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+Update+ “KOMPONISTINNEN” | Film-Doku

Premiere Komponistinnen im Babylon-Kino Berlin © Susanne Wosnitzka
Premiere Komponistinnen im Babylon-Kino Berlin © Susanne Wosnitzka

+++Update (Sept. 2020)+++
Komponistinnen war gleich in vier Kategorien für den OPUS-KLASSIK-PREIS 2020 nominiert und gewann in der Kategorie beste audiovisuelle Musikproduktion

+++Update (Feb. 2019)+++
“Musik steht in Claras [Clara Schumanns] ganzem Leben als  durchdringender Strom im Vordergrund, nicht Musik als faktische oder spekulative Funktionalisierung sozialen, ideologischen oder psychischer Teilbereiche. Das ist eine Stufe der Rezeption, die auch der hier in einer verkürzten Collage gezeigte Dokumentarfilm Komponistinnen (D 2018) von Tim van Beveren und Kyra Steckeweh einfordert und weitaus mehr bedeutet als die Würdigung von Komponistinnen unter politischen, emanzipatorischen oder anderen Implikationen: Deren Werke sollen mit der gleichen Selbstverständlichkeit rezipiert werden wie die Ouevres von Männern. Es geht nicht um Quoten, sondern um den Abbau des Legitimationsdrucks gegenüber dem Schaffen von Frauen generell. Dieser wird aber noch oft durch voreingenommene Wertungen verhindert.”
(nmz online, 10. Februar 2019) „+Update+ “KOMPONISTINNEN” | Film-Doku“ weiterlesen

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In eigener Sache – kein Fußbreit

Zartes Pflänzchen Demokratie © Susanne Wosnitzka 2015
Zartes Pflänzchen Demokratie © Susanne Wosnitzka 2015

Seit dem 4. Dezember 2019 habe ich einen Eintrag im “Hetzportal” (Zitat Süddeutsche Zeitung, 28. Juli 2017) WikiMANNia, in dem ich fälschlicher und rufschädigender Weise als “männerhassende” Musikwissenschaftlerin bezeichnet werde, untermalt mit Fotos, für die ich niemals meine Genehmigung gegeben habe und deren Urheberrecht deutlich und unredlich missachtet wird.

Klarstellung: Ich setze mich selbstverständlich für Frauenrechte und Frauengeschichte ein. Frauenrechte sind Menschenrechte. Menschenrechte sind auch Frauenrechte. Ich fordere Parität in allen Belangen – Grundbedingung für ein demokratisches und freiheitliches Zusammenleben, auch und vor allem im Kulturbereich, weil: „In eigener Sache – kein Fußbreit“ weiterlesen

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Female Composer’s Bullshit Bingo

Female Composer's Bullshit Bingo © Susanne Wosnitzka 2018
Female Composer’s Bullshit Bingo © Susanne Wosnitzka 2018

For some time now, I have been collecting original notes that I and other women encounter in our professional and everyday lives. Sometimes every day. Often always the same sayings. By always the same types of guys. A bit rarer but by women, too. These sayings testify to blatant misogyny, gyno-phobia, ignorance and a lack of empathy. And they are bullshit. Bingo!

We can do something against such hate speech: Education, education and education again and that from an early age. It is a problem when female composers (and also female conductors) are so disregarded that their works and they themselves hardly come into their own. „Female Composer’s Bullshit Bingo“ weiterlesen

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Komponistinnen-Bullshit-Bingo

Komponistinnen-Bullshit-Bingo
Komponistinnen-Bullshit-Bingo

Seit geraumer Zeit sammle ich O-Töne, die mir und anderen Frauen in meinem Berufs- und Lebensalltag begegnen. Manchmal täglich. Oft immer dieselben Sprüche. Von immer denselben Typen. Etwas seltener aber durchaus auch von Frauen. Diese Sprüche zeugen von unverhohlener Misogynie, Gynophobie, Ahnungslosigkeit, Unwissen und einem Mangel an Empathie. Und sind Bullshit.

Dagegen gibts aber was: Bildung, Bildung und nochmals Bildung und das von klein an. Es ist ein Problem, wenn Komponistinnen (und auch Dirigentinnen) so dermaßen missachtet werden, dass ihre Werke und sie selbst kaum zur Geltung kommen.

Vielfalt? Gleichberechtigung? Bullshit!

In der Saison 2017/2018 gab es in Deutschland 444 Opernaufführungen, davon rund 30 als Uraufführungen (Quelle: nzm, badblog, 10.4.2018). Von diesen wiederum waren 4 Werke von Frauen, also 4 von 444. Der BR hat neulich stolz eine Charta der Vielfalt unterzeichnet – und bringt dann in seinem neuen Saisonprogramm in musica viva kein einziges Werk einer Frau. Auch keines, das von einer Frau dirigiert wird. Das soll Vielfalt sein? Dafür bezahlen wir Rundfunkbeiträge? „Komponistinnen-Bullshit-Bingo“ weiterlesen

Ethel Smyth – Suffragette in München | #femaleheritage

Ethel Smyth (1858–1944) war ein Kracher. Sie ließ so gut wie nichts anbrennen, war ihrer Zeit voraus, bewegte sich in höchsten und coolsten Kreisen, war musisch wie schriftstellerisch höchstbegabt, war unglaublich mutig, indem sie sich gegen gesellschaftliche Normen und Frauenhasser stellte und dadurch großartiges Neues schuf, darunter ihr The March of the Women, den sie 1910 für die Treffen und Demos der britischen Frauenwahlrechtskämpferinnen zusammen mit der Poetin Cicely Hamilton (1872–1952) verfasst hatte. Dieser Marsch ist in den letzten Jahren bekannter geworden und wird gerne – weil er so wunderbar eingängig ist – mittlerweile wieder besonders zu Veranstaltungen rund um den Internationalen Frauentag gesungen. Auch im Film Suffragette (2015) konnte man einen Teil davon bei einer nachgestellten Demo hören.

Leipzig, ick hör dir trapsen

Ethel Smyth, aufgewachsen in einem Vorort von London in einer Familie der gehobenen Mittelschicht, hatte eine deutsche Nanny, die in Leipzig pianistisch ausgebildet worden war und Klein-Ethel Klavierunterricht gab. Es stellte sich schnell heraus, dass Ethel für Musik besonders begabt war. In ihr reifte die Idee, ebenfalls in Leipzig zu studieren. Aber nicht das Klavierspiel, um Interpretin zu werden, sondern um Komponistin zu werden! Das galt damals als ziemlich aussichtslos, da Frauen aufgrund ihres Geschlechts keine Chance hatten, als Kapellmeisterin einen Job zu bekommen. Was mit ein Grund ist, warum Großwerke von Frauen heute kaum bekannt sind – sie konnten ihre Werke eben nicht einfach mit einem Orchester, dem sie vorstanden, einüben und selbstverständlich aufführen.[1] Sie hätten dazu ein Orchester und einen Konzertsaal anmieten und hätten selbst für Werbung etc. sorgen müssen. Emilie Mayer (1812–1883), die als ‚weiblicher Beethoven‘ einst eine lebende Legende war, konnte das eine Zeit lang, weil sie über entsprechendes Privatgeld verfügt hatte – das dann irgendwann aufgebraucht war, sodass weitere Großwerke wohl deswegen zu Lebzeiten nie auf die Bühnen gebracht wurde.

Idol Clara Schumann

Als Ethel eines Tages Clara Schumann (1819–1896) in einem ihrer Londoner Konzerte 1876 gehört hatte, gab es offenbar kein Halten mehr. Ethel setzte ihren Wunsch durch, indem sie alles bestreikte, was sich für eine feine englische junge Lady gehörte: Kirchgänge, Familienbesuche, Sonntagsspaziergänge. Damit kochte sie ihren Vater mehr oder weniger weich, der von all diesen Ideen nichts wissen wollte. Ihre größte Unterstützerin hatte sie hingegen in ihrer Mutter, und so kam es, dass Ethel Smyth bestens präpariert die große Reise nach Leipzig per Schiff und Eisenbahn antreten konnte – ohne Anstandsdame! In Leipzig fasste sie schnell Fuß, fand aber sehr schnell heraus, dass der Stoff am Konservatorium derart dröge und lustlos unterrichtet wurde, dass sie eine Alternative brauchte. Diese fand sie in keinem Geringeren als Heinrich von Herzogenberg (1843–1900), der zusammen mit seiner Frau Elisabeth (1847–1892, Komponistin/Sängerin/Mäzenin/Pianistin) und weiteren Frauen und Männern 1874 den Bach-Verein gegründet hatte.

Privatstudentin in erlauchtem Kreise

Heinrich von Herzogenberg nahm sie als seine Privatstudentin an, und ab da gings nach oben. Im Haus der von Herzogenbergs ging nicht nur die Crème de la Crème der Leipziger Musikszene ein und aus (zum Beispiel Pjotr Iljitsch Taschaikowski – bei dem sie 1887 Orchesterinstrumentation lernte –, Edvard Grieg, Johannes Brahms und ihr Idol Clara Schumann), sondern es gab auch eine Art Erweckungsereignis: Ethel verliebte sich in Elisabeth! Eine Liebe, die Heinrich von Herzogenberg entweder tolerierte oder ignorierte. Ethel wohnte sogar eine Zeit lang bei den von Herzogenbergs am heutigen Dittrichring.

