Grenzgänge – Wege zum historischen Stadttheater Augsburg

Wertachbrucker Tor © Susanne Wosnitzka
Wertachbrucker Tor © Susanne Wosnitzka

Auf der Trennlinie zwischen Stadt und Vorstadt lässt sich manches entdecken, das einem entlang der Hauptstraßen in die Stadt verborgen bleibt. In meiner Dissertation über die Musikgeschichte der Goldenen Traube spielt auch das historische alte Stadttheater am Lauterlech eine bedeutende Rolle, zu dem ich heute mit euch spazieren will.

Stadttheater und Goldene Traube

In der Goldenen Traube übernachteten die meisten Künstler:innen, die Auftritte im Stadttheater oder in der Goldenen Traube hatten: Letztere bot gleich drei Konzertsäle: Einen kleinen Saal, einen runden – den Rotunda-Saal – und den großen Apollo-Saal, in den bei Festlichkeiten über 1.000 Personen passten, während im Theater „nur“ Platz für rund 900 Personen war. Leider gibt es bis heute keine umfassende moderne Publikation zur Augsburger Theatergeschichte. Diese stückelt sich bislang aus Einzeldarstellungen und historischem Material. Eine hochinformative Quelle zu Anekdoten, Aufführungen, Besetzungen und der Theaterleitung sind Augsburger Tageszeitungen wie zum Beispiel das Intelligenz-Blatt und das Tagblatt, die ich für meine Recherchen der Jahre 1746 bis 1852 auf Musik- und Kulturnachrichten durchforstet habe. In Ersterem wird ersichtlich, welche Künstler:innen wo übernachtet hatten und wann sie angekommen sind; in den anderen Zeitungen gibt es Konzert- und Theaterankündigungen sowie Rezensionen und Rückschauen sowie vielfach Berichte, an denen man ablesen kann, wie sich die Augsburger Theater- und Orchesterlandschaft über Jahrzehnte geformt hat zu dem, was sie heute ist. Dazu später mehr.

Wertachbrucker Tor bis Hexenbrunnen
Kleines Gässle am Wertachbrucker Tor © Susanne Wosnitzka
Kleines Gässle am Wertachbrucker Tor © Susanne Wosnitzka

Heute nehme ich euch mit auf einen Spaziergang, Corona-bedingt hintenrum, auf verschlungenen Pfaden, um Menschen möglichst aus dem Weg zu gehen in dieser Zeit. Wir starten mit dem Wertachbrucker Tor, das einst Teil der mittelalterlichen Wehrmauer war, die sich mit einem Wall und Graben um die gesamte Stadt zog, wovon heute wegen Schleifung und Stadterweiterung nur noch ein kleiner Teil vorhanden ist. Das Wertachbrucker Tor diente auch als Zolltor. Man gelangte über eine hölzerne Brücke, die hochgezogen werden konnte, in die Stadt hinein. 1605 wurde dieses Tor von Elias Holl (1573–1646) – dem bedeutendsten Augsburger Stadtarchitekt – aus- und umgebaut. 1805 zog hier Napoleon Bonaparte (1769–1821) in die Stadt ein. Über die Lange Gasse gelangt man zum Dom und zum Frohnhof, dem damaligen und heutigen Regierungssitz.

Geheimtipp!
Stadtmauer Thommstraße © Susanne Wosnitzka
Stadtmauer Thommstraße © Susanne Wosnitzka

Aber da wir hintenrum gehen, gehen wir ein Stück der Stadtmauer entlang durch das schmale Gässchen am Tor, in dem eine Frau das Buchantiquariat Lesekauz betreibt (Geheimtipp!). Von dort entlang der heutigen Thommstraße gelangen wir zum Fischertor, einem Stadttor aus den 1920er Jahren, lassen aber auch das hinter uns und gehen die Stiegen hinauf (Achtung: derzeit wegen Baufälligkeit gesperrt!) zum längsten erhaltenen Teil der Stadtmauer mit dem sog. Hexenbrunnen. Angeblich erlaubte man Frauen, die als Hexen zum Tod verurteilt worden waren, an dieser Stelle ein letztes Mal zu trinken, bevor man sie dem Henker zur Verbrennung übergab. Der Verbrennungsplatz lag außerhalb der Stadtmauern, weil man die Feuergefahr in der Stadt fürchtete.[1] Der Hinrichtungsplatz lag damals ebenfalls vor den Toren der Stadt; heute befindet sich dort das Curt-Frenzel-Eisstadion.

Lueginsland bis Dahinaus
Gartengewerk beim Lueginsland © Susanne Wosnitzka
Gartengewerk beim Lueginsland © Susanne Wosnitzka

Vom Hexenbrunnen gelangt man zum hübsch gelegenen Lueginsland, einer ehemaligen Befestigungsanlage, in der sich heute eine lauschige Gartenwirtschaft befindet, die bei den Augsburger:innen seit je her sehr beliebt war und ist. Regelmäßig spielten im frühen 19. Jahrhundert dort kleinere Musikgruppen auf, die zum Beispiel aus Prag, Tirol oder Berchtesgaden stammten und Jodler, Zithermusik und Gesang zum Besten gaben, was in der Zeit um 1830 ein musikalischer Modetrend war: Je uriger und „natürlicher“ desto besser. An den Lueginsland schmiegen sich heute an die über Jahrzehnte verwahrloste und baufällige Stadtmauer kleine Privatgärtchen, die mit ihren blühenden Obstbäumen eine kleine Oase bilden, die zum Verweilen auf der Mauer einlädt.

Wie hoch man sich dort befindet, erkennt man am Stadtgraben an der Herwartstraße, der sich unter einem auftut, wenn man die Gärten verlässt. Von dort gelangt man zu einem weiterführenden Teil, zum hinteren Teil von St. Stephan, zum Gallusbergle, das man auch Dahinab nennt. Von da hinab flüchtete einst Martin Luther (1483–1546) 1518 überstürzt aus der Stadt hinaus und durchs nicht mehr vorhandene Stephinger Tor, nachdem er sich der päpstlichen Bulle verweigert hatte, seine in Wittenberg verkündeten und als ketzerisch geltenden 95 Thesen zu widerrufen. Heute ist dieser Gang an der Stadtmauer entlang ein sehr malerischer, lauschiger Weg, der einen direkt zu einer weiteren in Augsburg sehr bekannten, aber versteckt liegenden Figur bringt: Zum steinernen Mann.

Stein auf Stein
Beim steinernen Mann © Susanne Wosnitzka
Beim steinernen Mann © Susanne Wosnitzka

Diese Figur ist eine in historischer Zeit mehrmals vandalierte und vielgeflickte Statue aus Sandstein und rotem Marmor, die den Augsburger Bäcker Konrad Hacker darstellen soll, der einer Legende nach die Stadt vor Einnahme und Plünderung bewahrte: „Während der Belagerung Augsburgs 1634/1635 durch kaiserliche Truppen soll er in größter Hungersnot Brote aus Sägemehl gebacken haben und sich mit den Broten auf der Stadtmauer gezeigt haben, ja sogar Brote in den Graben der Stadt geworfen haben. Dieser Anblick soll die Belagerer so demoralisiert haben, dass sie mit einer Armbrust (nach anderen Quellen mit einer Kanone) nach dem Bäcker schossen, ihm damit einen Arm zerfetzten, aber bald darauf die Belagerung der von Schweden gehaltenen Stadt abbrachen. Der Bäcker soll später an seiner Verwundung gestorben sein.“[2] Wir befinden uns nun an der Außenseite der Stadtmauer und gelangen von dort zur sog. Schwedenstiege, die im 30jährigen Krieg von belagernden Schweden angelegt wurde, die dann auch die Stadt einnahmen. Unten an der Stiege finden wir einen originalen venezianischen Muschelbrunnen, von dem es am Roten Tor einen weiteren gibt. Da Augsburg hervorragende Handelsbeziehungen nach Italien und Venedig hatte, versuchte man, diesen Glanz auch nach Augsburg zu holen.

Wasserkraft

Einen weiteren lauschigen Biergarten findet man im Garten des kleinen und feinen Liliom-Kinos, das im 16. Jahrhundert einst als Brunnenpumpwerk funktionierte. Heute ist es Teil des UNESCO-Welterbes zum Thema Wasser. Dort kreuzen sich sogar zwei Flüsschen: Der Brunnenbach und ein umgelegter Zufluss, der einst die M.A.N.-Werke mitversorgte. Von dort sieht man den Jugendstil-Giebel des schönen alten Stadtbads und die Zwiebeltürme des Rathauses in einem Haus-Ensemble, das mit seinen Palmen auf der Terrasse ein bisschen an einen italienischen Dachgarten erinnert. Diese Bäche und Flüsschen durchziehen die ganze untere Altstadt, die das einstige Handwerksviertel darstellte. Durch die Wasserkraft konnten Maschinen und Wasserräder betrieben werden als Lebensadern der Stadt. Klein-Venedig!

Quergässchen © Susanne Wosnitzka
Quergässchen © Susanne Wosnitzka

Dort kreuzen wir die Straße – den Unteren Graben – und begeben uns in eine der lauschigsten Ecken, zu den vier Quergässchen (die wirklich so heißen) am ehemaligen Rößlebad. Hübsch restaurierte Häuser leiten den Weg zu einem Ort, an dem man ein Echo eines historischen Kawumms bis heute zu hören glaubt: Dort stürzte Salomon Idler – Schuhmacher und Luftfahrtpionier – um 1640 mit einer selbstgebauten Flugmaschine vom Dach eines Schuppens herab und zerquetschte bei der unsanften Landung drei Hühner. Folgt man diesem dritten Quergässchen, so gelangt man zum Lauterlech, dem Ziel unseres kleinen Ausflugs.

