel darauf gesohlt hat. Diese Trockenlegung wurde auch im Jahre 1865 und 1871 durch Einlegung von Bleiplatten und Photographien, die sich heute vollständig unversehrt zeigten, gefeiert. Zur Erinnerung an den gestrigen Frühschoppen wird heute eine weitere Platte eingelegt. (Don.=Ztg.)“[13]

Bleiplatten? Fotografien? In einer wasserdichten Box? Gar eine historische Schatztruhe? Leider habe ich es zeitlich nicht geschafft, noch näher dazu zu forschen, aber vielleicht ist ja jemand von euch in oder bei Passau und kann dieses Rätsel lösen?

Steinreiche Elbe

In den letzten Tagen jedenfalls kam der bekannteste aller Hungersteine wieder zutage, nämlich der bei Pirna-Oberposta, der als steinerner Zeuge mehr als 20 solcher historischer Markierungen trägt, die bis 1707 zurückreichen.[14] In einem noch älteren Hungerstein bei Pirna, der heute nicht mehr existiert, war einer alten Chronik zufolge die Zahl 1115 eingeritzt.[15]

Screenshot © Susanne Wosnitzka

Für das Jahr 1842 erzählten Reisende aus Dresden, dass „die Elbe in der Gegend von Pirna fast ganz versiegt sei, und daß man in dem trockenen Grunde des Elbbettes den merkwürdigen Stein gefunden habe, der vor einigen hundert Jahren bei einem ähnlichen großen Wassermangel dort hineingeworfen worden ist, und worauf zur Erinnerung folgende Worte mit der Jahreszahl eingravirt stehen: ‚Als man mich sah, da weinte man, wenn man mich wieder sehen wird, so wird man wieder weinen.‘“ Dieser Bericht im Augsburger Tagblatt erzählt leider nicht näher von einem Hungerstein in der Rhône, allerdings soll der Kurfürst von Sachsen bei einer solchen Dürre einst im ausgetrockneten Flussbett ein Festmahl abgehalten haben, das von der Bevölkerung allerdings als äußerst schlechtes Omen empfunden wurde.[16]

Eingegossene Eisenplatten als Dokumente

Aus dem Jahr 1858 hat sich in den Augsburger Zeitungen dieser wunderbare Bericht vom sogenannten Laufenstein bei Laufenburg im schweizerischen Aargau erhalten:

Screenshot © Susanne Wosnitzka

„Aus der Stromschnelle bei Laufenburg erhebt sich beim tiefsten Wasserstande ein Granitfelsen, welcher unter dem Namen „Laufenstein“ seit langen Jahren in der ganzen Umgegend bekannt ist. Auf dem hervorragenden Theile sind Jahreszahlen theils eingemeißelt, theils auf eingegossenen Eisenplatten eingegraben und gewähren so seit dem 17ten Jahrhundert über den niedersten Stand des Rheins die sichersten Angaben. Es finden sich verzeichnet die Jahre 1672, 1692, 1714, 1750, 1797, 1823 und 1848. Diese Zahlen sind jetzt alle trocken zu sehen; denn seit dem 30. Christmonat 1857 ist vom rechten Rheinufer aus ein Steg auf den Felsen angelegt, so daß man bequem dahin gelangen kann. So gleicht also der jetzige Wasserstand allen der angeführten und gehört somit zu den niedersten seit 185 Jahren. Auch die Jahrzahl 1858 und die Namen des Bürgermeisters von Klein= und des Gemeindeammanns von Großlaufenburg sind, in eine Eisenplatte eingegraben, am 4. d. den übrigen beigefügt worden. Ueberall ragen Felsenrisse und Bänke hervor, die sonst bei nur gewöhnlichem Wasserstande unsichtbar sind, und wenn man jetzt von der Rheinbrücke herab den schmalen Rinnsal betrachtet, so glaubt man, tief unten nicht den Rheinstrom, sondern einen Zufluß desselben sich dahin winden zu sehen. (Aarg. Z.)“[17]

Leider hat sich dieser Hungerstein nicht erhalten: Er wurde beim Bau des dortigen Kraftwerks 1908 oder 1909 in die Luft gesprengt, weil er im Weg war. Dokumentiert hat diesen Stein aber noch der Ingenieur Hermann Walter in seiner Dissertation, in der er auch extreme Niedrigwasserstände dokumentiert hat.[18]

Unbekanntes Terrain?

Screenshot © Susanne Wosnitzka

Ein Hungerstein, der noch unbekannt war und den ich bereits im März 2021 in den Hungerstein-Wiki-Artikel gepackt habe, ist der Stein bei Zwingenberg am Neckar, zu dem ich sonst ebenfalls keine modernen Berichte gefunden habe. Er hat einem Bericht im Augsburger Tagblatt nach die Jahreszahlen 1590, 1766, 1814, 1822, 1832, 1834, 1842 und 1857.[19] „In der Nähe“ – man müsste auch hier das ganze Flussbett um Zwingenberg abgrasen, um ihn zu finden, falls er noch vorhanden sein sollte.