Erste Werke

Marie Geistinger als Galathée © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Marie Geistinger als Galathée © wikimedia.commons (gemeinfrei)

In ihrer Leipziger Studentinnenzeit entstanden wunderbare Werke wie ihre Suite in E oder ihre Inventionen in D-Dur. 1877/78 verliebte sich Ethel auch in die Schauspielerin Marie Geistinger (1836–1903, später Chefin des Theaters an der Wien), die zu dieser Zeit in Leipzig Gastvorstellungen gab. Daraus resultierte Ethels Geistinger-Sonate, die sie dieser Frau auch offiziell widmete. Im Jahr 2014 hatte die Leipziger Musikhochschule in Aussicht, ein Konvolut an Smyth-Briefen aus deren Studentinnen-Zeit in einer Auktion zu erstehen. Die Hochschule richtete eine Pat:innenschaftsaktion ein, um diese rund 50 Briefe erwerben zu können, was auch gelang. Für den Geistinger-Brief zeichne ich als Patin verantwortlich. Darin schreibt sie ihrer Mutter nach England, wie sehr sie diese Frau schätzte und wie sie mit ihrem Studium vorankam. Aus anderen Briefen geht hervor, dass Ethel unglaublich große Angst vor deutschen Zahnärzten hatte, die damals von Betäubung offenbar noch nicht viel wissen wollten – nur allzu verständlich. Johannes Brahms fand sie übrigens deswegen abstoßend:

„His ways with other women-folk – or to use the detestable word for ever on his lips, ‚Weibsbilder‘ – were less admirable. If they did not appeal to him he was incredibly awkward and ungracious; if they were pretty he had an unpleasant way of leaning back in his chair, pouting out his lips, stroking his moustache, and staring at them as a greedy boy stares at jam-tartlets.“[2]

Brahms zog auch Ethels Nachnamen in den Schmutz, aber daher wissen wir heute auch, wie Smyth ausgesprochen wird: Brahms fand nämlich wortwörtlich, dass sich Smyth auf Deutsch wie eine Schmeißfliege anhören würde.[3]

1882 zog Ethel für einige Zeit nach Florenz, wo es allerdings zum Bruch mit Elisabeth von Herzogenberg kam, da sich der Ehemann von Elisabeths Schwester Julia – Henry Brewster – dort heftig in Ethel verliebt hatte, die sich fast von ihm breitschlagen ließ, worauf es auch zum Bruch zwischen Julia und Henry kam. Unter diesem Bruch mit Elisabeth und einhergehend ihrer verlorenen Liebe zu Elisabeth litt Ethel ihr ganzes Leben lang.

Think big!

Durch den Instrumentierungskurs bei Tschaikowsky wagte sich Ethel nach und nach an große Werke und feierte 1890 mit ihrer Serenade ihr kompositorisches Debüt in England. Während die neue Kunst, der Jugendstil und andere avantgardistische Strömungen, den Geschmack der Welt auf den Kopf stellten, blieb Ethel den musikalischen Traditionen treu und lehnte den Kult um die Veränderung um der Veränderung willen ab.

Die neue Musikrichtung schlug sich in den großen Städten Europas ihre Bahn. Neben Paris, Wien und Berlin war München eines der bedeutendsten Zentren als kreativer Nabel der Kunstwelt. Dort hatte die Kunst bereits seit Jahrzehnten einen großen Sprung vorwärts getan; darunter befanden sich zum Beispiel der oberschwäbische Maler Anton Braith (1836–1905) und der Niederländer Christian Mali (1832–1906), die enge Freunde waren. Deren historisches Atelier, das sie zusammen in München hatten, befindet sich heute aus- bzw. eingebaut im Museum Biberach – ein sehr faszinierendes Stück Zeitgeschichte (wo auch ein Teil von Sophie von La Roches (1730–1807) Leben zu entdecken ist).

Gabriele Münter um 1900 © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Gabriele Münter um 1900 © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Also ab nach München! „Ab nach München!“, schrieb auch die Künstlerin Gabriele Münter (1877–1962) 1901 in ihr Tagebuch, nachdem sie auf den Münchner Künstlerinnen-Verein und dessen Damenakademie aufmerksam gemacht wurde. Diese private Kunstakademie war nach dem Vorbild der Königlich Bayerischen Akademie der Künste organisiert. Der Verein gehörte – neben Lehranstalten in Karlsruhe und Berlin – zu den ersten für Frauen gegründeten Ausbildungsstätten. Die Kunstliebhaberin, Malerin und Mäzenin Marianne von Werefkin (1860–1938) hatte einen eigenen rosafarbenen Salon, der Künstlerinnen und Künstler wie magisch anzog. Frauen wie Gabriele Münter kamen oft von weit her, weil Frauen der Zugang zu staatlich anerkannten und subventionierten Lehranstalten untersagt war. Manch eine Frau schmuggelte sich als Mann verkleidet in die männlich dominierten Ausbildungsstätten wie zum Beispiel Zofia Stryjenska (1891–1976) aus Polen, um lernen zu können.

Ab nach München!

2014 widmete das Münchner Stadtmuseum all diesen Frauen die absolut sensationelle Ausstellung Ab nach München! Künstlerinnen um 1900, zu der ich zwei begeistert aufgenommene Vorträge mit Musik – zu Ethel Smyth und Vilma von Webenau (1875–1953), allererste Studentin von Arnold Schönberg (1874–1951), in ihren Münchner Zeiten – in Kooperation mit musica femina münchen einbringen konnte.

Aus einem wieder aufkommenden Selbst-Bewusstsein der Frauen formierte sich in München eine sehr frauenbewegte Szene, die begann, sich für die sozialen Rechte der Frauen und auch das Wahlrecht einzusetzen, allen voran Anita Augspurg (1857–1943) mit ihrer Lebensgefährtin Lida Gustava Heymann (1868–1943) und Ellen Amann (1870–1932).

München um 1880, Blick vom Nockherberg © wikimedia.commons (gemeinfrei)
München um 1880, Blick vom Nockherberg © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Nach München zog es auch Ethel Smyth, um nach all dem Hickhack um Elisabeth von Herzogenberg mal etwas anderes zu sehen und auch, um sich neu inspirieren zu lassen. Ob sie die feministisch bewegten oben genannten Münchnerinnen kennengelernt hat? Als von Kindesbeinen an passionierte Bergsteigerin liebte Ethel diese Nähe der Alpen, das Rauschen der meist grünen Isar, die Stadtmärkte und die auf sie absonderlich wirkenden Barockkirchen im Stadtzentrum. Sie besuchte die Schlösser „of the mad king“ und auch Schloss Berg, weil sie sehen wollte, wo König Ludwig II. ums Leben gekommen war. Sie reiste nicht alleine dorthin, sondern mit einem der bedeutendsten Kunsttheoretiker und -liebhaber ihrer Zeit, Conrad Fiedler (1841–1895), der begeisterter ‚Kini‘-Fan war. Wo genau Ethel in dieser Zeit wohnte bzw. wen sie sonst noch alles in München kennenlernte, ist bis auf wenige bekannte Episoden noch völlig unklar.

Munich mood

Asam-Kirche Sendlinger Straße © Berthold Werner CC BY-SA 3.0 wikimedia.commons
Asam-Kirche Sendlinger Straße © Berthold Werner CC BY-SA 3.0 wikimedia.commons

Jedenfalls war sie von der Munich mood äußerst angetan und erlebte ein fantastic element mit all den Messen, Prozessionen und anderem religiös-katholischen Pomp, was sie so aus England und Leipzig her überhaupt nicht kannte. Ob sie andere kunst- und musikbegeisterte Frauen in ihrer Münchner Zeit kennenlernte, erwähnte sie in ihren Memoiren leider nicht. Die Munich mood hielt eine Zeit lang an, und in dieser Hochphase traf sie auf die Violinistin und Erbin Mary Portman (1877–1931, bis an ihr Lebensende mit der Pianistin Amy Hare [1862–1939] intim liiert). Portman baute sich ein burgähnliches Schloss in den bayerischen Bergen, in dem sich heute das mondäne Hotel Kranzbach befindet. Ob Ethel eine Liebesbeziehung zu Portman hatte, konnte bislang nicht nachgewiesen werden.

München: Hello, it’s me

Während einer Vorstellung im Münchner Residenztheater erspähte Ethel eine ihr von London bekannte Familie: Die Trevelyans. Darunter Pauline, die Ethels Herz stahl. Pauline war streng katholisch erzogen worden; durch ihre Begleitung auch in Gottesdienste erhielt Ethel einen starken religiös angehauchten Impuls. Zusammen mit Pauline besuchte Ethel auch ein Konzert, in dem Ludwig van Beethovens Missa solemnis auf dem Programm stand. Diese steht in der Tonart D-Dur. In Ethel reifte die Idee, es ihm gleichzutun (think always big!). Durch die Liebe zu Pauline Trevelyan und ihr Münchner Umfeld extrem inspiriert, entstand so Ethels Mass in D. Dazu gleich mehr. Mit den Trevelyans reiste Ethel auch um München herum und wurde in Bad Wörishofen von Wasserheiler Sebastian Kneipp (1821–1897) persönlich kalt abgespritzt. Als die Trevelyans weiter nach Cannes/Südfrankreich zogen, wurde justamente Ethel Smyths Wohnung gekündigt, sodass sie nicht mitreisen konnte. Leider ist nicht bekannt, wo das genau war; Ethel konnte sich die Kündigung der Wohnung nicht erklären, schrieb in ihren Memoiren aber, dass ihr Vermieter wohl ein Frauenhasser gewesen sein muss. Sie fand zwar eine neue Wohnung, dies allerdings feucht und duster im Erdgeschoss eines Studentenwohnheims lag. Völlig gestresst und verstört beschloss sie, zurück nach England zu reisen und verließ München krank und abgerissen am zweiten Weihnachtsfeiertag 1889. Von dieser Reise schrieb sie später als „a nightmare return to England“.