So ein Theater!
NORMA-Parkplatz © Susanne Wosnitzka
NORMA-Parkplatz © Susanne Wosnitzka

Denn dort stand einst das alte Stadttheater bei der Jakoberkirche. Diese alte Pilger:innenkirche befindet sich heute auf einer Art Verkehrsinsel. Sie lag einst vor der Stadt, um die dann Häuser zur Versorgung und Unterbringung der Pilger:innen auf dem Jakobsweg, die dann ein eigenes Stadtviertel wurden, um das eine neue Stadtmauer drumherum gezogen wurde. Dort an der Ecke befindet sich ein NORMA-Supermarkt mit einem dahinterliegenden Parkplatz neben der alten ruinösen Augusta-Brauerei. Vom Lauterlechgässchen aus geht’s auf den Parkplatz.

Ein bisschen Grün, ein paar Autos, Wohnhäuser von hinten, Mülltonnen aus Plastik, eine wummernd-tuckernde Klimaanlage als einziges Geräusch. Es ist hässlich dort.

Auf Zeitreise
Katharina Sigl-Vespermann, Joseph Karl Stieler 1828 © Wikimedia.Commons gemeinfrei
Katharina Sigl-Vespermann, Joseph Karl Stieler 1828 © Wikimedia.Commons gemeinfrei

Ich nehme euch an der Hand, schließe meine Augen (ihr auch) und öffne Tür Nr. 3487 meiner Erinnerungen und meines Wissens aus alter Zeit, und aus dem Rhythmus der Klimaanlage wird der heroisch-einstampfende Rhythmus von Vincenzo Bellinis Ouvertüre zur Oper Norma (tolle Eselsbrücke, gell?), die dort am 13. Dezember 1835 erstmals in Gänze aufgeführt wurde unter der Leitung des königl. bayer. Hofkapellmeisters André Hyppolite Chelard (1789–1861) mit der königlich-sardinischen Starsängerin Antonia Vial (1804–?) in der Hauptrolle. Dass sie Auftritte in Augsburg hatte, ist offenbar bislang unbekannt. Antonia Vial hatte in konzertanten Vorträgen im Verbund mit der erst 12jährigen Sängerin und Komponistin Maria Vespermann[3] (1823–1882) und ihrer Tante, der kgl. bay. Hofsängerin Katharina Sigl-Vespermann (1802–1877) einzelne Arien aus Norma bereits zuvor aufgeführt. Letztere befindet sich im Porträt auch in der sog. Schönheiten-Galerie von König Ludwig I. (1786–1868) in Schloss Nymphenburg. Auch zu ihr ist offenbar noch nicht bekannt, dass sie auch in Augsburg gastierte. Das Augsburger Theater wurde damals von August Rothhammer (?–?) geleitet. Tragischerweise lassen sich in seiner Augsburger Zeit einige früh verstorbene Kinder in den Augsburger Zeitungen nachweisen. Seine Frau Nannette (?–?), die als „allgemein geehrte Künstlerin“[4]  mit „anmuthigem Spiel“[5] am Theater wirkte, machte dahingehend so einiges mit.

Reisende Kunst
Vorderseite Stadttheater Augsburg Jakoberstraße © entnommen der Augsburger Skandalzeitung (dort ohne Copyright-Angaben)
Vorderseite Stadttheater Augsburg Jakoberstraße © entnommen der Augsburger Skandalzeitung (dort ohne Copyright-Angaben)

Noch war das Theaterensemble in jener Zeit an sich noch keine feste Einrichtung; der Betrieb des Theaters war noch immer von reisenden Gesellschaften abhängig, die zu jeder Saison ausgetauscht oder – wenn sie gut waren – verlängert wurden. Das Augsburger Stadttheater ging an diesem Platz am Lauterlech aus dem Meistersingerstadel hervor und wurde 1776 als neues Theater eingeweiht. Ein Jahr später schaute sich Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791) dort eine Aufführung von Emanuel Schikaneder (1751–1812) an, der zu dieser Zeit zusammen mit seiner Frau Eleonore (1751/52–1821) die Theaterleitung innehatte. Ab dieser Zeit ist deren Zusammenarbeit, die in der Zauberflöte gipfelte, Legende. Auch Giacomo Casanova (1725–1798) nutzte das Theater ausgiebig in seiner Augsburger Zeit, in der er sich von einer Syphilis erholte.[6] Laut Wiki-Artikel war das Stadttheater ein „schlichtes Haus mit vier Eingangstüren und hatte Platz für 900 Besucher. Über dem Parkett befanden sich zwei Ränge sowie eine Galerie, geschmückt mit einem Deckengemälde und einem gemalten Vorhang“.[7]

Zwei Zugänge
Rückseite Stadttheater Augsburg vom Lauterlech aus © entnommen der Augsburger Skandalzeitung (dort ohne Copyright-Angaben)
Rückseite Stadttheater Augsburg vom Lauterlech aus © entnommen der Augsburger Skandalzeitung (dort ohne Copyright-Angaben)

Es muss aber zwei Zugänge gehabt haben: Einen vorne an der Jakoberstraße bei der Kirche und einen zweiten Eingang, den man über den Lauterlech erreichen konnte. Es existieren leider nur wenige historische Außenaufnahmen des Theaters. Mit Hilfe alter Stadtpläne und Fotografien[8] habe ich versucht, die Lage des Stadttheaters und des Lauterlech-Eingangs zu rekonstruieren. Eine historische Zeichnung, die ich abgezeichnet habe, zeigt deutlich den Kirchturm der Jakoberkirche (andere Kirchen im Umkreis gibt es dort nicht) als Anhaltspunkt. Somit muss es sich hier um den Eingang zum Lauterlech handeln, nicht um den sehr eng angelegten Straßeneingang direkt vor der Kirche, an dem es vor und nach Vorstellungen oft zu Kutschenstaus kam und immer wieder Meldungen zu lesen sind, in denen dort zu schnell und Leute über den Haufen gefahren wurden.

Hintereingang Stadttheater Augsburg Lauterlech© Susanne Wosnitzka
Hintereingang Stadttheater Augsburg Lauterlech © Susanne Wosnitzka

Diese von mir nach einem Original angefertigte Zeichnung habe ich in ein aktuelles Foto des NORMA-Parkplatzzugangs gelegt und mit einem historischen Stadtplan verglichen. Die Konturen der in der Zeichnung dargestellten Häuser stimmen mit den Konturen im Stadtplan vom „Hinterhof“ des Theaters überein. Das Halbrund dürfte die Logen gewesen sein, die Bühne im „eckigen“ Teil zur Jakoberstraße hin. Der Kirchturm weist den Weg, wo und ungefähr an welcher Stelle sich der Theaterbau dort befunden hat.

Musiklandschaft Augsburg
Stadtplan 1868. Zeichnung nach Original © Susanne Wosnitzka
Stadtplan 1868. Zeichnung nach Original © Susanne Wosnitzka

Gibt es heute ein philharmonisches Orchester, das das Theaterorchester ist, so gab es in der Zeit um 1830 eine Vielzahl an einzelnen wichtigen Posten, die die Musiklandschaft bereicherten: Die Stadtmusiker spielten hauptsächlich zu Hochzeiten und städtischen Veranstaltungen auf, die in Konkurrenz zur Militärmusik des 4. Chevauxleger-Infanterie-Regiments Prinz Karl standen, da – seit den Napoleonischen Kriegen modern geworden – zünftige Marsch- und Blechmusik bevorzugt wurde, die vor allem in der Schützengesellschaft zum Schießgraben oder in der Schützengesellschaft zur Rosenau regelmäßig aufspielte. Es gab zwar ein Theaterorchester, aber die bürgerliche Musikausübung fand im 19. Jahrhundert hauptsächlich in großen Privatgesellschaften mit Namen Frohsinn, Erheiterung, Cäcilia und Tivoli statt, die ihre Vereinsorte in den Gaststätten wie der Goldenen Traube, dem Börsengebäude oder dem Falken hatten. Dort fanden auch vor allem Ur- und Erstaufführungen statt, wie zum Beispiel Georg Friedrich Händels (1685–1759) Messias als Augsburger Erstaufführung in der Goldenen Traube am 21. März 1836 unter der Leitung von André Hyppolite Chelard, dem Münchner königlich-bayerischen Hofkapellmeister, der in den Jahren 1834 bis 1836 Leiter des Augsburger Theaterorchesters unter der Gesamt-Theaterleitung von August Rothhammer war. Auch dieser Fakt scheint bislang noch nicht in diesem Umfang bekannt zu sein.

