Assingmilieren in Florenz | Neufund zu Ludmilla Assing

Jemand in Florenz grade im Urlaub? Kunst- und kulturinteressiert? Auch an Frauengeschichte? Zu Ludmilla Assing? Ja? Dann macht doch im berühmten Boboli-Garten bitte der Länge nach ein philosophisches Lieg-In im Rasen. Warum? Als Gedenken!

Sich einfach so in einen Garten zu legen, faul zu sein und um über das Leben herumzuphilosophieren brachte wohl Ludmilla Assing (1821–1880), Herausgeberin der Rahel Varnhagen’schen Briefe, in Italien in Mode. Was offenbar so spektakulär war, dass 1862 darüber im Augsburger Tagblatt berichtet wurde.

Ludmilla Assing war aber auch wirklich eine Badass gewesen: Befreundet mit unter anderem Hedwig Dohm (1831–1919), berichtete als Augenzeugin von den Barrikadenkämpfen in Berlin der 1848er/1849er Jahre, gab auch die skandalträchtigen Briefe von Alexander von Humboldt (1769–1859) und ihrem Onkel heraus, setzte sich nach Florenz ab und wurde wegen royaler Beleidigungen steckbrieflich gesucht. Ihr Herz schlug links, ihr literarisches Wirken war enorm.

Hier die originale Meldung aus der Augsburger Zeitung, gerade gefunden:

Augsburger Tagblatt No. 200 1862 © Screenshot Susanne Wosnitzka
Augsburger Tagblatt No. 200 1862 © Screenshot Susanne Wosnitzka

“Florenz, 14. Juli. Von literarischen Berühmtheiten weilt seit einiger Zeit das landesflüchtige Fräulein Ludmilla Assing, die Herausgeberin der Varnhagen’schen Tagebücher, unter uns, welche sich, den Spottreden der Italiener Trotz bietend, allsonntäglich im Boboligarten der Länge nach im grünen Gras philosophisch ausstreckt.”[1]

Sollte ich jemals nach Florenz kommen, werde ich mich im Boboli-Garten zur löblichen Feier ihres Gedenkens im Gras ausstrecken. Eine liegende Gedenkstatue von ihr dort wäre doch auch eine grandiose Idee!

Man assimiliert sich dort dann nicht, sondern assingmiliert sich. Sich assingmilieren = faulenzend-philosophisch im Park im Gras herumliegen. Das wäre doch auch ein gutes neues Wort für den Duden.

 

Einzelnachweise

[1] ”Augsburger Tagblatt”, No. 200. Mittwoch 23. Juli 1862, S. 1749.
Beitragsbild: Ludmilla Assing, um 1850, Selbstportrait (Pastell) © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Die größten Schweizerinnen 1858

Wer waren die größten Schweizerinnen der 1850er Jahre? Da gab es zum Beispiel Wilhelmine von Hillern (1836–1916) – Tochter der höchst erfolgreichen Dramatikerin und (zugereisten) Züricher Theaterdirektorin Charlotte Birch-Pfeiffer (1800–1868) –, die zuerst als Schauspielerin agierte, sich aber nach ihrer Hochzeit von der Bühne verabschiedete (oder verabschieden musste) und der Schriftstellerei zuwandte. Deren heute bekanntestes Werk ist die vielfach verfilmte und legendäre Geier-Wally.

Groß, größer, am größten
Anna Susanna Fries, Szene aus "Romeo und Julia" © Amber Tree, flickr.com
Anna Susanna Fries, Szene aus “Romeo und Julia” © Amber Tree, flickr.com

Oder auch Anna Susanna Fries (1827–1901, kein Link, da leider noch kaum Informationen im Netz) aus Zürich, die sich trotz des Widerstandes ihres Vaters der Kunst widmete und an den Kunstschulen in München und Paris und dann bei einzelnen Malern in Zürich studierte. Mitte der 1850er Jahre ließ sie sich als Porträtistin in ihrer Heimatstadt nieder und malte u. a. die weltbekannte Schriftstellerin Johanna Spyri (Heidi, 1827–1901) – auch diese eine der größten Schweizerinnen. Durch den Auftrag, die niederländische Königin und deren Hof zu porträtieren, arbeitete Anna Susanna Fries für zwei Jahre in Holland. In Florenz gründete sie Anfang der 1870er Jahre eine Kunstschule für Frauen, in der sie zwölf bis zwanzig Schülerinnen hatte. Nach einer Reise in den Orient malte sie besonders auch Landschaften und Figuren. Ihre eigentliche Stärke aber war die Porträtmalerei.[1]

Seltene Angaben

So weit, so groß. Aber wer waren denn nun die wirklich größten Schweizerinnen der 1850er Jahre? In ganz, ganz seltenen Fällen kann man das nämlich auch auf die pure Körpergröße anwenden, sofern sich Angaben zu Körpergrößen von Menschen aus dieser Zeit überhaupt erhalten haben.

Einer dieser Fälle kam heute während meiner Recherchen in einer historischen Augsburger Tageszeitung zu Tage. Darin wurden zwei Schweizer Schwestern als wandelnde Riesensensation angekündigt mit folgenden Worten: „Die größten Schweizerinnen 1858“ weiterlesen

Italienische Renaissance-Komponistinnen | Vortrag

Francesca Caccini (1587 nach 1641), Barbara Strozzi (16191677) und Maddalena Casulana (um 1544 um 1590).
Barbara Strozzi gab zu Lebzeiten acht Madrigalbücher mit ihren Werken heraus – so viele wie ihr weltweit bekannter Kollege Claudio Monteverdi (15671643). Frauen der legendären Concerti delle donne, die am Hof von Ferrara gegründet wurden, einen ungeheuren Boom erlebten und selbst die Instrumentenmacher und den Gebrauch von hohen Instrumenten wie die Violine bis heute nachhaltig beeinflussten, trugen zur Verbreitung von Renaissancemusik auch an Deutschlands Höfen maßgeblich bei. Diesen Frauen ist es zu verdanken, dass sich mit ihrer Performance, die alle Register der Affetti zog und Dissonanzen auf erstaunliche Weise voll auskostete, die Renaissance als Wiedergeburt der Antike bis heute in ganz Europa als neue Lebensart durchsetzen konnte.

Hörbeispiel:
Concerto delle donne

Kosten:
VB (einzelne Vorträge ca. 90 Minuten; Anreise/Übernachtung exklusive)

Ideal für Kulturzentren, Firmenfeierlichkeiten, private Feste wie Geburtstage etc. – beschenken Sie einen Freund/eine Freundin oder Ihre Kundinnen und Kunden mit einem Vortrag aus meinem Repertoire | Hausvorführungen möglich – Beamer und weitere technische Gerätschaften vorhanden