Schwelende Ethel

Eugénie de Montijo, Ex-Kaiserin von Frankreich © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Eugénie de Montijo, Ex-Kaiserin von Frankreich © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Die Munich mood schwelte indessen weiter; zur Erholung reiste Smyth noch einmal in den Süden, denn sie kannte dort familienbedingt Ex-Kaiserin Eugénie von Frankreich (1826–1920) persönlich und konnte so ihre Messe in D unter deren behütenden Schwingen sowie auf Korfu weiter ausarbeiten. Über deren Vermittlung konnte Ethel ihre Messe in D dann auch Queen Victoria persönlich auf Schloss Balmoral am Klavier vorspielen. Die Queen, die selbst sehr musikalisch gebildet war, fand diese Messe richtig gut. Und so kam es, dass diese am 18. Januar 1893 in der voll besetzten Royal Albert Hall (= 12.000 Zuschauer:innen) mit über 1.000 Mitwirkenden (lange vor Gustav Mahlers sog. Sinfonie der Tausend!) uraufgeführt wurde. Und Ethel saß direkt neben der Queen in der königlichen Loge! Das Werk schlug ein, die Presse überschlug sich.

Ethel hatte es geschafft! Sie war erfolgreichste Komponistin Englands und erfuhr weitere Anerkennungen wie zum Beispiel die Ehrendoktor:innenwürde der University of Durham und Oxford. Bei offiziellen Anlässen dirigierte sie ihre eigenen Werke stets in ihrer Robe. Eine weitere hochbedeutende Ehrung war ihre Ernennung zur Dame Commander of the Order of the British Empire für ihre Verdienste um die Musik. Funfact: James Bond hat denselben Rang inne als Commander des MI6.

Frauen mit Verantwortung

Ethel Smyth bei einem W.S.P.U.-Meeting 1912 © gemeinfrei
Ethel Smyth bei einem W.S.P.U.-Meeting 1912 © gemeinfrei

In dieser Zeit um 1900 nagte aber noch etwas anderes in ihr, etwas, das ihr selbst immer wieder entgegengeschlagen war: Üble Misogynie, die ihr vielfach Steine in den Weg gelegt hatte. Umso mehr war Ethel dann von der Frauenwahlrechtsbewegung angezogen, mit der es verhieß, dieses Übel aus der Welt schaffen zu können. Sie schloss sich den Frauen der Women’s Social and Political Union (W.S.P.U.) unter Vorsitz der gleichaltrigen Emmeline Pankhurst (1858–1928) an und wurde schnell in den vordersten Reihen aktiv. Sie beteiligte sich an den Diskussionen, den Demos und anderen politischen Aktionen. Dafür wurde sie auch verhaftet und eingesperrt. Zusammen mit anderen Mitstreiterinnen, die im Holloway-Gefängnis durch Hungerstreiks teils brutalst zwangsernährt wurden, hielt sich Ethel aufrecht, indem sie mit ihnen den The March of the Women ununterbrochen sang. Ethel gab den Ton an, indem sie ihre Zahnbürste im Takt an ihr Zellengitter schlug. Dieser Marsch und ein Choral von Ethel wurden auch zu den möglichen Lebensrettern von Emmeline Pankhurst, die – laut Briefen an Ethel – nach einem horrenden Tag im Gefängnis nicht mehr leben wollte. Den Marsch und den Choral singend hielt sie in der Nacht bis zum Morgengrauen durch. Was wäre gewesen, hätte die britische Frauenwahlrechtsbewegung ihre Anführerin verloren?

Felsensprengerin, Brückenbauerin, Wegbereiterin

Virginia Woolf 1927 © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Virginia Woolf 1927 © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Obwohl die politische Arbeit der Frauen noch längst nicht abgeschlossen war, verließ Ethel die Bewegung noch vor dem Ersten Weltkrieg und reiste nach Ägypten, wo sie feststellte, dass etwas mit ihrem Gehör nicht stimmte. Im Lauf der Jahre verlor sie ihr Gehör ganz. In Virginia Woolf (1882–1941), die sich in dieser Zeit mit ihrem Buch A room of one’s own (1929) ebenfalls Gedanken um die Gleichstellung der Frau machte, fand Ethel Smyth eine Gleichgesinnte. Durch ihre autobiografischen Erzählungen brachte Ethel Smyth ein zweites Lebenswerk – ihre Memoiren – nach und nach an die Öffentlichkeit, das von seiner Detailfreudigkeit und Wortgewandtheit her bis heute ein einzigartiges, teils kritisches und bissiges Gesellschaftsportrait darstellt. Aus der Komponistin war eine Literatin geworden.

Sie ließ sich von Woolfs Bloomsbury Group inspirieren, in der Virginias Geliebte Vita Sackville-West (1892–1962) sich auch ausgiebig über Ethels Hörgerät (dessen Batterie so groß wie ein Bierkasten war, die sie auf Rollen hinter sich her zog) und deren Sucht nach extrem großen Hunden lustig machte. Virginia Woolf schrieb allerdings über Ethel Smyth:

„Sie gehört zur Spezies der Pioniere, der Wegbereiter. Sie ist vorausgegangen und hat Bäume gefällt und Felsen gesprengt und Brücken gebaut und so den Weg für jene bereitet, die nach ihr kommen. Deshalb verehren wir in ihr nicht nur die Komponistin und die Schriftstellerin, sondern auch die Sprengerin von Felsen und die Brückenbauerin. In meinem eigenen Beruf, da habe ich keinerlei Zweifel, verdanke ich so mancher stummen und ruhmlosen Ethel Smyth sehr viel.“[4]

Smyth-Festival

Anlässlich ihres 75. Geburtstages wurde Ethel Smyth im Vereinigten Königreich 1933 groß gefeiert: Nach einem Dinner in der Queen’s Hall mit über 300 geladenen Gästen wurde ihre Messe in D unter der Leitung von Sir Thomas Beecham in der wieder ausverkauften Royal Albert Hall aufgeführt. Zu diesem Zeitpunkt war Ethel bereits fast völlig gehörlos und verfolgte das Geschehen gemeinsam mit Queen Mary von der königlichen Loge aus.

Ethel Smyth in Ehrenrobe © gemeinfrei
Ethel Smyth in Ehrenrobe © gemeinfrei

Ethel Smyths Musik geriet nach ihrem Tod – sie starb an einer Lungenentzündung, die sie sich auf dem Boden liegend nach einem Sturz in ihrem Haus zuzog – in Vergessenheit. Erst im Zuge der Zweiten Frauenbewegung Mitte der 1970er Jahre wurde sie nach und nach wiederentdeckt. Die deutsche Erstaufführung der Messe in D fand 1995 im Rahmen der Musikfestspiele Saar in St. Ingbert statt. 2008 fanden zu Ethel Smyths 150. Geburtstag ein mehrtägiges Ethel-Smyth-Festival in Detmold sowie ein mehrtägiges Symposium an der Universität Oxford statt, was den Grundstein legte zur heute nicht mehr bestehenden Internationalen Ethel-Smyth-Gesellschaft.

Abgesehen vom The March of the women und der Messe in D sind ihre weiteren Werke aber nach wie vor nur sehr selten gespielt, darunter auch ein höchst bemerkenswertes Horntrio, das dem von Johannes Brahms in nichts nachsteht. Ihre sechs (!) fantastischen Opern hingegen sind seit ihren Uraufführungen bislang nur wenige Male in Europa aufgeführt worden. Dabei wären besonders The Wreckers (in deren Ouvertüre auch der Marsch erklingt) und The Boatwain’s Mate dafür prädestiniert, auf der Seebühne Bregenz aufgeführt zu werden. Der Dirigent Bruno Walter (1876–1962) war einst von Ethels Opern unglaublich fasziniert gewesen, die jedoch weiter nicht größer angebracht werden konnten, obwohl sich Ethel in Deutschland und Österreich klinkenputzend die Hacken abgelaufen hatte. Was einem Bruno Walter mordsmäßig gefiel, kann ja nicht verkehrt sein.

Krönender Abschluss

Metropolitan Opera 1937 © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Metropolitan Opera 1937 © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Smyths Oper Der Wald (1902, Libretto: Ethel Smyth, auf Deutsch!) war gar das erste Werk einer Frau, das 1903 in der Metropolitan Opera in New York erklang und sehr positiv aufgenommen worden war.  Erst über 100 Jahre später – 2016 – wurde dort wieder eine Oper einer Frau in der Met aufgeführt: Kaija Saariahos (geb. 1952) Oper L’Amour de loin! Und dazwischen? Kein einziges Werk einer Frau!

In der Ausstellung Ab nach München! 2014 erklangen im Münchner Stadtmuseum neben Smyths Horntrio auch Lieder und andere ‚kleine‘ Werke. Nie hingegen wurde in München Smyths Messe in D aufgeführt. Sie würde sich mit all ihrem Pomp und außergewöhnlichen Erscheinungsbild hervorragend als Auftakt zu einem neuen und prachtvoll-aufatmenden Start des Münchner Musiklebens der Zeit nach der Corona-Pandemie eignen – mit dem spektakulären Credo am Schluss!

Mit Dank an die Organisator:innen der #femaleheritage-Blogparade der Monacensia München, diesen Beitrag miteinbringen zu können.

Wenn Ihnen dieser Beitrag zu Ethel Smyth in München gefallen hat, freue ich mich über eine Spende (via PayPal-Klick oben rechts).