Musikalische Gesellschaften

Außerdem hatte sich eine bedeutende Gesellschaft der Musikfreunde aus der Idee von Hofrat Dr. Franz Reisinger (1787–1855) 1833 gegründet, die bis zu sechs Konzerte über das Jahr verteilt in Augsburg anbot, die in der Goldenen Traube ihren Hauptplatz hatten und oft auswärtige Künstler:innen einlud, meist aus der Münchner Hofkapelle „eingekauft“. Zudem spielten „Kleeblätter“, „Terzette“ und „Septette“ in der Stadt in Kaffeehäusern und Gaststätten, die aus städtischen Musikern bestanden und zur Unterhaltung in kleineren Kreisen diente. In diesen Privatgesellschaften produzierte sich auch die Stadt-Elite wie zum Beispiel Ludwig Karl von Schaezler (1800–1861), der hervorragender Flötist war und hin und wieder in Konzerten auftrat. Sänger:innen des Stadttheaters traten in Musikveranstaltungen der Privatgesellschaften auf, in denen man Mitglied sein musste, um Veranstaltungen besuchen zu können. Es bestand aber auch die Möglichkeit, als Gast in eine Gesellschaft eingeführt zu werden. Somit waren diese Veranstaltungen nur halb-öffentlich und nur für die gehobene Bürgerschicht erschwinglich.

Superstars in Augsburg
Sophie Schröder, Lithographie von Joseph Kriehuber 1828 © Wikimedia.Commons gemeinfrei
Sophie Schröder, Lithographie von Joseph Kriehuber 1828 © Wikimedia.Commons gemeinfrei

Ein weiterer Star ihrer Zeit war die Schauspielerin Sophie Schröder (1781–1868), die bereits Ende 1830 in drei Gastrollen in Augsburg zu erleben war: Als Sappho (Franz Grillparzer), als Johanna von Montfaucon (August von Kotzebue) und als Medea (Grillparzer). Da in dieser Zeit aber eine Kunstflaute vorherrschte, „sah [sie] die leeren Bänke im Theater, bestaunte den Kunstsinn der Augsburger, schüttelte den Staub von ihren Füßen und ging.“[9] Sie kam erst später wieder und lebte dann aber längere Zeit in Augsburg.

Eine riesige Begeisterung lösten Gastspiele der Schauspielerin und Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient (1804–1860) aus – sie wohnte als königlich-sächsische Hofsängerin im März 1836 im Hotel Drei Mohren:

Wilhelmine Schröder-Devrient, Charles Auguste Schuler © Wikimedia.Commons gemeinfrei
Wilhelmine Schröder-Devrient, Charles Auguste Schuler © Wikimedia.Commons gemeinfrei

„Letzten Mittwoch Abends fand vor dem Gasthofe zu den drei Mohren nach der gegebenen Oper Norma eine von unserm hiesigen Theater=Orchester zu Ehren der gefeierten Sängerin Mad. Schröder=Devrient veranstaltete sehr gut executirte Serenade statt, welche die Huldigung desselben für diese verehrte Künstlerin auszudrücken bestimmt war. Schon Vormittags bei stattgehabter Probe wurde die geschätzte Frau von dem Orchester mit Trompeten und Pauken feierlichst empfangen.“[10] Theaterleiter August Rothhammer war persönlich nach München gefahren, wo sie derzeit gastierte, und schaffte es, sie für drei Gastvorstellungen nach Augsburg zu holen.[11]

Mimik als stiller Gesang

Am 23. März 1836 sang sie zum ersten Mal die Norma (die damals ein europäischer Superhit war). Am 25. März brillierte sie in ihrer zweiten Gastrolle, als Leonore in Beethovens Fidelio. Am 28. März trat sie triumphal in einer Hosenrolle als Romeo in Bellinis I Capuleti e i Montecchi (Augsburger Erstaufführung!) auf und wurde „vielmal während der drei Darstellungen gerufen. […] Ihr Gesang hat die Kraft, den Metallton, das unnennbare Bezaubernde noch so ganz, aber Etwas hat die Tochter der großen Schröder, was wenig Sängerinnen auf deutschem Boden in solcher Vollkommenheit zu besitzen sich rühmen dürfen. Und dies hohe Etwas, mit den Stempeln der höchsten Vollendung geschmückt, ist ihr Spiel, ist ihre Mimik, ihre geist=, leben= und bedeutungsvolle, von Kunst gebildete, von Wahrheit und Natur unzertrennlich begleitete, von Denkkraft und Scharfsinn in das fast Unerreichbare erhobene Mimik. […] Ihre Mimik ist ein s t i l l e r Gesang. Der Ausdruck ihrer Miene und Gebärden ist das sprechendste Gemälde einer Seele voll des bunten Farbenspieles wechselnder Affekte.“ Sie „sah scheidend die kurze Stätte ihrer Allbezauberung mit den zugeflogenen Lorbeeren der Verehrung bedeckt“ und „schied von uns wie ein schöner Traum.“[12]

Charlotte Birch-Pfeiffer um 1850 © Wikimedia.Commons gemeinfrei
Charlotte Birch-Pfeiffer um 1850 © Wikimedia.Commons gemeinfrei

Besonders beliebt waren auch Schauspiele der Autorinnen Johanna Franul von Weißenthurn (1773–1847) und Charlotte Birch-Pfeiffer (1800–1868), wovon Letztere 1835/36 die Hauptrollen ihrer eigenen Theaterstücke auch in Augsburg selbst spielte! Und die Quote an Werken von Frauen war damals noch etwas höher als die Quote am heutigen Staatstheater Augsburg.

Sehnen eines Parkplatzes

Wie leuchtend, wie begeisternd, wie zauberhaft, wie freudig muss es damals zugegangen sein! Man ging eisern ins Theater, auch wenn die Klagen um zu wenig Licht und zu großer Kälte und Klammheit stellenweise überhandnahmen.

Es ist klamm. Ich öffne meine Augen und sehe statt einer hölzernen Bühne, statt schummrig-wächsern beleuchteter Logen, statt glänzend-beseelter Augen andächtig lauschender Menschen einen hässlichen und nun verschatteten Parkplatz mit Mülltonnen und werde jäh in die Gegenwart gezwungen. Die Klimaanlage wummert. Peng! wird eine Autotür zugeklatscht. Ein leerer Einkaufswagen wird scheppernd über den Hof geschoben. Nichts zeugt an diesem Parkplatz – und auch nicht vorne an der Jakoberstraße – von diesem einstigen musikalischen Juwel an diesem Ort. Nirgendwo findet sich eine Gedenk- oder Informationstafel. Ich schäme mich ein bisschen, wie wenig Wert offenbar in der Stadt auf solch ein sichtbares Wissen gelegt wird. Und Gedächtnis-Tür Nr. 3487 ist nur ein klitzekleiner Teil, nur ein winziger Ausschnitt aus dieser reichhaltigen Geschichte, die bislang in diesen Details noch nicht aufgearbeitet vorliegt.

Handlungsreisende zurück

Hier endet unsere Reise, unser Ausflug nach und durch diesen kleinen Teil Augsburgs. Am 6. Mai hättet ihr dazu in einem Vortrag zu Augsburger Komponistinnen und Musikerinnen noch mehr zu hören bekommen. Es lassen sich darüber hinaus noch viel mehr Komponistinnen als gedacht in Augsburg nachweisen, von denen ich erstmals erzähle! Corona-bedingt aufgeschoben findet das Ganze dann aber voraussichtlich am 1. Februar 2021 im Haus St. Ulrich statt.

Wenn euch dieser Einblick in verborgenes Ausgegrabenes gefallen hat, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr einen kleinen oder vielleicht größeren Obolus in mein Paypal-Spendenkässle geben könntet, das ihr oben rechts auf dieser Seite finden könnt. Und wenn die Zeit wieder reif ist, dann könnt ihr weitere spannende Orte zur Augsburger FrauenMusikKulturGeschichte in einem meiner umfangreicheren Stadtspaziergänge genießen.

 

Einzelnachweise
[1] Vgl. https://www.augsburgwiki.de/index.php/AugsburgWiki/Hexenbrunnen (Stand: 21.04.2020).

[2] Vgl. https://www.augsburgwiki.de/index.php/AugsburgWiki/SteinernerMann (Stand: 21.04.2020).

[3] Sie trug am 2. Dezember 1835 zwei ungenannte Lieder vor, die bislang offenbar unbekannt sind.

[4] Augsburger Tagblatt. Nro. 94. Sonntag. 6. April 1834, S. 373.

[5] Augsburger Tagblatt. Nro. 116. Montag. 28. April 1834, S. 465.

[6] Bislang sind drei Aufenthalte Casanovas in Augsburg bekannt. Ich kann ihn noch ein viertes Mal in Augsburg nachweisen.

[7] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Staatstheater_Augsburg (Stand: 21.04.2020).

[8] Vgl. https://augsburger-skandal-zeitung.blogspot.com/2016/04/als-hitler-das-augsbuger-theater-umbaute.html (Stand: 21.04.2020).

[9] Augsburger Tagblatt. Nro. 358. Samstag. 31. Dezember 1831, S. 1518.

[10] Augsburger Tagblatt. No. 85. Freitag 25. März 1836, S. 253.

[11] Augsburger Tagblatt. No. 94. Montag. 4. April 1836, S. 287.

[12] Augsburger Tagblatt. No. 93. Samstag 2. April 1836, S. 283.

