Nannette Streicher – die Frau, die zweimal feiern könnte, aber…

Nannette Streicher. Tuschezeichnung von Ludwig Krones 1836 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Nannette Streicher. Tuschezeichnung von Ludwig Krones 1836 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

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… offenbar von niemandem gefeiert wird. Weder in ihrer Heimatstadt Augsburg noch in Wien und anderen Klassikkreisen wird Nannette Streichers diesjähriger 250. Geburtstag (2. Januar 1769) gefeiert oder wertgeschätzt, obwohl die Musikkulturwelt ohne sie und ihr Instrumentenbaugenie wesentlich ärmer geblieben wäre. Sie ist eine der sog. „vergessenen“ Frauen bzw. deren Leistungen nach ihrem Tod bagatellisiert und/oder wie beiläufig abgetan und dadurch lange von der Musikgeschichtsschreibung übergangen wurde.

Das heute eher beschaulich wirkende Augsburg war zu Nannettes Lebzeiten ein geradezu begehrter Schmelztiegel der Kulturgeschichte. Besonders die Goldene Traube in der heutigen Maximilianstraße (damals Weinmarkt) mit mehreren Konzert- und Veranstaltungssälen war Hauptumschlagsplatz bürgerlicher Musikkultur neben dem privaten Fuggerischen Konzertsaal, der ums Eck am Zeugplatz lag, und den Sälen der Zunfthäuser, in denen Veranstaltungen der bürgerlichen Collegia musica stattfanden. Daneben war Augsburg hochbedeutendes Zentrum des Presse- und Verlagswesens, auch durch die Musikverlagshäuser von Johann Jakob Lotter, Anton Böhm & Sohn und später Andreas Gitter[1].

Nannettes Wurzeln
Ehem. Wohn- und Geschäftshaus der Fam. Stein, Augsburg, Ulrichsplatz 10 © Tilman2007, CC BY-SA 3.0, Wikimedia.Commons
Ehem. Wohn- und Geschäftshaus der Fam. Stein, Augsburg, Ulrichsplatz 10 © Tilman2007, CC BY-SA 3.0, Wikimedia.Commons

Nannette Streichers Vater Johann Andreas Stein (1728–1792) wirkte als einer der bedeutendsten Klavierbauer Europas am oberen Ende der Maximilianstraße, am heutigen Ulrichsplatz Nr. 10. Dort stand sein Wohnhaus (obere Etagen), das im Erdgeschoss eine Werkstatt für Klavierbau enthielt. Stein entwickelte die sog. Prellzungenmechanik bedeutend weiter, mit dem forte (laut) und piano (leise) gespielt werden konnte – daher der Name Fortepiano oder Pianoforte für diese Art Tasteninstrument. „Nannette Streicher – die Frau, die zweimal feiern könnte, aber…“ weiterlesen

Augsburger Persönlichkeiten | Vortrag

Nannette Streicher geb. Stein (17691833, Klavierbauerin, Pianistin, Sängerin und Komponistin), Anna von Schaden (17631834, Pianistin, Komponistin), Susanna Jacobina Jungert (17411799, Sopranistin), Hortense de Beauharnais (u. a. Königin von Holland, auch Komponistin, 17831837), Eleonore Schikaneder (17511821) und Madame Voltolini (~1790) – innovative Schauspieldirektorinnen mit Open-Air-Theater. Ohne Nannette Streichers Flügel hätte Ludwig an Beethoven seine besten Werke für Klavier wohl nie geschrieben, wie er selbst einmal sagte. Mit ihrem Bruder Matthäus Andreas Stein und ihrem Mann Johann Andreas Streicher, der bester Freund Friedrich Schillers war, führte sie in Wien die Ideen und Geschäfte ihres für den Pianoforte-Bau bedeutenden Vaters Johann Andreas Stein fort, hatte in Wien einen eigenen Musiksalon, in dem sie u.a. auch Carl Maria von Weber förderte. Anna von Schaden war Berufsmusikerin am Hof von Oettingen-Wallerstein und eng mit Nannette Streicher befreundet. Susanna Jacobina Jungert war Künstlerische Leiterin der Augsburger “musicübenden und -liebenden Gesellschaft” und war verantwortlich für die Augsburger Erstaufführungen einiger berühmten Werke. Weitere Frauenbiografien zeigen einen dichten Teppich an Vernetzung und Musikleben in dieser bedeutenden Reichsstadt.

Kosten:
VB (einzelne Vorträge ca. 90 Minuten; Anreise/Übernachtung exklusive)

Ideal für Kulturzentren, Firmenfeierlichkeiten, private Feste wie Geburtstage etc. – beschenken Sie einen Freund/eine Freundin oder Ihre Kundinnen und Kunden mit einem Vortrag aus meinem Repertoire | Hausvorführungen möglich – Beamer und weitere technische Gerätschaften vorhanden