network the networks | Panel “Komponistinnen in der Klassik” | 21. April 2021

Packend wie ein Ringkanon – Frauenmusiknetzwerke | Essay

Packend: Netzwerke © Susanne Wosnitzka
Packend: Netzwerke © Susanne Wosnitzka

Packend wie ein Ringkanon: In Deutschland wie Europa gibt es zahlreiche Institutionen und Initiativen zu Frauen und Gender-/Geschlechterfragen in der Musik. Das in den letzten Jahrzehnten entstandene Netzwerk wächst stetig weiter. Im Fokus steht neben Netzwerkarbeit auch die Quellenarbeit: Wo kann man etwas zu Komponistinnen finden? Wie kann ich mich als Musiker:in engagieren?Wo kann ich mich einklinken und zum Fortkommen dieser reichen Kulturlandschaft beitragen?

Ein neuer Überblick aus unter anderem meiner Feder zum Stöbern – über die GEDOK, das Archiv Frau und Musik/Internationaler Arbeitskreis Frau und Musik (Frankfurt/Main), die Internationale Komponistinnen-Bibliothek Unna, musica femina münchen, Komponistinnen und ihr Werk (Kassel), das ForumMusikDiversität (Schweiz), das CID – Fraen an Gender (Luxemburg), das Sophie Drinker Institut (Bremen), MUGI (Hamburg), das Forschungszentrum Musik und Gender (HfMT Hannover), die Mariann Steegmann Foundation, den Furore- (Kassel) und den Certosa-Verlag (Klein-Winternheim). Wahre Schätze!

Packend: Einblick

1979 entstand das erste und bis heute umfangreichste internationale Archiv für Werke von Komponistinnen und andere Zeugnisse des kulturellen Handelns von Frauen in der Musik: das Archiv Frau und Musik. Dem vorangegangen war die Gründung des Internationalen Arbeitskreises Frau und Musik (IAK) auf Initiative der Dirigentin Elke Mascha Blankenburg. Zweck des Vereins laut Gründungsdokumenten ist es, „Kompositionen von Frauen in Vergangenheit und Gegenwart ausfindig zu machen, zu sammeln und aufzuführen und sie damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“.

Eine Fülle an Musikalien, bis dahin privat gesammelt, wurde nun zu einem öffentlichen Archiv. Zum Bestand zählen alle Arten von Materialien, die das Wirken von Frauen in der Musik dokumentieren, vor allem aber Noten, Publikationen, Handschriften, Fotografien sowie Archivalien und Instrumente. Er umfasst heute rund 26.000 Medieneinheiten.

Zum vollständigen Artikel gelangen Sie direkt hier unter diesem Link.

Netzwerke für Frauen in der Musik: Radio zum Nachhören

Netzwerk © Susanne Wosnitzka
Netzwerk © Susanne Wosnitzka

Für die BR-Klassik-Sendung Allegro (3. Juli 2019) wurde ich zum Thema Warum gibt es so wenig Netzwerke für oder von Frauen in der Musik befragt, aber eigentlich muss man fragen: Es gibt sehr viele, aber warum kennt man sie nicht?

Eine Grundlage in Deutschland schuf dafür 1979 der Internationale Arbeitskreis Frau und Musik e. V., der auch das Archiv Frau und Musik gründete. Dieser Verein gilt als “Mutter” aller europäischen Frauenmusiknetzwerke, der auch eng mit dem Münchner Verein und Netzwerk musica femina münchen kooperiert. Auf der Website des Archivs findet man verschiedene Links, in denen Frauenmusiknetzwerke zusammengetragen wurden – je mehr, desto besser. Zu Frauenmusikinstitutionen gelangen Sie unter diesem Link, und zu vielen weiteren Online-Quellen und Social-Media-Empfehlungen unter diesem Link, die ich in meiner Arbeit für dieses  Archiv zusammengetragen habe.

Einen großartigen Einblick in Netzwerke von Frauen in der Musik weltweit gibt Mirca Lotz mit musicBYwomen. In einer Grafik zeigt sie klickbare miteinander vernetzte Frauenmusikwerke auf.

Dass man so wenig über Frauenmusiknetzwerke weiß, hängt damit zusammen, dass über viele Jahrhunderte und Jahrzehnte Musik von Frauen v. a. in der Musikforschung so gut wie nicht beachtet wurde und Musik von Frauen bzw. Komponistinnen nicht für gleichwertig erachtet wurden. Das brachte erst die Zweite Frauenbewegung mit sich seit Ende der 1960er Jahre. Trotz über 40 Jahren fundierter Forschung in diesem Bereich findet man die Leistungen von Komponistinnen und Dirigentinnen bis heute so gut wie nicht in Schulmusikbüchern oder als selbstverständlichen Anteil in der Lehre an Musikschulen und Musikhochschulen.
Man findet sie höchstens in Nebensätzen als “Frau von”, “Schwester von” oder “Muse von”, aber nicht als eigenständige Persönlichkeiten mit immensen Verdiensten für das Gesamt-Kulturleben. Und genau das spiegelt sich auch in ihrem extrem niedrigen Anteil im alltäglichen Leben und Kulturleben, im Radiobetrieb, im Konzert- und Bühnenprogramm wieder. Aktuelle Zahlen, Daten und Fakten dazu finden Sie unter diesem Link zu meiner Festrede zum 30jährigen Jubiläum von musica femina münchen e. V., die zu einer Zornrede wurde.

Es ist längst Zeit, diese traurigen und beschämenden Zahlen zu ändern, vor allem dann, wenn es eigentlich wirklich nur um gute Musik geht.