Sehen im Nicht-Sehen

Maria Theresia Paradis. Zeichnung von F. Parmantié, 1784. © Wikimedia.Commons (allgemeinfrei)
Maria Theresia Paradis. Zeichnung von F. Parmantié, 1784. © Wikimedia.Commons (allgemeinfrei)

Erstmals veröffentlicht am 4. April 2016 auf Facebook

Inspiriert durch den Versuch einer Facebook-Followerin, einer blinden jungen Frau zu erklären, wie Sterne aussehen oder wie sie sich anfühlen können, habe ich mich an eine Begebenheit der blinden Komponistin Maria Theresia Paradis erinnert, die durch magnetische Behandlung plötzlich die Sterne sehen konnte, aber den Klang ihrer Musik verlor.

Ich erzähle eine Geschichte von ihr: Es war einst ein kleines Kind, das ein ganz furchtbares Erlebnis gehabt haben musste, denn es wurde über Nacht blind. Man erzählte, es sei ein Feuer gewesen, das sie erschreckt habe, aber vermutlich war es Missbrauch: Ihre Augen verdrehten sich nach innen, sodass es absolut dunkel um sie wurde. Bald darauf stellte man fest, dass sie eine wunderbare Begabung für die Musik hatte und fantastische Melodien auf dem Klavier spielen konnte. Sie erhielt regelmäßig Unterricht und wurde zu einer Sensation, die auch eine Art Rente vom Kaiserhaus bekam. Manchmal spielte sie auch Orgel in einer der Wiener Innenstadtkirchen.

Karriere

Und Maria Theresia Paradis schrieb gern: Eigene musikalische Werke und Briefe an Menschen, die sie über Gespräche und sonstigen Austausch in privaten „Sehen im Nicht-Sehen“ weiterlesen

Schädelschicksale

Barthel Bruyn, "Vanitas", 16. Jh. © Wikimedia.Commons (allgemeinfrei)
Barthel Bruyn, “Vanitas”, 16. Jh. © Wikimedia.Commons (allgemeinfrei)

Was haben Franz Joseph Haydn, Wolfgang Amadé Mozart und Friedrich Schiller gemeinsam? Sie waren deshalb so genial, weil sie gleich zwei Schädel hatten. Alter Witz, aber noch immer für ein Verblüffen gut. Dabei ist das gar nicht so lustig, sondern wirklich so. Anknüpfend an einen meiner alten Blogs komme ich endlich mal dazu, über dieses interessante Thema zu schreiben – wer heutzutage Schädelweh hat, wurde vielleicht in einem vorigen Leben Opfer des berühmt-berüchtigten Dr. Franz Joseph Gall (1758–1828). Jedenfalls: all diese Herrschaften – und vielleicht ein paar Unbekannte mehr – waren A-Promis. Und daher begehrte „Ware“.

Faszination und Grauen

Um 1800 verbreitete sich eine Pseudo-Wissenschaft, die „Schädelschicksale“ weiterlesen