Corona und Cholera – wortgleich wiederholte Geschichte

Wiederholt sich Geschichte nur dann nicht, wenn man aus ihr gelernt hat? Geschichte wiederholt sich manchmal sehr, und manchmal sogar als ziemlich exakte Kopie, auch im Wortlaut zu Corona und Cholera, mit rund 170 Jahren an Überlegungszeit dazwischen. Das ist mir in meinen Forschungen, zu denen ich mehrere Augsburger Tageszeitungen der Jahre 1746 bis 1850 in Gänze (!) auf Musik-, Kultur- und andere hochinteressante Meldungen[1] abgraste,  in dieser Deutlichkeit so nur im folgenden historischen Bericht begegnet, den ich gestern auf Twitter analysiert habe. Da dieser Tweet dort viral ging, stelle ich die ganze Geschichte hier noch einmal etwas weiter ausgebaut zur Verfügung:

„Corona existiert nicht, es ist eine künstliche, von der Politik geschaffene Krankheit!“ – 2020 zigfach auf sog. Corona-Demos gehört. „Die Cholera existirt nicht, es ist eine künstliche, politische Krankheit!“ – O-Ton 1849. Frappierende Ähnlichkeit? Es gibt weitere!

Verschwörungstheorie von Corona und der Cholera im Wortlaut, Augsburger Tagblatt 1849
Verschwörungstheorie von Corona und der Cholera im Wortlaut, Augsburger Tagblatt 1849

Augsburger Tagblatt, No. 234. Montag 27. August 1849, S. 1209: „Paris, 22. Aug. In Rochefort ist es am 14. August zu traurigen Scenen gekommen. Die Cholera trat dort so furchtbar auf, daß sie verhältnißmäßig die große Zahl von 21 Opfern täglich forderte, und fast nur aus der untern Volksclasse.“

Ein Volk in der Gosse
Augsburg um 1835. Stahlstich von F. Höfer © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Augsburg um 1835. Stahlstich von F. Höfer © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Weil die „untere Volksclasse“ regelrecht in der Kloake lebte. Über Jahre wurde zum Beispiel in Augsburg darum gebeten, pestilenzialisch stinkende Kanäle zu reinigen und abzudecken (besonders betroffen: der Hunoldsgraben hinter dem Rathaus), den Kot, der auf Haufen in den Straßen gesammelt wurde, regelmäßiger wegzufahren. Die Stadt reagierte kaum darauf. Augsburg war noch einigermaßen gut dran, da das Trinkwasser bereits damals aus dem Siebentischwald in die Stadt transportiert wurde, während andere Städte oft nur die Flüsse zur Verfügung hatten, in die Abwässer geleitet wurden. In anderen Städten kam so ein Kreislauf der Krankheit zustande. Dass Augsburg in den 1830er Jahren von der Cholera verschont blieb, lag – neben prophylaktischen Vorkehrungen wie dem Räuchern von fein durchstochenen Briefen vor den Stadttoren (Idee aus Wien, in Augsburg kundgetan) und gezielter Isolierung einer betroffenen Familie in Pfersee (vor den Stadttoren) – auch daran, dass das Grundwasser im Siebentischwald nicht rückverseucht wurde. Diesen Teil der Augsburger Geschichte können Sie auf meiner Webseite unter diesem Link detaillierter nachlesen.

Antisemitismus auf dem Vormarsch

Weiter im O-Ton: „So bildete sich der Wahn von Vergiftungen, man fiel die Aerzte und barmherzigen Schwestern an und schrie laut: „Die Cholera existirt nicht, es ist eine künstliche, politische Krankheit!“ Das führte zu steigendem Antisemitismus[2], da die Mähr der Brunnenvergiftungen durch jüdische Menschen bei solchen Anlässen für Erklärungen herhalten musste. Dass Bakterien daran schuld waren, wusste man noch nicht. Das schürte – wie heute[3] – Verschwörungstheorien:

„Am 14. dies früh erschien folgender Maueranschlag: ‚Im Namen des französischen Volkes! Die bürgerlichen und militärischen Behörden werden hiermit verwarnt, daß, wenn binnen 24 Stunden die Cholera nicht aufgehört hat, die Stadt mit Blut und Brand gestraft wird.“ Durch Schüren dieser Verschwörungstheorien schlug die Angst in Panik um, Menschen wussten sich offenbar nicht anders zu helfen, sich alibimäßig auch psychologisch gegen eine Bedrohung zu wehren. In dieser Zeit 1848/49 fanden in Europa generell Aufstände gegen die Obrigkeit/Monarchie statt – der sog. Vormärz und die darauffolgenden Revolutionen, in denen versucht wurde, eine Demokratie, verbesserte Menschenrechte und Arbeitsbedingungen zu schaffen, die sich allerdings in blutigen Straßenschlachten, Hetzjagden, Mord und Totschlag von Warschau über Wien, Berlin, Hamburg bis Rastatt und in vielen weiteren europäischen Städten oft in brutalster Wut ergossen.

Klimawandel und Staatsaffären
Lola Montez. Ölgemälde von Joseph Karl Stieler 1847 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Lola Montez. Ölgemälde von Joseph Karl Stieler 1847 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Der Tropfen, der das schon längere Zeit durch Dürrezeiten und dadurch verursachte Lebensmittelteuerungen sowie Kürzungen von Arbeitslöhnen schwelende Fass zum Überlaufen brachte, war die unstandesgemäße Beziehung von König Ludwig I. von Bayern (1786–1868) zur Tänzerin Lola Montez (1821–1861), die in München als höchst gefährliche Aufwieglerin galt, die den König den Zeitungen nach sirenenhaft hypnotisiert hatte[4], der – um den Trubel kleinzuhalten – die Universität schloss und Studenten Rechte entzog.[5] Die Stadt stand auf, nicht nur Lola Montez wurde des Landes verwiesen, und dem König blieb nichts anderes übrig, als auf das Volk zu hören, das vor dem Palast auch Presse- und Meinungsfreiheit forderte. In vielen Städten entstanden schnell politische Vereine und Gesellschaften, in denen demokratische Menschenrechte ausgearbeitet wurden. Dies wurde von der Obrigkeit als Putsch aufgefasst und in den Städten Militär zusammengezogen, das die Monarchie unterstützen musste. Ganze Kohorten zogen aus, die vor den Städten Lager errichteten (Beispiel Donauwörth), in denen tausende Soldaten oft monatelang hausten und dabei Feldfrüchte zerstörten und auch teils Dörfer verwüsteten durch ihr Gehause. Diese Zustände führten allerdings auch dazu, dass sich in diesen Lagern Soldaten gegen Offiziere auflehnten.[6] Ein anderer hochspannender Teil unserer Geschichte, der sich sehr bildhaft in Gerhard Beiers Publikation Aufbruch zum europäischen Sozialstaat (Bund-Verlag 1998) nachlesen lässt, der dazu an der Illustrirten Zeitung geforscht hat, sowie aktuell in Hedwig Richters neuem Buch Demokratie. Eine deutsche Affäre. Vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart (C.H. Beck 2020).