Weitere für die Monacensia und #femaleheritage veröffentlichte Blogbeiträge sind:

Clara Schumann hat null Bock. Sidekick: Unbekanntes zu Franz Liszt in Augsburg. Neues zur Konzertorganisation im 19. Jahrhundert in Augsburg und München (veröffentlicht am 9. November 2020)
Politisches Credo in Hosen mit Löwinnen: Ein unbekannter Teil der Frauen(wahl)rechtsbewegung in Paris neu entdeckt mitsamt Emilie Lehmann, unbekannter Frau in Hosen mit politischem Statement der Zeit um 1850 (veröffentlicht am 27. November 2020)
Anna Billmaier, die Schlächterin von München-Haidhausen (veröffentlicht am 2. Dezember 2020)

Lesetipps
♣ Cornelia Bartsch, Rebecca Grotjahn, Melanie Unseld (Hg.): Felsensprengerin, Brückenbauerin, Wegbereiterin. Die Komponistin Ethel Smyth; Rock Blaster, Bridge Builder, Road Paver: The Composer Ethel Smyth. München (Allitera) 2009.
♣ Michaela Brohm: Die Komponistin Ethel Smyth (1858–1944): Ursachen von Anerkennung und Misserfolg. Eine Untersuchung zum Spannungsfeld zwischen biographisch-psychosozialen, werkimmanenten und historischen Faktoren. Berlin (Rhombos) 2007.
♣ Sulamit Sparre: „Man sagt, ich sei ein Egoist. Ich bin eine Kämpferin“. Dame Ethel Mary Smyth (1858–1944). Komponistin, Dirigentin, Schriftstellerin, Suffragette. Lich (Edition AV) 2010.

Einzelnachweise
[1] Vgl. Martina Bick/Susanne Wosnitzka (2019): Und sie spielten, sangen, komponierten und dirigierten doch: Die lange verschwiegenen Frauen in der Musik!, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv
URL: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/und-sie-spielten-sangen-komponierten-und-dirigierten (Stand: 06.12.2020).
[2] Vgl. Ethel Smyth: Impressions that remained. Memoirs in two volumes. London (Longman, Green, & Co.) 1919, S. 264.
[3] Vgl. ebda., S. 265.
[4] Virginia Woolf, aus einer Rede vor der National Society for Women‘s Service 1931.

Anna Billmaier, die Schlächterin von Haidhausen | #femaleheritage

Historische Zeitungen sind nicht nur ein Quell der Freude an längst verschütt gegangenen Nachrichten zu Kunst und Kultur, sondern auch ein Hort der Dokumentation des Bösen wie im Fall der Anna Billmaier in München-Haidhausen 1848.

CN Gewaltverbrechen
Triggerwarnung!

Im Rahmen der Forschungen zu meiner musikwissenschaftlichen Dissertation anhand mehrerer historischer Augsburger Tageszeitungen der Jahre 1746 bis 1852, die national und international berichteten, kam auch eine Fülle an Gewaltverbrechen und vermeidbarer Tode hervor. Unter Ersteren auch eine Menge an – in heutigen Zeitungen gerne genannten – ‚Beziehungsdramen‘; Männer, die ihre Ehefrauen und/oder Kinder aus eigenem Lebensüberdruss umbrachten, aus Eifersucht, kleinem Ego und toxischen Männlichkeitsvorstellungen – die ganze Palette, die man noch heute in solchen Nachrichten findet. In historischen Zeitungen, die aus (pseudo)moralischen Gründen unschickliche Begriffe sonst vermieden, werden solche Morde sehr klar als solche bezeichnet. Das Wort ‚Beziehungsdrama‘ habe ich in keiner der vier von mir lückenlos untersuchten Magazine gelesen. „Anna Billmaier, die Schlächterin von Haidhausen | #femaleheritage“ weiterlesen

Adventskalender durch die Frauenmusikgeschichte

Liebe Leser:innen, liebe Interessierte,

dieses Jahr habe ich mir zu Weihnachten einen musikalischen Adventskalender durch die Frauenmusikgeschichte ausgedacht, der bis einschließlich 25. Dezember auf meinem Twitter-Profil @Donauschwalbe und unter dem Hashtag #AdventInFemDur täglich morgens ab 7 Uhr ein neues ‘Türchen’ mit Musik und Information bietet.

Kommen Sie gut durch diese Zeit – gute Musik kann zum täglichen Seelenheil beitragen ♥

Politisches Credo in Hosen mit Löwinnen | #femaleheritage

„Wenn wir jedoch verstehen wollen, warum Frauen, selbst wenn ihnen nicht der Mund verboten wird, noch immer einen sehr hohen Preis zahlen, um Gehör zu finden – und wenn wir daran etwas ändern möchten –, dann müssen wir einsehen, dass das Ganze komplizierter ist und eine lange Geschichte dahintersteht.“ – Mary Beard, mit Weitsicht

Sie hat recht. Es. Ist. Kompliziert. Und es ist mit einer langen Geschichte dahinter. Auch noch unbekannter Geschichte, die ich in diesem Blogtext mit einer neuen Theorie für die #femaleheritage-Blogparade der Monacensia München erstmals vorstellen möchte. Was es nicht weniger kompliziert macht. Das Bekannte sind einzelne Leuchtpunkte der Frauenbewegungsgeschichte, die aber offenbar ein ganzes Lichtermeer hinter sich gehabt haben in Form einer noch unbekannten Pariser Frauenbewegung, die über klare Erkennungsmerkmale verfügte, einen Namen hatte und die meinen Überlegungen nach wegweisend für die deutsche Frauenbewegung ab 1848/49 gewesen war.

Neue Wege

Seit Jahren beschäftige ich mich im Rahmen meiner musikwissenschaftlichen Dissertation mit mehreren historischen Augsburger Tageszeitungen, die ich für die Jahre 1746 bis 1852 hauptsächlich auf Musikkulturnachrichten in Gänze abgegrast habe. Das ergab ein unglaublich dichtes Netz an großteils unbekannten Informationen nicht nur zum Musik- und Kulturleben, das Hand in Hand ging, sondern auch zu allem, was die Menschen bewegt hat. Angefangen von seltsamen Wettererscheinungen und Naturkatastrophen (lückenlos dokumentiert) und neuen Erfindungen (und bekannte, die teils noch weiter zurückdatiert werden können), über unbekannte Episoden und Einzelschicksale aus der Französischen Revolution bis hin zu politischen Begebenheiten, die die Welt aus den Fugen gebracht haben. „Politisches Credo in Hosen mit Löwinnen | #femaleheritage“ weiterlesen

Clara Schumann hat null Bock | #femaleheritage

Clara Schumann hat null Bock. Sidekick: Unbekanntes zu Franz Liszt in Augsburg. Neues zur Konzertorganisation im 19. Jahrhundert in Augsburg und München

Maximilianstraße Augsburg. I. Owen nach Robert Batty, ca. 1835 © wikimedia.commons (gemeinfrei)
Maximilianstraße Augsburg. I. Owen nach Robert Batty, ca. 1835 © wikimedia.commons (gemeinfrei)

Blogtext gewidmet meiner Freundin Luise Kimm, Sängerin

This blogtext, written for the #femaleheritage blogparade of the Monacensia Munich, is now available in English! Thanks to Gabriella Di Laccio to publish it on her website Donne365!

Geht man ins Konzert, geht man in ein Konzerthaus, ins Theater oder in eine Kirche. Im 18. und 19. Jahrhundert ging man dazu in eine Gaststätte, in ein Hotel oder in eines der Zunfthäuser, die über einen großen Tanzsaal für Hochzeiten und andere Anlässe verfügten. Eigens als Konzertsaal angelegte Lokalitäten gab es erst relativ spät mit steigender (Massen)Nachfrage von Konzerten der Virtuosen-Superstars Niccolò Paganini (1782–1840) und Franz Liszt (1811–1886), der Schwestern Teresa (1827–1904) und Maria (1832–1848) Milanollo sowie ganzer Orchestertrupps wie dem von Johann Strauss sen. (1804–1849), die auf ihren Tourneen überall und von sehr vielen Menschen gehört werden wollten. Einer der ersten neugebauten richtigen Konzertsäle war das Münchner Odeon, erbaut 1826/28 von Leo von Klenze (1784–1864) für genau solche Zwecke.

Gaststätten im Zentrum
Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka
Apollo-Saal der Goldenen Traube. Postkarte um 1910 © Eigentum von Susanne Wosnitzka

In Augsburg hingegen gab es so etwas bis Ende des 19. Jahrhunderts nicht. Dafür hatte man den großen Apollo-Saal der heute nur noch wenig bekannten Goldenen Traube, die im 18. und 19. Jahrhundert das Zentrum bürgerlicher Musikausübung war und Thema meiner sich in Arbeit befindenden Dissertation ist. Für diese durchforstete ich in den letzten Jahren mehrere Augsburger Tageszeitungen der Jahre 1746 bis (jetzt) 1852 auf Musik- und Kulturnachrichten – über 100 Jahre dichteste Lokal- und Weltgeschichte mit zahlreichen anderen hochinteressanten Funden anderer Sparten, mit denen sich zum Beispiel auch die Geschichte der Ballonfahrt neu schreiben ließe oder die europäische Frauenbewegungsgeschichte, zu der ich einen eigenen unbekannten französischen Strang entdeckt habe, der zum Inhalt eines anderen Histoblogs der #femaleheritage-Blogparade der Monacensia München wird. An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei den Organisatorinnen für die persönliche Einladung, für diese Aktion mein Wissen in mehreren Blogtexten präsentieren zu können. Dieser hier ist der erste in der Reihe. „Clara Schumann hat null Bock | #femaleheritage“ weiterlesen

Die Podcastin | Die Rohnerin und laStaempfli über Komponistinnen

Seit gestern online findet man im Netz bzw. auf der gemeinsamen Website Die Podcastin der Literaturwissenschaftlerin und Publizistin Dr. Isabel Rohner und der Historikerin und Politikwissenschaftlerin Dr. Regula Staempfli – kurz: die Rohnerin und laStaempfli – eine grandios-frische Folge der Podcastin über Komponistinnen. Da die Einbettung nicht funktioniert hat, bitte aufs eingefügte Bild klicken, und Sie gelangen direkt zur Podcastin:

Wie das alles zusammenhängt:

laStaempfli: “[Auf das Thema] bin ich gestoßen dank Susanne Wosnitzka, die ist großartig auf Twitter als @Donauschwalbe, die macht wahnsinnig viel, kümmert sich extrem um das Archiv Frau und Musik […] und weiß extrem viel über Komponistinnen und um die Mechanismen der Sichtbarmachung. Also sie bietet uns großartige Werkzeuge, um den Kanon [der festgefahrenen klassischen Musik] völlig zu verändern.”

