Ethel Smyth – Suffragette in München | #femaleheritage

Ethel Smyth (1858–1944) war ein Kracher. Sie ließ so gut wie nichts anbrennen, war ihrer Zeit voraus, bewegte sich in höchsten und coolsten Kreisen, war musisch wie schriftstellerisch höchstbegabt, war unglaublich mutig, indem sie sich gegen gesellschaftliche Normen und Frauenhasser stellte und dadurch großartiges Neues schuf, darunter ihr The March of the Women, den sie 1910 für die Treffen und Demos der britischen Frauenwahlrechtskämpferinnen zusammen mit der Poetin Cicely Hamilton (1872–1952) verfasst hatte. Dieser Marsch ist in den letzten Jahren bekannter geworden und wird gerne – weil er so wunderbar eingängig ist – mittlerweile wieder besonders zu Veranstaltungen rund um den Internationalen Frauentag gesungen. Auch im Film Suffragette (2015) konnte man einen Teil davon bei einer nachgestellten Demo hören.

Leipzig, ick hör dir trapsen

Ethel Smyth, aufgewachsen in einem Vorort von London in einer Familie der gehobenen Mittelschicht, hatte eine deutsche Nanny, die in Leipzig pianistisch ausgebildet worden war und Klein-Ethel Klavierunterricht gab. Es stellte sich schnell heraus, dass Ethel für Musik besonders begabt war. In ihr reifte die Idee, ebenfalls in Leipzig zu studieren. Aber nicht das Klavierspiel, um Interpretin zu werden, sondern um Komponistin zu werden! Das galt damals als ziemlich aussichtslos, da Frauen aufgrund ihres Geschlechts keine Chance hatten, als Kapellmeisterin einen Job zu bekommen. Was mit ein Grund ist, warum Großwerke von Frauen heute kaum bekannt sind – sie konnten ihre Werke eben nicht einfach mit einem Orchester, dem sie vorstanden, einüben und selbstverständlich aufführen.[1] Sie hätten dazu ein Orchester und einen Konzertsaal anmieten und hätten selbst für Werbung etc. sorgen müssen. Emilie Mayer (1812–1883), die als ‚weiblicher Beethoven‘ einst eine lebende Legende war, konnte das eine Zeit lang, weil sie über entsprechendes Privatgeld verfügt hatte – das dann irgendwann aufgebraucht war, sodass weitere Großwerke wohl deswegen zu Lebzeiten nie auf die Bühnen gebracht wurde.

Idol Clara Schumann

Als Ethel eines Tages Clara Schumann (1819–1896) in einem ihrer Londoner Konzerte 1876 gehört hatte, gab es offenbar kein Halten mehr. Ethel setzte ihren Wunsch durch, indem sie alles bestreikte, was sich für eine feine englische junge Lady gehörte: Kirchgänge, Familienbesuche, Sonntagsspaziergänge. Damit kochte sie ihren Vater mehr oder weniger weich, der von all diesen Ideen nichts wissen wollte. Ihre größte Unterstützerin hatte sie hingegen in ihrer Mutter, und so kam es, dass Ethel Smyth bestens präpariert die große Reise nach Leipzig per Schiff und Eisenbahn antreten konnte – ohne Anstandsdame! In Leipzig fasste sie schnell Fuß, fand aber sehr schnell heraus, dass der Stoff am Konservatorium derart dröge und lustlos unterrichtet wurde, dass sie eine Alternative brauchte. Diese fand sie in keinem Geringeren als Heinrich von Herzogenberg (1843–1900), der zusammen mit seiner Frau Elisabeth (1847–1892, Komponistin/Sängerin/Mäzenin/Pianistin) und weiteren Frauen und Männern 1874 den Bach-Verein gegründet hatte.

Privatstudentin in erlauchtem Kreise

Heinrich von Herzogenberg nahm sie als seine Privatstudentin an, und ab da gings nach oben. Im Haus der von Herzogenbergs ging nicht nur die Crème de la Crème der Leipziger Musikszene ein und aus (zum Beispiel Pjotr Iljitsch Taschaikowski – bei dem sie 1887 Orchesterinstrumentation lernte –, Edvard Grieg, Johannes Brahms und ihr Idol Clara Schumann), sondern es gab auch eine Art Erweckungsereignis: Ethel verliebte sich in Elisabeth! Eine Liebe, die Heinrich von Herzogenberg entweder tolerierte oder ignorierte. Ethel wohnte sogar eine Zeit lang bei den von Herzogenbergs am heutigen Dittrichring.

Erste Werke

Marie Geistinger als Galathée © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Marie Geistinger als Galathée © wikimedia.commons (gemeinfrei)

In ihrer Leipziger Studentinnenzeit entstanden wunderbare Werke wie ihre Suite in E oder ihre Inventionen in D-Dur. 1877/78 verliebte sich Ethel auch in die Schauspielerin Marie Geistinger (1836–1903, später Chefin des Theaters an der Wien), die zu dieser Zeit in Leipzig Gastvorstellungen gab. Daraus resultierte Ethels Geistinger-Sonate, die sie dieser Frau auch offiziell widmete. Im Jahr 2014 hatte die Leipziger Musikhochschule in Aussicht, ein Konvolut an Smyth-Briefen aus deren Studentinnen-Zeit in einer Auktion zu erstehen. Die Hochschule richtete eine Pat:innenschaftsaktion ein, um diese rund 50 Briefe erwerben zu können, was auch gelang. Für den Geistinger-Brief zeichne ich als Patin verantwortlich. Darin schreibt sie ihrer Mutter nach England, wie sehr sie diese Frau schätzte und wie sie mit ihrem Studium vorankam. Aus anderen Briefen geht hervor, dass Ethel unglaublich große Angst vor deutschen Zahnärzten hatte, die damals von Betäubung offenbar noch nicht viel wissen wollten – nur allzu verständlich. Johannes Brahms fand sie übrigens deswegen abstoßend:

„His ways with other women-folk – or to use the detestable word for ever on his lips, ‚Weibsbilder‘ – were less admirable. If they did not appeal to him he was incredibly awkward and ungracious; if they were pretty he had an unpleasant way of leaning back in his chair, pouting out his lips, stroking his moustache, and staring at them as a greedy boy stares at jam-tartlets.“[2]

Brahms zog auch Ethels Nachnamen in den Schmutz, aber daher wissen wir heute auch, wie Smyth ausgesprochen wird: Brahms fand nämlich wortwörtlich, dass sich Smyth auf Deutsch wie eine Schmeißfliege anhören würde.[3]

1882 zog Ethel für einige Zeit nach Florenz, wo es allerdings zum Bruch mit Elisabeth von Herzogenberg kam, da sich der Ehemann von Elisabeths Schwester Julia – Henry Brewster – dort heftig in Ethel verliebt hatte, die sich fast von ihm breitschlagen ließ, worauf es auch zum Bruch zwischen Julia und Henry kam. Unter diesem Bruch mit Elisabeth und einhergehend ihrer verlorenen Liebe zu Elisabeth litt Ethel ihr ganzes Leben lang.

Think big!

Durch den Instrumentierungskurs bei Tschaikowsky wagte sich Ethel nach und nach an große Werke und feierte 1890 mit ihrer Serenade ihr kompositorisches Debüt in England. Während die neue Kunst, der Jugendstil und andere avantgardistische Strömungen, den Geschmack der Welt auf den Kopf stellten, blieb Ethel den musikalischen Traditionen treu und lehnte den Kult um die Veränderung um der Veränderung willen ab.

Die neue Musikrichtung schlug sich in den großen Städten Europas ihre Bahn. Neben Paris, Wien und Berlin war München eines der bedeutendsten Zentren als kreativer Nabel der Kunstwelt. Dort hatte die Kunst bereits seit Jahrzehnten einen großen Sprung vorwärts getan; darunter befanden sich zum Beispiel der oberschwäbische Maler Anton Braith (1836–1905) und der Niederländer Christian Mali (1832–1906), die enge Freunde waren. Deren historisches Atelier, das sie zusammen in München hatten, befindet sich heute aus- bzw. eingebaut im Museum Biberach – ein sehr faszinierendes Stück Zeitgeschichte (wo auch ein Teil von Sophie von La Roches (1730–1807) Leben zu entdecken ist).

Gabriele Münter um 1900 © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Gabriele Münter um 1900 © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Also ab nach München! „Ab nach München!“, schrieb auch die Künstlerin Gabriele Münter (1877–1962) 1901 in ihr Tagebuch, nachdem sie auf den Münchner Künstlerinnen-Verein und dessen Damenakademie aufmerksam gemacht wurde. Diese private Kunstakademie war nach dem Vorbild der Königlich Bayerischen Akademie der Künste organisiert. Der Verein gehörte – neben Lehranstalten in Karlsruhe und Berlin – zu den ersten für Frauen gegründeten Ausbildungsstätten. Die Kunstliebhaberin, Malerin und Mäzenin Marianne von Werefkin (1860–1938) hatte einen eigenen rosafarbenen Salon, der Künstlerinnen und Künstler wie magisch anzog. Frauen wie Gabriele Münter kamen oft von weit her, weil Frauen der Zugang zu staatlich anerkannten und subventionierten Lehranstalten untersagt war. Manch eine Frau schmuggelte sich als Mann verkleidet in die männlich dominierten Ausbildungsstätten wie zum Beispiel Zofia Stryjenska (1891–1976) aus Polen, um lernen zu können.