Fragile Demokratie
Robert Blum. Ölgemälde von August Hunger, um 1847 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Robert Blum. Ölgemälde von August Hunger, um 1847 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Aber kehren wir zurück zur eigentlichen Geschichte hier bzw. des Twitter-Threads: Auch heute nutzen gewisse Bündnisse[7] diese Ängste, indem sie prophylaktische Maßnahmen zu Menschenrechtsabschaffungen umdeuten und so Leute auf die Straße bringen: „Abends war man genöthigt die Zusammenrottungen des geängsteten Volkes mit Waffengewalt zu sprengen und die Nacht über die Stadt durch Militär bewachen zu lassen.“

Die Zusammenrottung vor dem Reichstag Ende August 2020 als Teil der sog. Corona-Demo, die zur ‘Stürmung’ (der Treppen) genutzt wurde, hätte nicht sein dürfen. Es hätte entsprechende Maßnahmen gebraucht.[8] 1848/49 war die Zerschlagung der Demos in den Städten die Lösung des Problems, da nur dadurch die ‚Ruhe und Ordnung‘ wiederhergestellt vermocht wurde. Das monarchische Militär war bereits in Übung, es hatte Aufstände von Demokrat:innen blutig niedergeschlagen. Ganz besonders erschütterte zum Beispiel die Erschießung von Robert Blum (1807–1848) in Wien, der einer der buchstäblich bewegendsten Persönlichkeiten dieser Zeit war. Wenn man so nah an den O-Tönen der Zeit ist durch Lektüre historischer Zeitungen, dann machte es mich beim Lesen auch oft traurig: All die zerstörten Hoffnungen auf ein besseres, faires, freies Leben, besonders des untersten Standes; das Leid der Fabrikarbeiter:innen, die in Augsburg zum Beispiel in der Streichholzfabrik über die Jahre äußerlich und innerlich durch Schwefeldämpfe und mangelnden Arbeitsschutz verätzt oder in Maschinen gezogen wurden – furchtbare Schicksale.

Wer zuletzt lacht…

Die Cholera wütete nichtsdestotrotz weiter, der zum Beispiel die Star-Sopranistin Angelica Catalani (1780–1849) und der Star-Pianist Friedrich Kalkbrenner (1785–1849) zum Opfer fielen. Die Komponistin Fanny Hensel (1805–1845) verarbeitete ihre horrende Angst in ihrer atemberaubenden Cholera-Kantate.
Pierer’s Universallexikon aus dem Jahr 1858 trug detailliert zusammen, was die Cholera in den Augen dieser Zeit darstellte und wie sich die Cholera weiter in Europa ausbreitete.[9]

Dieser Thread mag als Anregung dienen, diese Parallelen zu Verschwörungsgeschichte damals und heute wissenschaftlich noch näher zu beleuchten.

Blogartikel in Planung
♣ Wie eine Frau aus Italien in den 1835er Jahren die Glasfaser in Deutschland bekannt machte
♣ Daniel Fenner von Fennebergs (1820–1863) aufmüpfige Rolle in der Augsburger Stadtgeschichte 1848/49. Neue Funde zu Leben und Werk
♣ Augsburgs aufständische Frauen 1848/49. Neuer Fund zur Frauengeschichte
♣ Eine neu aufgefundene Frau in Hosen der Zeit um 1848, die sog. Polenlieder und weitere aufständische Liedtexte verfasste und ein politisch-feministisches Credo herausgab
♣ Vom Pferseergässchen zur Prinzregentenstraße. Die Geschichte einer bewegten Augsburg Straße mit einer Gaststätte, die nicht nur Menschen miteinander verband

Einzelnachweise
[1] Zum Beispiel zur Luftfahrtgeschichte (besonders Ballonfahrt), zu seltsamen Naturerscheinungen und Tieren, zu Umweltkatastrophen (sämtliche Erdbebenmeldungen, Überflutungen, Stürme und Orkane, Vulkanausbrüche etc.), zu reisenden Wanderzirkussen, zu ‚behinderten‘ Menschen in sog. Freakshows, zur frühen Daguerrotypie (Fotografen, fotografierte Ereignisse), noch völlig unbekannten Episoden und ‚Wellen‘ der Frauen(wahl)rechtsbewegung, zu verrückten und weniger verrückten Erfindungen (‚Kriegsorgel‘, mechanische Krippen und ‚Roboter‘) und Hungerkatastrophen (‚Hungersteine‘) bis hin zu entsetzenden Mord- und Totschlagsgeschichten (zum Beispiel zum ‚Ripper von Augsburg‘). Nennen Sie mir einen Namen, und ich kann Ihnen sagen, ob die Person zwischen 1746 und 1850 in Augsburg übernachtete und/oder dort ein Konzert gegeben hat.

[2] Vgl. Alfred Haverkamp: Die Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes im Gesellschaftsgefüge deutscher Städte, in: Alfred Haverkamp (Hg.): Zur Geschichte der Juden in Deutschland des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Vorträge gehalten auf dem Internationalen Kolloquium an der Universität Trier vom 12. bis 14. Oktober 1977. Stuttgart (Hiersemann) 1981.

[3] Vgl. Christopher Stolz: Geplante Pandemie? Chinesische Biowaffe? Welchen Verschwörungstheorien Millionen Menschen glauben, in: Der Tagesspiegel online, 24.07.2020: https://www.tagesspiegel.de/wissen/geplante-pandemie-chinesische-biowaffe-welchen-verschwoerungstheorien-millionen-menschen-glauben/26036342.html (Stand: 29.09.2020).

[4] Vgl. Marita Krauss: Ich habe dem starken Geschlecht überall den Fehdehandschuh hingeworfen. Das Leben der Lola Montez, München: C.H. Beck 2020, ISBN 978-3-406-75524-8.

[5] Vgl. Andreas C. Hofmann: Bayerische Monarchie, Universität München und ihre Studierenden 1847 und 1848. Ein Königreich auf dem Weg in die Revolution. Als Digitalisat: https://epub.ub.uni-muenchen.de/17212/1/hofmann_revolution.pdf (Stand: 29.09.2020). Auch das Augsburger Tagblatt spricht übrigens durchgehend von Studierenden – in einer Zeit, in der nur Männer studieren durften.

