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Vergessene Kulturschätze

Veröffentlicht am 22.03.2017

Ekaterina Nikolaevna Khilkova (1827- ca. 1876), Frauenmalschule in St. Petersburg um 1855. © https://de.pinterest.com/ustava51/всё-русское-живопись-люди-архитектура/Ekaterina Nikolaevna Khilkova (1827- ca. 1876), Frauenmalschule in St. Petersburg um 1855. © https://de.pinterest.com/ustava51/всё-русское-живопись-люди-архитектура/Ein Bild, das mich heute besonders berührt hat: Es zeigt eine Malschule für Frauen in St. Petersburg, gemalt von Ekaterina Nikolaevna Khilkova (1827-ca. 1876) um 1855, mit Dank an Female Artists in History.

Ich liebe ja dieses helle Smaragdgrün, diese alte Bonbonfarbe, und Lichtspiel in Bildern. Man beachte auch den Hintergrund mit den Beispielen an klassischen griechischen Säulentypen, und ganz hinten im anderen Raum eine Kopie der berühmten Laokoon-Gruppe (noch mit dem alten Arm). Hochgebildete Frauen in diesem Raum, die sich mit diesen Kulturen auseinandersetzen und darüber im Gespräch sind.

Warum St. Petersburg? Zum einen regierte noch vor der Zeit dieses Bildes Zarin Katharina II. (die Große, 1729-1796), die für ihren Kunstsinn berühmt war. Sie hatte aber auch eine sehr enge Freundin (Geliebte?), über die heute kaum noch jemand weiß und die man auch nur noch in historischen Nachschlagewerken ein wenig finden kann. Über eine Meldung in

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Sehen im Nicht-Sehen

Veröffentlicht am 04.04.2016

Maria Theresia Paradis gezeichnet von Faustine Parmantié 1784 © allgemeinfrei (wiki commons)Maria Theresia Paradis gezeichnet von Faustine Parmantié 1784 © allgemeinfrei (wiki commons)Inspiriert durch den Versuch einer Facebook-Followerin, einer blinden jungen Frau zu erklären, wie Sterne aussehen oder wie sie sich anfühlen können, habe ich mich an eine Begebenheit der blinden Komponistin Maria Theresia Paradis erinnert, die durch magnetische Behandlung plötzlich die Sterne sehen konnte, aber den Klang ihrer Musik verlor.

Ich erzähle eine Geschichte von ihr: Es war einst ein kleines Kind, das ein ganz furchtbares Erlebnis gehabt haben musste, denn es wurde über Nacht blind. Man erzählte, es sei ein Feuer gewesen, das sie erschreckt habe, aber vermutlich war es Missbrauch: ihre Augen verdrehten sich nach innen, sodass es absolut dunkel um sie wurde. Bald darauf stellte man fest, dass sie eine wunderbare Begabung für die Musik hatte und fantastische Melodien auf dem Klavier spielen konnte. Sie erhielt regelmäßig Unterricht und wurde zu einer Sensation, die auch eine Art Rente vom Kaiserhaus bekam. Manchmal spielte sie auch Orgel in einer der Wiener Innenstadtkirchen.

Und sie schrieb gern: eigene musikalische Werke und Briefe an Menschen, die sie über Gespräche und sonstigen Austausch in privaten Treffen kennengelernt hatte. Darunter war auch Joseph Haydn, der sie als erste Interpretin seiner "Schöpfung" auf dem Klavier einsetzte, weil er fand, dass sie als einzige in der Lage war, seine Musik so zu spielen, wie sie in ihm selbst klang.
Weil sie immer die Tinte beim Schreiben mit ihrer Hand auf dem Papier verschmierte, musste eine andere Lösung her: ihr späterer Lebensgefährte baute zusammen mit einem Mechanikus einen Setzkasten, der ähnlich wie eine kleine Druckerei funktionierte: aus einzelnen beweglichen Lettern konnte sie so ihre Briefe und sogar ihre Noten selbst drucken. Mit ihren Fingern konnte sie jeden einzelnen Buchstaben fühlen und richtig einsetzen.

1783 war es soweit: Maria Theresia war so weit ausgebildet, dass

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Entdeckungen im Kleinen Lautertal

Veröffentlicht am 30.03.2016

Lautertal-Collage © Susanne WosnitzkaLautertal-Collage © Susanne WosnitzkaAm Ostersonntag machte ich mit meiner Mama einen Ausflug ins kleine Lautertal. In diesem versteckten Tal gleich hinter Herrlingen bei Ulm, durch das einst die Urdonau floss und die Kalkfelslandschaft prägte, machten wir früher schon oft Ausflüge oder picknickten in den Wiesen am Bächle der Lauter. Ganz hinten im Tal, in Lautern, findet sich ein kleines uraltes Kirchlein und daneben ein hübsches Fachwerkhäuschen. Wir hatten uns damals schon immer gefragt, wer wohl das Glück hatte, dort in dieser Idylle und in dieser Ruhe zu leben.