Rohnerin: “Folgt ihr unbedingt auf Twitter, und – liebe Leute, die ihr bei den Medien arbeitet: schreibt sie an für Expertise, nehmt sie auf, interviewt sie. Das ist die Expertin für Komponistinnen.”

Vielen Dank für die Blumen, die ich an euch zurückgeben kann, weil auch ihr in euren Sparten und mit der Podcastin so hervorragende Arbeit leistet, auch beim Netzwerken! „Die Podcastin | Die Rohnerin und laStaempfli über Komponistinnen“ weiterlesen

Packend wie ein Ringkanon – Frauenmusiknetzwerke | Essay

Packend: Netzwerke © Susanne Wosnitzka
Packend: Netzwerke © Susanne Wosnitzka

Packend wie ein Ringkanon: In Deutschland wie Europa gibt es zahlreiche Institutionen und Initiativen zu Frauen und Gender-/Geschlechterfragen in der Musik. Das in den letzten Jahrzehnten entstandene Netzwerk wächst stetig weiter. Im Fokus steht neben Netzwerkarbeit auch die Quellenarbeit: Wo kann man etwas zu Komponistinnen finden? Wie kann ich mich als Musiker:in engagieren?Wo kann ich mich einklinken und zum Fortkommen dieser reichen Kulturlandschaft beitragen?

Ein neuer Überblick aus unter anderem meiner Feder zum Stöbern – über die GEDOK, das Archiv Frau und Musik/Internationaler Arbeitskreis Frau und Musik (Frankfurt/Main), die Internationale Komponistinnen-Bibliothek Unna, musica femina münchen, Komponistinnen und ihr Werk (Kassel), das ForumMusikDiversität (Schweiz), das CID – Fraen an Gender (Luxemburg), das Sophie Drinker Institut (Bremen), MUGI (Hamburg), das Forschungszentrum Musik und Gender (HfMT Hannover), die Mariann Steegmann Foundation, den Furore- (Kassel) und den Certosa-Verlag (Klein-Winternheim). Wahre Schätze!

Packend: Einblick

1979 entstand das erste und bis heute umfangreichste internationale Archiv für Werke von Komponistinnen und andere Zeugnisse des kulturellen Handelns von Frauen in der Musik: das Archiv Frau und Musik. Dem vorangegangen war die Gründung des Internationalen Arbeitskreises Frau und Musik (IAK) auf Initiative der Dirigentin Elke Mascha Blankenburg. Zweck des Vereins laut Gründungsdokumenten ist es, „Kompositionen von Frauen in Vergangenheit und Gegenwart ausfindig zu machen, zu sammeln und aufzuführen und sie damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“.

Eine Fülle an Musikalien, bis dahin privat gesammelt, wurde nun zu einem öffentlichen Archiv. Zum Bestand zählen alle Arten von Materialien, die das Wirken von Frauen in der Musik dokumentieren, vor allem aber Noten, Publikationen, Handschriften, Fotografien sowie Archivalien und Instrumente. Er umfasst heute rund 26.000 Medieneinheiten.

Zum vollständigen Artikel gelangen Sie direkt hier unter diesem Link.

Recycling 1850 – aus Obstkisten werden Särge

In den 1830er/1840er Jahren setzte durch Trockenperioden eine starke Nahrungsmittel- und Holzteuerung ein (was zu organisiertem Abbau von Torf führte). In Augsburg kauften sozial eingestellte Kulturvereine große Holzlieferungen an, um diese an arme Menschen auszuteilen. Das dafür benötigte Geld wurde zum Beispiel durch Benefizkonzerte in der Goldenen Traube erspielt. In jener Zeit wurde verwertet, was zu verwerten war. Recycling spielte von jeher eine große Rolle zum Beispiel in der Verwertung von alter Kleidung, aus der Papier hergestellt wurde.[1]

Durch Seuchen wie die Cholera, “nervöses Fieber” unbekannter Art und Blattern, die in den 1830er und 1840er Jahren von St. Petersburg bis Paris besonders stark wüteten, hatte man für pietätvolle Bestattungen einen erhöhten Bedarf an Holz. Da dieses rar war, kam man in London auf eine findige Idee, diesem Mangel abzuhelfen: Man wies Händler im nahen Ausland an, ihre Warenkisten bereits in bestimmten Größen und Formen anfertigen zu lassen, die in London dann nur noch schwarz angestrichen werden mussten. Fertig war der Recycling-Sarg!

Recycling gruselhaft
Recycling: Obstkisten zu Särgen
Recycling: Obstkisten zu Särgen

Augsburger Tagblatt, No. 137. Montag 20. Mai 1850, S. 691: “In London hat man in der neuesten Zeit eine eigenthümliche Art ausfindig gemacht, England ohne große Unkosten mit Särgen zu versorgen: London bezieht Obst, Geflügel, Eier und andere Lebensbedürfnisse von Holland, Belgien und Frankreich; seit Monaten haben nun die Londoner Einkäufer ihren „Recycling 1850 – aus Obstkisten werden Särge“ weiterlesen

Corona und Cholera – wortgleich wiederholte Geschichte

Wiederholt sich Geschichte nur dann nicht, wenn man aus ihr gelernt hat? Geschichte wiederholt sich manchmal sehr, und manchmal sogar als ziemlich exakte Kopie, auch im Wortlaut zu Corona und Cholera, mit rund 170 Jahren an Überlegungszeit dazwischen. Das ist mir in meinen Forschungen, zu denen ich mehrere Augsburger Tageszeitungen der Jahre 1746 bis 1850 in Gänze (!) auf Musik-, Kultur- und andere hochinteressante Meldungen[1] abgraste,  in dieser Deutlichkeit so nur im folgenden historischen Bericht begegnet, den ich gestern auf Twitter analysiert habe. Da dieser Tweet dort viral ging, stelle ich die ganze Geschichte hier noch einmal etwas weiter ausgebaut zur Verfügung:

„Corona existiert nicht, es ist eine künstliche, von der Politik geschaffene Krankheit!“ – 2020 zigfach auf sog. Corona-Demos gehört. „Die Cholera existirt nicht, es ist eine künstliche, politische Krankheit!“ – O-Ton 1849. Frappierende Ähnlichkeit? Es gibt weitere!

Verschwörungstheorie von Corona und der Cholera im Wortlaut, Augsburger Tagblatt 1849
Verschwörungstheorie von Corona und der Cholera im Wortlaut, Augsburger Tagblatt 1849

Augsburger Tagblatt, No. 234. Montag 27. August 1849, S. 1209: „Paris, 22. Aug. In Rochefort ist es am 14. August zu traurigen Scenen gekommen. Die Cholera trat dort so furchtbar auf, daß sie verhältnißmäßig die große Zahl von 21 Opfern täglich forderte, und fast nur aus der untern Volksclasse.“

Ein Volk in der Gosse
Augsburg um 1835. Stahlstich von F. Höfer © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Augsburg um 1835. Stahlstich von F. Höfer © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Weil die „untere Volksclasse“ regelrecht in der Kloake lebte. Über Jahre wurde zum Beispiel in Augsburg darum gebeten, pestilenzialisch stinkende Kanäle zu reinigen und abzudecken (besonders betroffen: der Hunoldsgraben hinter dem Rathaus), den Kot, der auf Haufen in den Straßen gesammelt wurde, regelmäßiger wegzufahren. Die Stadt reagierte kaum darauf. Augsburg war noch einigermaßen gut dran, da das „Corona und Cholera – wortgleich wiederholte Geschichte“ weiterlesen

Ohne Hefe kein Zwetschgendatschi – Datschipanik in Augsburg 1847

Augsburger Rathaus, Sitz des Magistrats, 1818 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Augsburger Rathaus, Sitz des Magistrats, 1818 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Die Stadt Augsburg und ihr Zwetschgendatschi: Myriaden an Artikeln[1] wurden bereits dazu verfasst, seit wann man diesen köstlichen Kuchen hier bereits kennt, woher das Rezept dafür sei oder wie dieser früher ausgesehen haben mag. Ein Thema, das dazu geführt hat, dass Augsburg auch ihren Zweitnamen Datschiburg irgendwann erhalten hat. Wie kam es dazu?

Es gab zwar bereits schon früh Haushaltungsschulen für Mädchen und junge Frauen in Augsburg; die Koch- und Backtraditionen scheinen darin aber eher vor allem mündlich weitergegeben und antrainiert worden zu sein, damit diese Künste dann im Familienalltag aus dem FF und dem Gedächtnis umgesetzt werden konnten, um auch Zeit zu sparen. „Ohne Hefe kein Zwetschgendatschi – Datschipanik in Augsburg 1847“ weiterlesen

Die Cholera 1832 in Augsburg – nur ein ‚Gespenst‘?