[6] Vgl. entsprechende Berichte im Augsburger Tagblatt 1849, hier zusammengefasst.

[7] Vgl. zum Beispiel Julius Betschka: „Querdenker“-Demonstration in Berlin. So will die extreme Rechte den Corona-Protest unterwandern, in: Der Tagesspiegel online: https://www.tagesspiegel.de/berlin/querdenker-demonstration-in-berlin-so-will-die-extreme-rechte-den-corona-protest-unterwandern/26123250.html (Stand: 29.09.20202).

[8] Vgl. zum Beispiel Roman Lehberger/Ansgar Siemens: Berliner Polizei in Erklärungnot. Düpiert vor dem Reichstag, in: Spiegel Panorama online: https://www.spiegel.de/panorama/justiz/corona-demo-der-verhaengnisvolle-fehler-der-berliner-polizei-a-1d312d85-c2df-49c1-88fb-ab3edb58b3a6 (Stand: 29.09.2020).

[9] Vgl. zum Beispiel Malte Thießen: Infizierte Gesellschaften: Sozial- und Kulturgeschichte von Seuchen, vorgestellt online 06.05.2015: https://www.bpb.de/apuz/206108/infizierte-gesellschaften-sozial-und-kulturgeschichte-von-seuchen (Stand: 29.09.2020).

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Reaktionen
Aufgegriffen in piqd.de/zeitgeschichte (29.09.2020)
Ähnlich bei Gregor Kalinkat mit dem Blick auf AIDS vs. Corona:

Die Cholera 1832 in Augsburg – nur ein ‚Gespenst‘?

Karikatur eines Mannes, der sich vor der Cholera schützen will © Wellcome Collection, Attribution (CC BY 4.0)
Karikatur eines Mannes, der sich vor der Cholera schützen will © Wellcome Collection, Attribution (CC BY 4.0)

„Im Jahr 1817 war die Cholera von englischen Ärzten in Ostindien als eine bis dahin kaum beachtete Krankheit beschrieben worden. 1830 kam die Cholera erstmals nach Europa, 1831 tauchte sie in Deutschland auf. […] 1832 erreichte die Cholera Augsburg und forderte Tote.“[1] 1854 brandete diese Krankheit erneut auf, an der dann Hunderte gestorben sind. Doch wie viele starben 1832? Darüber erfährt man aus dem Artikel der Augsburger Allgemeinen (AZ) leider nichts. Offenbar gibt es dazu noch keinerlei Forschungen bzw. Veröffentlichungen. Daher stellt dieser Blogtext einen Versuch der Rekonstruktion der Ereignisse dieser Jahre dar. Laut meinen Funden starben in Augsburg genau fünf Personen an der Cholera, allerdings erst 1836/37 und nicht 1832 – im Gegensatz zu München, wo es Hunderte Tote gab. Wie kam das?

Vorgeschichte

Einer der Reporter, der 1832 für die AZ aus anderen betroffenen Städten berichtete, war Heinrich Heine (1797/98–1856), der aus seinen Erlebnissen ein Buch[2] machte und das – sehr lesenswert! – verblüffende Ähnlichkeiten zur Corona-Epidemie 2019/2020 aufweist. Solche Berichte waren für die Menschen überlebenswichtig: Wie kann man dieser Krankheit begegnen, wie kann man ihr am besten ausweichen? Welche Heilmittel stehen zur Verfügung? Wie kann man Ausbreitung verhindern? Denn dass das Bakterium Vibrio cholerae dahintersteckt, wusste man damals noch nicht. Damals erfuhr man zwar permanent, dass hinter abscheulich stinkenden Pfützen und Kot-Abraumen in den Gassen, von Klosettanlagen oder ähnlich verwendeten Kanälen ein ‚pestilenziarischer‘ Gestank ausging (und man durch diese Wortwahl auch ahnen kann, dass damit irgendwie Zusammenhänge hergestellt wurden), aber konkret wusste man zur tatsächlichen Verbreitung, Aufnahme und zu Erkrankungszusammenhängen so gut wie nichts. „Die Cholera 1832 in Augsburg – nur ein ‚Gespenst‘?“ weiterlesen

+++verschoben+++ “Und sie komponieren, dirigieren doch!” | Konferenz

Diversity in Music – Komponistinnen und Dirigentinnen im Musikleben heute
Freitag 20. März bis Sonntag 22. März 2020 in München, Orff-Zentrum
+++Wegen CORONA abgesagt+++
WIRD VERSCHOBEN!

Gibt es wirklich so wenige Komponistinnen, die Werke für große Chöre und Orchester geschrieben haben? Oder ist das nur ein Argument, um die Musik von Frauen nicht aufzuführen? Auch das Argument „mangelnder Qualität“ oder „das Gute setzt sich durch“ erscheint angesichts eines engen Kanons an immer wieder Gleichem kaum mehr haltbar.

Gerade die Alte-Musik-Szene hat den Beweis erbracht, dass unzählige Werke in den Archiven schlummern, die mit großer Begeisterung wiederentdeckt werden. Und führt nicht gerade diese enge Tradition der Klassischen Musik in die aktuelle Krise und Stagnation? Wäre mehr Diversität nicht auch hier die geeignete Lösung?

Auf dieser Konferenz beleuchten wir die Voraussetzungen für die Musikprogramm-Planung heute. Es gibt zahlreiche Werke von Komponistinnen, um bei Konzerten ein gerechteres Geschlechterverhältnis zu erreichen und Chören und Orchestern des 21. Jahrhunderts neue Hörer*innenschichten zu erschließen. Musik von Frauen ist es wert, aufgeführt zu werden!

Für das Musikleben insgesamt stellt es eine Bereicherung dar, auch das weibliche Erbe lebendig zu halten und zeitgenössischen Komponistinnen ein Podium zu bieten.
Die Konferenz bietet

• einen Roundtable mit Expert*innen und Programmplaner*innen von Orchestern und Musiktheatern
• eine Vorstellung praktikabler Stücke für Chor und Orchester
• eine Vorstellung hilfreicher Datenbanken zur Werkrecherche
• einen Kompositionsworkshop
• einen Dirigierworkshop
• Social media monitoring – Vorstellung eines Info-Dienstes zum Thema „Frauen im Konzertbetrieb“
• ein Netzwerktreffen für Komponistinnen/Dirigentinnen/Bloggerinnen/Studierende
• ein Kammermusik-Konzert mit Werken von Philippine Schick, Luise Adolpha Le Beau, Mary Wurm und Konstantia Gourzi
• eine Matinee mit Orchesterwerken von Gloria Coates, Katrin Schweiger, Dorothee Eberhardt, Manuela Kerer und Dorothea Hofmann

Zielgruppen
Intendant*innen, Veranstalter*innen, Dramaturg*innen, Konzertplaner*innen, Musikpädagog*innen, Dirigent*innen, Komponist*innen, Musiker*innen, Musikwissenschaftler*innen und am Thema Interessierte.