Screenshot © Susanne Wosnitzka

Auch 1858 war besonders Süddeutschland im Januar von einer so starken Dürre heimgesucht, dass im Bodensee auf schweizerischer und deutscher Seite Sandfelsenriffe zu sehen waren, „die seit den Jahren 1672, 1785 und 1797 sich nicht mehr über dem Wasserspiegel des Sees erhoben. Der Bodensee ist gegenwärtig um nahezu 10 Zoll [1 Schweizer Zoll bis 1876 = 3 cm, also 30 cm] tiefer als im Jahre 1848 und hat etwa noch 4 Zoll zu fallen, um den niedersten Stand seit Menschengedenken zu erreichen. Der Wassermangel bewirkt im Versiegen der Bergbäche, dann für einige Orte Vorarlbergs im gehemmten Betriebe von Wasserwerken aller Art, und in dem Stillstand von Fabrik=Etablissements mannigfachen Schaden und läßt sich für die nächste Zeit ein vermehrter Wasserstand bei den anhaltenden trockenen Witterungszuständen nicht erwarten; die benachbarten Vorarlberge, die Graubündener Berge und die schweizerischen Alpen sind bis nahezu 5= bis 6000 Fuß über dem Meeresspiegel noch schneefrei. Der Barometerstand ist ungewöhnlich hoch und geringen Schwankungen unterworfen.“[20]

Und so geht es in einem fort mit den Wettermeldungen. Auch diese müsste ich alle in eine Tabelle spartieren für einen Überblick und zur Auswertung und/oder Ergänzung bestehender Arbeiten.

Ein Schwabenstreich

Ein weiterer Hungerstein, zu dem meine Schnellsuchen nichts ergaben, ist ein Stein in Assmannshausen am Rhein mit dem genauen Datum 21. Februar 1858, eingeritzt von einem Rudel Jungen zwischen 14 und 16 Jahren, die „einen Schwabenstreich“ ausführten und „im Gänsemarsch zu Fuß das Bett des Rheins“ durchschritten: „Sie kamen nach Verlauf einer Viertelstunde wohlgemuth und das Liedchen trillernd: „Es kann ja nicht immer so bleiben etc.“ am jenseitigen Ufer in der Nähe des Rheinsteins an, von wo aus der Rückweg mittelst eines Nachens bewerkstelligt wurde. So lange die Wellen die Ufer des Rheins bespülen, wird neben der Legende vom Mäuseturm der ‚Gänsemarsch über den Rhein‘ im Munde der Assmannshäuser Bevölkerung fortleben.“[21]

Screenshot © Susanne Wosnitzka

Dieses Lied „Es kann ja nicht immer so bleiben“ ist ein Text von August von Kotzebue aus dem Jahr 1802, im selben Jahr vertont von Friedrich Heinrich Himmel. Die erste Strophe lautet: „Es kann ja nicht immer so bleiben hier unter dem wechselnden Mond. Es blüht eine Zeit und verwelket was mit uns die Erde bewohnt. […] 3. Es werden viel fröhliche Menschen lang nach uns des Lebens sich freun, und Ruhendem unter dem Grase den Becher der Fröhlichkeit weihn. […] 5. Doch weil es nicht immer kann bleiben, so haltet die Freude recht fest! Wer weiß denn, wie bald uns zerstreuet das Schicksal nach Ost und West. […] 7. Und kommen wir wieder zusammen auf wechselnder Lebensbahn, so knüpfen an’s fröhliche Ende den fröhlichen Anfang wir an.“[22]

Oh Kotzebue, wenn du wüsstest! Wenn nicht außergewöhnliche Ereignisse eintreten wie Vulkanausbrüche, werden wir wohl keine einigermaßen kühle Sommer mehr erleben. Der Deutsche Wetterdienst belegt zweifelsfrei in Studien und daraus erstellten Grafiken einen wohl unaufhaltsamen Anstieg an Hitze und Dürre.[23]

Vor 30 Jahren noch jeden Samstag obligatorisches Abkratzen der Autolichter: Befreiung einer zäh-trockenen Masse an toten Fliegen und Insekten. Heute: Nichts mehr dergleichen. Nur eines der warnenden Symptome des schleichend-perfiden Klimawandels: Das Abschmelzen der letzten Gletscher und Eisregionen, das bereits begonnen hat, das Auftauen von Permafrost, die Aufwärmung der Meere, die Versuche, die Weltbevölkerung zu ernähren durch Abholzung von Wäldern zur Gewinnung von Acker- und Futterland, Überdüngung, Pestizid-Einsätze, die Insekten- und damit auch Vogelpopulation dezimiert etc. pp. – alles menschengemacht durch Überkonsum und Habgier, einer der biblischen Todsünden. Früher oder später (eher früher) wird das tatsächlich den Tod bringen.

© heise.de Temperaturanomalie DWD 1881–2020

Bereits in den 2050er Jahren könnte die 3°C-mehr-Marke erreicht werden. Wir müssten den CO2-Ausstoß jetzt sofort auf 0 bringen, um das einigermaßen zu verhindern.[24] Wie wir ‚die Menschheit‘ allerdings kennen und vor allem die Politik im Großen und Ganzen, wird das nicht wirklich versucht werden. Der ‚Jedermann‘, der dem schnöden Mammon huldigt und erst auf seinem Sterbebett begreift. Wir können nicht hinaus.

