Erbach – Ein Dorf schreibt “fast” Weltgeschichte

Schloss Erbach mit Barockgarten © Susanne Wosnitzka 2014
Schloss Erbach mit Barockgarten © Susanne Wosnitzka 2014

Wie kann ein Dorf fast Weltgeschichte schreiben? Mein Heimatdorf Erbach bei Ulm (seit über 15 Jahren Stadt, aber es fühlt sich nicht wirklich wie eine Stadt an) liegt beschaulich an der wirklich zauberhaften Oberschwäbischen Barockstraße an der alten Donau zwischen Ehingen und Ulm, mit dem malerischen Hochsträß im Rücken, etwas keltischer Geschichte im Wald und einem erhaben auf einem Hügel thronenden strahlend gelben Schloss aus der frühen Renaissance, in dem seither die Familie derer von Ulm zu Erbach wohnt.[1] Auf dem ansonsten geziegelten Dach des Schlosses befindet sich eine Stelle, die mit einem wirklich großen Stück Blech bedeckt ist. Auf die Frage nach dem Warum erhielten wir stets nur die Antwort: „Damit da die Geister besser raus- und reinfliegen können.“ Das war für uns als Kinder gleichermaßen gruselig wie faszinierend. Noch heute schaue ich immer zu diesem Stück Blech, wenn ich wieder daheim in Erbach bin.

Beziehung Erbach und Japan

Eine andere Geschichte lautet so, dass der erste Entwurf der japanischen Verfassung einer Legende nach auf Schloss Erbach entstanden sein soll. Dazu später mehr. Von diesem Schloss aus hat man „Erbach – Ein Dorf schreibt “fast” Weltgeschichte“ weiterlesen

Als in Ulm einmal ein Elefant in der Donau badete

Nabadender Elefant in der Donau in Ulm © Susanne Wosnitzka
Nabadender Elefant in der Donau in Ulm © Susanne Wosnitzka

Im Juli des Jahres 1839 gastierte einst eine Schausteller- und Zirkustruppe in Ulm, unter deren Attraktionen sich auch ein Elefant befand. Solche durch die Lande rollenden Sensationen waren immer beliebt – und leider oft auch die einzige Möglichkeit für Menschen, die „anders“ beschaffen waren, eigenständig Geld zu verdienen: Kleinwüchsige oder die “dickste Frau der Welt”, KünstlerInnen ohne Arme oder Beine, die auf Musikinstrumenten spielten – alles war dort als ‘Freakshow’ zu sehen, alles strömte in die Vorstellungen und ergötzte sich auch an der Exotik “wilder” Tiere, die oft unter grauenhaften Umständen aus der Natur gerissen, über die Meere transportiert und in engen und kleinen Käfigen gehalten und begafft wurden.

Nabadender Elefant

Im jenem Sommer von 1838 war es wohl auch so heiß wie bei uns gerade jetzt.

Wegen der nächtlichen großen Hitze kam ein Elefantenwärter auf die Idee, den Elefanten, für den er verantwortlich war, zum Abkühlen und Baden in die Donau zu führen. Im kühlen und fließenden Wasser gefiel es diesem großen Geschöpf anscheinend so gut, dass es die Zurufe seines Führers ignorierte und den Fluss nabadete (hinunterbadete) und an den Ufern auch spazieren ging. Das richtig offizielle Nabada findet in Ulm seit 1927 statt. Jedenfalls hatte der Elefant erst nachts um drei vom Baden genug und kam wieder ans Ufer, um seinen Wärtern, die vermutlich mit den Nerven am Ende waren, ganz gemächlich und zufrieden wieder in die Stadt zu folgen.

Ob die UlmerInnen in jener Nacht davon etwas mitbekommen hatten und Maulaffen feilhielten, ist mir derzeit nicht bekannt. Vielleicht findet sich ja in Ulm jemand, der nach dieser Geschichte auch in den Ulmer Zeitungen suchen kann – solche Aufsehen erregenden Ereignisse und Anekdoten standen meist an auffälliger Stelle in den lokalen Blättern und waren oft wochenlang Tagesgespräch.

Törööö!