Ab nach München!

2014 widmete das Münchner Stadtmuseum all diesen Frauen die absolut sensationelle Ausstellung Ab nach München! Künstlerinnen um 1900, zu der ich zwei begeistert aufgenommene Vorträge mit Musik – zu Ethel Smyth und Vilma von Webenau (1875–1953), allererste Studentin von Arnold Schönberg (1874–1951), in ihren Münchner Zeiten – in Kooperation mit musica femina münchen einbringen konnte.

Aus einem wieder aufkommenden Selbst-Bewusstsein der Frauen formierte sich in München eine sehr frauenbewegte Szene, die begann, sich für die sozialen Rechte der Frauen und auch das Wahlrecht einzusetzen, allen voran Anita Augspurg (1857–1943) mit ihrer Lebensgefährtin Lida Gustava Heymann (1868–1943) und Ellen Amann (1870–1932).

München um 1880, Blick vom Nockherberg © wikimedia.commons (gemeinfrei)
München um 1880, Blick vom Nockherberg © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Nach München zog es auch Ethel Smyth, um nach all dem Hickhack um Elisabeth von Herzogenberg mal etwas anderes zu sehen und auch, um sich neu inspirieren zu lassen. Ob sie die feministisch bewegten oben genannten Münchnerinnen kennengelernt hat? Als von Kindesbeinen an passionierte Bergsteigerin liebte Ethel diese Nähe der Alpen, das Rauschen der meist grünen Isar, die Stadtmärkte und die auf sie absonderlich wirkenden Barockkirchen im Stadtzentrum. Sie besuchte die Schlösser „of the mad king“ und auch Schloss Berg, weil sie sehen wollte, wo König Ludwig II. ums Leben gekommen war. Sie reiste nicht alleine dorthin, sondern mit einem der bedeutendsten Kunsttheoretiker und -liebhaber ihrer Zeit, Conrad Fiedler (1841–1895), der begeisterter ‚Kini‘-Fan war. Wo genau Ethel in dieser Zeit wohnte bzw. wen sie sonst noch alles in München kennenlernte, ist bis auf wenige bekannte Episoden noch völlig unklar.

Munich mood

Asam-Kirche Sendlinger Straße © Berthold Werner CC BY-SA 3.0 wikimedia.commons
Asam-Kirche Sendlinger Straße © Berthold Werner CC BY-SA 3.0 wikimedia.commons

Jedenfalls war sie von der Munich mood äußerst angetan und erlebte ein fantastic element mit all den Messen, Prozessionen und anderem religiös-katholischen Pomp, was sie so aus England und Leipzig her überhaupt nicht kannte. Ob sie andere kunst- und musikbegeisterte Frauen in ihrer Münchner Zeit kennenlernte, erwähnte sie in ihren Memoiren leider nicht. Die Munich mood hielt eine Zeit lang an, und in dieser Hochphase traf sie auf die Violinistin und Erbin Mary Portman (1877–1931, bis an ihr Lebensende mit der Pianistin Amy Hare [1862–1939] intim liiert). Portman baute sich ein burgähnliches Schloss in den bayerischen Bergen, in dem sich heute das mondäne Hotel Kranzbach befindet. Ob Ethel eine Liebesbeziehung zu Portman hatte, konnte bislang nicht nachgewiesen werden.

München: Hello, it’s me

Während einer Vorstellung im Münchner Residenztheater erspähte Ethel eine ihr von London bekannte Familie: Die Trevelyans. Darunter Pauline, die Ethels Herz stahl. Pauline war streng katholisch erzogen worden; durch ihre Begleitung auch in Gottesdienste erhielt Ethel einen starken religiös angehauchten Impuls. Zusammen mit Pauline besuchte Ethel auch ein Konzert, in dem Ludwig van Beethovens Missa solemnis auf dem Programm stand. Diese steht in der Tonart D-Dur. In Ethel reifte die Idee, es ihm gleichzutun (think always big!). Durch die Liebe zu Pauline Trevelyan und ihr Münchner Umfeld extrem inspiriert, entstand so Ethels Mass in D. Dazu gleich mehr. Mit den Trevelyans reiste Ethel auch um München herum und wurde in Bad Wörishofen von Wasserheiler Sebastian Kneipp (1821–1897) persönlich kalt abgespritzt. Als die Trevelyans weiter nach Cannes/Südfrankreich zogen, wurde justamente Ethel Smyths Wohnung gekündigt, sodass sie nicht mitreisen konnte. Leider ist nicht bekannt, wo das genau war; Ethel konnte sich die Kündigung der Wohnung nicht erklären, schrieb in ihren Memoiren aber, dass ihr Vermieter wohl ein Frauenhasser gewesen sein muss. Sie fand zwar eine neue Wohnung, dies allerdings feucht und duster im Erdgeschoss eines Studentenwohnheims lag. Völlig gestresst und verstört beschloss sie, zurück nach England zu reisen und verließ München krank und abgerissen am zweiten Weihnachtsfeiertag 1889. Von dieser Reise schrieb sie später als „a nightmare return to England“.

Schwelende Ethel

Eugénie de Montijo, Ex-Kaiserin von Frankreich © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Eugénie de Montijo, Ex-Kaiserin von Frankreich © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Die Munich mood schwelte indessen weiter; zur Erholung reiste Smyth noch einmal in den Süden, denn sie kannte dort familienbedingt Ex-Kaiserin Eugénie von Frankreich (1826–1920) persönlich und konnte so ihre Messe in D unter deren behütenden Schwingen sowie auf Korfu weiter ausarbeiten. Über deren Vermittlung konnte Ethel ihre Messe in D dann auch Queen Victoria persönlich auf Schloss Balmoral am Klavier vorspielen. Die Queen, die selbst sehr musikalisch gebildet war, fand diese Messe richtig gut. Und so kam es, dass diese am 18. Januar 1893 in der voll besetzten Royal Albert Hall (= 12.000 Zuschauer:innen) mit über 1.000 Mitwirkenden (lange vor Gustav Mahlers sog. Sinfonie der Tausend!) uraufgeführt wurde. Und Ethel saß direkt neben der Queen in der königlichen Loge! Das Werk schlug ein, die Presse überschlug sich.

Ethel hatte es geschafft! Sie war erfolgreichste Komponistin Englands und erfuhr weitere Anerkennungen wie zum Beispiel die Ehrendoktor:innenwürde der University of Durham und Oxford. Bei offiziellen Anlässen dirigierte sie ihre eigenen Werke stets in ihrer Robe. Eine weitere hochbedeutende Ehrung war ihre Ernennung zur Dame Commander of the Order of the British Empire für ihre Verdienste um die Musik. Funfact: James Bond hat denselben Rang inne als Commander des MI6.

Frauen mit Verantwortung

Ethel Smyth bei einem W.S.P.U.-Meeting 1912 © gemeinfrei
Ethel Smyth bei einem W.S.P.U.-Meeting 1912 © gemeinfrei

In dieser Zeit um 1900 nagte aber noch etwas anderes in ihr, etwas, das ihr selbst immer wieder entgegengeschlagen war: Üble Misogynie, die ihr vielfach Steine in den Weg gelegt hatte. Umso mehr war Ethel dann von der Frauenwahlrechtsbewegung angezogen, mit der es verhieß, dieses Übel aus der Welt schaffen zu können. Sie schloss sich den Frauen der Women’s Social and Political Union (W.S.P.U.) unter Vorsitz der gleichaltrigen Emmeline Pankhurst (1858–1928) an und wurde schnell in den vordersten Reihen aktiv. Sie beteiligte sich an den Diskussionen, den Demos und anderen politischen Aktionen. Dafür wurde sie auch verhaftet und eingesperrt. Zusammen mit anderen Mitstreiterinnen, die im Holloway-Gefängnis durch Hungerstreiks teils brutalst zwangsernährt wurden, hielt sich Ethel aufrecht, indem sie mit ihnen den The March of the Women ununterbrochen sang. Ethel gab den Ton an, indem sie ihre Zahnbürste im Takt an ihr Zellengitter schlug. Dieser Marsch und ein Choral von Ethel wurden auch zu den möglichen Lebensrettern von Emmeline Pankhurst, die – laut Briefen an Ethel – nach einem horrenden Tag im Gefängnis nicht mehr leben wollte. Den Marsch und den Choral singend hielt sie in der Nacht bis zum Morgengrauen durch. Was wäre gewesen, hätte die britische Frauenwahlrechtsbewegung ihre Anführerin verloren?