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Einzelnachweise
[1] Vgl. https://www.wetterkontor.de/de/lexikon/jahrhundert-sommer.html (Stand: 11. August 2026).
[2] Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nr. 290, 17. Oktober 1834, S. 1.
[3] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hungerstein_(Wasserstandsmarkierung) (Stand: 11. August 2026).
[4] Augsburger Ordinari Postzeitung, Nr. 46, 16. Februar 1854, Beilage S. 147.
[5] Sebastian Hensel: Die Familie Mendelssohn, 1729–1847: nach Briefen und Tagebüchern. Berlin (B. Behr’s Verlag) 1906, S. 84.
[6] Vgl. https://guide.freies-deutsches-hochstift.de/mediaguide/romantik-ausstellung/2-obergeschoss/brentano-am-rhein/ (Stand: 11. August 2026).
[7] Benedikt Meyer: Frankensteins Sommer, in: https://blog.nationalmuseum.ch/2019/07/frankensteins-sommer/ (Stand: 11. August 2026).
[8] Ruth Fühner: Vor 200 Jahren. Veröffentlichung von Mary Shelleys ‚Frankenstein‘, in: https://www.deutschlandfunk.de/vor-200-jahren-veroeffentlichung-von-mary-shelleys-100.html (Stand: 11. August 2026).
[9] Vgl. https://www.verlagshausroemerweg.de/products/streifzuge-durch-deutschland-und-italien?_pos=2&_sid=6db03071a&_ss=r (Stand: 11: August 2026).
[10] Vgl. https://www.blb-karlsruhe.de/aktuelles/ausstellungen/der-rhein-im-panorama (Stand: 11. August 2026). Hier anzusehen: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37495372 (Stand: 11. August 2026).
[11] Augsburger Ordinari Postzeitung, Nr. 53, 22. Februar 1842, S. 6: „Passau, 13. Febr. Der gegenwärtige Wasserstand der Donau ist so niedrig, wie er es wohl seit dem Jahre 1818 nicht mehr war. Heute wurde auf dem sogenannten Schustersteine, mitten in der Donau, auf welchem in den siebenziger Jahren der Schuster Doll ein paar Schuhe machte, und welcher seitdem nur im Jahre 1818 etwas sichtbar wurde, der Seltenheit wegen gekocht und vom Zimmermann Straßer eine Säge zugefeilt.“
[12] Deggendorfer Donau-Bote, Nr. 9, 11. Januar 1889, S. 3: „Passau, 9. Jan. Der historische Schusterstein unterhalb der hiesigen Maxbrücke wird in Folge des immer niederer werdenden Wasserstandes in ein paar Tagen über den Wasserspiegel schauen; er ist schon ganz gut sichtbar.“
[13] Palatina. Belletristisches Beiblatt zur Pfälzer Zeitung, Nr. 13, 31. Januar 1885, S. 52.
[14] mdr Sachsen: Niedrigwasser bringt Hungerstein in der Elbe zum Vorschein, in: https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/freital-pirna/news-coswig-trockenheit-elbe-niedrigwasser,hungersteine-102.html (Stand: 11. August 2926).
[15] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hungerstein_(Wasserstandsmarkierung) (Stand: 11.08.2026).
[16] Augsburger Tagblatt, Nr. 239, 1. September 1842, S. 1036: „Reisende aus Dresden erzählen, daß die Elbe in der Gegend von Pirna fast ganz versiegt sei, und daß man in dem trockenen Grunde des Elbbettes den merkwürdigen Stein gefunden habe, der vor einigen hundert Jahren bei einem ähnlichen großen Wassermangel dort hineingeworfen worden ist, und worauf zur Erinnerung folgende Worte mit der Jahreszahl eingravirt stehen: „Als man mich sah, da weinte man, wenn man mich wieder sehen wird, so wird man wieder weinen.“ (Bekanntlich wurde vor einiger Zeit Aehnliches von einem in der Rhone gefundenen Stein erzählt.) Nach der Geschichte gab zu dieser Zeit, der Merkwürdigkeit halber, der Kurfürst von Sachsen in diesem trockenen Bette ein großes Mahl, was demselben damals sehr übel gedeutet wurde.“
[17] Augsburger Ordinari Postzeitung, Nr. 12, 12. Januar 1858, Beilage S. 27.
[18] Heinrich Walter: Ueber die Stromschnelle von Laufenburg. Zürich (Zürcher & Furrer 1901), S. 27, u. Universität Bern: Euro-Climhist – Wege zur Wetternachhersage, in: https://www.euroclimhist.unibe.ch/historische_klimatologie/daten/wassermarken/index_ger.html (Stand: 11. August 2026).
[19] Augsburger Tagblatt, Nr. 270, 2. Oktober 1857, S. 2138: „Zwingenberg, 25. Sept. In der Nähe des hiesigen Orts liegt ein 18 Fuß langer und 4 Fuß breiter Felsen im Neckar, der nur bei sehr niederem Wasserstande sichtbar ist. Auf demselben sind die Jahreszahlen 1590, 1766, 1814, 1822, 1832, 1834, 1842 eingehauen und ist nun noch 1857 beigefügt worden.“
[20] Augsburger Ordinari Postzeitung, Nr. 31, 31. Januar 1858, S. 122.
[21] Augsburger Tagblatt, Nr. 60, 1. März 1858, S. 478.
[22] Vgl. https://www.volksliederarchiv.de/kann-nicht-immer-so-bleiben/ (Stand: 11. August 2026).
[23] Vgl. https://www.heise.de/imgs/18/3/0/2/7/6/9/4/Temp-Zeitreihe-1983b8545e8d6554.jpg, in: https://www.telepolis.de/article/2020-in-Deutschland-Duerre-und-Hitzetote-10618761.html (Stand: 11. August 2026).
[24] Verena Kern: Bis 2050 in die Drei-Grad-Welt, in: https://klimareporter.de/erdsystem/bis-2050-in-die-drei-grad-welt (Stand: 11. August 2026).

Emilie Goldberger, unbekannte jüdische Clara-Schumann-Schülerin wiederentdeckt

Goldberger-Autograph © Susanne Wosnitzka
Goldberger-Autograph © Susanne Wosnitzka

Clara Schumann kennt man als bedeutendste Pianistin des 19. Jahrhunderts – eine Ikone, weltweit verehrt und geschätzt, zu der man bisweilen auch heimlich wie die legendäre Ethel Smyth ins Konzert schlich. Eine Emilie Goldberger (1858–1944) – deren Klavierspiel im Vielvölkerstaat Österreich, Deutschland und Frankreich ebenfalls zu Beifallsstürmen hingerissen hat und die bei Wiens bedeutendster Salonière Berta Zuckerkandl ein und aus ging – kennt heute niemand mehr. Sie war eine, die zu Clara Schumann von Wien nach Frankfurt pilgerte, um – mit glänzendsten Noten das Wiener Konservatorium abgeschlossen und bereits als aufstrebende Pianistin begehrt – ihr Spiel bei dieser großen Meisterin noch zu vervollkommnen.