Karikatur eines Mannes, der sich vor der Cholera schützen will © Wellcome Collection, Attribution (CC BY 4.0)
Karikatur eines Mannes, der sich vor der Cholera schützen will © Wellcome Collection, Attribution (CC BY 4.0)

„Im Jahr 1817 war die Cholera von englischen Ärzten in Ostindien als eine bis dahin kaum beachtete Krankheit beschrieben worden. 1830 kam die Cholera erstmals nach Europa, 1831 tauchte sie in Deutschland auf. […] 1832 erreichte die Cholera Augsburg und forderte Tote.“[1] 1854 brandete diese Krankheit erneut auf, an der dann Hunderte gestorben sind. Doch wie viele starben 1832? Darüber erfährt man aus dem Artikel der Augsburger Allgemeinen (AZ) leider nichts. Offenbar gibt es dazu noch keinerlei Forschungen bzw. Veröffentlichungen. Daher stellt dieser Blogtext einen Versuch der Rekonstruktion der Ereignisse dieser Jahre dar. Laut meinen Funden starben in Augsburg genau fünf Personen an der Cholera, allerdings erst 1836/37 und nicht 1832 – im Gegensatz zu München, wo es Hunderte Tote gab. Wie kam das?

Vorgeschichte

Einer der Reporter, der 1832 für die AZ aus anderen betroffenen Städten berichtete, war Heinrich Heine (1797/98–1856), der aus seinen Erlebnissen ein Buch[2] machte und das – sehr lesenswert! – verblüffende Ähnlichkeiten zur Corona-Epidemie 2019/2020 aufweist. Solche Berichte waren für die Menschen überlebenswichtig: Wie kann man dieser Krankheit begegnen, wie kann man ihr am besten ausweichen? Welche Heilmittel stehen zur Verfügung? Wie kann man Ausbreitung verhindern? Denn dass das Bakterium Vibrio cholerae dahintersteckt, wusste man damals noch nicht. Damals erfuhr man zwar permanent, dass hinter abscheulich stinkenden Pfützen und Kot-Abraumen in den Gassen, von Klosettanlagen oder ähnlich verwendeten Kanälen ein ‚pestilenziarischer‘ Gestank ausging (und man durch diese Wortwahl auch ahnen kann, dass damit irgendwie Zusammenhänge hergestellt wurden), aber konkret wusste man zur tatsächlichen Verbreitung, Aufnahme und zu Erkrankungszusammenhängen so gut wie nichts. „Die Cholera 1832 in Augsburg – nur ein ‚Gespenst‘?“ weiterlesen

Frauen, die den Ton angeben – zwischen Spitzenleistungen und Gender(pay)gaps

Damenblaskapelle um 1900 © Archiv Frau und Musik (gemeinfrei)
Damenblaskapelle um 1900 © Archiv Frau und Musik (gemeinfrei)

…lautet der neueste Artikel aus u. a. meiner Feder für das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF) im Rahmen des Digitalisierungsprojekts #PARFUMO des Archivs Frau und Musik – ein Rückblick in die Geschichte der professionellen (oft verhinderten) Musikausübung von Frauen sowie ein Fokus auf die heutige Zeit: Was hat sich verändert, was sind die Zahlen/Daten/Fakten, wo gibt es noch Verbesserungsbedarf im klassischen Musikbusiness?

“In der Musikgeschichtsschreibung und in Schulbüchern finden sich in der Regel kaum komponierende Frauen. Dabei ist die Sichtbarkeit von Künstlerinnen so wichtig – nicht nur für ihr Werk und Wirken, sondern auch für den Nachwuchs, wie Geena Davis es mit ihrem Slogan „If she can see it, she can be it™“ auf den Punkt bringt. […] 2016 kam die Studie Frauen in Kultur und Medien des Deutschen Kulturrates zu dem Ergebnis, dass trotz hoher Frauenanteile bei den Kompositionsstudierenden der Anteil bei den freiberuflich tätigen Komponist:innen wie auch bei Hochschulprofessor:innen weit unter Parität liegt. […] Frauen-Musikorganisationen fordern darum Richtlinien für den Musikbetrieb, damit eine paritätische Repräsentanz der Musik von und mit Frauen in Konzerten, den Medien, bei Festivals, in den Hochschulen, in Schulmusikbüchern, bei Wettbewerben und Preisvergaben endlich Standard wird.”

Weitere Artikel aus u. a. meiner Feder für das DDF:

Aufsatz 1: Elke Mascha Blankenburg (1943–2013), Dirigentin und Gründerin des IAK (23. Januar 2019)
Aufsatz 2: Und sie spielten, sangen, komponierten und dirigierten doch: Die lange verschwiegenen Frauen in der Musik! (16. September 2019)
Aufsatz 3: „Shout, shout, up with your song!“ Formen der Vernetzung von Frauen in der Musikkultur (16. Januar 2020)
Aufsatz 4: VivaVoce: Vom Vereinsrundbrief zur Fachzeitschrift (20. August 2019)
Aufsatz 5: Frauen, die den Ton angeben – zwischen Spitzenleistungen und Gender(pay)gap (28. Mai 2020)

Grenzgänge – Wege zum historischen Stadttheater Augsburg

Wertachbrucker Tor © Susanne Wosnitzka
Wertachbrucker Tor © Susanne Wosnitzka

Auf der Trennlinie zwischen Stadt und Vorstadt lässt sich manches entdecken, das einem entlang der Hauptstraßen in die Stadt verborgen bleibt. In meiner Dissertation über die Musikgeschichte der Goldenen Traube spielt auch das historische alte Stadttheater am Lauterlech eine bedeutende Rolle, zu dem ich heute mit euch spazieren will.

Stadttheater und Goldene Traube

In der Goldenen Traube übernachteten die meisten Künstler:innen, die Auftritte im Stadttheater oder in der Goldenen Traube hatten: Letztere bot gleich drei Konzertsäle: Einen kleinen Saal, einen runden – den Rotunda-Saal – und den großen Apollo-Saal, in den bei Festlichkeiten über 1.000 Personen passten, während im Theater „nur“ Platz für rund 900 Personen war. Leider gibt es bis heute keine umfassende moderne Publikation zur Augsburger Theatergeschichte. Diese stückelt sich bislang aus Einzeldarstellungen und historischem Material. Eine hochinformative Quelle zu Anekdoten, Aufführungen, Besetzungen und der Theaterleitung sind Augsburger Tageszeitungen wie zum Beispiel das Intelligenz-Blatt und das Tagblatt, die ich für meine Recherchen der Jahre 1746 bis 1852 auf Musik- und Kulturnachrichten durchforstet habe. In Ersterem wird ersichtlich, welche Künstler:innen wo übernachtet hatten und wann sie angekommen sind; in den anderen Zeitungen gibt es Konzert- und Theaterankündigungen sowie Rezensionen und Rückschauen sowie vielfach Berichte, an denen man ablesen kann, wie sich die Augsburger Theater- und Orchesterlandschaft über Jahrzehnte geformt hat zu dem, was sie heute ist. Dazu später mehr. „Grenzgänge – Wege zum historischen Stadttheater Augsburg“ weiterlesen

FEMINALE DER MUSIK | ONLINE-Veranstaltung ab 6. April

Ab dem 6. April 2020 bietet das ZKM Karlsruhe eine vielteilige Sendereihe Feminale der Musik zu Komponistinnen vom 16./17. Jahrhundert bis heute. Den Auftakt macht die mehrfach preisgekrönte Filmdoku Komponistinnen von Kyra Steckeweh und Tim van Beveren (2018, ca. 95 Min), in der ich in Rom über Fanny Hensel und Emilie Mayer erzähle.

Zu jeder Zeit und in jeder Biografie einer Komponistin gab es Hindernisse wie gesellschaftliche Zwänge, Neid und Engstirnigkeit männlicher Kollegen oder gar Berufsverbote, die diese bemerkenswerten Musikerinnen überwinden mussten, um kreativ arbeiten und veröffentlichen zu können. Einige waren zu Lebzeiten sehr bekannt, gerieten nach Ihrem Tod aber in Vergessenheit. Noch heute, im vordergründig offenen und demokratischen Informationszeitalter, wird Komponistinnen die Erlernung, Ausübung und Lehre in konservativen Strukturen erheblich erschwert. Eine regelmäßige, selbstverständliche Lehre auch zu Leben und Werk von Komponistinnen ist bis heute in Musikschulen und Musikhochschulen nicht gegeben.

Durch Corona-Umstände kam dieses Online-Projekt sehr kurzfristig zustande – Medien- und Kooperationspartner:innen sind u. a. das Archiv Frau und Musik und mein Verein musica femina münchen. Innerhalb kürzester Zeit war Musikberatung/Auswahl/Information gefragt, in die ich involviert bin.

Alle Infos zu diesem tollen Projekt finden Sie hier auf den Seiten des ZKM.