Felsensprengerin, Brückenbauerin, Wegbereiterin

Virginia Woolf 1927 © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Virginia Woolf 1927 © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Obwohl die politische Arbeit der Frauen noch längst nicht abgeschlossen war, verließ Ethel die Bewegung noch vor dem Ersten Weltkrieg und reiste nach Ägypten, wo sie feststellte, dass etwas mit ihrem Gehör nicht stimmte. Im Lauf der Jahre verlor sie ihr Gehör ganz. In Virginia Woolf (1882–1941), die sich in dieser Zeit mit ihrem Buch A room of one’s own (1929) ebenfalls Gedanken um die Gleichstellung der Frau machte, fand Ethel Smyth eine Gleichgesinnte. Durch ihre autobiografischen Erzählungen brachte Ethel Smyth ein zweites Lebenswerk – ihre Memoiren – nach und nach an die Öffentlichkeit, das von seiner Detailfreudigkeit und Wortgewandtheit her bis heute ein einzigartiges, teils kritisches und bissiges Gesellschaftsportrait darstellt. Aus der Komponistin war eine Literatin geworden.

Sie ließ sich von Woolfs Bloomsbury Group inspirieren, in der Virginias Geliebte Vita Sackville-West (1892–1962) sich auch ausgiebig über Ethels Hörgerät (dessen Batterie so groß wie ein Bierkasten war, die sie auf Rollen hinter sich her zog) und deren Sucht nach extrem großen Hunden lustig machte. Virginia Woolf schrieb allerdings über Ethel Smyth:

„Sie gehört zur Spezies der Pioniere, der Wegbereiter. Sie ist vorausgegangen und hat Bäume gefällt und Felsen gesprengt und Brücken gebaut und so den Weg für jene bereitet, die nach ihr kommen. Deshalb verehren wir in ihr nicht nur die Komponistin und die Schriftstellerin, sondern auch die Sprengerin von Felsen und die Brückenbauerin. In meinem eigenen Beruf, da habe ich keinerlei Zweifel, verdanke ich so mancher stummen und ruhmlosen Ethel Smyth sehr viel.“[4]

Smyth-Festival

Anlässlich ihres 75. Geburtstages wurde Ethel Smyth im Vereinigten Königreich 1933 groß gefeiert: Nach einem Dinner in der Queen’s Hall mit über 300 geladenen Gästen wurde ihre Messe in D unter der Leitung von Sir Thomas Beecham in der wieder ausverkauften Royal Albert Hall aufgeführt. Zu diesem Zeitpunkt war Ethel bereits fast völlig gehörlos und verfolgte das Geschehen gemeinsam mit Queen Mary von der königlichen Loge aus.

Ethel Smyth in Ehrenrobe © gemeinfrei
Ethel Smyth in Ehrenrobe © gemeinfrei

Ethel Smyths Musik geriet nach ihrem Tod – sie starb an einer Lungenentzündung, die sie sich auf dem Boden liegend nach einem Sturz in ihrem Haus zuzog – in Vergessenheit. Erst im Zuge der Zweiten Frauenbewegung Mitte der 1970er Jahre wurde sie nach und nach wiederentdeckt. Die deutsche Erstaufführung der Messe in D fand 1995 im Rahmen der Musikfestspiele Saar in St. Ingbert statt. 2008 fanden zu Ethel Smyths 150. Geburtstag ein mehrtägiges Ethel-Smyth-Festival in Detmold sowie ein mehrtägiges Symposium an der Universität Oxford statt, was den Grundstein legte zur heute nicht mehr bestehenden Internationalen Ethel-Smyth-Gesellschaft.

Abgesehen vom The March of the women und der Messe in D sind ihre weiteren Werke aber nach wie vor nur sehr selten gespielt, darunter auch ein höchst bemerkenswertes Horntrio, das dem von Johannes Brahms in nichts nachsteht. Ihre sechs (!) fantastischen Opern hingegen sind seit ihren Uraufführungen bislang nur wenige Male in Europa aufgeführt worden. Dabei wären besonders The Wreckers (in deren Ouvertüre auch der Marsch erklingt) und The Boatwain’s Mate dafür prädestiniert, auf der Seebühne Bregenz aufgeführt zu werden. Der Dirigent Bruno Walter (1876–1962) war einst von Ethels Opern unglaublich fasziniert gewesen, die jedoch weiter nicht größer angebracht werden konnten, obwohl sich Ethel in Deutschland und Österreich klinkenputzend die Hacken abgelaufen hatte. Was einem Bruno Walter mordsmäßig gefiel, kann ja nicht verkehrt sein.

Krönender Abschluss

Metropolitan Opera 1937 © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Metropolitan Opera 1937 © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Smyths Oper Der Wald (1902, Libretto: Ethel Smyth, auf Deutsch!) war gar das erste Werk einer Frau, das 1903 in der Metropolitan Opera in New York erklang und sehr positiv aufgenommen worden war.  Erst über 100 Jahre später – 2016 – wurde dort wieder eine Oper einer Frau in der Met aufgeführt: Kaija Saariahos (geb. 1952) Oper L’Amour de loin! Und dazwischen? Kein einziges Werk einer Frau!

In der Ausstellung Ab nach München! 2014 erklangen im Münchner Stadtmuseum neben Smyths Horntrio auch Lieder und andere ‚kleine‘ Werke. Nie hingegen wurde in München Smyths Messe in D aufgeführt. Sie würde sich mit all ihrem Pomp und außergewöhnlichen Erscheinungsbild hervorragend als Auftakt zu einem neuen und prachtvoll-aufatmenden Start des Münchner Musiklebens der Zeit nach der Corona-Pandemie eignen – mit dem spektakulären Credo am Schluss!

Mit Dank an die Organisator:innen der #femaleheritage-Blogparade der Monacensia München, diesen Beitrag miteinbringen zu können.

Wenn Ihnen dieser Beitrag zu Ethel Smyth in München gefallen hat, freue ich mich über eine Spende (via PayPal-Klick oben rechts).

Weitere für die Monacensia und #femaleheritage veröffentlichte Blogbeiträge sind:

Clara Schumann hat null Bock. Sidekick: Unbekanntes zu Franz Liszt in Augsburg. Neues zur Konzertorganisation im 19. Jahrhundert in Augsburg und München (veröffentlicht am 9. November 2020)
Politisches Credo in Hosen mit Löwinnen: Ein unbekannter Teil der Frauen(wahl)rechtsbewegung in Paris neu entdeckt mitsamt Emilie Lehmann, unbekannter Frau in Hosen mit politischem Statement der Zeit um 1850 (veröffentlicht am 27. November 2020)
Anna Billmaier, die Schlächterin von München-Haidhausen (veröffentlicht am 2. Dezember 2020)

Lesetipps
♣ Cornelia Bartsch, Rebecca Grotjahn, Melanie Unseld (Hg.): Felsensprengerin, Brückenbauerin, Wegbereiterin. Die Komponistin Ethel Smyth; Rock Blaster, Bridge Builder, Road Paver: The Composer Ethel Smyth. München (Allitera) 2009.
♣ Michaela Brohm: Die Komponistin Ethel Smyth (1858–1944): Ursachen von Anerkennung und Misserfolg. Eine Untersuchung zum Spannungsfeld zwischen biographisch-psychosozialen, werkimmanenten und historischen Faktoren. Berlin (Rhombos) 2007.
♣ Sulamit Sparre: „Man sagt, ich sei ein Egoist. Ich bin eine Kämpferin“. Dame Ethel Mary Smyth (1858–1944). Komponistin, Dirigentin, Schriftstellerin, Suffragette. Lich (Edition AV) 2010.

Einzelnachweise
[1] Vgl. Martina Bick/Susanne Wosnitzka (2019): Und sie spielten, sangen, komponierten und dirigierten doch: Die lange verschwiegenen Frauen in der Musik!, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv
URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/und-sie-spielten-sangen-komponierten-und-dirigierten (Stand: 06.12.2020).
[2] Vgl. Ethel Smyth: Impressions that remained. Memoirs in two volumes. London (Longman, Green, & Co.) 1919, S. 264.
[3] Vgl. ebda., S. 265.
[4] Virginia Woolf, aus einer Rede vor der National Society for Women‘s Service 1931.

Anna Billmaier, die Schlächterin von Haidhausen | #femaleheritage

Historische Zeitungen sind nicht nur ein Quell der Freude an längst verschütt gegangenen Nachrichten zu Kunst und Kultur, sondern auch ein Hort der Dokumentation des Bösen wie im Fall der Anna Billmaier in München-Haidhausen 1848.

CN Gewaltverbrechen
Triggerwarnung!