Geht man noch ein Stück weiter nach ganz hinten ins Tal, kommt man zum Gasthaus Zum Lamm, das von einem Frauenpaar betrieben wird. Diese hatten das lange Zeit leerstehende Gasthaus aufgekauft und führen es bioökologisch weiter, unter der Bedingung der Vorbesitzer, nichts modern zu verändern. Dank dieser Auflage findet sich dort heute ein Juwel aus alter Zeit.

Hinter dem Gasthof befindet sich der "rauschende Bach", den wir als Kinder so genannt hatten, weil es dort eine Schleuse gibt, durch die das Wasser immer nur so durchgerauscht ist, wenn sie aufgedreht war. Das Wasser stammt aus einer Quelle im Felsen, die eigentlich keine Grundwasserquelle ist, sondern ein Seitenarm eines gigantischen unterirdischen Höhlensystems, das auch den Blautopf in Blaubeuren nährt.

Nach einem wunderbaren Essen – angeschmelzte Maultäschle mit Kartoffelsalat – trafen wir per Zufall eine alte Dame, die ebenfalls dort essen war und die als lokale Persönlichkeit bekannt ist: Linde Otto.

Linde Otto hat über Lautern und ihre Kindheit und vor allem das Überleben in den 1930er und 1940er Jahren ein Büchlein geschrieben. Ihre Mutter war

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Revolutionen und ihre (tatsächlichen?) Opfer

Veröffentlicht am 14.09.2015

REVOLUTIONEN UND IHRE (TATSÄCHLICHEN?) OPFERFrançois-René, Vicomte de Chateaubriand (1768-1748), Zeitzeuge der Frz. Revolution. Gemälde von Anne-Louis Girodet-Trioson. © allgemeinfrei (wiki commons)François-René, Vicomte de Chateaubriand (1768-1748), Zeitzeuge der Frz. Revolution. Gemälde von Anne-Louis Girodet-Trioson. © allgemeinfrei (wiki commons)

Am 5. September 1793 wurde in Frankreich und v.a. in Paris die Einführung von Terror- und Gewaltmaßnahmen zur Unterdrückung von kontrarevolutionären Aktivitäten beschlossen. Die Unterdrücker hatten somit freies Spiel und konnten ihrer Gewalt freien Lauf lassen. Die Forschung spricht von mind. ca. 16.500 vollstreckten Todesurteilen, die Zahl der in den Gefängnissen gestorbenen Menschen oder derer, die ohne Prozess getötet wurde, belaufe sich auf ca. 40.000. Aus der schnellen Wiki-Recherche geht nicht hervor, wie viele Frauen und wie viele Männer getötet wurden, da in der Wikipedia (1) ausschließlich das gen. Maskulinum verwendet wird. Es wäre auch interessant, ob in der angegebenen Literatur speziell auf Frauen und Männer eingegangen bzw. auf die Geschlechterverhältnisse eingegangen worden ist.

Heute habe ich in einer historischen Zeitung etwas entdeckt, das – sollten die Daten glaubhaft sein – sehr dazu beitragen kann, wie viele Frauen, Männer und auch Kinder tatsächlich ermordet worden waren. François-René Vicomte de Chateaubriand (1768-1848) war Zeitzeuge dieser Verbrechen, der die Politik genau beobachtete. Seine dadurch erlebte Traumatisierung (u.a. Verlust von Familienmitgliedern durch Ermordung) verarbeitete er in seinem Essai historique, politique et moral sur les révolutions anciennes et modernes (gedruckt 1797). Ich habe seinen Aufsatz selbst noch nicht gelesen, aber möglicherweise stammen die folgenden Zahlen, die einen entsetzt lesen lassen, aus genau dieser seiner Abhandlung:

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Schuld war wie immer die Frau?