Jedenfalls bereichert diese Anekdote nicht nur die Ulmer Stadtgeschichte, sondern wäre auch eine gute Idee für ein neues Kinderbuch als Ergänzung zu den Kinderbüchern rund um weitere Ulmer Persönlichkeiten wie zum Beispiel den Ulmer Spatz oder die Münster-Fledermaus Lilli Langohr.

Diese bislang in Ulm heute völlig unbekannte Anekdote entdeckte ich in einer Augsburger Tageszeitung, von denen ich drei für meine Dissertation auf Kultur- und andere hochinteressante Nachrichten der Jahre 1750 bis 1850 durchforstete. Einst wollten die Ulmer ihr Fischerstechen auch in einem der mit Wasser gefüllten Stadtgräben in Augsburg abhalten, um richtig Geld damit zu verdienen, aber in Augsburg war man wohl ziemlich „schwäbisch“ – das Ganze wurde wegen mangelndem Publikum wieder abgesagt, dem die Eintrittspreise zu teuer waren. Noch etliche andere solcher Geschichten aus Ulm, aus Augsburg und aus aller Welt kamen dadurch wieder ans Tageslicht, die noch auf ihre Veröffentlichung warten…

Quellenbad

Hier die Originalquelle zur Elefantengeschichte im originalen Wortlaut:

Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nr. 197. Mittwoch, 17. Juli 1839, S. 4: “Ulm, den 13. Juli. In letzter Nacht 12 Uhr wurde ein seit einigen Tagen zur Schau hier ausgestellter Elephant von seinem Führer zum Baden in die Donau begleitet. Auf die große Hitze in den letzten Tagen behagte es diesem Thier dermaßen im Wasser, daß es, statt nach Verfluß einer angemessenen Zeit, wie es seine Führer wünschten, herauszugehen, eine Strecke weit die Donau hinab theils schwamm, theils ging. Die Führer, in der größten Besorgniß, das Thier mitten in der Nacht zu verlieren, wandten lange vergeblich alle Mühe an, ihn durch ihre gewohnten Worte und Signale herauszulocken; einer derselben schwamm ihm nach. Endlich schien der Elephant genug gebadet zu haben und gegen 3 Uhr diesen Morgen kam er von selbst aus dem Wasser und folgte in aller Ruhe seinen Eigenthümern zur Stadt zurück.”

Bild: Collage © Susanne Wosnitzka unter Verwendung eines Scans eines Gemäldes von Johannes Hans (Ansicht auf Ulm, um 1810) © Stadtarchiv Ulm mit freundlich erteilter Genehmigung zur Verwendung sowie eines zeitgenössischen Elefantenabbilds (gemeinfrei)

Welttag Theater – Frauen machen Geschichte

In Augsburg wirkten im 18. Jahrhundert am Theater einige Frauen an der Geschichte mit, die es so leider bis heute noch nicht niedergeschrieben gibt. Mein Job wohl…

In dieser ehem. Reichsstadt wirkten v. a. reisende Theatergesellschaften – feste Theatergruppen gab es oft nur an den Höfen. Augsburg hatte schon recht lange ein Stadttheater, das an Stelle des alten Minnesängers-Stadels errichtet wurde und die beide neben der Kirche St. Jakob standen in der Vorstadt. Die Minnesänger waren in Augsburg einst wesentlich bedeutender als die in Nürnberg, die durch Richard Wagner popularisiert wurden.

Altes Theater Augsburg

Das alte Theater war historischen Beschreibungen nach, die ich in historischen Augsburger Tageszeitungen zwischen 1746 und 1849 gefunden habe, klamm, zugig und kalt. Niemand ging dort gern ins Theater. Allerdings hat Wolfgang Amadé Mozart dort zum ersten Mal auch Emanuel Schikaneder in einer Aufführung erlebt – zukunftsweisend für deren beide Zusammenarbeit. Schikaneder heiratete im Augsburger Dom Eleonore geborene Maria Magdalena Arth (1751/52–1821), die ihrerseits Schauspielerin und Sängerin war und dann auch zur Theaterdirektorin wurde – mit ihrem Mann verstand sie sich nicht wirklich; er zog dann mit einem Teil der Truppe weiter, und Eleonore blieb in Augsburg. „Welttag Theater – Frauen machen Geschichte“ weiterlesen