Der Tanz als Akt des Todes – Alt-Augsburg berichtet

"Analysis of beauty". Stahlstich von William Hogarth um 1800 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
“Analysis of beauty”. Stahlstich von William Hogarth um 1800 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

“Tanzt! Tanzt! Vor allem aus der Reihe!”, findet man hin und wieder auf fröhlich-unbeschwerten Postkarten. In Zeiten der Corona-Pandemie sind Tanz- und andere Lokale geschlossen, in denen man sich bislang feiernd ausgetobt hat, dröge Fitness-Übungen wurden zu Tanzübungen von Jane Fonda bis Zumba. Geselliges Vergnügen war allerdings ein Dorn im Auge der Sittenwächter und hierzulande von religiös-patriarchalen Moralvorstellung geprägt. Einst glaubte man sogar, mit einem Tanz dem Gift der “Taranteln” trotzen zu können. Daraus entstand die sog. Tarantella als Tanzform. Trotz Trennung von Staat und Kirche sind Tanzveranstaltungen an bestimmten christlichen Feiertagen bis heute generell untersagt. Augsburg hatte in alter Zeit ein eigenes Tanzhaus für die Oberschicht, das sich bis zu seinem Abbruch 1632 auf dem damaligen Weinmarkt (heute Moritzplatz) gegenüber der Gaststätte Goldene Traube befand.

Öffentlicher Tanz
Augsburger Tanzhaus im Kilianplan (1626) © Susanne Wosnitzka (gemeinfreier Abdruck)
Augsburger Tanzhaus im Kilianplan (1626) © Susanne Wosnitzka (gemeinfreier Abdruck)

Die niedereren Stände vergnügten sich in den Gaststätten. Jedes besser ausgestattete Lokal hatte einen größeren bis großen Saal, der für Feierlichkeiten und Konzerte aller Art zur Verfügung gestellt wurde, besonders für regelmäßig stattfindende Tanzveranstaltungen, die zum Beispiel im Augsburgischen Intelligenzzettel oder im Augsburger Tagblatt hervorragend dokumentiert sind. Einer der größten und meist genutzten öffentlichen Säle war der sog. Apollo-Saal der Goldenen Traube. Historischen Quellen nach war in der Goldenen Traube Platz für rund 2.200 Personen und in den Ställen für 110 Pferde! Die darin abgehaltenen Ballotage- und Redoutenveranstaltungen (= Faschingsveranstaltungen) waren legendär – teils spielte in jedem der drei nutzbaren Festsäle (Apollo-Saal, Rotunda-Saal und ein weiterer kleiner Saal) ein anderes Orchester zum Tanze auf bis morgens halb acht.

Quell allen Übels

Wie die Liebe in Zeiten der Cholera war auch das Tanzen in Zeiten der Cholera und anderer pestilenzartiger Seuchen eine gefährliche Angelegenheit wegen kurzer Übertragungswege der Keime von Mensch zu Mensch. Sittenwächter nutzten diese Gelegenheiten, um das Tanzen – also Körperlichkeiten an sich generell – und vor allem Bewegungen von Frauen als Quelle allen Übels und der “Verführung” zu deklarieren und Menschen und Völker auch rassistisch als minderwertig darzustellen. So hat sich folgender Bericht eines:r unbekannten Autors:in im Augsburgischen Intelligenzblatt erhalten. Interessant ist auch das Tagesdatum, der 9. November 1789. Ab diesem Tag tagte die verfassunggebende Nationalversammlung der Französischen Revolution im Salle du Manège, in der ehemaligen königliche Reithalle:

Intelligenz=Zettel-Titel um 1800 © gemeinfrei
Intelligenz=Zettel-Titel um 1800 © gemeinfrei

Augsburgisches Intelligenz=Zettel. Num. 45. Montag den 9. Nov. 1789. [S. 184] […] “(Auf Verlangen eingerückt.) Der Tanz als geselliges Vergnügen. Der Tanz als höchst schädliches Betragen. Der Hang zum Tanz ist so alt, als die Welt. Der Mensch hüpft, und springt in die Höhe, wenn er fröhlich ist, und dieser Ausdruck seiner Gefühle theilt sich unfreiwillig andern mit. Daher ist das Tanzen der Hauptgegenstand der gesellschaftlichen Freude, bei allen, auch den rohsten Nazionen der Erde.

Hand der Grazien

In Afrika, wie in Süd= und Nordamerika tanzen täglich Wölker Schaarenweise nach dem Takt einer elenden Trommel. Bei den wilden, und unkultivirten Nazionen z. B. bei den Ostindern, Arabern, Egyptern u. s. w. besteht das Tanzen meistens in wilden Springen, unzüchtigen Stellungen, und wollüstigen Bewegungen. In Europa hat glücklicherweise die Hand der Grazien und guten Sitten jene Rohheit von unserem geselligen Tanze wegpollirt, und die letztere schmuzzige [sic] Sittenlosigkeit davon verbannt. Der mässige Tanz ist das fröhliche Band der gesellschaftlichen Freuden, der Freund der Jugend worden, und selbst die reinste jungfräuliche Unschuld darf nicht mehr erröthen, daran Theil zu nehmen, und den Ausbruch ihrer Fröhlichkeit öffentlich zu zeigen: Er ist der Weg zur Höfflich= und Gefälligkeit, der Gangwagen für Kinder, Erwachsenen weist er den Weg, aufrecht, und auswärts zu gehen: Er ist der erste Gesellschafter bei jedem Freudenfest, ein Feind des Grams; seine ganze Behandlung ist gesellig, liebreich gefällig: ja selbst von medizinischem Nuzzen [sic] ist er.

Hypochondrisches Dasein
Augsburger Weinmarkt ohne Tanzhaus, 18. Jh. © Susanne Wosnitzka (gemeinfreier Abdruck)
Augsburger Weinmarkt ohne Tanzhaus, 18. Jh. © Susanne Wosnitzka (gemeinfreier Abdruck)

Bewegung, zuweilen selbst heftige Bewegung ist zu Erhaltung unserer Gesundheit unentbehrlich, sonderlich im Winter, wo, Sizzen [sic], und die verdikte [sic] Luft hypochondrisch macht. Nichts ist damit wirksamer, nichts stellt die Munter= und Thätigkeit unserer ganzen Maschine besser wieder her, als von Zeit zu Zeit mässiges, abwechselndes, und nicht zu langsames Tanzen.

Aber möchten doch unsere jungen Freunde, und Freundinnnen bei diesem Genuße nie vergessen, daß man den Becher der Freuden nur langsam, mit kleinen Zügen, und nie ganz austrinken soll, und daß der Tanz, der recht und mässig gebraucht, ihrem Leben Balsam sein könnte, unmässig genossen und gemißbraucht wird, ein sicheres Gift wird, das ihre Gesundheit und Leben mordet, oder doch sicher ihre Schönheit in wenig Wochen verblühend macht.

Abzehrung vorprogrammiert

Ich habe mehr als ein blühendes Mädchen, mehr als einen liebenswürdigen, raschen, feurigen Jüngling, die Freude und Hoffnung Aller als das Opfer eines einzigen wilden Balls, selbst eines einzigen Tanzes langsam abgezehren, ihre noch wenigen übrigen elenden Tage verzweiflungsvoll leben, und ohne Rettung zum Sarge tragen sehen: und es ist ein trauriger Gedanke für mich, indem ich dies schreibe, daß vielleicht manche unsrer jungen Damen, indem sie dies ließt, den Gift schon in ihrem Bußen fühlt, und die Blat[t] mit Thränen nezzet [sic].

Ein Tanz wird hässlich, sobald die Tanzenden die Grazie der Sittlich= und Wohlanständigkeit verlassen, und nicht mehr sanft, und zierlich tanzen. Ein Tänzer kann keine schöne und gefällige Stellung mehr machen, wenn er raset, wie ein trunkner Faun, und ich kenne kein ekleres Bild, als ein junges Mädchen, das wie eine wahnsinnige Bachantin bei ihren Orgyen tanzt.

Erhitzung verdirbt den Charakter!

Durch solch eine Art misfällt [sic] ein junges Mädchen nicht nur allgemein, sondern sie schadet auch ihrer Schönheit unwiederbringlich, weil ihre ganze gesunde Farbe durch solch eine gewaltige Erhizzung [sic] dahin schwelkt [sic], die Haut verdirbt, ihr schöner Reiz erbleicht, und fahl und braune Höfe um ihre hohlen Augen tretten; kömmt noch ein unglüklicher kalter Trunk dazu, so ist das Unglük [sic] vollendet, und das Leben dahin.

Tanzen sie also meine jungen Freunde und Freundinnen mässig, abwechselnd, und nie zu lange, weil der Tanz nur dann wohlthätig ist, wenn er die Kräfte nicht überspannt, und das Blut nicht zu sehr erhizt [sic], und bei Beobachtung dieser kleinen Vorsicht wird ihnen der Tanz nie gefährlich werden, sondern vielmehr können sie dieser kurzen Freude des Lebens sicher bis zur Asche genießen.”

In diesem Sinne: Freuen wir uns also auf achtsame Freudentänze in den Straßen nach der Corona-Pandemie!

Traudl Glogger-Prechtl – Augsburger Künstlerin neu entdecken

Wie schreibt man über die großartige, aber fast vergessene Künstlerin Traudl Glogger-Precht, wenn derzeit – im Corona-Shutdown – sämtliche Bibliotheken, Büchereien und andere Kunstinstitute, in denen man anfragen könnte, geschlossen sind und man auch nur wenig Material daheim zur Verfügung hat? Daher ist dieser Blogtext nur ein Versuch einer Rekonstruktion eines reichhaltigen Lebens, das aber genau deswegen noch so viel Spannendes zu entdecken bietet.