Der Tanz als Akt des Todes – Alt-Augsburg berichtet

"Analysis of beauty". Stahlstich von William Hogarth um 1800 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
“Analysis of beauty”. Stahlstich von William Hogarth um 1800 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

“Tanzt! Tanzt! Vor allem aus der Reihe!”, findet man hin und wieder auf fröhlich-unbeschwerten Postkarten. In Zeiten der Corona-Pandemie sind Tanz- und andere Lokale geschlossen, in denen man sich bislang feiernd ausgetobt hat, dröge Fitness-Übungen wurden zu Tanzübungen von Jane Fonda bis Zumba. Geselliges Vergnügen war allerdings ein Dorn im Auge der Sittenwächter und hierzulande von religiös-patriarchalen Moralvorstellung geprägt. Einst glaubte man sogar, mit einem Tanz dem Gift der “Taranteln” trotzen zu können. Daraus entstand die sog. Tarantella als Tanzform. Trotz Trennung von Staat und Kirche sind Tanzveranstaltungen an bestimmten christlichen Feiertagen bis heute generell untersagt. Augsburg hatte in alter Zeit ein eigenes Tanzhaus für die Oberschicht, das sich bis zu seinem Abbruch 1632 auf dem damaligen Weinmarkt (heute Moritzplatz) gegenüber der Gaststätte Goldene Traube befand. „Der Tanz als Akt des Todes – Alt-Augsburg berichtet“ weiterlesen

Traudl Glogger-Prechtl – Augsburger Künstlerin neu entdecken

Wie schreibt man über die großartige, aber fast vergessene Künstlerin Traudl Glogger-Precht, wenn derzeit – im Corona-Shutdown – sämtliche Bibliotheken, Büchereien und andere Kunstinstitute, in denen man anfragen könnte, geschlossen sind und man auch nur wenig Material daheim zur Verfügung hat? Daher ist dieser Blogtext nur ein Versuch einer Rekonstruktion eines reichhaltigen Lebens, das aber genau deswegen noch so viel Spannendes zu entdecken bietet.

Traudl Glogger-Precht aus der Versenkung

Wie findet man so eine fast vergessene Künstlerin? Indem man zum Beispiel Flohmarkt-Besuche als Hobby hat. Bei mir daheim ums Eck findet bzw. fand bislang regelmäßig der samstägliche Flohmarkt auf dem Gelände der Rockfabrik statt. Gerne lasse ich mich dort treiben und habe vor Ort schon meine Lieblingshändler:innen, deren Stände und Waren immer interessant sind – alte Briefe, historische Fotografien und eben Bilder. Das meiste davon ist ausgesprochener Kitsch (wobei Schönheit wie immer im Auge des:der Betrachter:in liegt selbstverfreilich), aber manchmal sticht doch das eine oder andere interessante Ding hervor, das das Auge anzieht. „Traudl Glogger-Prechtl – Augsburger Künstlerin neu entdecken“ weiterlesen

SWR2-Interview zum 8. März | “Werdet sichtbar!”

Zum Nachhören: Ulla Zierau vom SWR2 im Treffpunkt Klassik im Interview mit mir zum 8. März (Internationaler Frauentag; Erstausstrahlung 5. März 2020) zum Thema Sicht- und Hörbarkeit von Komponistinnen. Zahlen, Daten und Fakten aus Geschichte und Gegenwart – für eine paritätische Zukunft.

Fanny Hensel und die “Cholera-Kantate”

Fanny Hensel 1829. Zeichnung von Wilhelm Hensel © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Fanny Hensel 1829. Zeichnung von Wilhelm Hensel © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Fanny Hensel geb. Mendelssohn (1805–1847) schrieb 1831 im Alter von 26 Jahren ein gut halbstündiges chorsinfonisches Werk, das Oratorium nach Bildern der Bibel, darin auch die Cantate für die Toten der Cholera-Epidemie, die damals über mehrere Jahre in vielen Städten grassierte und die Leute in schiere Panik versetzte.

Wie verheerend die Seuche in Preußen war, schildert zum Beispiel dieser Artikel (Dt. Ärzteblatt, 2007). Wie zum Beispiel das Augsburger Tagblatt berichtet, versuchte man mit allerlei Mitteln und Mittelchen vorzusorgen, von Blutegeln bis Aderlass:

Cholera Behandlungstipps 1830, Augsburger Tagblatt. Screenshot © Susanne Wosnitzka
Cholera Behandlungstipps 1830, Augsburger Tagblatt. Screenshot © Susanne Wosnitzka
Panikvermeidung trotz Cholera

In Städten waren Wirte und Toreinlasser verpflichtet, sämtliche Einreisende zu melden mit Herkunft, Namen, Pass etc. Zeitungsmeldungen zeigten an, wo die Cholera grade besonders grassierte. Briefe von auswärts wurden zum Beispiel in Wien durchstochen und geräuchert, um zu versuchen, damit Keime abzutöten.[1]

„Fanny Hensel und die “Cholera-Kantate”“ weiterlesen

Karl the Ripper – der Mädchenschneider von Augsburg

Maximilianstraße Augsburg um 1835 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Maximilianstraße Augsburg um 1835 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

In der Dämmerung schlitzte er drauf los, der sog. Mädchenschneider von Augsburg. Er trug einen weiten Mantel, hatte sein Gesicht durch eine ausladende Mütze verborgen und lauerte jungen Frauen heimtückisch in abgeschiedenen Augsburger Gassen auf. Allerdings so, dass er sie nicht umbrachte, sondern mit einem scharfen Gegenstand am Arm und/oder an den Händen aufschnitt und teilweise auch würgte. Im Gegensatz zu Jack the Ripper, der 1888 in London sein tödliches Unwesen trieb, kam keine der derart angegangenen Frauen zu Tode, aber seine Überfälle hielten die ganze Stadt in Angst und Schrecken und führten so weit, dass ein Unschuldiger durch Polizei- und Obrigkeitspfusch als Sündenbock in den Tod getrieben wurde. „Karl the Ripper – der Mädchenschneider von Augsburg“ weiterlesen

Über die Donau – was Berblinger nicht schaffte, schaffte Madame Bittorf!

Berblingers Flugversuch © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Berblingers Flugversuch © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Bittorf vs. Schneider von Ulm? Dieses Jahr würde der ‘Schneider von Ulm’, Albrecht Ludwig Berblinger (1770–1829) seinen 250. Geburtstag feiern – in Ulm soll er daher groß geehrt werden. Der Mann, der Pioniergeist besaß und vom Fliegen träumte und wegen widriger Umstände dann doch scheiterte. Nach einer erzwungenen Ausbildung zum Schneider – er wäre viel lieber Uhrmacher und Mechanikus geworden – entwickelte er erstaunlich arbeitende Bein- und Fußprothesen, die Vorbild für den Ulmer Chirurgen Johannes Palm (1749–1851) wurden, der als einer der ersten Ärzte überhaupt Chloroform und Äther zur Narkose einsetzte.

Berblingers bekanntestes Gerät ist ein Fluggleiter, mit dem er heimlich in den um Ulm liegenden Weinbergen übte, wo thermische Aufwinde für eine ideale Flugsituation vorhanden waren – aber nicht unten in der Stadt an der Donau, und genau das wurde ihm später zum Verhängnis. Wer solch ein Gestell durch die Stadt in die Weinberge trägt, bleibt nicht unbemerkt: Friedrich I. von Württemberg (1754–1816) hatte von Berblingers Versuchen buchstäblich Wind bekommen und wollte unbedingt einen Flug von ihm sehen, denn was heute für uns selbstverständlich erscheint, war damals eine unglaubliche Sensation. „Über die Donau – was Berblinger nicht schaffte, schaffte Madame Bittorf!“ weiterlesen

Johnny and Bella – What If

Johnny and Bella (first published March 6, 2016) is my blog text at What if? Your participatory arts community on identity. What if? is part of TransCoding–From ‚Highbrow Art‘ to Participatory Culture, an arts-based research project conceived of by the artist and researcher Prof. Dr. Barbara Lüneburg (project leader), funded by the Austrian Science Fund FWF (PEEK AR 259-G21) and located at the University of Music and Performing Arts in Graz/Austria. The project was run by an international team of artists (e.g. composer Clio Montrey as social media strategist) and researchers from February 1, 2.2014 to January 30, 2017.

#GYHAFY – Give yourself a holiday away from yourself

#GYHAFY is part of ‚What if?‘. I’ve been invited by Barbara to be a part of it. Weeks ago before the invite I saw this picture on tagg magazine’s site about historical lesbian couples. To me this picture of these amazing persons is something magical. But the life of this couple is completely unknown. A wonderful occasion on giving an identity! Barbara asked some questions. The idea behind: be another (invented) person. The following story is a mix of invention, history, and my personal experiences. Johnny and Bella. A very special couple. The beginning of a new story… „Johnny and Bella – What If“ weiterlesen

Nannette Streicher – die Frau, die zweimal feiern könnte, aber…

Nannette Streicher. Tuschezeichnung von Ludwig Krones 1836 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Nannette Streicher. Tuschezeichnung von Ludwig Krones 1836 © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

This blogtext is now available in English! Thanks to Gabriella Di Laccio and DONNE | Women in Music for the kind support!

… offenbar von niemandem gefeiert wird. Weder in ihrer Heimatstadt Augsburg noch in Wien und anderen Klassikkreisen wird Nannette Streichers diesjähriger 250. Geburtstag (2. Januar 1769) gefeiert oder wertgeschätzt, obwohl die Musikkulturwelt ohne sie und ihr Instrumentenbaugenie wesentlich ärmer geblieben wäre. Sie ist eine der sog. „vergessenen“ Frauen bzw. deren Leistungen nach ihrem Tod bagatellisiert und/oder wie beiläufig abgetan und dadurch lange von der Musikgeschichtsschreibung übergangen wurde.