Im Rahmen der Forschungen zu meiner musikwissenschaftlichen Dissertation anhand mehrerer historischer Augsburger Tageszeitungen der Jahre 1746 bis 1852, die national und international berichteten, kam auch eine Fülle an Gewaltverbrechen und vermeidbarer Tode hervor. Unter Ersteren auch eine Menge an – in heutigen Zeitungen gerne genannten – ‚Beziehungsdramen‘; Männer, die ihre Ehefrauen und/oder Kinder aus eigenem Lebensüberdruss umbrachten, aus Eifersucht, kleinem Ego und toxischen Männlichkeitsvorstellungen – die ganze Palette, die man noch heute in solchen Nachrichten findet. In historischen Zeitungen, die aus (pseudo)moralischen Gründen unschickliche Begriffe sonst vermieden, werden solche Morde sehr klar als solche bezeichnet. Das Wort ‚Beziehungsdrama‘ habe ich in keiner der vier von mir lückenlos untersuchten Magazine gelesen. „Anna Billmaier, die Schlächterin von Haidhausen | #femaleheritage“ weiterlesen

Politisches Credo in Hosen mit Löwinnen | #femaleheritage

„Wenn wir jedoch verstehen wollen, warum Frauen, selbst wenn ihnen nicht der Mund verboten wird, noch immer einen sehr hohen Preis zahlen, um Gehör zu finden – und wenn wir daran etwas ändern möchten –, dann müssen wir einsehen, dass das Ganze komplizierter ist und eine lange Geschichte dahintersteht.“ – Mary Beard, mit Weitsicht

Sie hat recht. Es. Ist. Kompliziert. Und es ist mit einer langen Geschichte dahinter. Auch noch unbekannter Geschichte, die ich in diesem Blogtext mit einer neuen Theorie für die #femaleheritage-Blogparade der Monacensia München erstmals vorstellen möchte. Was es nicht weniger kompliziert macht. Das Bekannte sind einzelne Leuchtpunkte der Frauenbewegungsgeschichte, die aber offenbar ein ganzes Lichtermeer hinter sich gehabt haben in Form einer noch unbekannten Pariser Frauenbewegung, die über klare Erkennungsmerkmale verfügte, einen Namen hatte und die meinen Überlegungen nach wegweisend für die deutsche Frauenbewegung ab 1848/49 gewesen war.

Neue Wege

Seit Jahren beschäftige ich mich im Rahmen meiner musikwissenschaftlichen Dissertation mit mehreren historischen Augsburger Tageszeitungen, die ich für die Jahre 1746 bis 1852 hauptsächlich auf Musikkulturnachrichten in Gänze abgegrast habe. Das ergab ein unglaublich dichtes Netz an großteils unbekannten Informationen nicht nur zum Musik- und Kulturleben, das Hand in Hand ging, sondern auch zu allem, was die Menschen bewegt hat. Angefangen von seltsamen Wettererscheinungen und Naturkatastrophen (lückenlos dokumentiert) und neuen Erfindungen (und bekannte, die teils noch weiter zurückdatiert werden können), über unbekannte Episoden und Einzelschicksale aus der Französischen Revolution bis hin zu politischen Begebenheiten, die die Welt aus den Fugen gebracht haben. „Politisches Credo in Hosen mit Löwinnen | #femaleheritage“ weiterlesen

Clara Schumann hat null Bock | #femaleheritage

Clara Schumann hat null Bock. Sidekick: Unbekanntes zu Franz Liszt in Augsburg. Neues zur Konzertorganisation im 19. Jahrhundert in Augsburg und München

Maximilianstraße Augsburg. I. Owen nach Robert Batty, ca. 1835 © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Maximilianstraße Augsburg. I. Owen nach Robert Batty, ca. 1835 © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Blogtext gewidmet meiner Freundin Luise Kimm, Sängerin

This blogtext, written for the #femaleheritage blogparade of the Monacensia Munich, is now available in English! Thanks to Gabriella Di Laccio to publish it on her website Donne365!

Geht man ins Konzert, geht man in ein Konzerthaus, ins Theater oder in eine Kirche. Im 18. und 19. Jahrhundert ging man dazu in eine Gaststätte, in ein Hotel oder in eines der Zunfthäuser, die über einen großen Tanzsaal für Hochzeiten und andere Anlässe verfügten. Eigens als Konzertsaal angelegte Lokalitäten gab es erst relativ spät mit steigender (Massen)Nachfrage von Konzerten der Virtuosen-Superstars Niccolò Paganini (1782–1840) und Franz Liszt (1811–1886), der Schwestern Teresa (1827–1904) und Maria (1832–1848) Milanollo sowie ganzer Orchestertrupps wie dem von Johann Strauss sen. (1804–1849), die auf ihren Tourneen überall und von sehr vielen Menschen gehört werden wollten. Einer der ersten neugebauten richtigen Konzertsäle war das Münchner Odeon, erbaut 1826/28 von Leo von Klenze (1784–1864) für genau solche Zwecke.

Gaststätten im Zentrum
Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka
Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka

In Augsburg hingegen gab es so etwas bis Ende des 19. Jahrhunderts nicht. Dafür hatte man den großen Apollo-Saal der heute nur noch wenig bekannten Goldenen Traube, die im 18. und 19. Jahrhundert das Zentrum bürgerlicher Musikausübung war und Thema meiner sich in Arbeit befindenden Dissertation ist. Für diese durchforstete ich in den letzten Jahren mehrere Augsburger Tageszeitungen der Jahre 1746 bis (jetzt) 1852 auf Musik- und Kulturnachrichten – über 100 Jahre dichteste Lokal- und Weltgeschichte mit zahlreichen anderen hochinteressanten Funden anderer Sparten, mit denen sich zum Beispiel auch die Geschichte der Ballonfahrt neu schreiben ließe oder die europäische Frauenbewegungsgeschichte, zu der ich einen eigenen unbekannten französischen Strang entdeckt habe, der zum Inhalt eines anderen Histoblogs der #femaleheritage-Blogparade der Monacensia München wird. An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei den Organisatorinnen für die persönliche Einladung, für diese Aktion mein Wissen in mehreren Blogtexten präsentieren zu können. Dieser hier ist der erste in der Reihe. „Clara Schumann hat null Bock | #femaleheritage“ weiterlesen

Corona und Cholera – wortgleich wiederholte Geschichte

Wiederholt sich Geschichte nur dann nicht, wenn man aus ihr gelernt hat? Geschichte wiederholt sich manchmal sehr, und manchmal sogar als ziemlich exakte Kopie, auch im Wortlaut zu Corona und Cholera, mit rund 170 Jahren an Überlegungszeit dazwischen. Das ist mir in meinen Forschungen, zu denen ich mehrere Augsburger Tageszeitungen der Jahre 1746 bis 1850 in Gänze (!) auf Musik-, Kultur- und andere hochinteressante Meldungen[1] abgraste,  in dieser Deutlichkeit so nur im folgenden historischen Bericht begegnet, den ich gestern auf Twitter analysiert habe. Da dieser Tweet dort viral ging, stelle ich die ganze Geschichte hier noch einmal etwas weiter ausgebaut zur Verfügung:

„Corona existiert nicht, es ist eine künstliche, von der Politik geschaffene Krankheit!“ – 2020 zigfach auf sog. Corona-Demos gehört. „Die Cholera existirt nicht, es ist eine künstliche, politische Krankheit!“ – O-Ton 1849. Frappierende Ähnlichkeit? Es gibt weitere!

Verschwörungstheorie von Corona und der Cholera im Wortlaut, Augsburger Tagblatt 1849
Verschwörungstheorie von Corona und der Cholera im Wortlaut, Augsburger Tagblatt 1849

Augsburger Tagblatt, No. 234. Montag 27. August 1849, S. 1209: „Paris, 22. Aug. In Rochefort ist es am 14. August zu traurigen Scenen gekommen. Die Cholera trat dort so furchtbar auf, daß sie verhältnißmäßig die große Zahl von 21 Opfern täglich forderte, und fast nur aus der untern Volksclasse.“

Ein Volk in der Gosse
Augsburg um 1835. Stahlstich von F. Höfer © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Augsburg um 1835. Stahlstich von F. Höfer © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Weil die „untere Volksclasse“ regelrecht in der Kloake lebte. Über Jahre wurde zum Beispiel in Augsburg darum gebeten, pestilenzialisch stinkende Kanäle zu reinigen und abzudecken (besonders betroffen: der Hunoldsgraben hinter dem Rathaus), den Kot, der auf Haufen in den Straßen gesammelt wurde, regelmäßiger wegzufahren. Die Stadt reagierte kaum darauf. Augsburg war noch einigermaßen gut dran, da das „Corona und Cholera – wortgleich wiederholte Geschichte“ weiterlesen

Die Cholera 1832 in Augsburg – nur ein ‚Gespenst‘?

Karikatur eines Mannes, der sich vor der Cholera schützen will © Wellcome Collection, Attribution (CC BY 4.0)
Karikatur eines Mannes, der sich vor der Cholera schützen will © Wellcome Collection, Attribution (CC BY 4.0)

„Im Jahr 1817 war die Cholera von englischen Ärzten in Ostindien als eine bis dahin kaum beachtete Krankheit beschrieben worden. 1830 kam die Cholera erstmals nach Europa, 1831 tauchte sie in Deutschland auf. […] 1832 erreichte die Cholera Augsburg und forderte Tote.“[1] 1854 brandete diese Krankheit erneut auf, an der dann Hunderte gestorben sind. Doch wie viele starben 1832? Darüber erfährt man aus dem Artikel der Augsburger Allgemeinen (AZ) leider nichts. Offenbar gibt es dazu noch keinerlei Forschungen bzw. Veröffentlichungen. Daher stellt dieser Blogtext einen Versuch der Rekonstruktion der Ereignisse dieser Jahre dar. Laut meinen Funden starben in Augsburg genau fünf Personen an der Cholera, allerdings erst 1836/37 und nicht 1832 – im Gegensatz zu München, wo es Hunderte Tote gab. Wie kam das?