Traudl Glogger-Precht aus der Versenkung

Wie findet man so eine fast vergessene Künstlerin? Indem man zum Beispiel Flohmarkt-Besuche als Hobby hat. Bei mir daheim ums Eck findet bzw. fand bislang regelmäßig der samstägliche Flohmarkt auf dem Gelände der Rockfabrik statt. Gerne lasse ich mich dort treiben und habe vor Ort schon meine Lieblingshändler:innen, deren Stände und Waren immer interessant sind – alte Briefe, historische Fotografien und eben Bilder. Das meiste davon ist ausgesprochener Kitsch (wobei Schönheit wie immer im Auge des:der Betrachter:in liegt selbstverfreilich), aber manchmal sticht doch das eine oder andere interessante Ding hervor, das das Auge anzieht.

Traudl Glogger-Prechtl “Ein Hügel” (1967) © Eigentum Susanne Wosnitzka

So geschehen mit einem eher unscheinbar und trist wirkenden Schwarz-Weiß-Bild in schlichtem, künstlich gesilbertem Rahmen, das zusammen mit anderem Krimskrams an einer Zu-verschenken-Ramschkiste lehnte, mir aber gleich gefiel: Eindrücklich, starker Strich, interessante Aufteilung. Da war unten links ein Name angebracht: Glogger-Prechtl und eine mit Bleistift dazugesetzte Unterschrift. Ich googelte und stellte fest, dass diese Frau etwas mit Augsburg zu tun hatte. Bingo, dachte ich und handelte. Für 10 € war es dann das Meine. Wieder daheim machte es mich ganz fuchsig, Traudl Glogger-Prechtl nicht im Augsburger Frauenlexikon zu finden. Ich hing ihr Werk jedenfalls zu meinen anderen Bildern und freute mich darüber.

Twitter bringts ans Tageslicht

Zwei Jahre später. Ein Tweet von Martina von Dannen sorgte heute dafür, dass ich mich jetzt doch dransetzte, etwas über Traudl Glogger-Prechtl zu schreiben, weil ich sofort an meine Bilder dachte, sie zu twittern:

Spärlicher Lebenslauf

Laut einzigem online greifbaren Lexikon wurde Traudl Glogger-Prechtl – Malerin, Zeichnerin und Grafikerin – 1925 in Augsburg geboren und lebte zum Zeitpunkt des Lexikondrucks (2007) dort noch.[1] Sie erhielt ihre künstlerische Ausbildung bei Alexander Rosenlehner (1912–1996), in den Kursen der renommierten Internationalen Sommer-Akademie für Bildende Kunst Salzburg und lernte die Kunst des Radierens bei Johnny Friedländer (1912–1992), der zu den Wegbereiter:innen der modernen Farbradierung gehörte. In seinem Wikipedia-Artikel wird Traudl Glogger-Prechtl als „bedeutende Schülerin“ angegeben – neben u. a. dem bis heute tätigen Regisseur und Fotograf Wim Wenders. Ob Wim Wenders sie persönlich gekannt hatte? 1929 heiratete Traudl Prechtl den Maler und Grafiker Matthes/Matthias Glogger (1914–1981), der seine Karriere in Augsburg als Dekorationsmaler begann und ab 1956 freier Mitarbeiter des Münchner Simplicissimus-Magazins war. Von seinem Kunstschaffen in Augsburg zeugt der Kunstpreis des Bezirks Schwaben, den er 1970 für seine Leistungen erhielt.

Kunst für Augsburg

Traudl Glogger-Prechtl arbeitete u. a. in der Augsburger Antonspfründe, einem ehem. historischen Spital, das nach der Schließung als Altenheim ab 1966 von Augsburger Künstler:innen selbst ausgebaut und gestaltet wurde. Darin befinden sich in historischen Räumlichkeiten mit Gewölbedecken 18 Ateliers. Der Andrang auf diese Kunst- und Arbeitsstätte ist bis heute so groß, dass die Kunstvereinigung Die Ecke am Elias-Holl-Platz hinter dem Rathaus, die das Ganze verwaltet und eine eigene Galerie führt, eine Warteliste führt.[2]

Auch Traudl Glogger-Prechtl war Mitglied dieser Künstler:innenvereinigung, die in Augsburg seit der Zeit um 1900 für regelmäßige Ausstellungen in einer eigenen Galerie hinter dem Rathaus am Elias-Holl-Platz sorgt. Laut Augsburger Allgemeinen müssen die Kunstfeste der Ecke legendär gewesen sein, die besonders in den 1960er/1970er Jahren des allgemeinen Aufbruchs für Furore sorgten. Ob Verbindungen zur Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG) mit deren innovativen Entwicklungen bestand?

Schönes nicht ums, sondern ins Eck bringen

Zum 60jährigen Bestehen der Augsburger Kunstgruppe Die Ecke (1967) steuerte Traudl Glogger-Prechtl die einfarbige Lithographie Ein Hügel zu einer Kunstmappe bei, die als limitierte Auflage publiziert wurde.[3] Offenbar zu diesem Anlass wurde dann wohl auch mein Bild dafür hergestellt und vervielfältigt. Auch in der Galerie im Holbein-Haus in Augsburg stellte Traudl Glogger-Prechtl im Jahr 1995 noch Bilder, die sie zwischen 1993 und 1995 geschafften hatte, aus.[4]
Die Stadt Augsburg vergibt seit 1958 jährlich einen Kunstförderpreis. Traudl Glogger-Prechtl wird für die Jahre 1968–1970 aus Preisträgerin der Sparte Bildende Kunst aufgeführt.[5] Eine Bilder-Galerie in der Süddeutschen online[6] zeigt Traudl Glogger-Prechtl beim Arbeiten vor einer Staffelei in ihrer Augsburger Wohnung (wo?), vor einer ganzen Wand voll ihrer Werke und – mit besonders ausdrucksstarkem Blick – vor einem Einzelbild, auf dem sie wohl auch im Selbstporträt erscheint:

Traudl Glogger-Prechtl in einer Reportage der “Süddeutschen” (Screenshot) © Susanne Wosnitzka

Vorbild und verehrte Lehrerin

Im Netz fand ich Martina Ludwig, die in ihrer Kinder- und Jugendzeit langjährige Schülerin von Traudl Glogger-Prechtl war. Ich rief sie an und sie erzählte mir freudig, dass Traudl Glogger-Prechtl ihr „großes Vorbild und persönliche Mentorin“ war und sie ermutigte, eigene künstlerische Wege zu gehen und sich nicht einfach an der Masse zu orientieren.[7] Sie erlebte sie als aufgeschlossene, begeisterte Frau, die selbst andere für Kunst begeistern konnte. Traudl Glogger-Precht war zudem eine große Katzenliebhaberin (Pluspunkt!), die gerne Landschaften zu bizarrer Architektur in verhaltenen Farben kreierte.[8] Für eine umfassendere Biografie Traudl Glogger-Prechtls kann man vielleicht noch viel mehr Weggefährt:innen ausfindig machen. Und natürlich stellen sich Fragen: Wo sind all ihre Werke hin? Existiert noch ein geschlossener Nachlass? Von wem wird dieser verwaltet oder geschützt?

Und vielleicht findet sich ja noch so viel, dass man Traudl Glogger-Prechtl zu Ehren eine Lebenswerk-Ausstellung an den Orten ihres offenbar reichhaltigen und vielseitigen Schaffens gestalten könnte…

Einzelnachweise

[1] K. G. Saur (Hg.): Allgemeines Künstler-Lexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Bd. 56. München-Leipzig 2007, S. 209.

[2] Vgl. https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/kultur/Die-Antonspfruende-eine-Klause-fuer-die-Kuenstler-id56162561.html (Stand: 22.03.2020).

[3] Vgl. https://www.zvab.com/Ecke-Grafikmappe-60j%C3%A4hrigen-Bestehen-Augsburger-K%C3%BCnstlervereinigung/2962158563/bd (Stand: 22.03.2020).

[4] Vgl. http://www.artsngrafix.de/traudlgloggerart.html (Stand: 22.03.2020).

[5] Vgl. https://www.augsburg.de/buergerservice-rathaus/rathaus/preistraeger-und-preise/kunstfoerderpreis (Stand: 22.03.2020).

[6] Vgl. https://www.sz-photo.de/result_webshop/augsburg-kunstszene-50er-und-60er-jahre—reportage-von-gert-maehler/dossier-1.742951 (Stand: 22.03.2020).

[7] Vgl. http://www.maras-welt.com/malerei.html (Stand: 22.03.2020).

[8] Vgl. K. G. Saur 2007.

Fanny Hensel und die “Cholera-Kantate”

Fanny Hensel 1829. Zeichnung von Wilhelm Hensel © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Fanny Hensel 1829. Zeichnung von Wilhelm Hensel © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Fanny Hensel geb. Mendelssohn (1805–1847) schrieb 1831 im Alter von 26 Jahren ein gut halbstündiges chorsinfonisches Werk, das Oratorium nach Bildern der Bibel, darin auch die Cantate für die Toten der Cholera-Epidemie, die damals über mehrere Jahre in vielen Städten grassierte und die Leute in schiere Panik versetzte.