Veröffentlicht am 11.09.2015

SCHULD WAR WIE IMMER DIE FRAU?Germaine de Staël als griechische Muse, gemalt von Elisabeth Vigée-Lebrun 1808. © allgemeinfrei (wiki commons)Germaine de Staël als griechische Muse, gemalt von Elisabeth Vigée-Lebrun 1808. © allgemeinfrei (wiki commons)

In den Jahren nach 1800 drängte Napoleon seine Armeen durch Europa. Seine Taten und Untaten sind bekannt und auch, wie er mit Frauen umging. Eine der "aufmüpfigsten" Frauen dieser Zeit war Madame Germaine de Staël (1766-1817), die man heute als Literatursoziologin bezeichnen würde. Deren Vater war Jacques Necker, Finanzberater von König Ludwig XVI., der aus dem Amt verwiesen wurde. Wie es mit Ludwig ausging, ist ebenfalls bekannt. Durch dieses hohe Amt und diese für das französische Volk unglaublich hohe Verantwortung, geriet auch Neckers Tochter aufs Tapet der Öffentlichkeit.

Sie verfasste kritische Schriften zur damaligen Zeit und v.a. zu Männern (z.B. Briefe über den Charakter und die Schriften von Jean-Jacques Rousseau 1786/87). In ihrem Salon trafen sich zu Revolutionszeiten die gemäßigten Revoluzzer. Als die Revolution zunehmend radikaler wurde, war es ihre Idee, die königliche Familie 1792 zur Flucht zu bewegen (was scheiterte und als Hoch- und Landesverrat angesehen wurde). Sie musste dann selbst fliehen und kam auf einem kleinen Schloss unter, in dem sie andere berühmte Menschen, die vor der Revolution geflüchtet waren (z.B. Lord Byron und Chateaubriand), unterbrachte. Ihr Buch Über Deutschland – eines der Bestseller ihrer Zeit – war maßgeblich dafür verantwortlich, dass in Frankreich die Weimarer Klassik mit ihrer Literatur, Kunst und Philosophie erst bekannt wurde.

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Würdiges Grabmal für Sophie Menter

Veröffentlicht am 23.07.2015

Sophie Menter in ihrer St. Petersburger Zeit, Gemälde von Ilja Repin (1887). © allgemeinfrei (wiki commons)Sophie Menter in ihrer St. Petersburger Zeit, Gemälde von Ilja Repin (1887). © allgemeinfrei (wiki commons)Ein würdiges Grabmal für Sophie Menter – eine Aktion von mfm zu ihrem 170. Geburtstag 2016

Die Stadt München verfügt über eine einzigartige Oase am Rand des Glockenbachviertels: den Alten Südfriedhof. Dort liegen berühmte (z. B. Carl Spitzweg) als auch weniger berühmte Personen und Persönlichkeiten der Isarstadt. Mit seiner herausragenden architektonischen Anlage als auch der „verwunschenen“ Gräberanlage reiht er sich ein in die „romantischen“ Friedhöfe dieser Welt wie Père Lachaise (Paris) oder St. Marx (Wien).

mfm

Mit musica femina münchen e.V. (mfm) existiert ein preisgekrönter Verein (Anita-Augspurg-Preis der Stadt München, Bundesverdienstkreuz), der sich um die Belange historischer Komponistinnen sorgt als auch in München aktiv schaffende Komponistinnen fördert (z. B. Auftragswerke mit dem Münchner Kammerorchester, eigene Konzertreihen). mfm sorgt auch dafür, dass Münchner Komponistinnen z. B. in der Wikipedia präsenter sind. In diesem Zusammenhang wurde mfm auf die Pianistin, Musikpädagogin und Komponistin Sophie Menter (1846-1918) aufmerksam, deren Grabstätte sich auf dem Alten Südfriedhof befindet. Befand sich ihr Grab mit seiner Holzstele im Herbst 2014 noch in einem halbwegs passablen Zustand, so ist ihr Grabplatz jetzt im Juli 2015 in einem höchst desolaten: die Holzstele ist aufgrund Fäulniserscheinungen nach hinten umgekippt, die Randumfassung ist gelockert, das Grab von Unkraut bzw. nicht gepflegten Gewächsen völlig überwuchert (siehe Bild unten). Sophie Menter hat etwas Schöneres verdient!

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Forschungseinblicke

Veröffentlicht am 23.07.2015

Viktoria Savs (1899-1979), diente im 1. WK unerkannt als "Victor Savs" in der öst. Armee und ging als "Heldenmädchen von den Drei Zinnen" in die Geschichte ein. © allgemeinfrei (wiki commons)Viktoria Savs (1899-1979), diente im 1. WK unerkannt als "Victor Savs" in der öst. Armee und ging als "Heldenmädchen von den Drei Zinnen" in die Geschichte ein. © allgemeinfrei (wiki commons)FORSCHUNGSEINBLICKE

In Magdeburg lebte einst eine junge Frau – Dorothea Pichelt (Dorothea Geiger) –, die unerkannt als "Theodor Pichelt" als Dragoner um 1813/14 in einem Regiment diente. Bis vor Kurzem nahm man noch an, dass sie um 1850 verstarb. Im Bild zu sehen Viktoria Savs, die hier als "Symbolbild" dienen soll, da auch sie unter männlichem Pseudonym in der Armee kämpfte.