Vorgeschichte

Einer der Reporter, der 1832 für die AZ aus anderen betroffenen Städten berichtete, war Heinrich Heine (1797/98–1856), der aus seinen Erlebnissen ein Buch[2] machte und das – sehr lesenswert! – verblüffende Ähnlichkeiten zur Corona-Epidemie 2019/2020 aufweist. Solche Berichte waren für die Menschen überlebenswichtig: Wie kann man dieser Krankheit begegnen, wie kann man ihr am besten ausweichen? Welche Heilmittel stehen zur Verfügung? Wie kann man Ausbreitung verhindern? Denn dass das Bakterium Vibrio cholerae dahintersteckt, wusste man damals noch nicht. Damals erfuhr man zwar permanent, dass hinter abscheulich stinkenden Pfützen und Kot-Abraumen in den Gassen, von Klosettanlagen oder ähnlich verwendeten Kanälen ein ‚pestilenziarischer‘ Gestank ausging (und man durch diese Wortwahl auch ahnen kann, dass damit irgendwie Zusammenhänge hergestellt wurden), aber konkret wusste man zur tatsächlichen Verbreitung, Aufnahme und zu Erkrankungszusammenhängen so gut wie nichts. „Die Cholera 1832 in Augsburg – nur ein ‚Gespenst‘?“ weiterlesen

+++verschoben+++ “Und sie komponieren, dirigieren doch!” | Konferenz

Diversity in Music – Komponistinnen und Dirigentinnen im Musikleben heute
Freitag 20. März bis Sonntag 22. März 2020 in München, Orff-Zentrum
+++Wegen CORONA abgesagt+++
WIRD VERSCHOBEN!

Gibt es wirklich so wenige Komponistinnen, die Werke für große Chöre und Orchester geschrieben haben? Oder ist das nur ein Argument, um die Musik von Frauen nicht aufzuführen? Auch das Argument „mangelnder Qualität“ oder „das Gute setzt sich durch“ erscheint angesichts eines engen Kanons an immer wieder Gleichem kaum mehr haltbar.

Gerade die Alte-Musik-Szene hat den Beweis erbracht, dass unzählige Werke in den Archiven schlummern, die mit großer Begeisterung wiederentdeckt werden. Und führt nicht gerade diese enge Tradition der Klassischen Musik in die aktuelle Krise und Stagnation? Wäre mehr Diversität nicht auch hier die geeignete Lösung?

Auf dieser Konferenz beleuchten wir die Voraussetzungen für die Musikprogramm-Planung heute. Es gibt zahlreiche Werke von Komponistinnen, um bei Konzerten ein gerechteres Geschlechterverhältnis zu erreichen und Chören und Orchestern des 21. Jahrhunderts neue Hörer*innenschichten zu erschließen. Musik von Frauen ist es wert, aufgeführt zu werden!

Für das Musikleben insgesamt stellt es eine Bereicherung dar, auch das weibliche Erbe lebendig zu halten und zeitgenössischen Komponistinnen ein Podium zu bieten.
Die Konferenz bietet

• einen Roundtable mit Expert*innen und Programmplaner*innen von Orchestern und Musiktheatern
• eine Vorstellung praktikabler Stücke für Chor und Orchester
• eine Vorstellung hilfreicher Datenbanken zur Werkrecherche
• einen Kompositionsworkshop
• einen Dirigierworkshop
• Social media monitoring – Vorstellung eines Info-Dienstes zum Thema „Frauen im Konzertbetrieb“
• ein Netzwerktreffen für Komponistinnen/Dirigentinnen/Bloggerinnen/Studierende
• ein Kammermusik-Konzert mit Werken von Philippine Schick, Luise Adolpha Le Beau, Mary Wurm und Konstantia Gourzi
• eine Matinee mit Orchesterwerken von Gloria Coates, Katrin Schweiger, Dorothee Eberhardt, Manuela Kerer und Dorothea Hofmann

Zielgruppen
Intendant*innen, Veranstalter*innen, Dramaturg*innen, Konzertplaner*innen, Musikpädagog*innen, Dirigent*innen, Komponist*innen, Musiker*innen, Musikwissenschaftler*innen und am Thema Interessierte.

Alle Informationen dazu finden Sie auf der Website von musica femina münchen e. V. | Ich werde vor Ort sein in meiner Eigenschaft als Mitvorstandsfrau/Mitorganisatorin von mfm

“Komponistinnen” | Film und Orchesterkonzert in München

Filmplakat. Mit freundlicher Genehmigung © tvbmedia productions
Filmplakat. Mit freundlicher Genehmigung © tvbmedia productions

Am Sonntag, 24. November 2019, um 12 Uhr, rollt in der Black Box im Gasteig das Rainbow Sound Orchestra Munich (RSO-M) unter der Leitung des musica-femina-münchen-Mitglieds Mary Ellen Kitchens der mehrfach preisgekrönten Dokumentation KOMPONISTINNEN den roten Teppich aus, die am Nachmittag gleich nebenan im Rio Filmpalast am Rosenheimer Platz läuft. In der von musica femina münchen veranstalteten Kombination aus Mittagskonzert und Kinovorstellung bringen die Künstler*innen zwei der vier im Film vorkommenden Komponistinnen zum Klingen, die Kyra Steckeweh und Tim van Beveren in ihrer vielbeachteten und preisgekrönten filmischen Spurensuche porträtierten.

Komponistinnen hatten es nicht nur in vergangenen Jahrhunderten schwer, sondern auch heute noch spielen sie im Konzertbetrieb eine sehr untergeordnete Rolle. Teilweise existiert das Notenmaterial nur in Handschriften, aus denen praktische Ausgaben erstellt werden müssen. Der Musikwissenschaftler Tobias Fasshauer hat sich dieser mühsamen Detailarbeit angenommen und zwei der insgesamt acht Sinfonien Emilie Mayers für Aufführungen eingerichtet. Während er in der Dokumentation die 2. Sinfonie der Berliner Komponistin vorstellt, wird das RSO-M ihre 3. Sinfonie präsentieren, von der bislang keine Einspielung existiert. Außergewöhnlich für eine Frau im 19. Jahrhundert, erhielt Emilie Mayer Unterstützung von einigen ihren männlichen Kollegen und etablierte sich als eine feste Größe im Berliner Musikleben. Ihr Schaffen strahlte auch auf andere Städte aus, jedoch geriet sie nach ihrem Tod schnell in Vergessenheit.

Dagegen zog sich Mel Bonis weitgehend ins Private zurück, nachdem sie zwar zunächst Klavier spielen und am Pariser Conservatoire studieren durfte. Ihre Eltern sorgten anschließend für die Heirat mit einem wohlhabenden Witwer und losgelöst von materiellen Sorgen widmete sich Mel Bonis der Musik. Allerdings blieb ihr die schöne Kunst als berufliche Perspektive aufgrund ihres Geschlechts und gesellschaftlicher Konventionen verwehrt. Sie veröffentlichte viele Klavierstücke, um aber nicht als Frau erkannt zu werden, änderte sie ihren Vornamen von „Mélanie“ zu „Mel“. Auch das Werk Les Gitanosexistiert in Klavierfassungen, allerdings entfaltet sich besonders in der Orchesterfassung das spanische Kolorit in diesem gut dreiminütigen Valse espagnole. Musik der beiden weiteren Komponistinnen aus der Dokumentation Fanny Hensel und Lili Boulanger wird dann am Nachmittag im Film Komponistinnen zu hören sein.

Es erwartet Sie nicht nur eine ungewöhnliche, rund einstündige Matinee, sondern auch ein Erleben der Werke aus einem ganz besonderen Blickwinkel: Das Orchester wird in der Saalmitte Platz nehmen und vielleicht darf sich das Publikum auch unter die Musiker*innen mischen, um so das Konzert aus nächster Nähe und ungewohnter Hörperspektive zu genießen.

Sonntag, 24. November 2019
12:00 Uhr | Black Box
€ 10,– (Karten buchen über München Ticket)

Rainbow Sound Orchestra Munich
Leitung: Mary Ellen Kitchens

Emilie Mayer (1812–1883) 
Symphonie Nr. 3 C-Dur
(1850, Entdeckung aus der Staatsbibliothek in Berlin – es gibt bislang überhaupt keine Einspielung dieses Werks)

Mel Bonis (1858–1937) 
Les Gitanos
op. 15/3 für Orchester (1891)

Veranstalterin: musica femina münchen e. V.
Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der LH München

Der Film läuft um 14:30 Uhr im Rio Filmpalast am Rosenheimer Platz.
Anschließend Filmgespräch in Anwesenheit der Filmemacher Kyra Steckeweh, Tim van Beveren sowie Susanne Wosnitzka als Mitwirkender im Film

Karten zu € 9,50,–   bitte direkt beim Kino unter www.riopalast.de reservieren.

Text: RSO-M

Vilma von Webenau: Vortrag in München

Konzertplakat in Wien © Susanne Wosnitzka
Konzertplakat in Wien © Susanne Wosnitzka

Freitag, 1. November 2019, 15:00 Uhr: Auch bei den diesjährigen Lesbenkulturtagen in München bin ich wieder mit dabei mit einem Vortrag zu meiner forensischen Spurensuche zu Leben und Werk der ersten Privatschülerin von Arnold Schönberg, Vilma von Webenau (1875–1953).