Alle Informationen dazu finden Sie auf der Website von musica femina münchen e. V. | Ich werde vor Ort sein in meiner Eigenschaft als Mitvorstandsfrau/Mitorganisatorin von mfm

“Komponistinnen” | Film und Orchesterkonzert in München

Filmplakat. Mit freundlicher Genehmigung © tvbmedia productions
Filmplakat. Mit freundlicher Genehmigung © tvbmedia productions

Am Sonntag, 24. November 2019, um 12 Uhr, rollt in der Black Box im Gasteig das Rainbow Sound Orchestra Munich (RSO-M) unter der Leitung des musica-femina-münchen-Mitglieds Mary Ellen Kitchens der mehrfach preisgekrönten Dokumentation KOMPONISTINNEN den roten Teppich aus, die am Nachmittag gleich nebenan im Rio Filmpalast am Rosenheimer Platz läuft. In der von musica femina münchen veranstalteten Kombination aus Mittagskonzert und Kinovorstellung bringen die Künstler*innen zwei der vier im Film vorkommenden Komponistinnen zum Klingen, die Kyra Steckeweh und Tim van Beveren in ihrer vielbeachteten und preisgekrönten filmischen Spurensuche porträtierten.

Komponistinnen hatten es nicht nur in vergangenen Jahrhunderten schwer, sondern auch heute noch spielen sie im Konzertbetrieb eine sehr untergeordnete Rolle. Teilweise existiert das Notenmaterial nur in Handschriften, aus denen praktische Ausgaben erstellt werden müssen. Der Musikwissenschaftler Tobias Fasshauer hat sich dieser mühsamen Detailarbeit angenommen und zwei der insgesamt acht Sinfonien Emilie Mayers für Aufführungen eingerichtet. Während er in der Dokumentation die 2. Sinfonie der Berliner Komponistin vorstellt, wird das RSO-M ihre 3. Sinfonie präsentieren, von der bislang keine Einspielung existiert. Außergewöhnlich für eine Frau im 19. Jahrhundert, erhielt Emilie Mayer Unterstützung von einigen ihren männlichen Kollegen und etablierte sich als eine feste Größe im Berliner Musikleben. Ihr Schaffen strahlte auch auf andere Städte aus, jedoch geriet sie nach ihrem Tod schnell in Vergessenheit.

Dagegen zog sich Mel Bonis weitgehend ins Private zurück, nachdem sie zwar zunächst Klavier spielen und am Pariser Conservatoire studieren durfte. Ihre Eltern sorgten anschließend für die Heirat mit einem wohlhabenden Witwer und losgelöst von materiellen Sorgen widmete sich Mel Bonis der Musik. Allerdings blieb ihr die schöne Kunst als berufliche Perspektive aufgrund ihres Geschlechts und gesellschaftlicher Konventionen verwehrt. Sie veröffentlichte viele Klavierstücke, um aber nicht als Frau erkannt zu werden, änderte sie ihren Vornamen von „Mélanie“ zu „Mel“. Auch das Werk Les Gitanosexistiert in Klavierfassungen, allerdings entfaltet sich besonders in der Orchesterfassung das spanische Kolorit in diesem gut dreiminütigen Valse espagnole. Musik der beiden weiteren Komponistinnen aus der Dokumentation Fanny Hensel und Lili Boulanger wird dann am Nachmittag im Film Komponistinnen zu hören sein.

Es erwartet Sie nicht nur eine ungewöhnliche, rund einstündige Matinee, sondern auch ein Erleben der Werke aus einem ganz besonderen Blickwinkel: Das Orchester wird in der Saalmitte Platz nehmen und vielleicht darf sich das Publikum auch unter die Musiker*innen mischen, um so das Konzert aus nächster Nähe und ungewohnter Hörperspektive zu genießen.

Sonntag, 24. November 2019
12:00 Uhr | Black Box
€ 10,– (Karten buchen über München Ticket)

Rainbow Sound Orchestra Munich
Leitung: Mary Ellen Kitchens

Emilie Mayer (1812–1883) 
Symphonie Nr. 3 C-Dur
(1850, Entdeckung aus der Staatsbibliothek in Berlin – es gibt bislang überhaupt keine Einspielung dieses Werks)

Mel Bonis (1858–1937) 
Les Gitanos
op. 15/3 für Orchester (1891)

Veranstalterin: musica femina münchen e. V.
Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der LH München

Der Film läuft um 14:30 Uhr im Rio Filmpalast am Rosenheimer Platz.
Anschließend Filmgespräch in Anwesenheit der Filmemacher Kyra Steckeweh, Tim van Beveren sowie Susanne Wosnitzka als Mitwirkender im Film

Karten zu € 9,50,–   bitte direkt beim Kino unter www.riopalast.de reservieren.

Text: RSO-M

Vilma von Webenau: Vortrag in München

Konzertplakat in Wien © Susanne Wosnitzka
Konzertplakat in Wien © Susanne Wosnitzka

Freitag, 1. November 2019, 15:00 Uhr: Auch bei den diesjährigen Lesbenkulturtagen in München bin ich wieder mit dabei mit einem Vortrag zu meiner forensischen Spurensuche zu Leben und Werk der ersten Privatschülerin von Arnold Schönberg, Vilma von Webenau (1875–1953).

Die Lebensspuren einer äußerst bescheidenen Frau wiederzufinden ist nicht einfach. Ab 1898 studierte Vilma Weber Edle von Webenau (1875–1953) bei Shootingstar Arnold Schönberg (1874– 1951) als dessen erste bekannte Privatschülerin. Von diesem als Komponistin geschätzt, ist ihr Name als seine Schülerin bzw. Studentin heute jedoch in keiner einzigen Schönberg-Biografie zu finden. In Wien harren über 100 Webenau-Werke noch ihrer Entdeckung!

2014 erklangen erstmals Webenau-Werke in München bei einem Konzert im Rahmenprogramm der Ausstellung Ab nach München! Künstlerinnen um 1900 durch musica femina münchen e. V. – mit Vortrag von Susanne Wosnitzka. Ihre Forschungen und Veröffentlichungen schürten eine Nachfrage nach Wissen zu Vilma von Webenaus Leben und Werk, die möglicherweise auch die Ururenkelin von Wolfgang Amadé Mozart sein könnte. Welches Geheimnis birgt ihr erst vor Kurzem wiedergefundenes Grab?