"Als 15jähriges Mädchen sah sie [Dorothea Pichelt] am 1. Juni 1805 König Friedrich Wilhelm II. und seine Gemahlin Königin Luise beim Aufenthalt in den "Drei Linden". Diese Begegnung entflammte eine große Verehrung für das Paar. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 kamen zahlreiche preußische Soldaten beim Rückzug auch durch Nordhausen. Dorothea nahm lebhaften Anteil und soll bedauert haben, nicht auch als Soldat an den Kämpfen teilzunehmen. Der Tod der heißgeliebten Königin Luise steigerte ihre trübe Stimmung. Als Friedrich Wilhelm das Volk aufrief, gegen die Franzosen zu kämpfen, verließ sie unbemekt das Elternhaus und galt als verschwunden. Sie nahm einen größeren Geldbetrag mit und kaufte sich dafür ein Pferd, eine Uniform und Waffen. Daraufhin trat sie als Theodor Pichelt dem östlich der Elbe gebildeten Freikorps als Dragoner (26. Regiment) bei, mit dem sie später auch durch Nordhausen kam. Da sie gut reiten konnte und Mut und Furchtlosigkeit vor dem Feind zeigte, blieb sie als Frau unerkannt. Mit zwei anderen Soldaten rettete sie dem Schwadronsführer das Leben, wofür sie mit einer Denkmünze geehrt wurde. Nach dem Einzug der siegreichen preußischen Truppen in Magdeburg gestand sie dem Wachtmeister, dass sie eine Frau sei. Der Kommandeur rühmte Dorothea öffentlich für ihre Vaterlandsliebe und Verdienste."

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Collegium Musicum Memmingen 1655-1786

Veröffentlicht am 23.07.2015

Memmingen heute. © allgemeinfrei (wiki commons)Memmingen heute. © allgemeinfrei (wiki commons)COLLEGIUM MUSICUM MEMMINGEN 1655-1786

"Eine der bedeutendsten Quellen zu den Collegia musica im 18. Jahrhundert [musikalischer 'Club', meist der Patrizierschicht] hat sich im Stadtarchiv Memmingen erhalten. Die erhaltenen Bände dokumentieren diese musikalischen Zusammenkünfte in oft so anschaulicher und detaillierter Weise, dass wir uns ein sehr gutes Bild von der damaligen Bedeutung des Collegium, seiner Zusammensetzung, der aufgeführten Musik sowie deren zeitgenössischer Beurteilung machen können. In Vergleichen zu anderen Collegia musica besteht die Möglichkeit, diese Institution im Zusammenhang der bürgerlichen und höfischen sowie auch zur kirchlichen bzw. klösterlichen Musikkultur im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert zu betrachten." (Aus dem Vorwort zu Stadtarchiv Memmingen (Hg.): "Das Collegium musicum der Reichsstadt Memmingen. Edition der Protokolle 1775-1821. Übertragen von Nadine Sach, bearbeitet und eingeführt von Johannes Hoyer." Memmingen 2009.)

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Zum Sterben schön – tödliche Mode

Veröffentlicht am 23.07.2015

Dame mit Reifrock. Robert Delaunay (1749-1816, Kupferstecher), "Les adieux" nach Jean-Michel Moreau Le Jeune (1741-1814) © allgemeinfrei (wiki commons) Dame mit Reifrock. Robert Delaunay (1749-1816, Kupferstecher), "Les adieux" nach Jean-Michel Moreau Le Jeune (1741-1814) © allgemeinfrei (wiki commons) ZUM STERBEN SCHÖN – TÖDLICHE MODE

"Zum Sterben schön [...] Schätzungen gehen davon aus, dass allein in England in den ersten beiden Jahrzehnten der Mode 3000 Frauen starben, weil gewaltige Kleider in Brand geraten waren. Auch Unfälle, bei denen sich Frauen mit den Säumen ihrer Krinolinen in Antriebsrädern von Kutschen und Maschinen verfingen, gehörten bald zur Tagesordnung", so ein Artikel aus dem SPON.