Bei Clara Schumann in Frankfurt/Main

Über Emilie Goldberger als Schülerin Clara Schumanns war bis jetzt nichts bekannt. Ich fand sie, als ich historische Augsburger Tageszeitungen auf Musiknachrichten untersuchte. Aus einer kleinen Konzertanzeige entwickelte sich eine berührende Aufblätterung einer verschütt gegangenen Biografie einer faszinierenden Persönlichkeit des Wiener Fin de Siècle und darüber hinaus.

Von Frankfurt aus reiste Emilie Goldberger für rund vier Jahre durch Europa mit besonderem Aufenthalt in Paris. Wen konnte sie dort kennenlernen? Wer hörte ihr dort zu? Einiges kam wieder ans Tageslicht bis in höchste Kreise der Stadt an der Seine, doch leider ist noch sehr, sehr viel zu ihrem Leben und Wirken unbekannt.

Und so glänzend Emilie Goldbergers Karriere begann und aufblühte, so jäh und brutal endete ihr Leben qualvoll als 83-Jährige im Ghetto Theresienstadt. Eine von rund 50.000 aus Österreich, Wien und Umgebung, die vom Wiener Aspang-Bahnhof in den Tod gefahren wurde, eine von über 6.000.000 jüdischen Menschen, die man im Nationalsozialismus gewollt, kalkuliert und organisiert zu Tode gebracht hat.

Webpräsenz für Emilie Goldberger

Normalerweise blogge ich über meine Funde. Zu Emilie Goldberger war das Aufgefundene aber trotz dieser erst kurzen Forschungsspanne (in meiner Freizeit noch dazu) so umfangreich, dass ein einzelner Blogartikel nicht mehr ausreichte. Daher erstellte ich eine von meiner Webseite ausgekoppelte Webpräsenz, in der Sie über Emilie Goldberger erfahren können, eine Timeline mit ihren bislang bekannten Lebens- und Schaffensstationen und Netzwerken sowie ihr Parade- und Konzertrepertoire finden können.

Derzeit (Oktober 2023) ist ein Aufsatz zu ihr fertig, der Ende dieses Jahres in einem renommierten Forschungsinstitut zur Musikgeschichte des Ghettos Theresienstadt erscheinen wird. Eine gedruckte Veröffentlichung auf Englisch in den USA ist angedacht. Die Goldberger-Webpräsenz wird je nach Fundlage laufend aktualisiert.

P.S.: Nicht nur mit Emilie Goldberger konnte ich jüdische Kultur- und Musikgeschichte wieder sichtbar machen. Ins Jüdische Kulturmuseum Augsburg habe ich mittlerweile zwei Privatbände zu jüdischer Geschichte aus historischen Augsburger Tageszeitungen der Jahre 1746 bis 1858 zur Auswertung eingebracht. Ein dritter Band, der bis zum Jahr 1885 reichen wird, ist in Arbeit. Eine offizielle kommentierte Publikation aller drei Bände mit ihren O-Tönen für weitere Grundlagenarbeit wäre wünschenswert.

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„Clara Schumann hat null Bock“ | 20. April 2023 HfM Weimar

Clara Schumann hat null Bock – zur Bedeutung lokaler Zeitungen zur Erforschung des Musikkulturlebens am Beispiel der Stadt Augsburg
Vortrag von Susanne Wosnitzka M. A. als Teil der Ringvorlesung Musik und Gender des Kolloquiums 19. Jahrhundert (Musikgeschichte III) von Prof. Dr. Nina Noeske
Donnerstag 20. April 2023, HfM Franz Liszt Weimar, hzh, Hörsaal, 17:15–1845 Uhr

Hier ein Link zur Veranstaltung: https://www.hfm-weimar.de/institut-fuer-musikwissenschaft-weimar-jena/aktuelles/aktuelles-aus-dem-institut#HfM

Raphaela Gromes: Clara Schumann & mehr | 25. März 2023 Augsburg

Titelbild Veranstaltung MAN-Museum © Staatstheater Augsburg
Titelbild Veranstaltung MAN-Museum © Staatstheater Augsburg

Samstag, 25. März 2023, 19:30 Uhr, MAN-Museum Augsburg, Heinrich-von-Buz-Straße 28, 86153 Augsburg
Einführungsvortrag 18:30 Uhr

Im ersten Kammerkonzert von Raphaela Gromes als Artist in Residence des Staatstheaters Augsburg stehen die Komponistinnen Clara Schumann, Pauline Viardot-García und Luise Adolpha le Beau im Fokus. Die Duo- und Triokompositionen der herausragenden Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts wird Raphaela Gromes gemeinsam mit ihrem langjährigen Klavierpartner Julian Riem und dem Violinisten Daniel Dodds präsentieren.

Vortrag zum Konzert: »Null Bock auf München« – Augsburg im Fokus!
Susanne Wosnitzka hat sich intensiv mit der Augsburger Musikgeschichte und Komponistinnen beschäftigt und kann erstmals Clara Schumann und Luise Adolpha le Beau in Augsburg nachweisen. Die Musikwissenschaftlerin bringt alle drei Komponistinnen in einen engen Zusammenhang und gibt weitere unbekannte Einblicke ins Augsburger Musikkulturleben des 19. Jahrhunderts.