Das ist aber nicht das einzige Spannende: Eine der bekanntesten und bedeutendsten Komponistinnen Österreichs, Mathilde Kralik von Meyrswalden (1857– 1944), bezeichnete Vilma von Webenau bedeutungsschwanger betont als „Gefährtin“. Mathilde Kraliks Lesbischsein war ein offenes Geheimnis – sie lebte mit Dr. Alice Scarlates (1882–1958) zusammen. Sowohl Mathilde Kralik als auch Vilma von Webenau bewegten sich im Freundinnenkreis um die ebenfalls lesbische Smaragda Eger-Berg (1887–1954), der Schwester des Komponisten Alban Berg, einem der bedeutendsten Schüler wiederum von Arnold Schönberg.

War auch Vilma von Webenau eine „Schwester“ und dann „Lesbe unterm Hakenkreuz“? Sind diese Frauen Teil eines noch unbekannten lesbischen Wiener und vielleicht auch Münchner Netzwerks? Neueste Funde – Indizien? – könnten diese von Rochus Kralik von Meyrswalden ausgesprochene Vermutung verdichten. Mit diesem Vortrag zeigt Susanne Wosnitzka einen weiteren Einblick aus ihrer großen Schatzkiste an verborgenem Wissen in einer forensischen Spurensuche nach dieser hochinteressanten Frau – wie erarbeitet man ein Stück Geschichte in Buchform, wenn einem aus Furcht vor „feministischer Ghettobildung“ Türen verschlossen werden?

Freitag, 01. November 2019
„Café Regenbogen“
Lindwurmstraße 71
80337 München
Einlass: 15:00 Uhr
Beginn: 15:30 Uhr
Eintritt: 10 € / ermäßigt 7 €
Das „Café Regenbogen“ ist mit dem Rollstuhl zugänglich, aber leider nicht 100 % rollstuhlgerecht. Mit DGS-Dolmetscherinnen bei Anmeldung per Mail an DGS@leskult.de bis 22.10.2019

Veranstalterinnen:
LesKult – Lesben bewegen München e. V.
c/o LeTRa
Angertorstraße 3
80469 München
info@leskult.de
www.leskult.de/lesbenkulturtage-2019/

Wir freuen uns über Spenden an:
LesKult – Lesben bewegen München e.V.
IBAN: DE51 7016 6486 0002 4649 93
BIC: GENODEF1OHC VR Bank München Land eG Verwendungszweck: Spende, Adresse der Spender_in

Der Besuch der Veranstaltungen der LesbenKulturTage erfolgt auf eigene Gefahr. Die Veranstalterinnen übernehmen keine Haftung.

“Damenbesuch”: Als Gast von Michaila Kühnemann

© Michaela Dietl, Susanne Wosnitzka
© Michaela Dietl, Susanne Wosnitzka

Dienstag, 8. Oktober 2019, 20:00 Uhr im Stemmerhof München. Susanne Wosnitzka als Damenbesuch im Gespräch mit Gastgeberin Michaila Kühnemann.
Veranstalterin: ars musica e. V., VVK 10,00 €, Abendkasse 12,00 €

Zu Gast bei der Kühnemann die Zu Gast bei Kühnemann die Musikwissenschaftlerin Susanne Wosnitzka und die Akkordeonvirtuosin Michaela Dietl. Letztere ist ein gern gesehener Gast auf der Bühne von ars musica. Wer ihren Auftritt am Wochenende verpasst hat bekommt hier eine weitere Möglichkeit sie zu sehen und zu hören.

Das Thema diesmal: “Komponistinnen”
Mit Susanne Wosnitzka haben wir eine Speziaistin auf diesem Gebiet zu Gast. Sie hält Vorträge, unterrichtet und schreibt Fachbeiträge in Musikzeitungen. Sie ist im Vorstand von musica femina, München und arbeitet für das Archiv Frau und Musik, Frankfurt.

Was ist der DAMENBESUCH BEI KÜHNEMANN?
Der internationale Frauentag sollte eigentlich das ganze Jahr gefeiert werden. Bei ars musica tun wir das!
Hier darf viel passieren, ob gesungen, gelesen, gespielt oder auch mal ein Film. Dazwischen wird über Themen gesprochen, die gerade brennen oder in die Zeit passen. Aber immer mit und über Frauen.

Der Besuch sind Damen aus Musik, Film, Darstellender Kunst oder auch mal Politik. Für das Publikum unterhaltsam und maximal informativ.

Die Kühnemann heißt eigentlich Michaila Kühnemann, ist Sängerin, Moderatorin und Filmemacherin und außerdem 2. Vorständin bei ars musica e. V. Jetzt kann sie auf ihrer Wohnzimmerbühne mal machen wozu sie wirklich Lust hat 🙂

Vilma von Webenau – neueste Erkenntnisse zur Schönberg-Schülerin

Konzertplakat in Wien © Susanne Wosnitzka
Konzertplakat in Wien © Susanne Wosnitzka

Eine neue Publikation zu meiner Forschungsarbeit zu Vilma von Webenau (1875-1953, erste bekannte Schülerin von Arnold Schönberg) ist nun als Blogtext erschienen als eine Art Vorschau auf eine geplante größere Publikation mit dem Certosa-Verlag mit bislang unveröffentlichten und unbekannten Neuauffindungen zu Vilmas Todesumständen, zu ihrem lesbischen Freundinnenkreis (war auch sie selbst eine “Lesbe unterm Hakenkreuz”?), zu ihrem Nachlass, mit Überlegungen zu ihrer durchaus möglichen Mozart-Urenkelinnenschaft bis hin zu Aufführungen ihrer Werke in Graz unter GMD Oksana Lyniv (2020) und in Wien unter Marin Alsop (Saison 2019/20)!

Mit Dank an Gaby Dos Santos und dem Jourfixe Muenchen e. V. für die Veröffentlichung.

Danke für Vilma

Und das alles wäre NICHT möglich gewesen ohne die Vorarbeit von musica femina münchen e. V. und dem großen Interesse an meiner Arbeit durch das Münchner Stadtmuseum, der MDW Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, QWIEN, dem Primavera Festival Wien sowie zahlreichen begeisterten Leuten wie Andreas Brunner, Prof. Dr. Annegret Huber (mdw), Attilia Kiyoko Cernitori (Einstudierung/Dirigat von Webenau-Werken in Wien 2018), León de Castillo, Gerhard Alexander von Webenau, dem Frauen-Orchester-Projekt unter Leitung von Mary Ellen Kitchens (Einstudierung/Dirigat eines großen Webenau-Werks in Berlin 2018), Dr. Christian-Alexander Wäldner für u. a. Fotos von Vilmas ehem. Grablege, dem Archiv Frau und Musik für vorangegangene Veröffentlichungen dazu in der “VivaVoce”, dem Sophie Drinker Institut für eine ebensolche Veröffentlichung und so vielen mehr, die dafür gesorgt haben, dass ein Interesse an Leben und Werk von Vilma von Webenau nach “ganz oben” durchgesickert ist. Das kam nicht von alleine.