Viele Frauen sind tatsächlich in diesen Kleidern gestorben, so z.B. auch Mathilde von Habsburg-Teschen (1849-1867). Grund des Feuerfangens war – was im Artikel allerdings nicht erwähnt wird – oftmals die Tränkung der Kleider mit dem leicht brennbaren Glyzerin/Glycerin, welches den Stoffen mehr Fülle verleihen sollte.

Mathilde wurde als heimliche Zigarettenraucherin erwischt und verbarg die Kippe hinter ihrem Kleid, das Feuer fing. Sie starb an ihren schwersten Verbrennungen erst zwei Wochen später unter größten Qualen. Eigentlich brachte sie das Patriarchat um, das Frauen das Rauchen verbot...vielfach schafften es Frauen auch wegen der Sperrigkeit ihrer Kleider nicht mehr rechtzeitig ins Freie. Auch undurchdachte Theaterausgänge wurden zur Todesfalle, wenn die Türen nicht nach außen, sondern nur nach innen aufgingen: Menschen, die in Panik flüchten wollten, stemmten sich gegen die Türen und brachten sie so nicht auf, wurden zu Tode getrampelt oder zerquetscht. Als besonders krass wurde in dieser Zeit der Wiener Ringtheaterbrand 1881 empfunden, der mindestens 386 Menschen das Leben gekostet hatte. Erst im Zuge dieser Katastrophe wurden umfassende strenge Brandschutzgesetze erlassen.

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Pictures from the past

Veröffentlicht am 22.07.2015

Emmeline Pankhurst bei ihrer Verhaftung während einer Suffragettendemo © allgemeinfrei (wiki commons)Emmeline Pankhurst bei ihrer Verhaftung während einer Suffragettendemo © allgemeinfrei (wiki commons)PICTURES FROM THE PAST

Ab und zu ergänze ich Wikipedia-Artikel. Immer wieder fallen mir Artikel auf, die eine Überarbeitung oder Ergänzungen brauchen, weil wichtige Daten, Fakten und Zusammenhänge fehlen oder unklar sind. Neulich ist mir wieder solch ein Artikel aufgefallen, der zum Thema das "Emmeline and Christabel Pankhurst memorial" in London hat. Was in diesem Artikel nicht erwähnt worden war: dass die Komponistin Ethel Smyth (1858-1944) während der Einweihung des Denkmals zu Ehren der berühmten Frauenrechtlerin (Christabel kam als Figur erst später dazu) am 6. März 1930 die örtliche Polizei-Band dirigierte und ihren "The March of the Women" und einen Choral aus ihrer Oper "The Wreckers" dazu dirigierte! Der Marsch war die Hymne der Frauenbewegung.

Ethel Smyth verfasste mit Zunahme ihrer Taubheit nicht mehr Musik, sondern autobiographische Texte, die einen absolut fantastischen Einblick in das Gesellschaftsleben ihrer Zeit bieten. Sie berichtete darin auch über Emmeline Pankhursts Verzweiflung im Holloway-Gefängnis: Als quasi Anführerin der Suffragettenbewegung war sie ständig im Fokus von Polizei und Ordnungsdiensten und wurde während Demonstrationen mehrmals verhaftet. Wie so viele ihrer Mitstreiterinnen ging sie in Hunger- und Durststreik, um mit noch größerem Eindruck das Frauenwahlrecht zu erwirken. Emmeline Pankhurst erzählte Ethel Smyth von ihren dunkelsten Nächten dort:

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Frauen als Ritter

Veröffentlicht am 22.07.2015
Cécile Chaminade © allgemeinfrei (wiki commons)Cécile Chaminade © allgemeinfrei (wiki commons)

FRAUEN ALS RITTER

...in Rüstung, mit Schwert, auf stolzem Ross & sich eine Prinzessin angelnd - haben sich nicht nur viele Männer gewünscht. Cécile Chaminade, französische Komponistin, war ein Ritter. Für ihre Verdienste um die französische Kultur und die Musik wurde sie 1913 zwar nicht als erste Frau, aber als erste Komponistin in die Ehrenlegion aufgenommen (Marie-Angélique Duchemin war die erste Frau überhaupt – oder Marie Schellinck. Darüber duelliert sich die Wissenschaft noch immer).

Diese Ehrenlegion war eine Idee von Napléon Bonaparte, der damit (zunächst) Männer auszeichnen wollte, die nicht (nur) auf dem Schlachtfeld dienten, sondern Frankreichs Stolz auch anders ausdrücken konnten, z.B. in der Kunst.