Alle Infos dazu sowie einen Link zu den Tickets finden Sie auf der Webseite des Staatstheaters Augsburg: https://staatstheater-augsburg.de/romanzen_mehr

Alte Augsburger Zeitungen in der Zeitung | Interview

Augsburger Zeitungen in der Zeitung? Vor ein paar Wochen besuchte ich das Konzert der Augsburger Pianistin Stephanie Knauer im Schaezlerpalais. Sie glänzte mit einem Strauß an historischen Komponistinnen wie Maria Teresa d’Agnesi Pinottini (1720–1795), Helene Riese (1795–1869), Cecilia Maria Barthélemon (ca. 1768 – nach 1827), Juliane Reichardt (1752–1783), Josepha (Josephine) Barbara von Auernhammer (1758–1820) sowie der Uraufführung eines Werks von Dorothea Hofmann in ihrer Hommage an die Blaugestrumpften. Darin spielte sie auf dem Neupert-Nachbau des historischen Flügels von Johann Andreas Stein, der original im Mozart-Haus steht. Auch ein Werk Ignaz von Beeckes (1733–1803) war dabei, der Johann Andreas Steins Tochter Nannette Klavierunterricht gab – wovon Wolfgang Amadé Mozart überhaupt nicht begeistert war, weil Beecke wohl kein guter Lehrer war.

Fruchtbare Kooperation

Das Interesse an Augsburger Geschichte und Komponistinnen verbindet mich uns Stephanie also – daher schlug Stephanie vor, zu mir und meinen Funden in historischen Augsburger Zeitungen ein Interview zu machen. Darin erzählte ich zu einer von mir aufgefundenen heißen Spur zu Beethovens und Mozart verschollenen Oboen-Konzerten, die aber hier in Augsburg aus Originalmanuskript von Ernst Krähmer im Stadttheater aufgeführt wurden. Oder wie Clara Schumann zu ihren Konzerten in Augsburg kam, wo sie möglicherweise übernachtete (und wo definitiv nicht), wer ihre Konzerte organisiert und wessen Flügel sie spielte. Ebenso mit Unbekanntem zu Franz Liszt, der nicht nur als Kind in der Lechstadt konzertierte. Also ganz aufregende Sachen, die aufhorchen ließen!

Stephanie Knauer: "Hier spielte die Musik im 18. und 19. Jahrhundert", in: Augsburger Allgemeine, Mittwoch 14. September 2022, Nr. 212, S. 29.
Stephanie Knauer: „Hier spielte die Musik im 18. und 19. Jahrhundert“, in: Augsburger Allgemeine, Mittwoch 14. September 2022, Nr. 212, S. 29.

Und so erschien dieser Artikel in Großformat auf halber Seite gestern am 14. September 2022 in der Augsburger Allgemeinen, zu dem bereits ein Echo vorliegt und zu neuen Ideen für Konzerte und Vorträge in Augsburg zu völlig unbekannter musikalisch-gesellschaftlich-sozialer Geschichte führen kann. Bleiben Sie also dran!

Diesen Artikel gibt es auch online als AZ-Plus-Artikel.

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Matinée mit Brunch zu Clara Schumann | Ulm

Frühstück – Matinee zu Clara Schumann | 10:00 Uhr – 11:00 Uhr | Frauentreff Ulm | Hinter dem Brot 9 | 89073 Ulm
Vortragsbeginn 11:00 Uhr

Clara Schumann 1857, fotografiert in München von Franz Hanfstaengl © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Clara Schumann 1857, fotografiert in München von Franz Hanfstaengl © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Wir beginnen mit einem leckeren Frühstück, zu dem bitte jede einen Beitrag fürs Buffet mitbringt. So entsteht wie immer ein bunter und leckerer Brunch, den wir bis 11 Uhr genießen.

Im Anschluss hören wir interessantes von Susanne Wosnitzka über eine berühmte Frau:

Clara Schumann (1819–1896): Nicht “nur” die Frau von …, sondern Managerin ihres Mannes und ihres eigenen Konzertlebens, Mutter (sie gebar 8 Kinder, darunter die lesbische Eugenie), Konzertmeisterin, Komponistin, Pianistin, Salonnière etc. pp. – von ihrem Vater Friedrich Wieck streng und unerbittlich zum “Wunderkind” gedrillt, blieb sie dieser Rolle verhaftet und zog bis zu ihrem Tod eisern ihr Konzertprogramm durch – es war die einzige “Freiheit”, die sie hatte und selbst kontrollieren konnte.

Von Johannes Brahms zur “Überfrau” proklamiert, hatte er selbst für komponierende Frauen nur Verachtung übrig. Clara Schumann war damals die einzige Musikerin, die es schaffte, als evangelisch Getaufte am streng katholischen Hof in Wien zur k. u. k.-Kammermusikerin geehrt zu werden. Ohne ihr großes Zutun hätte sich ihr Mann im teils unbarmherzigen Musik- und Verlagsleben wohl nicht behaupten können.

Durch Entdeckungen in historischen Zeitungen konnte Susanne Wosnitzka Clara Schumann für Augsburg belegen: Wo sie wohnte und Konzerte spielte, auf welchem Flügel und wer ihre Konzerte organisierte – und was Letzteres auch mit Ulm zu tun hat…

Anmeldung erbeten unter: frauentreffulm[at]web.de

Interview – Was Augsburger Zeitungen erzählen | Podcast

Im Frühling 2022 wurde ich von Philipp Janssen (Historiker) zu meinen Funden in historischen Augsburger Tageszeitungen in einem Interview befragt – jetzt wurde es veröffentlicht!