D*A*N*K*E für euren/Ihren Support für diese Arbeit, die ich derzeit noch privat betreibe.

Einzelheiten sowie den Blogtext finden Sie hier im Jourfixe-Blog sowie viele, viele wesentlich detailliertere Ausführungen mehr dann in der ausführlichen kommenden Publikation (in Arbeit).
 

Vilma von Webenau – verwehte Spuren finden

Festrede/Zornrede – 30 Jahre musica femina münchen e. V.

Gasteig Black Box © Rita Draxlbauer
Gasteig Black Box © Rita Draxlbauer

Festrede/Zornrede 30 Jahre musica femina münchen, 29. April 2018

„Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen: Sie bekommen nichts.“ – Simone de Beauvoir

Auch ich begrüße Sie sehr herzlich im Namen des Vereins und der Vorstandsfrauen zu diesem heutigen Jubiläum von musica femina münchen und danke Ihnen, dass Sie mit uns feiern. Ich danke unseren Musikerinnen, die mit ihrer Brillanz diesen Tag zum Klingen bringen und bereits ihr Können gezeigt haben. Ich danke unseren Komponistinnen, die uns teilhaben lassen an ihrer Gedanken- und Gefühlswelt und uns mitnehmen in ihren Kosmos, individuell, bunt, intellektuell und begeisterungsvoll. Ich danke auch den Frauen, die daran beteiligt waren und geholfen haben, diesen Tag zu organisieren, darunter Irmgard Voigt, unsere Gestalterin, Marie-Pierre Beckius als unsere Botschafterin nach außen, Ulrike Keil, unserer Moderatorin, Katrin Schweiger als Künstlerische Leitung, Gaby dos Santos als unermüdliche Bloggerin und nicht zuletzt Anne Holler-Kuthe als Managerin – neben ihrem Beruf, ehrenamtlich und ohne Vergütung. Ohne Anne Holler-Kuthe wäre nichts gegangen: Sie hält unsere Fäden wunderbar zusammen – von der geschäftlichen Verwaltung über die Organisation bis hin zur Künstlerinnenbetreuung.

Ich danke unseren unermüdlichen Unterstützerinnen und Unterstützern, dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München sowie der Gleichstellungsstelle, der Gerda-Weiler-Stiftung, dem Internationalen Arbeitskreis Frau und Musik e. V. mit dem Archiv Frau und Musik und vielen privaten Förderinnen und Förderern, ohne die Erfolge in unserer Arbeit nicht [das Zornige kommt noch weiter unten] „Festrede/Zornrede – 30 Jahre musica femina münchen e. V.“ weiterlesen

Würdiges Grab für Sofie Menter

ophie Menter, Fotografie von Josef Löwy 1875. © Wikimedia.Commons (allgemeinfrei)
Sophie Menter, Fotografie von Josef Löwy 1875. © Wikimedia.Commons (allgemeinfrei)

Ein würdiges Grabmal für Sofie Menter – eine Aktion von mfm zu ihrem 170. Geburtstag 2016

Die Stadt München verfügt über eine einzigartige Oase am Rand des Glockenbachviertels: Den Alten Südfriedhof. Dort liegen berühmte (z. B. Carl Spitzweg) als auch weniger berühmte Personen und Persönlichkeiten der Isarstadt. Mit seiner herausragenden architektonischen Anlage als auch der „verwunschenen“ Gräberanlage reiht er sich ein in die „romantischen“ Friedhöfe dieser Welt wie Père Lachaise (Paris) oder St. Marx (Wien).

mfm

Mit musica femina münchen e.V. (mfm) existiert ein preisgekrönter Verein (Anita-Augspurg-Preis der Stadt München, Bundesverdienstkreuz), der sich um die Belange historischer Komponistinnen sorgt als auch in München aktiv schaffende Komponistinnen fördert (z. B. Auftragswerke mit dem Münchner Kammerorchester, eigene Konzertreihen). mfm sorgt auch dafür, dass „Würdiges Grab für Sofie Menter“ weiterlesen

“Sing, Inge, sing!” – Inge Brandenburg

Seit achtzehn Jahren findet in München jährlich die Bimovie-Filmreihe im fast 100jährigen Maxim-Kino statt, in der außergewöhnliche Filme und Dokumentationen gezeigt werden, die sonst oft keinen Platz im öffentlichen Raum oder in den größeren Kinos haben.

Von vielen der dort gezeigten Bild- und Tondokumente war eines davon besonders elektrifizierend: Die biografische Dokumentation Sing, Inge, Sing! des Filmemachers und Biografen Marc Boettcher (Portraitfilme u. a. über Alexandra und Bert Kaempfert), die in knapp zwei höchst faszinierenden Stunden über das Leben und außergewöhnliche Wirken und Singen der Inge Brandenburg berichtet, die – einst zur besten Jazz-Sängerin Europas gekürt – völlig verarmt 1999 in München starb.

Zufallsfund

Per Zufall wurde ein kleiner Teil ihres Nachlasses auf einem Flohmarkt gefunden und „“Sing, Inge, sing!” – Inge Brandenburg“ weiterlesen

Vilma von Webenau (1875–1953) | Vortrag

Die Lebensspuren einer äußerst bescheidenen Frau wiederzufinden ist nicht einfach. Ab 1898 studierte Vilma von Webenau (18751953) beim damals erst 26jährigen Arnold Schönberg als dessen erste Privatschülerin. Bereits ihre Großmutter Julie von Webenau (18131887) war kompositorisch tätig: Diese hatte bei Franz Xaver Wolfgang Mozart (17911844) Komposition studiert. Julies Mutter Josephine Baroni-Cavalcabò wurde dessen Geliebte und Alleinerbin. Ob aus dieser Verbindung heraus Julie entstand, ist fraglich, aber möglich. Professionellen Klavierunterricht erhielt sie bei Cäcilie/Cäcilia Frank (1851–1936?) in Wien. Auf Schönbergs Einladung folgte ihm Vilma von Webenau um 1900 von Wien nach Berlin und gab um diese Zeit auch gefeierte Konzerte in London. Eine Zeit lang arbeitete sie in München als Musikpädagogin und folgte Schönberg zurück nach Wien, wo sie später in drückender Armut starb. Von Schönberg als Komponistin geschätzt, ist ihr Name heute in keiner einzigen seiner zahlreichen Biografien zu finden.