Cécile Chaminade war ein Superstar ihrer Zeit, der allerdings nach den Kriegen schnell vergessen worden war. Ich wusste, dass sie Mitglied der Ehrenlegion war, fast jeder Artikel zu ihr erzählt davon. Ich wusste aber auch, dass es in dieser Legion verschiedene Ränge gab...welchem gehörte sie also an? Nach ein wenig googlen à la Sou wurde ich fündig – sie war Chevalier, also Ritter! Warum konnte ich sie in div. Wiki-Artikeln zu den Rängen innerhalb der Ehrenlegion nicht finden? Weil sie nicht verschlagwortet war!

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Das Archiv Frau und Musik vorgestellt

Veröffentlicht am 22.05.2015

Blick in einen der Räume des Archivs © Susanne WosnitzkaBlick in einen der Räume des Archivs © Susanne WosnitzkaVon außen ein unscheinbarer, heller Backsteinbau entpuppen sich die „hoffmanns höfe“ als erstaunlich lebendig. In diesem Konglomerat aus Tagungsräumen, einem Hotel und Bürozimmern – einer gemeinnützigen Gesellschaft für Bildung und berufliche Integration – befindet sich das Archiv Frau und Musik, das weltweit älteste, größte und bedeutendste Archiv zu Musik von Frauen aus aller Welt.

Stille. Hin und wieder knarzendes Parkett. Das knitzerige Geräusch umblätternder Seiten. Sonnenstrahlen, die durchs Fenster fallen, in denen vereinzelt winzige Staubpartikel schillern, die langsam, langsam zu Boden driften. Ein gewisser Geruch in der Luft, der altem Papier zu eigen ist. Friedvolle Häuslichkeit. Räume, die Geschichte atmen. Eine ganz besondere, verkannte, unglaublich aufregende Geschichte. [...]

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"...ein prächtiges Ding..."

Veröffentlicht am 17.02.2014

Büste Annette von Droste-Hülshoffs am Eingang zur Meersburg © Susanne WosnitzkaBüste Annette von Droste-Hülshoffs am Eingang zur Meersburg © Susanne WosnitzkaFacebook-Blog, 18. September 2013

Auf der Meersburg

"Mein Thurm ist köstlich, d.h. meinem Geschmacke nach einsam, graulich, – heimliche Stiegen in den Mauern – Fensterscheiben mit Sprüchen von Gefangenen eingeschnitten – eine eiserne Thür die zu Gewölben führt wo es Nachts klirrt und rasselt – und nun drinnen mein lieber warmer Ofen, – mein guter, großer Tisch mit Allem darauf, was mein Herz verlangt, Bücher, Schreibereyen, Mineralien, – und als Hospitant mein klein Kanarienvögelchen, das mir aus der Hand frisst und die Federn verschleppt. O, es ist ein prächtiges Ding, der runde Thurm! ich sitze darin wie ein Vogel im Ey, und mit viel weniger Lust heraus zu kommen..."

So schrieb Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) nur wenige Jahre vor ihrem Tod 1844 auf der alten Meersburg am Bodensee. Dort hatte sie  dank der Heirat ihrer Schwester Jenny mit Joseph von Laßberg  ihr Nest gefunden und konnte sich selbst verwirklichen (fernab von ihrer fast allmächtigen, erdrückenden Mutter), indem sie nicht nur dichtete und ihr Umfeld teils kritisch-satirisch beäugte, sondern auch komponierte: hübsche Lieder für Singstimme und Klavier zum Hausgebrauch. Spielen und Singen konnte sie gut  zeitlebens wurde ihre Stimme mit

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Es war einmal...ein Mensch

Veröffentlicht am 03.12.2013

Totenmaske der Hildegard von Egisheim © genealogie-93-generationen.euTotenmaske der Hildegard von Egisheim © genealogie-93-generationen.euFacebook-Blog, 24. März 2013

Mittelalterliche Menschenantlitze – man kennt sie hauptsächlich etwas verschroben dreinblickend von Altären, als knitze Gesichter von Holzschnitten mit seltsam anmutenden runden Fischaugen oder als gestelzte holde Recken und Maiden aus Pergamenten von Ritterspielen. Deshalb sticht aus dieser Masse auch so sehr z.B. die "weiche" Gestalt der Uta von Naumburg (~1000 bis 1046) hervor, die im Naumburger Dom (unbedingt eine Reise wert!) zu bestaunen ist. So faszinierend wie die Büste der Nofretete in Berlin oder das Gesicht Romy Schneiders. Aber was genau ist das Faszinierende daran? Die perfekten, zeitlosen Proportionen, die – wie mathematisch genau berechnet – einen bewusst-unterbewussten Sinn für Ästhetik anspringen lassen?