Wie verheerend die Seuche in Preußen war, schildert zum Beispiel dieser Artikel (Dt. Ärzteblatt, 2007). Wie zum Beispiel das Augsburger Tagblatt berichtet, versuchte man mit allerlei Mitteln und Mittelchen vorzusorgen, von Blutegeln bis Aderlass:

Cholera Behandlungstipps 1830, Augsburger Tagblatt. Screenshot © Susanne Wosnitzka
Cholera Behandlungstipps 1830, Augsburger Tagblatt. Screenshot © Susanne Wosnitzka
Panikvermeidung trotz Cholera

In Städten waren Wirte und Toreinlasser verpflichtet, sämtliche Einreisende zu melden mit Herkunft, Namen, Pass etc. Zeitungsmeldungen zeigten an, wo die Cholera grade besonders grassierte. Briefe von auswärts wurden zum Beispiel in Wien durchstochen und geräuchert, um zu versuchen, damit Keime abzutöten.[1]

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Karl the Ripper – der Mädchenschneider von Augsburg

Maximilianstraße Augsburg um 1835 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Maximilianstraße Augsburg um 1835 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

In der Dämmerung schlitzte er drauf los, der sog. Mädchenschneider von Augsburg. Er trug einen weiten Mantel, hatte sein Gesicht durch eine ausladende Mütze verborgen und lauerte jungen Frauen heimtückisch in abgeschiedenen Augsburger Gassen auf. Allerdings so, dass er sie nicht umbrachte, sondern mit einem scharfen Gegenstand am Arm und/oder an den Händen aufschnitt und teilweise auch würgte. Im Gegensatz zu Jack the Ripper, der 1888 in London sein tödliches Unwesen trieb, kam keine der derart angegangenen Frauen zu Tode, aber seine Überfälle hielten die ganze Stadt in Angst und Schrecken und führten so weit, dass ein Unschuldiger durch Polizei- und Obrigkeitspfusch als Sündenbock in den Tod getrieben wurde. „Karl the Ripper – der Mädchenschneider von Augsburg“ weiterlesen

Über die Donau – was Berblinger nicht schaffte, schaffte Madame Bittorf!

Berblingers Flugversuch © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Berblingers Flugversuch © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Bittorf vs. Schneider von Ulm? Dieses Jahr würde der ‘Schneider von Ulm’, Albrecht Ludwig Berblinger (1770–1829) seinen 250. Geburtstag feiern – in Ulm soll er daher groß geehrt werden. Der Mann, der Pioniergeist besaß und vom Fliegen träumte und wegen widriger Umstände dann doch scheiterte. Nach einer erzwungenen Ausbildung zum Schneider – er wäre viel lieber Uhrmacher und Mechanikus geworden – entwickelte er erstaunlich arbeitende Bein- und Fußprothesen, die Vorbild für den Ulmer Chirurgen Johannes Palm (1749–1851) wurden, der als einer der ersten Ärzte überhaupt Chloroform und Äther zur Narkose einsetzte.

Berblingers bekanntestes Gerät ist ein Fluggleiter, mit dem er heimlich in den um Ulm liegenden Weinbergen übte, wo thermische Aufwinde für eine ideale Flugsituation vorhanden waren – aber nicht unten in der Stadt an der Donau, und genau das wurde ihm später zum Verhängnis. Wer solch ein Gestell durch die Stadt in die Weinberge trägt, bleibt nicht unbemerkt: Friedrich I. von Württemberg (1754–1816) hatte von Berblingers Versuchen buchstäblich Wind bekommen und wollte unbedingt einen Flug von ihm sehen, denn was heute für uns selbstverständlich erscheint, war damals eine unglaubliche Sensation.

Die Geschichte vor Madame Bittorf
Gebrüder Montgolfier in ihrer Montgolfière © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Gebrüder Montgolfier in ihrer Montgolfière © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Auch die Brüder Joseph Michel (1740–1810) und Jacques Étienne (1745–1799) Montgolfier waren von der Idee des Fliegens fasziniert gewesen. Als sie es tatsächlich schafften, Fluggeräte zu entwickeln, mit denen man in den Himmel aufsteigen konnte, war es soweit: Ein Hype ums Fliegen setzte weltweit ein, und es entwickelte sich ein regelrechter Wettbewerb, wer schneller, höher und weiter damit unterwegs sein konnte, vor allem mit Ballonen. In Augsburger Tageszeitungen der Jahre 1746 bis nun 1852, die ich für meine Dissertation auf Musik- und Kulturnachrichten untersucht habe, kamen auch hunderte Meldungen zu Ballonfahrern zum Vorschein. Und zu Ballonfahrerinnen. Viele davon noch gänzlich unbekannt mit unbekannten Anekdoten, Fluggeschichten, Absturz- und Brandtragödien. Über diese Geschichte(n) werde ich zu gegebener Zeit in einer eigenen Publikation berichten. Denn auch zur Augsburger Ballonfahrt- und Fluggeschichte vor Madame Bittorf kam Neues ans Tageslicht.

Ulm und die Welt im Flugrausch

Zurück nach Ulm. Berblingers Wikipedia-Artikel[1] berichtet folgendermaßen von der sich abzeichnenden Tragödie: „Ursprünglich wollte Berblinger seine Flugkünste erst am 4. Juni 1811 vorführen und schlug dazu einen Start vom Hauptturm des Ulmer Münsters vor, dessen Höhe zu diesem Zeitpunkt noch bei 100 Metern lag. Die Ulmer Ratsherren lehnten Berblingers Vorschlag jedoch ab. Sie trauten seinen Flugkünsten nicht und verlangten deshalb den Start von der 13 Meter hohen Mauer der Adlerbastei an der Donau. Berblinger stimmte diesem Startplatz schließlich zu, ohne sich der möglichen verhängnisvollen Folgen bewusst zu sein. Um die Donau überqueren zu können, vergrößerte Berblinger die Absprunghöhe durch ein Gerüst auf 20 Meter.

Die Abreise des Königs am 31. Mai führte wohl dazu, dass Berblinger schon am 30. Mai starten sollte. Der König und viele Ulmer warteten auf seine erste Flugvorführung, doch Berblinger verschob seinen Start auf den nächsten Tag. Die historischen Schilderungen lassen darauf schließen, dass er an diesem Tag die völlig anderen Windverhältnisse bemerkte und auf Veränderung am nächsten Tag hoffte. Aus heutiger Sicht ist klar, warum er die von ihm benannte ‚Fliegekraft‘ unter seinen Flügeln nicht spüren konnte. Durch das relativ kalte Wasser der Donau entstehen Fallwinde, die durch die Mauern der Bastei noch verstärkt werden.

Im freien Fall

Am folgenden Tag, dem 31. Mai, trat er erneut zu einem öffentlichen Flugversuch an. Der König war schon abgereist, aber sein Bruder, Herzog Heinrich, und die Prinzen schauten zu. Allerdings hatten sich die Windverhältnisse innerhalb eines Tages nicht verändert. Das muss ihm bewusst geworden sein, denn er verzögerte den für 16 Uhr geplanten Start, mit der Hoffnung es könnte sich noch etwas verändern. Gegen 17 Uhr wurden die zahlreichen Zuschauer und auch Herzog Heinrich ungeduldig und drängten ihn, endlich mit seiner Vorführung zu beginnen. Ein umstehender Polizeidiener rempelte Berblinger schließlich an und das Verhängnis nahm seinen Lauf.

Aus diesem Überraschungsmoment heraus konnte er die erforderliche Anfangsgeschwindigkeit für den Gleitflug nicht erreichen und die Tragflächen seines Fluggerätes nicht in einem günstigen Anstellwinkel ausrichten. Die Fallwinde und der Start mit Rückenwind bescherten dem Traum vom Fliegen ein jähes Ende. Bereitstehende Fischer retteten ihn nach dem Absturz unter dem Gejohle der vielen Zuschauer aus den Fluten der Donau.

Der Absturz mit seinem Flugapparat war auch mit einem sozialen Absturz verbunden. Man bezeichnete ihn nun als Lügner und Betrüger, was zur Folge hatte, dass auch die Kunden seiner Schneiderwerkstatt ausblieben. Mit 58 Jahren starb er im Hospital völlig verarmt und mittellos an Auszehrung. Berblingers Flugapparat war aus ‚indischem Rohr‘, vermutlich Bambus, fiel unter die Kontinentalsperre und wurde zusammen mit anderen englischen Waren wenig später unter amtlicher Aufsicht auf einem großen Scheiterhaufen verbrannt.“ Einen Nachbau seines Flugapparats kann man heute im Treppenhaus der Ulmer Rathauses bewundern.

Ballonfahrerinnen im Aufwind

Soweit die Vorgeschichte. Seitdem wurde über den gescheiterten ‘Schneider von Ulm’ gelacht, dessen Schicksal immer wieder für ähnliche Fälle herbeigezogen wurde. Dass es da allerdings jemanden gab, der nur kurze Zeit nach Berblinger erfolgreich über die Donau flog, ist in und um Ulm hingegen so gut wie unbekannt. Warum eigentlich? Weil “stilles Siegen” weniger spektakulär ist als krachendes Scheitern? Weil dieser Mensch erfolgreich war oder weil sich alles nicht unmittelbar in der Stadt ereignete? Weil dieser Mensch eine Frau war und Frauen in dieser Richtung verhältnismäßig wenig zugetraut wurde? Und nach dem Scheitern eines Mannes schon gleich gar nicht? Wer also war Madame Bittorf?