Die Lebensspuren einer äußerst bescheidenen Frau wiederzufinden ist nicht einfach. Ab 1898 studierte Vilma Weber Edle von Webenau (1875–1953) bei Shootingstar Arnold Schönberg (1874– 1951) als dessen erste bekannte Privatschülerin. Von diesem als Komponistin geschätzt, ist ihr Name als seine Schülerin bzw. Studentin heute jedoch in keiner einzigen Schönberg-Biografie zu finden. In Wien harren über 100 Webenau-Werke noch ihrer Entdeckung!

2014 erklangen erstmals Webenau-Werke in München bei einem Konzert im Rahmenprogramm der Ausstellung Ab nach München! Künstlerinnen um 1900 durch musica femina münchen e. V. – mit Vortrag von Susanne Wosnitzka. Ihre Forschungen und Veröffentlichungen schürten eine Nachfrage nach Wissen zu Vilma von Webenaus Leben und Werk, die möglicherweise auch die Ururenkelin von Wolfgang Amadé Mozart sein könnte. Welches Geheimnis birgt ihr erst vor Kurzem wiedergefundenes Grab?

Das ist aber nicht das einzige Spannende: Eine der bekanntesten und bedeutendsten Komponistinnen Österreichs, Mathilde Kralik von Meyrswalden (1857– 1944), bezeichnete Vilma von Webenau bedeutungsschwanger betont als „Gefährtin“. Mathilde Kraliks Lesbischsein war ein offenes Geheimnis – sie lebte mit Dr. Alice Scarlates (1882–1958) zusammen. Sowohl Mathilde Kralik als auch Vilma von Webenau bewegten sich im Freundinnenkreis um die ebenfalls lesbische Smaragda Eger-Berg (1887–1954), der Schwester des Komponisten Alban Berg, einem der bedeutendsten Schüler wiederum von Arnold Schönberg.

War auch Vilma von Webenau eine „Schwester“ und dann „Lesbe unterm Hakenkreuz“? Sind diese Frauen Teil eines noch unbekannten lesbischen Wiener und vielleicht auch Münchner Netzwerks? Neueste Funde – Indizien? – könnten diese von Rochus Kralik von Meyrswalden ausgesprochene Vermutung verdichten. Mit diesem Vortrag zeigt Susanne Wosnitzka einen weiteren Einblick aus ihrer großen Schatzkiste an verborgenem Wissen in einer forensischen Spurensuche nach dieser hochinteressanten Frau – wie erarbeitet man ein Stück Geschichte in Buchform, wenn einem aus Furcht vor „feministischer Ghettobildung“ Türen verschlossen werden?

Freitag, 01. November 2019
„Café Regenbogen“
Lindwurmstraße 71
80337 München
Einlass: 15:00 Uhr
Beginn: 15:30 Uhr
Eintritt: 10 € / ermäßigt 7 €
Das „Café Regenbogen“ ist mit dem Rollstuhl zugänglich, aber leider nicht 100 % rollstuhlgerecht. Mit DGS-Dolmetscherinnen bei Anmeldung per Mail an DGS@leskult.de bis 22.10.2019

Veranstalterinnen:
LesKult – Lesben bewegen München e. V.
c/o LeTRa
Angertorstraße 3
80469 München
info@leskult.de
www.leskult.de/lesbenkulturtage-2019/

Wir freuen uns über Spenden an:
LesKult – Lesben bewegen München e.V.
IBAN: DE51 7016 6486 0002 4649 93
BIC: GENODEF1OHC VR Bank München Land eG Verwendungszweck: Spende, Adresse der Spender_in

Der Besuch der Veranstaltungen der LesbenKulturTage erfolgt auf eigene Gefahr. Die Veranstalterinnen übernehmen keine Haftung.

“Damenbesuch”: Als Gast von Michaila Kühnemann

© Michaela Dietl, Susanne Wosnitzka
© Michaela Dietl, Susanne Wosnitzka

Dienstag, 8. Oktober 2019, 20:00 Uhr im Stemmerhof München. Susanne Wosnitzka als Damenbesuch im Gespräch mit Gastgeberin Michaila Kühnemann.
Veranstalterin: ars musica e. V., VVK 10,00 €, Abendkasse 12,00 €

Zu Gast bei der Kühnemann die Zu Gast bei Kühnemann die Musikwissenschaftlerin Susanne Wosnitzka und die Akkordeonvirtuosin Michaela Dietl. Letztere ist ein gern gesehener Gast auf der Bühne von ars musica. Wer ihren Auftritt am Wochenende verpasst hat bekommt hier eine weitere Möglichkeit sie zu sehen und zu hören.

Das Thema diesmal: “Komponistinnen”
Mit Susanne Wosnitzka haben wir eine Speziaistin auf diesem Gebiet zu Gast. Sie hält Vorträge, unterrichtet und schreibt Fachbeiträge in Musikzeitungen. Sie ist im Vorstand von musica femina, München und arbeitet für das Archiv Frau und Musik, Frankfurt.

Was ist der DAMENBESUCH BEI KÜHNEMANN?
Der internationale Frauentag sollte eigentlich das ganze Jahr gefeiert werden. Bei ars musica tun wir das!
Hier darf viel passieren, ob gesungen, gelesen, gespielt oder auch mal ein Film. Dazwischen wird über Themen gesprochen, die gerade brennen oder in die Zeit passen. Aber immer mit und über Frauen.

Der Besuch sind Damen aus Musik, Film, Darstellender Kunst oder auch mal Politik. Für das Publikum unterhaltsam und maximal informativ.

Die Kühnemann heißt eigentlich Michaila Kühnemann, ist Sängerin, Moderatorin und Filmemacherin und außerdem 2. Vorständin bei ars musica e. V. Jetzt kann sie auf ihrer Wohnzimmerbühne mal machen wozu sie wirklich Lust hat 🙂

Vilma von Webenau – neueste Erkenntnisse zur Schönberg-Schülerin

Konzertplakat in Wien © Susanne Wosnitzka
Konzertplakat in Wien © Susanne Wosnitzka

Eine neue Publikation zu meiner Forschungsarbeit zu Vilma von Webenau (1875-1953, erste bekannte Schülerin von Arnold Schönberg) ist nun als Blogtext erschienen als eine Art Vorschau auf eine geplante größere Publikation mit dem Certosa-Verlag mit bislang unveröffentlichten und unbekannten Neuauffindungen zu Vilmas Todesumständen, zu ihrem lesbischen Freundinnenkreis (war auch sie selbst eine “Lesbe unterm Hakenkreuz”?), zu ihrem Nachlass, mit Überlegungen zu ihrer durchaus möglichen Mozart-Urenkelinnenschaft bis hin zu Aufführungen ihrer Werke in Graz unter GMD Oksana Lyniv (2020) und in Wien unter Marin Alsop (Saison 2019/20)!

Mit Dank an Gaby Dos Santos und dem Jourfixe Muenchen e. V. für die Veröffentlichung.

Danke für Vilma

Und das alles wäre NICHT möglich gewesen ohne die Vorarbeit von musica femina münchen e. V. und dem großen Interesse an meiner Arbeit durch das Münchner Stadtmuseum, der MDW Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, QWIEN, dem Primavera Festival Wien sowie zahlreichen begeisterten Leuten wie Andreas Brunner, Prof. Dr. Annegret Huber (mdw), Attilia Kiyoko Cernitori (Einstudierung/Dirigat von Webenau-Werken in Wien 2018), León de Castillo, Gerhard Alexander von Webenau, dem Frauen-Orchester-Projekt unter Leitung von Mary Ellen Kitchens (Einstudierung/Dirigat eines großen Webenau-Werks in Berlin 2018), Dr. Christian-Alexander Wäldner für u. a. Fotos von Vilmas ehem. Grablege, dem Archiv Frau und Musik für vorangegangene Veröffentlichungen dazu in der “VivaVoce”, dem Sophie Drinker Institut für eine ebensolche Veröffentlichung und so vielen mehr, die dafür gesorgt haben, dass ein Interesse an Leben und Werk von Vilma von Webenau nach “ganz oben” durchgesickert ist. Das kam nicht von alleine.

D*A*N*K*E für euren/Ihren Support für diese Arbeit, die ich derzeit noch privat betreibe.

Einzelheiten sowie den Blogtext finden Sie hier im Jourfixe-Blog sowie viele, viele wesentlich detailliertere Ausführungen mehr dann in der ausführlichen kommenden Publikation (in Arbeit).
 

Vilma von Webenau – verwehte Spuren finden

Festrede/Zornrede – 30 Jahre musica femina münchen e. V.