Philipp bietet auf seiner Webseite Anno PunktPunktPunkt eine ganze Reihe von mittlerweile über 80 Podcast-Folgen zu aktueller Forschung aus der Geschichtswissenschaft. In jeder Folge spricht er mit einem Gast über ihr/sein aktuelles Forschungsprojekt. Dabei wird nicht nur ein Projekt an sich besprochen, sondern es wird auch darüber geredet, wie man überhaupt dazu gekommen ist, welche Quellen man nutzt und welchen Forschungsstand man vorgefunden hat. Ziel ist es einerseits dem Projekt und dem Menschen dahinter eine Öffentlichkeit zu bieten, andererseits geht es darum der Hörer:innenschaft dieses Projekt zu vermitteln.

Blick auf Augsburg 1846 © gemeinfrei/Susanne Wosnitzka
Blick auf Augsburg 1846 © gemeinfrei/Susanne Wosnitzka

In der 84. Folge mit mir geht es um Augsburg zwischen dem Mittelalter und dem 19. Jahrhundert. Um eine Gaststätte, die heute vollkommen in Vergessenheit geraten ist. Die aber zu dieser Zeit den wohl weltweit größten Konzertsaal hatte. Über mich als Forschende, die weit über diese Spielstätte hinaus Geschichten und Ereignisse verschiedenster Art in historischen Zeitungen gefunden hat und viel darüber berichten kann. Und besonders zur Augsburger Frauengeschichte!

Einiges davon finden Sie in meiner Sparte blog@augsburg.de, zum Beispiel zu einem Teil der Seuchengeschichte Augsburgs oder zu Clara Schumanns und Franz Liszts Konzerten. Oder zu einem Missing Link zu einer möglicherweise neuen heißen Spur zu Mozarts und Beethovens verschollenen Oboenkonzerten. Dass beide Manuskripte fehlen, ist nämlich kein Zufall.

Unter diesem Link gehts direkt zum Podcast-Interview: https://anno-punktpunktpunkt.de/084-aus-augsburger-zeitungen

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Caroline von Staudt – Augsburger Claviervirtuosin mit seltener Bravour

Wie entdeckt man eine unbekannte, verschollen gegangene Pianistin des 19. Jahrhunderts – Caroline von Staudt? Indem man nicht gezielt danach sucht. Sie kennen das: Man stöbert vielleicht jahrelang nach der großen Liebe in irgendwelchen Paar-Foren und Handy-Apps und zeigt sich da von seiner geschlecktesten Seite, findet dann seine große Liebe aber an der Supermarktkasse im Jogginganzug.

So ähnlich finde ich meine ‚Liebschaften‘: Meist im gemütlichen Outfit am Schreibtisch und im Scrollen durch historische Zeitungen. So auch in diesem Fall. In diesem Fall fanden sich aber zusätzlich klavierspielende und komponierende (!) Nachfahrinnen, die bislang nichts von ihrer musikalischen Vorfahrin wussten. Also alles wahnsinnig aufregend und für die heutige Familie von Staudt spektakulär! Und so kam es dazu: „Caroline von Staudt – Augsburger Claviervirtuosin mit seltener Bravour“ weiterlesen

Elegie auf den Abriss des Gögginger Tors | Neufund

Elegie auf einen Abriss. Viele Augsburger:innen warteten im 19. Jahrhundert freudig darauf, ihre Stadt in die Zukunft geführt zu sehen. Nicht nur Augsburg wurde erleuchtet durch die Genialität von Ludwig August Riedinger (1809–1879), sondern auch buchstäblich mindestens halb Europa durch seine Technik der Gasbeleuchtung. Wiederkehrende Weltausstellungen in München, Paris und London erweiterten den Horizont technischer Art immens und auch die Vorstellungskraft, was noch alles kommen möge in der Zukunft. Man wollte Helle, Weite, Luft und Raum zum Atmen. Das sah man vielerorts durch Stadtmauern begrenzt, die dann um 1850 auch nicht mehr die großen Seuchen wie die Cholera abhielten, auch in Augsburg[1] – im Gegensatz zur Zeit um 1832 – tödlich zu wirken.

Todbringende Technik

Zur Todbringerin war auch die technische Errungenschaft der Eisenbahn geworden, die nicht nur die Menschen, sondern auch Keime schnell von Stadt zu Stadt brachten. Die Entscheidung, den Bahnhof vom Platz vor dem Roten Tor zum heutigen Ort zu verlegen, brachte auch eine neue Straße mit sich: Das war nicht die heutige bekannte Bahnhofstraße, sondern zunächst die heutige Prinzregentenstraße, die als erste dazu genutzt wurde, die Menschenmengen (die in den Augsburger Zeitungen dazu publizierten Zahlen und Baugeschichte habe ich festgehalten) in die Stadt zu bringen. Diese stauten sich allerdings stets an den Toren, da dort strenge Einreisekontrollen stattfanden. So durfte man zum Beispiel kein außerhalb gekauftes Brot oder Fleischwaren in die Stadt bringen (Letzteres auch wegen Seuchengefahr und vor allem, damit das Geld in der Stadt blieb). Immer lauter wurden die Stimmen, die alten Tore abzureißen und die Stadt für einen modernen Verkehr zu öffnen. Die heutige Bahnhofstraße wurde neu dann angelegt, und mit ihr war der Zustrom der Leute kaum mehr zu bewältigen – abgesehen von den vielen Unfällen mit in/an den Toren durch Kutschen zerdrückten Menschen. „Elegie auf den Abriss des Gögginger Tors | Neufund“ weiterlesen

Daniel Fenner von Fenneberg – Augsburgs Anti-Anti-Revolutionär

Daniel Fenner von Fenneberg (1818–1863) war einst eine literarische als auch politische große Nummer in Augsburg. Eine beinahe zu große für die Stadt in der Zeit der 1848er/1849er Jahre. Allerdings eine Nummer, die heute nicht mehr bekannt ist und wovon dieser Artikel erstmals erzählt – durch meine Recherchen an historischen Tageszeitungen wieder ans Licht gekommen. Und dieses Licht scheint beispielhaft für die Entwicklung der Demokratie in Augsburg.