Vilma von Webenau – Rätselhaft

Puzzlestück für Puzzlestück zusammengetragen ergibt sich – vorsichtig gezeichnet – ein Bild mit Potenzial zu Großem: Mehr als 100 Werke harren in Wien ihrer Entdeckung! Mit vier Werken Webenaus begann ich in Kooperation mit musica femina münchen e. V., diesen unglaublichen Schatz zu heben. Mittlerweile wurde vom Certosa-Verlag begonnen, diese eindrucksvollen Werke herauszugeben.

Verwehte Spuren?

Am 3. Dezember 2014 erklangen mehrere Kammermusikwerke rund 100 bis 80 Jahre nach ihrer Entstehung als wohl deutsche Erstaufführung in einem Vortrag mit Konzert im Rahmen der großen Sonderausstellung Ab nach München! Künstlerinnen um 1900 im Münchner Stadtmuseum, zusammen mit einem Vortrag von mir. Mit welch archäologischer Akribie in einem solchen Fall von teils fehlenden oder verborgen gehaltenen Grundlagen vorgegangen werden muss, zeige ich darin auf.

Derzeit bin ich eine von zwei bekannten Webenau-Forscherinnen weltweit. Meine bisherigen Forschungsergebnisse können Sie hier nachlesen (weitere Publikationen in Vorbereitung):

Susanne Wosnitzka: Vilma Weber von Webenau – verwehte Spuren?, in: Archiv Frau und Musik Frankfurt/Main (Hg.): VivaVoce Nr. 99, 2/2014, S. 2–5.
Susanne Wosnitzka: „Gemeinsame Not verstärkt den Willen“ – Netzwerke von Musikerinnen in Wien, in: Annkatrin Babbe und Volker Timmermann (Hg.): Musikerinnen und ihre Netzwerke im 19. Jahrhundert. Oldenburg 2016 (= Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts (Hg. Freia Hoffmann), Bd. 12). ISBN 978-3-8142-2338-4.
Susanne Wosnitzka: Vilma von Webenau – verwehte Spuren finden, in: Gaby dos Santos/Kulturplattform jourfixe-muenchen e. V. (Hg.): Online-Blog, veröffentlicht am 30. Juni 2019, https://www.jourfixe-muenchen-ev.com/vilma-von-webenau-verwehte-spuren-finden (Stand: 1. Juli 2019).

Links:
QWIEN – Ankündigung Festkonzert mit Vortrag Schloss Schönbrunn (17. Mai 2018), Susanne Wosnitzka (Vortrag)
mdw_Universität für Musik und darstellende Kunst Ankündigung Festkonzert mit Vortrag Schloss Schönbrunn (17. Mai 2018), Susanne Wosnitzka (Vortrag)

Hörbeispiel:
Vilma von Webenau, Befreiung

Kosten:
VB (einzelne Vorträge ca. 90 Minuten; Anreise/Übernachtung exklusive)

Ideal für Kulturzentren, Firmenfeierlichkeiten, private Feste wie Geburtstage etc. – beschenken Sie einen Freund/eine Freundin oder Ihre Kundinnen und Kunden mit einem Vortrag aus meinem Repertoire | Hausvorführungen möglich – Beamer und weitere technische Gerätschaften vorhanden

Komponistinnen | Film und Konzert mit Talk in München

+++UPDATE+++
Soeben gewann Komponistinnen auf dem 10th World Music and Independent Film Festival in Washington D.C./USA als bester Dokumentarfilm!

Kyra Steckeweh © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren
Kyra Steckeweh © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren

Komponistinnen – Konzert mit Klaviermusik von Fanny Hensel, Mel Bonis, Emilie Mayer und Lili Boulanger

Klavierkonzert und Film am Sonntag, 17. Februar 2019 um 17:00 Uhr Klavierkonzert mit der Pianistin Kyra Steckeweh in der Kontrapunkt Klavierwerkstatt (Dorfstraße 39 Hofgebäude, 81247 München)

Anschließend um 20:00 Uhr Münchner Filmpremiere von Komponistinnen – eine filmische und musikalische Spurensuche im Kino Monopol (Schleißheimer Str. 127, 80797 München) in Anwesenheit der Filmemacher*in Kyra Steckeweh und Tim van Beveren im Anschluss: Filmgespräch

Ausgezeichnet als “Bester Dokufilm von oder über eine Frau” (Alive International Documentary Film Festival Los Angeles 2018):

“Eine überfällige Doku mit Musik, die packt und dazu exzellent erzählte Geschichte(n) – großes Kompliment” (Premieren-Besucher)

© 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren
© 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren

Vorgestellt werden in Komponistinnen vier sehr verkannte aber zu ihren Lebzeiten teils damals bereits äußerst bekannte Komponistinnen, die von der Familie abgehalten wurden, zu komponieren und zu veröffentlichen (Fanny Hensel), oder die – im Gegensatz – selbstverständlich gefördert wurden, aber trotzdem von Gesellschaft und Musikwissenschaft vergessen wurden. Obwohl Lili Boulanger heute zu den meistaufgeführten Komponistinnen zählt, wurde ihr Werk erst in den 1960er Jahren wieder bekannt. Emilie Mayer zählte einst zu den meistaufgeführten Komponistinnen Berlins – ihre Werke wurden zu ihren Lebzeiten von großen Orchestern mit großem Erfolg aufgeführt. Dabei geht es auch um Fragen zur gegenwärtigen Situation: Wie wird heute mit dem musikalischen Erbe der Komponistinnen umgegangen? Warum wird ihre Musik so selten aufgeführt?

Erst durch die Recherchen von Dr. Jörg Kuhn konnte jetzt Emilie Mayers verschollen geglaubtes Grab in Berlin ausfindig gemacht werden. Mél Bonis konnte nur durch die Unterstützung ihres Geliebten zur vollendeten Komponistin heranreifen und hinterließ rund 300 Werke, musste aber für ihre Publikationen ein männliches Pseudonym verwenden, weil viele Verlage Musik von Frauen nicht ernst nahmen. Im Film sind stets Werke aller vier Komponistinnen zu hören, teils in Ersteinspielung! Kyra Steckeweh hat dazu eigens die CDs En dehors mit Klavierwerken von Mélanie Bonis und Lili Boulanger eingespielt (2016) sowie die soeben erschienene CD Vita brevis ars longa mit Klavierwerken von Fanny Hensel und Emilie Mayer.