Jedenfalls kann ich meinen Blick davon nur schwer abwenden, und diese Gesichter und die gewonnenen Eindrücke daraus halten noch lange nach.

Grade bei sehr alten Bildnissen fragt man sich: sahen die wirklich so aus? oder: sind das nur Idealbildnisse, um Herrscher/innen-Persönlichkeiten zu huldigen und um – als Gestalter/in – nicht in Ungnade zu fallen, wenn man Anzeichen von Gebrechen mit abbildet? Einige Portraits sind erhalten geblieben, die

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Die sieben freien Künste

Veröffentlicht am 02.12.2013

Darstellung der septem artes liberales aus dem "Hortus deliciarum" des Herrad von Landsberg, um 1180 © allgemeinfrei (wiki commons)Darstellung der septem artes liberales aus dem "Hortus deliciarum" des Herrad von Landsberg, um 1180 © allgemeinfrei (wiki commons)Facebook-Blog, 29. Juni 2013

Die sieben freien Künste (lat. septem artes liberales) waren sieben aufeinander bezogene Studienrichtungen, die zu einer umsichtigen Bildung des Menschen beitragen sollten: Grammatik, Rhetorik, Dialektik (Trivium) und Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie (Quadrivium). Diese Bildung war "frei". Eine unfreie Bildung als Gegensatz dazu gab es nicht, wohl aber die Unfreiheit. Denn als "frei" galt damals, wer nicht arbeiten musste, aber dennoch Lebensunterhalt hatte. Die Menschen in Fronarbeit hatten demzufolge kaum eine Chance auf Bildung. Insofern gibt es auch heute noch "freie" und "unfreie" Studierende: die, die z.B. Bafög/Stipendien/ein reiches Elternhaus haben und die, die für ihr Studium arbeiten gehen müssen und in derselben Zeit ein Studium durchziehen müssen.

Wie auch immer: Diese Siebener-Ausrichtung kam wohl erst in der Spätantike beisammen – vor allem bei den Griechen war schon in früherer Zeit auch die körperliche Ertüchtigung durch Sport wichtig, der zu einer guten Ausbildung mit dazu gehörte.

Dazu gingen die männlichen Griechen ins Gymnasion – und das nackt! Wo man heute einen Skandal wittern würde,

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Kein "Happy birthday" mehr?

Veröffentlicht am 02.12.2013

Facebook-Blog, 15. Juni 2013

Den neuesten Nachrichten nach könnte das öffentliche Aufführen, Singen oder Spielen des weltweit bekanntesten Geburtstagsliedes “Happy birthday to you" weiterhin mit hohen Lizenzgebühren verbunden sein: das amerikanische Musikunternehmen Warner/Chappell besitzt die Musikrechte daran.

Die Filmemacherin Jennifer Nelson aus New York geht nun dagegen an: Das Lied stammt ursprünglich von Mildred J. Hill (1859-1916) und Patty Smith Hill (1868-1946) aus dem US-amerikanischen Louisville/Kentucky. Beide arbeiteten im "Louisville Experimental Kindergarten": Patty Hill als Leiterin, ihre Schwester Mildred als Erzieherin. Die heute zu "Happy Birthday to you" gehörende Melodie

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Schädeljagd auf Komponistenköpfe

Veröffentlicht am 02.12.2013

Schädel aus der Gallschen Sammlung, ca. 1812, Museum für Völkerkunde Hamburg © allgemeinfrei (wiki commons)Schädel aus der Gallschen Sammlung, ca. 1812, Museum für Völkerkunde Hamburg © allgemeinfrei (wiki commons)Facebook-Blog, 23. Juli 2013

Was haben Franz Joseph Haydn, Wolfgang Amadé Mozart und Friedrich Schiller gemeinsam? Sie waren deshalb so genial, weil sie gleich zwei Schädel hatten. Alter Witz, aber noch immer für ein Verblüffen gut. Dabei ist das gar nicht so lustig, sondern wirklich so. Anknüpfend an einen meiner alten Blogs komme ich endlich mal dazu, über dieses interessante Thema zu schreiben – wer Schädelweh hat, wurde vielleicht in einem vorigen Leben Opfer des berühmt-berüchtigten Dr. Franz Joseph Gall (1758-1828). Jedenfalls: all diese Herrschaften – und vielleicht ein paar Unbekannte mehr – waren A-Promis. Und daher begehrte „Ware“.