Die Geschichte der Geschichte

Gibt es für die Märzrevolution einen Startschuss? Ein Tag, der das zuvor schon gärende Fass zum Explodieren brachte? Im Vormärz vielleicht? Vor dem März kommt der Februar. Einen dieser Tage kann man festmachen: Den 9. Februar 1848. Nach Handgreiflichkeiten zwischen seiner Geliebten Lola Montez (1821–1861) und Teilen der Münchner Bevölkerung, schloss König Ludwig I. (1786–1868) an diesem Tag kurzerhand die Münchner Universität und befahl allen Studenten, die Stadt binnen drei Tagen zu verlassen, was zu heftigem Protest und schließlich zur Ausweisung von Lola Montez aus Bayern bzw. Deutschland und der Abdankung von König Ludwig I. führte[1] – was auch in Augsburg großes und nahezu bleiernes Thema war: Eine quasi dahergelaufene ‚falsche Spanierin‘ und ein Mann königlichen Geblütes. Zwei unterschiedliche Klassen. „Daniel Fenner von Fenneberg – Augsburgs Anti-Anti-Revolutionär“ weiterlesen

Augsburger Theatergeschichte neu erlebbar

Die Theatergeschichte Augsburgs ist zwar eine lange – allerdings existiert bislang so gut wie keine moderne Forschung bzw. Publikation dazu. Der Wikipedia-Artikel zum Augsburger Stadttheater bzw. nun Staatstheater liefert zwei historische Publikationen als Grundlage: Einen sehr umfassenden Versuch zur Geschichte der theatralischen Vorstellungen in Augsburg, geschrieben von Friedrich August Witz (1806–1880) und im Druck erschienen 1876[1] zum 100. Jubiläum der Eröffnung des neuen Schauspielhauses (1776) sowie ein paar wenige Seiten in einer Ausgabe des Augsburger Adressbuchs[2] (1971). Hie und da mögen noch einzelne weitere Artikel zu bestimmten Menschen und Ereignissen am/im Theater erschienen sein, aber diese reichen nicht aus, um diesen Teil der Augsburger Stadtgeschichte und der Theatergeschichte auch hinsichtlich der Aufführungen, des internen und externen Personals, der großen Stars, der Umbauten, der Modernisierungen, der Stadtgespräche, der Bewilligungen und Nichtbewilligungen, zu Kosten, Löhnen und Gehältern annähernd zu vervollkommnen. Zumindest so nah wie möglich an die Theatergeschichte heranzukommen, denn die Arbeit mit und an der Geschichte ist – wie Friedrich August Witz erkannt hat – nur ein Versuch, den Ereignissen in der Vergangenheit auf die Spur und damit näher zu kommen.

Theatergeschichte nicht ohne Konzertgeschichte

Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka
Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka

Letzteres ist nun möglich: Seit Beginn meiner Dissertation zur Musikgeschichte der Goldenen Traube, einer historischen und nicht mehr existenten Gaststätte im Herzen Augsburgs, die drei (!) Konzertsäle besaß, habe ich mich mit historischen Augsburger Tageszeitungen beschäftigt, in denen sich Informationen zu reisenden Musiker:innen, Komponist:innen und Künstler:innen befinden sowie Konzerte und Theaterspiele angekündigt und rezensiert werden. Nebenbei finden sich darin Diskussionen zum Augsburger Kulturleben, Auswirkungen politischer Angelegenheiten auf das Kulturleben sowie zur Theatergeschichte in abhängiger Vernetzung der großen Musikkulturzentren Theater, Goldener Traube, teils auch (aber selten) Kirchen und anderen Gaststätten und Zunfthäuser, die über einen größeren Saal verfügten. „Augsburger Theatergeschichte neu erlebbar“ weiterlesen

Ethel Smyth – Suffragette in München | #femaleheritage

Read this article in English here: Ethel Smyth – a  firecracker in Munich. Thanks to Gabriella Di Laccio to publish it on her website ‚donne – women in music‘ (28, Juni 2021)

Ethel Smyth (1858–1944) war ein Kracher. Sie ließ so gut wie nichts anbrennen, war ihrer Zeit voraus, bewegte sich in höchsten und coolsten Kreisen, war musisch wie schriftstellerisch höchstbegabt, war unglaublich mutig, indem sie sich gegen gesellschaftliche Normen und Frauenhasser stellte und dadurch großartiges Neues schuf, darunter ihr The March of the Women, den sie 1910 für die Treffen und Demos der britischen Frauenwahlrechtskämpferinnen zusammen mit der Poetin Cicely Hamilton (1872–1952) verfasst hatte. Dieser Marsch ist in den letzten Jahren bekannter geworden und wird gerne – weil er so wunderbar eingängig ist – mittlerweile wieder besonders zu Veranstaltungen rund um den Internationalen Frauentag gesungen. Auch im Film Suffragette (2015) konnte man einen Teil davon bei einer nachgestellten Demo hören.