Susanne Wosnitzka und Kyra Steckeweh in Rom © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren
Susanne Wosnitzka und Kyra Steckeweh in Rom © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren

Die (Vorstands)Mitglieder von musica femina münchen
e. V. Mary Ellen Kitchens und Susanne Wosnitzka wurden für die Dokumentation als Expertinnen im Archiv Frau und Musik in Frankfurt/Main sowie in Rom interviewt. Nur dank eines Crowdfunding-Projekts konnte der Dokufilm mit Unterstützung aus unseren Reihen fertiggestellt werden. mfm-Mitglied Karla Viebahn wurde dadurch zur Co-Produzentin.

Ein besonderes Highlight ist die erst kürzlich entdeckte Klaviersonate in d-Moll von Emilie Mayer, welche Kyra Steckeweh im vergangenen Jahr erstmalig eingespielt hat und die der Öffentlichkeit somit fast 150 Jahre nicht bekannt war.

Die Leipziger Pianistin Kyra Steckeweh konzertiert als Kammermusikpartnerin, Liedbegleiterin und solistisch. Als Solistin befasst sie sich – neben dem Standardrepertoire für ihr Instrument – mit der wenig bekannten Musik von Komponistinnen. Hierfür arbeitet sie teilweise mit Autographen, da zuverlässige Notenausgaben nicht immer verfügbar sind. Die Musik von Frauen als Teil des kulturellen Erbes wahrnehmbar zu machen, ist ein großer Ansporn für die rege Konzerttätigkeit der Pianistin.

Bitte sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Eintrittskarte!

Vorverkauf unter info@musica-femina-muenchen.de 
Kombipreis Konzert + Film 20 Euro | Eintrittspreis Konzert 12 Euro | Eintrittspreis Film 9 Euro

Abendkasse
Eintrittspreis Konzert 15 Euro | Eintrittspreis Film 9,50 Euro

Eine Veranstaltung von musica femina münchen e. V., gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München

“Komponistinnen” | Konzert und Film

Kyra Steckeweh © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren
Kyra Steckeweh © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren

Komponistinnen – Konzert mit Klaviermusik von Fanny Hensel, Mel Bonis, Emilie Mayer und Lili Boulanger

Klavierkonzert und Film am Sonntag, 17. Februar 2019 um 17:00 Uhr Klavierkonzert mit der Pianistin Kyra Steckeweh in der Kontrapunkt Klavierwerkstatt (Dorfstraße 39 Hofgebäude, 81247 München)

Anschließend um 20:00 Uhr Münchner Filmpremiere von Komponistinnen – eine filmische und musikalische Spurensuche im Kino Monopol (Schleißheimer Str. 127, 80797 München) in Anwesenheit der Filmemacher*in Kyra Steckeweh und Tim van Beveren im Anschluss: Filmgespräch

Ausgezeichnet als “Bester Dokufilm von oder über eine Frau” (Alive International Documentary Film Festival Los Angeles 2018)

Vorgestellt werden in Komponistinnen vier sehr verkannte aber zu ihren Lebzeiten teils damals bereits äußerst bekannte Komponistinnen, die von der Familie abgehalten wurden, zu komponieren und zu veröffentlichen (Fanny Hensel), oder die – im Gegensatz – selbstverständlich gefördert wurden, aber trotzdem von Gesellschaft und Musikwissenschaft vergessen wurden. Obwohl Lili Boulanger heute zu den meistaufgeführten Komponistinnen zählt, wurde ihr Werk erst in den 1960er Jahren wieder bekannt. Emilie Mayer zählte einst zu den meistaufgeführten Komponistinnen Berlins – ihre Werke wurden zu ihren Lebzeiten von großen Orchestern mit großem Erfolg aufgeführt. Dabei geht es auch um Fragen zur gegenwärtigen Situation: Wie wird heute mit dem musikalischen Erbe der Komponistinnen umgegangen? Warum wird ihre Musik so selten aufgeführt?

Erst durch die Recherchen von Dr. Jörg Kuhn konnte jetzt Emilie Mayers verschollen geglaubtes Grab in Berlin ausfindig gemacht werden. Mél Bonis konnte nur durch die Unterstützung ihres Geliebten zur vollendeten Komponistin heranreifen und hinterließ rund 300 Werke, musste aber für ihre Publikationen ein männliches Pseudonym verwenden, weil viele Verlage Musik von Frauen nicht ernst nahmen. Im Film sind stets Werke aller vier Komponistinnen zu hören, teils in Ersteinspielung! Kyra Steckeweh hat dazu eigens die CDs En dehors mit Klavierwerken von Mélanie Bonis und Lili Boulanger eingespielt (2016) sowie die soeben erschienene CD Vita brevis ars longa mit Klavierwerken von Fanny Hensel und Emilie Mayer.

Susanne Wosnitzka und Kyra Steckeweh in Rom © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren
Susanne Wosnitzka und Kyra Steckeweh in Rom © 2018 tvbmedia productions / Tim van Beveren

Die mfm-(Vorstands)Mitglieder Mary Ellen Kitchens und Susanne Wosnitzka wurden für die Dokumentation als Expertinnen im Archiv Frau und Musik in Frankfurt/Main sowie in Rom interviewt. Nur dank eines Crowdfunding-Projekts konnte der Dokufilm mit Unterstützung aus unseren Reihen fertiggestellt werden. mfm-Mitglied Karla Viebahn wurde dadurch zur Co-Produzentin.

Ein besonderes Highlight ist die erst kürzlich entdeckte Klaviersonate in d-Moll von Emilie Mayer, welche Kyra Steckeweh im vergangenen Jahr erstmalig eingespielt hat und die der Öffentlichkeit somit fast 150 Jahre nicht bekannt war.

Die Leipziger Pianistin Kyra Steckeweh konzertiert als Kammermusikpartnerin, Liedbegleiterin und solistisch. Als Solistin befasst sie sich – neben dem Standardrepertoire für ihr Instrument – mit der wenig bekannten Musik von Komponistinnen. Hierfür arbeitet sie teilweise mit Autographen, da zuverlässige Notenausgaben nicht immer verfügbar sind. Die Musik von Frauen als Teil des kulturellen Erbes wahrnehmbar zu machen, ist ein großer Ansporn für die rege Konzerttätigkeit der Pianistin.

Bitte sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Eintrittskarte!

Vorverkauf unter info@musica-femina-muenchen.de 
Kombipreis Konzert + Film 20 Euro | Eintrittspreis Konzert 12 Euro | Eintrittspreis Film 9 Euro

Abendkasse
Eintrittspreis Konzert 15 Euro | Eintrittspreis Film 9,50 Euro

Eine Veranstaltung gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München