Tod von Madame Blanchard © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Tod von Madame Blanchard © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Der bislang bekannten Geschichte der Ballonfahrerinnen nach war die erste Ballon fahrende Frau die Französin Elisabeth Thible (Lebensdaten unbek.), die 1784 in Lyon zum ersten Mal aufstieg. Eine weitere sehr bekannte Ballonfahrerin war die Französin Sophie Blanchard (1778–1819), die zusammen mit ihrem Mann auftrat. Nachdem dieser 1809 mit einem Ballon tödlich verunglückt war, musste sie ihren Lebensunterhalt alleine verdienen und wurde dadurch zur ersten professionellen Ballonfahrerin, die von Napoleon Bonaparte (1769–1821) zur ‘kaiserlichen Aeronautin’ befördert wurde. Bei einer Flugschau wollte sie ein Feuerwerk in ihrem Ballon zünden, doch eine Rakete hatte eine Fehlzündung, die den Ballon in der Luft in Brand setzte. Sophie Blanchard stürzte vor den Augen des entsetzten Publikums tödlich ab.

Viel Unbekanntes

Leider ist derzeit noch nicht viel über Madame Bittorf bekannt, nicht einmal ihre Lebensdaten. Sie stammte aus Nürnberg und war nach Wilhelmine Reichardt (1788–1848) die zweite bekannte deutsche Ballonfahrerin. Ihre zweite bekannte Luftfahrt fand in Augsburg während einer Tournee durch die Lande statt. Bereits seit Februar 1811 in der Stadt, wo auch die Fluggeräte der Bittorfs ausgestellt waren[2], startete sie nach mehreren zuvor gescheiterten Versuchen durch ungünstiges Wetter[3] am 5. Juli 1811[4] vor dem Roten Tor und landete erfolgreich und unbeschadet zwischen Neusäß und Täfertingen und wurde von einem trompetenden Postillon und unter Vivat-Geschrei nach Augsburg zurück geführt, wo sie vom Fürstbischof von Augsburg – Clemens Wenzeslaus (1739–1812) – und seiner Schwester Maria Kunigunde von Sachsen (1740–1826) ansehnlich beschenkt wurde. Man achte auf dieses Datum, denn dieses Ereignis fand nur einen Monat nach Berblingers Scheitern statt. Interessant ist, dass in der Augsburgischen Ordinari Postzeitung von beiden Ereignissen in einer Ausgabe gleichzeitig berichtet wird. Möglich ist daher, dass auch Frau Bittorf durch Berichte in Augsburger und/oder Nürnberger Zeitungen von Berblingers Flugversuch gehört hat, was sie gegebenenfalls angespornt haben könnte, zu beweisen, dass ein Überfliegen der Donau doch möglich sein kann.

Auf Reisen
Madame Bittorf steigt in Augsburg auf © Bib. nat. de France, G145789 (gemeinfrei)
Madame Bittorf steigt in Augsburg auf © Bib. nat. de France, G145789 (gemeinfrei)

Nach diesem großen Erfolg reiste sie zusammen mit ihrem Mann und all ihren Gerätschaften weiter nach Ulm. Einen Ballon herzustellen, zu füllen und aufzurichten war ein sehr schwieriges Unterfangen, da in dieser Zeit nicht nur mit heißer Luft gearbeitet wurde, sondern mit „brennbarer Luft“, also mit Gas. Und zwar mit Wasserstoff. Hochbrennbarem Wasserstoff, wenn dieses Gas mit Sauerstoff zusammenkommt. Oft waren auch die Materialien, mit denen der Stoff des Ballons abgedichtet wurde, brennbar. Was in einem Ballon in der Luft und bei der Verarbeitung am Boden nicht ungefährlich ist. Zahlreiche Unglücksmeldungen in historischen Tageszeitungen zeugen davon. Um Wasserstoff herstellen zu können, wurden Eisenspäne mit verdünnter Schwefelsäure zum Reagieren gebracht, was die Brüder Montgolfier in Holzfässern umsetzten.[5] Der Abbildung nach schien Madame Bittorf einen Heißluftballon gehabt zu haben. Ob das kleine ‚Nest‘ zwischen Behältnis und Ballon ausgereicht hat, um die Hülle zu füllen, den Ballon aufzurichten und oben zu halten? Wie genau sind solche Abbildungen? Was kann man aus ihnen alles herauslesen? Jedenfalls startete sie einen Ballon aus Papier – angetrieben durch mitgeführtes Brennholz – am 12. Oktober 1811 von der Ulmer Friedrichsau aus und landete auf der anderen Seite der Donau, begleitet von Musik und dem begeisterten Applaus einer Menschenmenge am gegenüberliegenden Donauufer.[6] Einen Original-Ballon aus dem späten 18. Jahrhundert aus Segeltuch – den Intrépide (Der Furchtlose/Unverzagte) – findet man im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien sowie den Ad Astra (Zu den Sternen) im Städtischen Museum Braunschweig. Auch das Ballonmuseum Gersthofen ist zu all diesen Themen sehr empfehlenswert.

Was möglich wäre

Im Jahr 2011 plante Augsburg eine Performance anlässlich des 200. Jahrestages der Ballonfahrt einer Frau mit dem Titel Madame Bittorf hebt ab… (Regie/Inszenierung: Stefan Schön)[7], die wetterbedingt auf 2012 verschoben wurde, aber offenbar leider nie zustande kam. Diese wohl ausgearbeitete Performance könnte man für Ulm reaktivieren. Gerade das diesjährige Berblinger-Jubiläum wäre ein hervorragender Anlass, auch Madame Bittorf mit ihrer herausragenden Leistung in die Ulmer Stadtfeierlichkeiten einzubeziehen und auch ihr Wirken entsprechend zu würdigen. Diese Geschichte und die Leistung dieser bemerkenswerten Frau fehlen bislang auch im Wikipedia-Artikel zur Ulmer Stadtgeschichte. Ulm fehlt generell ein ulmwiki, also ein Webprojekt à la Wikipedia, das als virtuelles Handbuch und lebendiges Online-Lexikon zum Thema Ulm und Ulmerïnnen dient. Eine weitere Idee wäre, ihren Flug so originalgetreu wie möglich nachzustellen oder sie als neue historische Figur künftig beim bekannten Ulmer Fischerstechen einzusetzen, vielleicht auch zusammen mit der heute kaum noch bekannten Ulmer Komponistin Barbara Kluntz (1661–1730). In Ulm geht noch einiges.

Literaturtipps
Heinz Straub: Fliegen mit Feuer und Gas. Aarau 1984.
Wolf-Dieter Hepach/Wolfgang Adler: Flugpioniere in Ulm 1811–1911. Ulm 2010.

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[1] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_Ludwig_Berblinger (Stand: 23.01.2020).

[2] Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nro. 40. Freytag, den 15. Febr. Anno 1811, S. 4: „Augsburg. […] Unterzeichneter macht hiedurch bekannt, daß seine große ärostatische Maschine Sonntag den 17. Febr. und die ganze Woche hindurch in der ehemaligen Jesuitenkirche noch zu sehen ist, wozu er alle Liebhaber dieser Kunst höflichst einladet, indem der majestätische Anblick schon großen Beyfall gefunden, besonders jetzt, weil er nun ganz vollständig da steht. Es empfiehlt sich ergebenst Bittorf, Mechanikus.“ Möglich wäre, dass die Bittorfs ihre Fluggeräte auch entsprechend in Ulm zur Schau stellten.

[3] Div. Meldungen in der Augsburgischen Ordinari Postzeitung.

[4] Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nro. 135. Donnerstag, den 6. Juni. Anno 1811, S. 3f.

[5] Vgl. http://www.chemieunterricht.de/dc2/schwefel/s-ballon.htm (Stand: 23.01.2020)

[6] Vgl. https://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Fluggeschichte-wurde-in-Ulm-geschrieben-id15065191.html (Stand: 23.01.2020)

[7] Vgl. https://www.daz-augsburg.de/madame-bittorf-hebt-erst-2012-ab/ (Stand: 23.01.2020)

Nannette Streicher – die Frau, die zweimal feiern könnte, aber…

Nannette Streicher. Tuschezeichnung von Ludwig Krones 1836 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Nannette Streicher. Tuschezeichnung von Ludwig Krones 1836 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

This blogtext is now available in English! Thanks to Gabriella Di Laccio and DONNE | Women in Music for the kind support!

… offenbar von niemandem gefeiert wird. Weder in ihrer Heimatstadt Augsburg noch in Wien und anderen Klassikkreisen wird Nannette Streichers diesjähriger 250. Geburtstag (2. Januar 1769) gefeiert oder wertgeschätzt, obwohl die Musikkulturwelt ohne sie und ihr Instrumentenbaugenie wesentlich ärmer geblieben wäre. Sie ist eine der sog. „vergessenen“ Frauen bzw. deren Leistungen nach ihrem Tod bagatellisiert und/oder wie beiläufig abgetan und dadurch lange von der Musikgeschichtsschreibung übergangen wurde.

Das heute eher beschaulich wirkende Augsburg war zu Nannettes Lebzeiten ein geradezu begehrter Schmelztiegel der Kulturgeschichte. Besonders die Goldene Traube in der heutigen Maximilianstraße (damals Weinmarkt) mit mehreren Konzert- und Veranstaltungssälen war Hauptumschlagsplatz bürgerlicher Musikkultur neben dem privaten Fuggerischen Konzertsaal, der ums Eck am Zeugplatz lag, und den Sälen der Zunfthäuser, in denen Veranstaltungen der bürgerlichen Collegia musica stattfanden. Daneben war Augsburg hochbedeutendes Zentrum des Presse- und Verlagswesens, auch durch die Musikverlagshäuser von Johann Jakob Lotter, Anton Böhm & Sohn und später Andreas Gitter[1].