Gasteig Black Box © Rita Draxlbauer
Gasteig Black Box © Rita Draxlbauer

Festrede/Zornrede 30 Jahre musica femina münchen, 29. April 2018

„Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen: Sie bekommen nichts.“ – Simone de Beauvoir

Auch ich begrüße Sie sehr herzlich im Namen des Vereins und der Vorstandsfrauen zu diesem heutigen Jubiläum von musica femina münchen und danke Ihnen, dass Sie mit uns feiern. Ich danke unseren Musikerinnen, die mit ihrer Brillanz diesen Tag zum Klingen bringen und bereits ihr Können gezeigt haben. Ich danke unseren Komponistinnen, die uns teilhaben lassen an ihrer Gedanken- und Gefühlswelt und uns mitnehmen in ihren Kosmos, individuell, bunt, intellektuell und begeisterungsvoll. Ich danke auch den Frauen, die daran beteiligt waren und geholfen haben, diesen Tag zu organisieren, darunter Irmgard Voigt, unsere Gestalterin, Marie-Pierre Beckius als unsere Botschafterin nach außen, Ulrike Keil, unserer Moderatorin, Katrin Schweiger als Künstlerische Leitung, Gaby dos Santos als unermüdliche Bloggerin und nicht zuletzt Anne Holler-Kuthe als Managerin – neben ihrem Beruf, ehrenamtlich und ohne Vergütung. Ohne Anne Holler-Kuthe wäre nichts gegangen: Sie hält unsere Fäden wunderbar zusammen – von der geschäftlichen Verwaltung über die Organisation bis hin zur Künstlerinnenbetreuung.

Ich danke unseren unermüdlichen Unterstützerinnen und Unterstützern, dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München sowie der Gleichstellungsstelle, der Gerda-Weiler-Stiftung, dem Internationalen Arbeitskreis Frau und Musik e. V. mit dem Archiv Frau und Musik und vielen privaten Förderinnen und Förderern, ohne die Erfolge in unserer Arbeit nicht [das Zornige kommt noch weiter unten] „Festrede/Zornrede – 30 Jahre musica femina münchen e. V.“ weiterlesen

Würdiges Grab für Sofie Menter

ophie Menter, Fotografie von Josef Löwy 1875. © Wikimedia.Commons (allgemeinfrei)
Sophie Menter, Fotografie von Josef Löwy 1875. © Wikimedia.Commons (allgemeinfrei)

Ein würdiges Grabmal für Sofie Menter – eine Aktion von mfm zu ihrem 170. Geburtstag 2016

Die Stadt München verfügt über eine einzigartige Oase am Rand des Glockenbachviertels: Den Alten Südfriedhof. Dort liegen berühmte (z. B. Carl Spitzweg) als auch weniger berühmte Personen und Persönlichkeiten der Isarstadt. Mit seiner herausragenden architektonischen Anlage als auch der „verwunschenen“ Gräberanlage reiht er sich ein in die „romantischen“ Friedhöfe dieser Welt wie Père Lachaise (Paris) oder St. Marx (Wien).

mfm

Mit musica femina münchen e.V. (mfm) existiert ein preisgekrönter Verein (Anita-Augspurg-Preis der Stadt München, Bundesverdienstkreuz), der sich um die Belange historischer Komponistinnen sorgt als auch in München aktiv schaffende Komponistinnen fördert (z. B. Auftragswerke mit dem Münchner Kammerorchester, eigene Konzertreihen). mfm sorgt auch dafür, dass „Würdiges Grab für Sofie Menter“ weiterlesen

“Sing, Inge, sing!” – Inge Brandenburg

Seit achtzehn Jahren findet in München jährlich die Bimovie-Filmreihe im fast 100jährigen Maxim-Kino statt, in der außergewöhnliche Filme und Dokumentationen gezeigt werden, die sonst oft keinen Platz im öffentlichen Raum oder in den größeren Kinos haben.

Von vielen der dort gezeigten Bild- und Tondokumente war eines davon besonders elektrifizierend: Die biografische Dokumentation Sing, Inge, Sing! des Filmemachers und Biografen Marc Boettcher (Portraitfilme u. a. über Alexandra und Bert Kaempfert), die in knapp zwei höchst faszinierenden Stunden über das Leben und außergewöhnliche Wirken und Singen der Inge Brandenburg berichtet, die – einst zur besten Jazz-Sängerin Europas gekürt – völlig verarmt 1999 in München starb.

Zufallsfund

Per Zufall wurde ein kleiner Teil ihres Nachlasses auf einem Flohmarkt gefunden und „“Sing, Inge, sing!” – Inge Brandenburg“ weiterlesen

Vilma von Webenau (1875–1953) | Vortrag

Die Lebensspuren einer äußerst bescheidenen Frau wiederzufinden ist nicht einfach. Ab 1898 studierte Vilma von Webenau (18751953) beim damals erst 26jährigen Arnold Schönberg als dessen erste Privatschülerin. Bereits ihre Großmutter Julie von Webenau (18131887) war kompositorisch tätig: Diese hatte bei Franz Xaver Wolfgang Mozart (17911844) Komposition studiert. Julies Mutter Josephine Baroni-Cavalcabò wurde dessen Geliebte und Alleinerbin. Ob aus dieser Verbindung heraus Julie entstand, ist fraglich, aber möglich. Professionellen Klavierunterricht erhielt sie bei Cäcilie/Cäcilia Frank (1851–1936?) in Wien. Auf Schönbergs Einladung folgte ihm Vilma von Webenau um 1900 von Wien nach Berlin und gab um diese Zeit auch gefeierte Konzerte in London. Eine Zeit lang arbeitete sie in München als Musikpädagogin und folgte Schönberg zurück nach Wien, wo sie später in drückender Armut starb. Von Schönberg als Komponistin geschätzt, ist ihr Name heute in keiner einzigen seiner zahlreichen Biografien zu finden.

Vilma von Webenau – Rätselhaft

Puzzlestück für Puzzlestück zusammengetragen ergibt sich – vorsichtig gezeichnet – ein Bild mit Potenzial zu Großem: Mehr als 100 Werke harren in Wien ihrer Entdeckung! Mit vier Werken Webenaus begann ich in Kooperation mit musica femina münchen e. V., diesen unglaublichen Schatz zu heben. Mittlerweile wurde vom Certosa-Verlag begonnen, diese eindrucksvollen Werke herauszugeben.

Verwehte Spuren?

Am 3. Dezember 2014 erklangen mehrere Kammermusikwerke rund 100 bis 80 Jahre nach ihrer Entstehung als wohl deutsche Erstaufführung in einem Vortrag mit Konzert im Rahmen der großen Sonderausstellung Ab nach München! Künstlerinnen um 1900 im Münchner Stadtmuseum, zusammen mit einem Vortrag von mir. Mit welch archäologischer Akribie in einem solchen Fall von teils fehlenden oder verborgen gehaltenen Grundlagen vorgegangen werden muss, zeige ich darin auf.

Derzeit bin ich eine von zwei bekannten Webenau-Forscherinnen weltweit. Meine bisherigen Forschungsergebnisse können Sie hier nachlesen (weitere Publikationen in Vorbereitung):

Susanne Wosnitzka: Vilma Weber von Webenau – verwehte Spuren?, in: Archiv Frau und Musik Frankfurt/Main (Hg.): VivaVoce Nr. 99, 2/2014, S. 2–5.
Susanne Wosnitzka: „Gemeinsame Not verstärkt den Willen“ – Netzwerke von Musikerinnen in Wien, in: Annkatrin Babbe und Volker Timmermann (Hg.): Musikerinnen und ihre Netzwerke im 19. Jahrhundert. Oldenburg 2016 (= Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts (Hg. Freia Hoffmann), Bd. 12). ISBN 978-3-8142-2338-4.
Susanne Wosnitzka: Vilma von Webenau – verwehte Spuren finden, in: Gaby dos Santos/Kulturplattform jourfixe-muenchen e. V. (Hg.): Online-Blog, veröffentlicht am 30. Juni 2019, https://www.jourfixe-muenchen-ev.com/vilma-von-webenau-verwehte-spuren-finden (Stand: 1. Juli 2019).

Links:
QWIEN – Ankündigung Festkonzert mit Vortrag Schloss Schönbrunn (17. Mai 2018), Susanne Wosnitzka (Vortrag)
mdw_Universität für Musik und darstellende Kunst Ankündigung Festkonzert mit Vortrag Schloss Schönbrunn (17. Mai 2018), Susanne Wosnitzka (Vortrag)

Hörbeispiel:
Vilma von Webenau, Befreiung

Kosten:
VB (einzelne Vorträge ca. 90 Minuten; Anreise/Übernachtung exklusive)

Ideal für Kulturzentren, Firmenfeierlichkeiten, private Feste wie Geburtstage etc. – beschenken Sie einen Freund/eine Freundin oder Ihre Kundinnen und Kunden mit einem Vortrag aus meinem Repertoire | Hausvorführungen möglich – Beamer und weitere technische Gerätschaften vorhanden

Komponistinnen | Film und Konzert mit Talk in München

+++UPDATE+++
Soeben gewann Komponistinnen auf dem 10th World Music and Independent Film Festival in Washington D.C./USA als bester Dokumentarfilm!