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Leipzig, ick hör dir trapsen

Ethel Smyth, aufgewachsen in einem Vorort von London in einer Familie der gehobenen Mittelschicht, hatte eine deutsche Nanny, die in Leipzig pianistisch ausgebildet worden war und Klein-Ethel Klavierunterricht gab. Es stellte sich schnell heraus, dass Ethel für Musik besonders begabt war. In ihr reifte die Idee, ebenfalls in Leipzig zu studieren. Aber nicht das Klavierspiel, um Interpretin zu werden, sondern um Komponistin zu werden! Das galt damals als ziemlich aussichtslos, da Frauen aufgrund ihres Geschlechts keine Chance hatten, als Kapellmeisterin einen Job zu bekommen. Was mit ein Grund ist, warum Großwerke von Frauen heute kaum bekannt sind – sie konnten ihre Werke eben nicht einfach mit einem Orchester, dem sie vorstanden, einüben und selbstverständlich aufführen.[1] Sie hätten dazu ein Orchester und einen Konzertsaal anmieten und hätten selbst für Werbung etc. sorgen müssen. Emilie Mayer (1812–1883) konnte das eine Zeit lang, weil sie über entsprechendes Privatgeld verfügt hatte – das dann irgendwann aufgebraucht war, sodass weitere Großwerke wohl deswegen zu Lebzeiten nie auf die Bühnen gebracht wurde. „Ethel Smyth – Suffragette in München | #femaleheritage“ weiterlesen

Clara Schumann hat null Bock | #femaleheritage

Clara Schumann hat null Bock. Sidekick: Unbekanntes zu Franz Liszt in Augsburg. Neues zur Konzertorganisation im 19. Jahrhundert in Augsburg und München

Maximilianstraße Augsburg. I. Owen nach Robert Batty, ca. 1835 © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Maximilianstraße Augsburg. I. Owen nach Robert Batty, ca. 1835 © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Blogtext gewidmet meiner Freundin Luise Kimm, Sängerin

This blogtext, written for the #femaleheritage blogparade of the Monacensia Munich, is now available in English! Thanks to Gabriella Di Laccio to publish it on her website Donne365!

Geht man ins Konzert, geht man in ein Konzerthaus, ins Theater oder in eine Kirche. Im 18. und 19. Jahrhundert ging man dazu in eine Gaststätte, in ein Hotel oder in eines der Zunfthäuser, die über einen großen Tanzsaal für Hochzeiten und andere Anlässe verfügten. Eigens als Konzertsaal angelegte Lokalitäten gab es erst relativ spät mit steigender (Massen)Nachfrage von Konzerten der Virtuosen-Superstars Niccolò Paganini (1782–1840) und Franz Liszt (1811–1886), der Schwestern Teresa (1827–1904) und Maria (1832–1848) Milanollo sowie ganzer Orchestertrupps wie dem von Johann Strauss sen. (1804–1849), die auf ihren Tourneen überall und von sehr vielen Menschen gehört werden wollten. Einer der ersten neugebauten richtigen Konzertsäle war das Münchner Odeon, erbaut 1826/28 von Leo von Klenze (1784–1864) für genau solche Zwecke.

Gaststätten im Zentrum
Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka
Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka

In Augsburg hingegen gab es so etwas bis Ende des 19. Jahrhunderts nicht. Dafür hatte man den großen Apollo-Saal der heute nur noch wenig bekannten Goldenen Traube, die im 18. und 19. Jahrhundert das Zentrum bürgerlicher Musikausübung war und Thema meiner sich in Arbeit befindenden Dissertation ist. Für diese durchforstete ich in den letzten Jahren neun Augsburger Tageszeitungen der Jahre 1746 bis (jetzt) 1878 (vorläufiges Ende der Digitalisierung mit Warten auf Nachschub) auf Musik- und Kulturnachrichten – über 100 Jahre dichteste Lokal- und Weltgeschichte mit zahlreichen anderen hochinteressanten Funden anderer Sparten, mit denen sich zum Beispiel auch die Geschichte der Ballonfahrt neu schreiben ließe oder die europäische Frauenbewegungsgeschichte, zu der ich einen eigenen unbekannten französischen Strang entdeckt habe, der zum Inhalt eines anderen Histoblogs der #femaleheritage-Blogparade der Monacensia München wird. An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei den Organisatorinnen für die persönliche Einladung, für diese Aktion mein Wissen in mehreren Blogtexten präsentieren zu können. Dieser hier ist der erste in der Reihe. „Clara Schumann hat null Bock | #femaleheritage“ weiterlesen

Clara Schumann (1819–1896) | Vortrag

Clara Schumann (18191896): Nicht “nur” die Frau von …, sondern Managerin ihres Mannes und ihres eigenen Konzertlebens, Mutter, Muse, Konzertmeisterin, Komponistin, Pianistin, Salonnière etc. pp. – von ihrem Vater Friedrich Wieck streng und unerbittlich zum “Wunderkind” gedrillt, blieb sie dieser Rolle später als “Überfrau” verhaftet und zog bis zu ihrem Tod eisern ihr Konzertprogramm durch – es war die einzige “Freiheit”, die sie hatte und selbst kontrollieren konnte. Von Johannes Brahms zur “Überfrau” proklamiert, hatte er selbst für komponierende Frauen nur Verachtung übrig. Clara Schumann war die einzige Musikerin, die es schaffte, als evangelisch Getaufte am streng katholischen Hof in Wien zur k.&k.-Kammermusikerin geehrt zu werden. Ohne ihr großes Zutun hätte sich ihr Mann im teils unbarmherzigen Musik- und Verlagsleben wohl nicht behaupten können.

Besonders geeignet fürs Clara-Schumann-Jubiläumsjahr 2019!

Hörbeispiel:
Clara Schumann, Klaviertrio op. 17(1846)


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Kosten:
VB (einzelne Vorträge ca. 90 Minuten; Anreise/Übernachtung exklusive)

Ideal für Kulturzentren, Firmenfeierlichkeiten, private Feste wie Geburtstage etc. – beschenken Sie einen Freund/eine Freundin oder Ihre Kundinnen und Kunden mit einem Vortrag aus meinem Repertoire | Hausvorführungen möglich – Beamer und weitere technische Gerätschaften vorhanden