Nannettes Wurzeln
Ehem. Wohn- und Geschäftshaus der Fam. Stein, Augsburg, Ulrichsplatz 10 © Tilman2007, CC BY-SA 3.0, Wikimedia.Commons
Ehem. Wohn- und Geschäftshaus der Fam. Stein, Augsburg, Ulrichsplatz 10 © Tilman2007, CC BY-SA 3.0, Wikimedia.Commons

Nannette Streichers Vater Johann Andreas Stein (1728–1792) wirkte als einer der bedeutendsten Klavierbauer Europas am oberen Ende der Maximilianstraße, am heutigen Ulrichsplatz Nr. 10. Dort stand sein Wohnhaus (obere Etagen), das im Erdgeschoss eine Werkstatt für Klavierbau enthielt. Stein entwickelte die sog. Prellzungenmechanik bedeutend weiter, mit dem forte (laut) und piano (leise) gespielt werden konnte – daher der Name Fortepiano oder Pianoforte für diese Art Tasteninstrument. „Nannette Streicher – die Frau, die zweimal feiern könnte, aber…“ weiterlesen

Menagerien – Reisende Sensation und Grausamkeit. Funde in historischen Augsburger Zeitungen

Um 1850 existierten einige wenige fest eingerichtete Zoos und Tierparks wie z. B. der 1752 in Wien gegründete Tierpark in Schönbrunn, seit 1844 der Zoologische Garten Berlin oder der 1828 gegründete Londoner Zoo. Renner in dieser Zeit waren Menagerien, die von Stadt zu Stadt zogen und mit ihrem Angebot an exotischen Tieren (oder denen, die man dazu erklärte) und auch Menschen, die als „Sensation“ galten wie Schwarze und „behinderte“ Menschen, für großen Publikumsandrang sorgten. Was als „Völkerschauen“ deklariert war, war in Wirklichkeit ein grässliches Zurschaustellen kolonialer Menschenraube. Oft waren solche Zoos und Menagerien allerdings auch die einzige Möglichkeit für solche Menschen, überhaupt etwas Geld zu verdienen.[1]

Drinnen und draußen – Menagerien überall

Solche Menagerien machten auch in Augsburg Station – Nachrichten aus historischen Tageszeitungen zeugen davon. Schauplätze waren z. B. „Menagerien – Reisende Sensation und Grausamkeit. Funde in historischen Augsburger Zeitungen“ weiterlesen

Welttag Theater – Frauen machen Geschichte

In Augsburg wirkten im 18. Jahrhundert am Theater einige Frauen an der Geschichte mit, die es so leider bis heute noch nicht niedergeschrieben gibt. Mein Job wohl…

In dieser ehem. Reichsstadt wirkten v. a. reisende Theatergesellschaften – feste Theatergruppen gab es oft nur an den Höfen. Augsburg hatte schon recht lange ein Stadttheater, das an Stelle des alten Minnesängers-Stadels errichtet wurde und die beide neben der Kirche St. Jakob standen in der Vorstadt. Die Minnesänger waren in Augsburg einst wesentlich bedeutender als die in Nürnberg, die durch Richard Wagner popularisiert wurden.

Altes Theater Augsburg

Das alte Theater war historischen Beschreibungen nach, die ich in historischen Augsburger Tageszeitungen zwischen 1746 und 1849 gefunden habe, klamm, zugig und kalt. Niemand ging dort gern ins Theater. Allerdings hat Wolfgang Amadé Mozart dort zum ersten Mal auch Emanuel Schikaneder in einer Aufführung erlebt – zukunftsweisend für deren beide Zusammenarbeit. Schikaneder heiratete im Augsburger Dom Eleonore geborene Maria Magdalena Arth (1751/52–1821), die ihrerseits Schauspielerin und Sängerin war und dann auch zur Theaterdirektorin wurde – mit ihrem Mann verstand sie sich nicht wirklich; er zog dann mit einem Teil der Truppe weiter, und Eleonore blieb in Augsburg. „Welttag Theater – Frauen machen Geschichte“ weiterlesen

Erna Woll (1917–2005) | Vortrag

Erna Woll © Susanne Wosnitzka
Erna Woll © Susanne Wosnitzka

Erna Woll (19172005): Als fast vergessene Komponistin des Augsburger Kyrie und vielfältiger geistlicher Werke war Erna Woll, die an der Pädagogischen Hochschule Augsburg wirkte Wegbereiterin und Miterfinderin der elektronischen Musikvermittlung. Ihre Freundin Mathilde Hoechstetter, mit der sie zusammenlebte, setzte sich für das dichterische Werk Gertrud von Le Forts ein, das Erna Woll vielfältig in Musik setzte. Ihr Mitwirken und Komponieren an und zu den Donaueschinger Musiktagen und den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt trug wesentlich dazu bei, dass sich ein neuer Kirchenmusikstil nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem in den 1960er Jahren etablieren konnte.

Literaturtipp:
Wilhelm Keller u. a. (Hg.): Erna Woll. Schneider, Tutzing 1987, ISBN 3-7952-0509-3.

Hörbeispiel:
Erna Woll Wohin ich immer reise, Kammerchor der Universität Augsburg

Kosten:
VB (einzelne Vorträge ca. 90 Minuten; Anreise/Übernachtung exklusive)

Ideal für Kulturzentren, Firmenfeierlichkeiten, private Feste wie Geburtstage etc. – beschenken Sie einen Freund/eine Freundin oder Ihre Kundinnen und Kunden mit einem Vortrag aus meinem Repertoire | Hausvorführungen möglich – Beamer und weitere technische Gerätschaften vorhanden

Augsburger Persönlichkeiten | Vortrag

Nannette Streicher geb. Stein (17691833, Klavierbauerin, Pianistin, Sängerin und Komponistin), Anna von Schaden (17631834, Pianistin, Komponistin), Susanna Jacobina Jungert (17411799, Sopranistin), Hortense de Beauharnais (u. a. Königin von Holland, auch Komponistin, 17831837), Eleonore Schikaneder (17511821) und Madame Voltolini (~1790) – innovative Schauspieldirektorinnen mit Open-Air-Theater. Ohne Nannette Streichers Flügel hätte Ludwig an Beethoven seine besten Werke für Klavier wohl nie geschrieben, wie er selbst einmal sagte. Mit ihrem Bruder Matthäus Andreas Stein und ihrem Mann Johann Andreas Streicher, der bester Freund Friedrich Schillers war, führte sie in Wien die Ideen und Geschäfte ihres für den Pianoforte-Bau bedeutenden Vaters Johann Andreas Stein fort, hatte in Wien einen eigenen Musiksalon, in dem sie u.a. auch Carl Maria von Weber förderte. Anna von Schaden war Berufsmusikerin am Hof von Oettingen-Wallerstein und eng mit Nannette Streicher befreundet. Susanna Jacobina Jungert war Künstlerische Leiterin der Augsburger “musicübenden und -liebenden Gesellschaft” und war verantwortlich für die Augsburger Erstaufführungen einiger berühmten Werke. Weitere Frauenbiografien zeigen einen dichten Teppich an Vernetzung und Musikleben in dieser bedeutenden Reichsstadt.

Kosten:
VB (einzelne Vorträge ca. 90 Minuten; Anreise/Übernachtung exklusive)

Ideal für Kulturzentren, Firmenfeierlichkeiten, private Feste wie Geburtstage etc. – beschenken Sie einen Freund/eine Freundin oder Ihre Kundinnen und Kunden mit einem Vortrag aus meinem Repertoire | Hausvorführungen möglich – Beamer und weitere technische Gerätschaften vorhanden

“Komponistinnen” | Film mit Talk in Augsburg

Komponistinnen – Dokumentarfilm über Fanny Hensel, Mel Bonis, Emilie Mayer und Lili Boulanger

Montag, 11. März 2019 Augsburger Premiere um 18:30 Uhr im Liliom-Kino in Anwesenheit der Filmemacher*in Kyra Steckeweh und Tim van Beveren im Anschluss: Filmgespräch mit u. a. Susanne Wosnitzka

Ausgezeichnet als “Bester Dokufilm von oder über eine Frau” (Alive International Documentary Film Festival Los Angeles 2018) und als “best featured documentary” (10th World Music and Independent Film Festival Washington D.C.)!

“Eine überfällige Doku mit Musik, die packt und dazu exzellent erzählte Geschichte(n) – großes Kompliment” (Premieren-Besucher)

Weitere Infos dazu auf der Komponistinnen-Homepage oder – mit Making-of-Hintergründen auf meiner Webseite hier.

“Komponistinnen” | Film mit Talk in Augsburg

Komponistinnen – Dokumentarfilm über Fanny Hensel, Mel Bonis, Emilie Mayer und Lili Boulanger

Montag, 11. März 2019 Augsburger Premiere um 18:30 Uhr im Liliom-Kino in Anwesenheit der Filmemacher*in Kyra Steckeweh und Tim van Beveren im Anschluss: Filmgespräch mit u. a. Susanne Wosnitzka

Ausgezeichnet als “Bester Dokufilm von oder über eine Frau” (Alive International Documentary Film Festival Los Angeles 2018) und als “best featured documentary” (10th World Music and Independent Film Festival Washington D.C.)!

“Eine überfällige Doku mit Musik, die packt und dazu exzellent erzählte Geschichte(n) – großes Kompliment” (Premieren-Besucher)

Weitere Infos dazu auf der Homepage von Komponistinnen oder mit etwas mehr Infos zum Making-Of auf meiner Seite hier.