Kyra Steckeweh © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren
Kyra Steckeweh © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren

Komponistinnen – Konzert mit Klaviermusik von Fanny Hensel, Mel Bonis, Emilie Mayer und Lili Boulanger

Klavierkonzert und Film am Sonntag, 17. Februar 2019 um 17:00 Uhr Klavierkonzert mit der Pianistin Kyra Steckeweh in der Kontrapunkt Klavierwerkstatt (Dorfstraße 39 Hofgebäude, 81247 München)

Anschließend um 20:00 Uhr Münchner Filmpremiere von Komponistinnen – eine filmische und musikalische Spurensuche im Kino Monopol (Schleißheimer Str. 127, 80797 München) in Anwesenheit der Filmemacher*in Kyra Steckeweh und Tim van Beveren im Anschluss: Filmgespräch

Ausgezeichnet als “Bester Dokufilm von oder über eine Frau” (Alive International Documentary Film Festival Los Angeles 2018):

“Eine überfällige Doku mit Musik, die packt und dazu exzellent erzählte Geschichte(n) – großes Kompliment” (Premieren-Besucher)

© 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren
© 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren

Vorgestellt werden in Komponistinnen vier sehr verkannte aber zu ihren Lebzeiten teils damals bereits äußerst bekannte Komponistinnen, die von der Familie abgehalten wurden, zu komponieren und zu veröffentlichen (Fanny Hensel), oder die – im Gegensatz – selbstverständlich gefördert wurden, aber trotzdem von Gesellschaft und Musikwissenschaft vergessen wurden. Obwohl Lili Boulanger heute zu den meistaufgeführten Komponistinnen zählt, wurde ihr Werk erst in den 1960er Jahren wieder bekannt. Emilie Mayer zählte einst zu den meistaufgeführten Komponistinnen Berlins – ihre Werke wurden zu ihren Lebzeiten von großen Orchestern mit großem Erfolg aufgeführt. Dabei geht es auch um Fragen zur gegenwärtigen Situation: Wie wird heute mit dem musikalischen Erbe der Komponistinnen umgegangen? Warum wird ihre Musik so selten aufgeführt?

Erst durch die Recherchen von Dr. Jörg Kuhn konnte jetzt Emilie Mayers verschollen geglaubtes Grab in Berlin ausfindig gemacht werden. Mél Bonis konnte nur durch die Unterstützung ihres Geliebten zur vollendeten Komponistin heranreifen und hinterließ rund 300 Werke, musste aber für ihre Publikationen ein männliches Pseudonym verwenden, weil viele Verlage Musik von Frauen nicht ernst nahmen. Im Film sind stets Werke aller vier Komponistinnen zu hören, teils in Ersteinspielung! Kyra Steckeweh hat dazu eigens die CDs En dehors mit Klavierwerken von Mélanie Bonis und Lili Boulanger eingespielt (2016) sowie die soeben erschienene CD Vita brevis ars longa mit Klavierwerken von Fanny Hensel und Emilie Mayer.

Susanne Wosnitzka und Kyra Steckeweh in Rom © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren
Susanne Wosnitzka und Kyra Steckeweh in Rom © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren

Die (Vorstands)Mitglieder von musica femina münchen
e. V. Mary Ellen Kitchens und Susanne Wosnitzka wurden für die Dokumentation als Expertinnen im Archiv Frau und Musik in Frankfurt/Main sowie in Rom interviewt. Nur dank eines Crowdfunding-Projekts konnte der Dokufilm mit Unterstützung aus unseren Reihen fertiggestellt werden. mfm-Mitglied Karla Viebahn wurde dadurch zur Co-Produzentin.

Ein besonderes Highlight ist die erst kürzlich entdeckte Klaviersonate in d-Moll von Emilie Mayer, welche Kyra Steckeweh im vergangenen Jahr erstmalig eingespielt hat und die der Öffentlichkeit somit fast 150 Jahre nicht bekannt war.

Die Leipziger Pianistin Kyra Steckeweh konzertiert als Kammermusikpartnerin, Liedbegleiterin und solistisch. Als Solistin befasst sie sich – neben dem Standardrepertoire für ihr Instrument – mit der wenig bekannten Musik von Komponistinnen. Hierfür arbeitet sie teilweise mit Autographen, da zuverlässige Notenausgaben nicht immer verfügbar sind. Die Musik von Frauen als Teil des kulturellen Erbes wahrnehmbar zu machen, ist ein großer Ansporn für die rege Konzerttätigkeit der Pianistin.

Bitte sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Eintrittskarte!

Vorverkauf unter info@musica-femina-muenchen.de 
Kombipreis Konzert + Film 20 Euro | Eintrittspreis Konzert 12 Euro | Eintrittspreis Film 9 Euro

Abendkasse
Eintrittspreis Konzert 15 Euro | Eintrittspreis Film 9,50 Euro

Eine Veranstaltung von musica femina münchen e. V., gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München

“Komponistinnen” | Konzert und Film

Kyra Steckeweh © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren
Kyra Steckeweh © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren

Komponistinnen – Konzert mit Klaviermusik von Fanny Hensel, Mel Bonis, Emilie Mayer und Lili Boulanger

Klavierkonzert und Film am Sonntag, 17. Februar 2019 um 17:00 Uhr Klavierkonzert mit der Pianistin Kyra Steckeweh in der Kontrapunkt Klavierwerkstatt (Dorfstraße 39 Hofgebäude, 81247 München)

Anschließend um 20:00 Uhr Münchner Filmpremiere von Komponistinnen – eine filmische und musikalische Spurensuche im Kino Monopol (Schleißheimer Str. 127, 80797 München) in Anwesenheit der Filmemacher*in Kyra Steckeweh und Tim van Beveren im Anschluss: Filmgespräch

Ausgezeichnet als “Bester Dokufilm von oder über eine Frau” (Alive International Documentary Film Festival Los Angeles 2018)

Vorgestellt werden in Komponistinnen vier sehr verkannte aber zu ihren Lebzeiten teils damals bereits äußerst bekannte Komponistinnen, die von der Familie abgehalten wurden, zu komponieren und zu veröffentlichen (Fanny Hensel), oder die – im Gegensatz – selbstverständlich gefördert wurden, aber trotzdem von Gesellschaft und Musikwissenschaft vergessen wurden. Obwohl Lili Boulanger heute zu den meistaufgeführten Komponistinnen zählt, wurde ihr Werk erst in den 1960er Jahren wieder bekannt. Emilie Mayer zählte einst zu den meistaufgeführten Komponistinnen Berlins – ihre Werke wurden zu ihren Lebzeiten von großen Orchestern mit großem Erfolg aufgeführt. Dabei geht es auch um Fragen zur gegenwärtigen Situation: Wie wird heute mit dem musikalischen Erbe der Komponistinnen umgegangen? Warum wird ihre Musik so selten aufgeführt?

Erst durch die Recherchen von Dr. Jörg Kuhn konnte jetzt Emilie Mayers verschollen geglaubtes Grab in Berlin ausfindig gemacht werden. Mél Bonis konnte nur durch die Unterstützung ihres Geliebten zur vollendeten Komponistin heranreifen und hinterließ rund 300 Werke, musste aber für ihre Publikationen ein männliches Pseudonym verwenden, weil viele Verlage Musik von Frauen nicht ernst nahmen. Im Film sind stets Werke aller vier Komponistinnen zu hören, teils in Ersteinspielung! Kyra Steckeweh hat dazu eigens die CDs En dehors mit Klavierwerken von Mélanie Bonis und Lili Boulanger eingespielt (2016) sowie die soeben erschienene CD Vita brevis ars longa mit Klavierwerken von Fanny Hensel und Emilie Mayer.

Susanne Wosnitzka und Kyra Steckeweh in Rom © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren
Susanne Wosnitzka und Kyra Steckeweh in Rom © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren

Die mfm-(Vorstands)Mitglieder Mary Ellen Kitchens und Susanne Wosnitzka wurden für die Dokumentation als Expertinnen im Archiv Frau und Musik in Frankfurt/Main sowie in Rom interviewt. Nur dank eines Crowdfunding-Projekts konnte der Dokufilm mit Unterstützung aus unseren Reihen fertiggestellt werden. mfm-Mitglied Karla Viebahn wurde dadurch zur Co-Produzentin.

Ein besonderes Highlight ist die erst kürzlich entdeckte Klaviersonate in d-Moll von Emilie Mayer, welche Kyra Steckeweh im vergangenen Jahr erstmalig eingespielt hat und die der Öffentlichkeit somit fast 150 Jahre nicht bekannt war.

Die Leipziger Pianistin Kyra Steckeweh konzertiert als Kammermusikpartnerin, Liedbegleiterin und solistisch. Als Solistin befasst sie sich – neben dem Standardrepertoire für ihr Instrument – mit der wenig bekannten Musik von Komponistinnen. Hierfür arbeitet sie teilweise mit Autographen, da zuverlässige Notenausgaben nicht immer verfügbar sind. Die Musik von Frauen als Teil des kulturellen Erbes wahrnehmbar zu machen, ist ein großer Ansporn für die rege Konzerttätigkeit der Pianistin.

Bitte sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Eintrittskarte!

Vorverkauf unter info@musica-femina-muenchen.de 
Kombipreis Konzert + Film 20 Euro | Eintrittspreis Konzert 12 Euro | Eintrittspreis Film 9 Euro

Abendkasse
Eintrittspreis Konzert 15 Euro | Eintrittspreis Film 9,50 Euro

Eine Veranstaltung gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München