Um 1800 verbreitete sich eine Pseudo-Wissenschaft, die ihren traurigen Höhepunkt in der „Rassenlehre“ der Nationalsozialisten erlebte: die sog. Phrenologie (Schädellehre), die der im Badischen geborene Dr. Gall von Wien aus verbreitete. Die Gehirnwindungen und Ausbuchtungen würden sich seiner Theorie nach auf den Schädel übertragen – somit würden die geistig-charakterlichen Eigenschaften auch rein äußerlich am Schädel abzulesen sein.

Ein riesen Boom setzte ein, für den sich sogar Goethe begeistern ließ. Kaiser Franz II. fand diese Idee

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Mozarts "Groschengrab"

Veröffentlicht am 02.12.2013

Facebook- Blog, 24. Juli 2013

Das unmittelbar nach Wolfgang Amadé Mozarts Tod 1791 entstandene Gerücht, er sei vergiftet worden, ist bis in unsere Zeit hinein (noch) nicht verstummt. 1798 berichtete ein Zeitzeuge über ein belauschtes Gespräch zwischen Mozart und seiner Frau Konstanze, in dem Mozart unter Tränen sagte: "Nein, nein, ich fühle mich zu sehr, mit mir dauert es nicht mehr lange; gewiss man hat mir Gift gegeben! Ich kann mich von diesem Gedanken nicht loswinden." Woran Mozart letztendlich starb, ist bis heute unklar – zig Expert/innen streiten sich darüber. In seinem Totenschein steht "hitziges Frieselfieber" – und das konnte von Schnupfen mit seinen diversen Auswirkungen bis hin zu rheumatischen Erkrankungen alles mögliche sein. Mozarts Leiche jedenfalls wurde im Stephansdom in der Taufkapelle aufgebahrt – von dort gings hinaus auf den Friedhof St. Marx.

In Milos Formans Film "Amadeus" regnet es zum Zeitpunkt der Bestattung erbärmlich – das Wetter ist windig und kalt. Mozarts Frau Konstanze kehrte schon bald um – sie hatte wohl ihr 3-Wetter-Taft vergessen an jenem 6. Dezember 1791. Niemand folgte dem Sarg, der stumm und schwarz in dichter werdendem Nebel verschwindet. Doch halt! An jenem 6. Dezember war es strahlend schön –

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"Sing! Inge, sing!" - ein vergessener Weltstar wiederentdeckt

Veröffentlicht am 02.12.2013

Facebook-Blog, 2. August 2013

Seit achtzehn Jahren findet in München jährlich die Bimovie-Filmreihe im fast 100jährigen Maxim-Kino statt, in der außergewöhnliche Filme und Dokumentationen gezeigt werden, die sonst oft keinen Platz im öffentlichen Raum oder in den größeren Kinos haben.

Von vielen der dort gezeigten Bild- und Tondokumente war eines davon besonders elektrifizierend: die biografische Dokumentation "Sing, Inge, Sing!" des Filmemachers und Biografen Marc Boettcher (Portraitfilme u. a. über Alexandra und Bert Kaempfert), die in knapp zwei höchst faszinierenden Stunden über das Leben und außergewöhnliche Wirken und Singen der Inge Brandenburg berichtet, die – einst zur besten Jazz-Sängerin Europas gekürt – völlig verarmt 1999 in München starb.

Per Zufall wurde ein kleiner Teil ihres Nachlasses auf einem Flohmarkt gefunden und

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Musik und Verbrechen in der Lagune

Veröffentlicht am 02.12.2013

Markusplatz-Impression © allgemeinfrei (wiki commons)Markusplatz-Impression © allgemeinfrei (wiki commons)Facebook-Blog, Februar 2013


Schon mal in Venedig gewesen? Ja? Markusplatz angeguckt? Tauben gefüttert? Sich über das Hochwasser gefreut? Im Café Florian einen kleinen Espresso für 8 € getrunken? Keinen einzigen Einheimischen entdeckt? Willkommen in Disneyland!

Dabei will man im Urlaub doch das Besondere erleben, oder nicht? Komplizierter als das Hochwasser mit den nahezu alltäglichen Überschwemmungen ist die nahezu immerwährende Touristenschwemme. Was nicht heißt, dass Sie nicht hinfahren sollen. Nein! Vielleicht waren Sie auch noch nie in Venedig, weil sie sich genau davor fürchten?

Wer Venedigs stille, anheimelnde & poetische Sprache hingegen entdecken will, dem lege ich die komplette "Commissario-Brunetti"-Reihe von Donna Leon wärmstens ans Herz.

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