Das heute eher beschaulich wirkende Augsburg war zu Nannettes Lebzeiten ein geradezu begehrter Schmelztiegel der Kulturgeschichte. Besonders die Goldene Traube in der heutigen Maximilianstraße (damals Weinmarkt) mit mehreren Konzert- und Veranstaltungssälen war Hauptumschlagsplatz bürgerlicher Musikkultur neben dem privaten Fuggerischen Konzertsaal, der ums Eck am Zeugplatz lag, und den Sälen der Zunfthäuser, in denen Veranstaltungen der bürgerlichen Collegia musica stattfanden. Daneben war Augsburg hochbedeutendes Zentrum des Presse- und Verlagswesens, auch durch die Musikverlagshäuser von Johann Jakob Lotter, Anton Böhm & Sohn und später Andreas Gitter[1]. „Nannette Streicher – die Frau, die zweimal feiern könnte, aber…“ weiterlesen

Erbach – Ein Dorf schreibt “fast” Weltgeschichte

Schloss Erbach mit Barockgarten © Susanne Wosnitzka 2014
Schloss Erbach mit Barockgarten © Susanne Wosnitzka 2014

Wie kann ein Dorf fast Weltgeschichte schreiben? Mein Heimatdorf Erbach bei Ulm (seit über 15 Jahren Stadt, aber es fühlt sich nicht wirklich wie eine Stadt an) liegt beschaulich an der wirklich zauberhaften Oberschwäbischen Barockstraße an der alten Donau zwischen Ehingen und Ulm, mit dem malerischen Hochsträß im Rücken, etwas keltischer Geschichte im Wald und einem erhaben auf einem Hügel thronenden strahlend gelben Schloss aus der frühen Renaissance, in dem seither die Familie derer von Ulm zu Erbach wohnt.[1] Auf dem ansonsten geziegelten Dach des Schlosses befindet sich eine Stelle, die mit einem wirklich großen Stück Blech bedeckt ist. Auf die Frage nach dem Warum erhielten wir stets nur die Antwort: „Damit da die Geister besser raus- und reinfliegen können.“ Das war für uns als Kinder gleichermaßen gruselig wie faszinierend. Noch heute schaue ich immer zu diesem Stück Blech, wenn ich wieder daheim in Erbach bin.

Beziehung Erbach und Japan

Eine andere Geschichte lautet so, dass der erste Entwurf der japanischen Verfassung einer Legende nach auf Schloss Erbach entstanden sein soll. Dazu später mehr. Von diesem Schloss aus hat man „Erbach – Ein Dorf schreibt “fast” Weltgeschichte“ weiterlesen

Menagerien – Reisende Sensation und Grausamkeit. Funde in historischen Augsburger Zeitungen

Um 1850 existierten einige wenige fest eingerichtete Zoos und Tierparks wie z. B. der 1752 in Wien gegründete Tierpark in Schönbrunn, seit 1844 der Zoologische Garten Berlin oder der 1828 gegründete Londoner Zoo. Renner in dieser Zeit waren Menagerien, die von Stadt zu Stadt zogen und mit ihrem Angebot an exotischen Tieren (oder denen, die man dazu erklärte) und auch Menschen, die als „Sensation“ galten wie Schwarze und „behinderte“ Menschen, für großen Publikumsandrang sorgten. Was als „Völkerschauen“ deklariert war, war in Wirklichkeit ein grässliches Zurschaustellen kolonialer Menschenraube. Oft waren solche Zoos und Menagerien allerdings auch die einzige Möglichkeit für solche Menschen, überhaupt etwas Geld zu verdienen.[1]

Drinnen und draußen – Menagerien überall

Solche Menagerien machten auch in Augsburg Station – Nachrichten aus historischen Tageszeitungen zeugen davon. Schauplätze waren z. B. „Menagerien – Reisende Sensation und Grausamkeit. Funde in historischen Augsburger Zeitungen“ weiterlesen

Frauenmusikgeschichte kompakt | Vortrag

Frauenmusikgeschichte aus 13 Jahrhunderten © Susanne Wosnitzka. Einzelbilder Wikimedia.Commons (gemeinfrei)
Frauenmusikgeschichte aus 13 Jahrhunderten © Susanne Wosnitzka. Einzelbilder Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Komponistinnen – eine „seltene Spezies“? Jeder kennt Haydn, Mozart, Beethoven – es braucht nur den Nachnamen, um zu wissen, woran man ist. Aber wer kennt Mayer, Boulanger, Strozzi? Wir sind umgeben von Kunst, Kultur und Musik, aber wessen Kultur erleben wir eigentlich, wenn wir bewusst oder unbewusst davon umhüllt werden? Was davon nehmen wir wahr? Welchen Anteil hat die Frauenmusikgeschichte an der gesamten Kulturgeschichte? Welchen besonders die Komponistinnen? Und warum bekommt man davon so wenig mit?

Dieser Vortrag soll die Lust auf Unbekanntes wecken, auf unbekanntes Schönes, Hochwertigstes, Gleichberechtigtes auch im Sinne von Gleichwertigkeit – als höchst Wissenswertes, gerade auch, wenn es um Wissensvermittlung im Unterricht geht. Wenn es darum geht, dass auch Kinder tolle weibliche Vorbilder haben können. Auch als Überblicksvortrag geeignet, der vor meine weiteren detaillierten Komponistinnenvorträge geschaltet werden kann.

Gehen Sie mit auf eine Zeitreise vom 8. Jahrhundert bis heute: Was trug dazu bei, dass die Leistungen von Frauen so unsichtbar gemacht wurden? Wo und wann lagen die Schwerpunkte hin zu einer Wendung im Musik- und Gleichberechtigungsbewusstsein? Was ist noch zu tun auf diesem Weg? Was haben die concerti delle donne mit den Spice Girls zu tun?

Kosten:
VB (Vortrag ca. 90 Minuten; Anreise/Übernachtung exklusive)

Ideal für Kulturzentren, Schulen, Bildungseinrichtungen, Firmenfeierlichkeiten, private Feste wie Geburtstage etc. – beschenken Sie einen Freund/eine Freundin oder Ihre Kundinnen und Kunden mit einem Vortrag | Hausvorführungen möglich – Beamer und weitere technische Gerätschaften vorhanden

Neuer Essay über Elke Mascha Blankenburg (1943–2013)

Elke Mascha Blankenburg © Christel Becker-Rau. CC BY-SA 4.0
Elke Mascha Blankenburg © Christel Becker-Rau. CC BY-SA 4.0

Am kommenden Sonntag, am 17. November 2019, feiert das Archiv Frau und Musik sein 40-jähriges Bestehen im Frankfurter Römer in einem großen Festakt mit Musik von Frauen und legendären Wegbereiterinnen wie Prof. Dr. Eva Rieger.

Triebfeder zur Gründung dieses weltweit ältesten, größten und bedeutendsten Archivs für Musikgeschichte von Frauen war ELKE MASCHA BLANKENBURG (1943–2013). Als Dirigentin im Studium war sie selbst als Frau schwer diskriminiert  worden und fragte sich, wo der Anteil von Frauen an der Kultur- bzw. Musikgeschichte geblieben ist. Sie recherchierte und verfasste 1977 einen Aufsehen erregenden Artikel in der EMMA, in dem auch ihre Wut über dieses “Vergessen” klar zum Ausdruck kam, das auch hauptsächlich eine Verleugnung an Frauengeschichte war.

Daraufhin bekam sie unzählige entsetzte und gleichzeitig begeisterte Zuschriften, wie man diesen Zustand der “Vergessenheit” ändern könne: Frauen kamen zusammen, um in Archiven gezielt nach unbekannten Werken von Geschlechtsgenossinnen zu suchen, sie zu sammeln und aufzuführen. Aus dieser Gruppe heraus gründete sich der Internationale Arbeitskreis Frau und Musik e. V., der bis heute Träger des Archivs Frau und Musik ist.

Digitalisierung = Sichtbarmachung

Durch eine Projektförderung durch den i.d.a.-Dachverband aller deutschsprachigen FrauenLesbenarchive bzw. durch dessen Projekt Digitales Deutsches Frauenarchiv war es möglich, die Geschichte dieses so bedeutenden Archivs teilweise aufzuarbeiten. Im September 2019 ging dieses Projekt in einem feierlichen Festakt in der Humboldt-Universität zu Berlin online. Eine Reihe von Essays auch zur Frauenmusikgeschichte generell runden diese Arbeit ab.

Der erste Essay dieser Reihe ist eine umfangreichere Biografie zur Gründerin des Archivs Frau und Musik, Elke Mascha Blankenburg, den ich zusammen mit meiner Kollegin Anne-Marie Bernhard verfasst habe. Dieser Aufsatz ist zugleich die bislang umfangreichste Biografie Blankenburgs. Im Archiv Frau und Musik ist ihr gesamter Nachlass zu finden, der einst aus 17 vollgepackten Umzugskartons bestand – ideal, um daraus eine richtig große Arbeit zu schreiben.

Eine Liste, die im Archiv Frau und Musik anfragbar ist, bietet mehr als 50 Bachelor-, Master- und Dissertationsthemen rund um Frauenmusikgeschichte. Nutzen Sie diese kostbaren Schätze! Unterstützen Sie dieses Juwel an Geschichte, das sich seit starken Mittelkürzungen noch immer auf der Roten Liste bedrohter Kultureinrichtungen befindet.

Leonore Siegele-Wenschkewitz-Preis 2019 EKHN

Helga Engler-Heidle und Ute Knie erzählen im Film © Susanne Wosnitzka

Heute (10. November 2019) wurde in der Evangelischen Akademie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) am Römerberg in Frankfurt am Main der Leonore-Siegele-Wenschkewitz-Preis 2019 an die feministischen Theologinnen Helga Engler-Heidle und Ute Knie verliehen. In ihrem großartigen Projekt Frauenbewegung in der EKHN online – im Frühling 2020 auch als Buchform erhältlich – zeichnen sie die Geschichte der Frauenbewegung in der EKHN ab Ende der 1960er Jahre anhand von Porträts, Artikeln, Podcasts etc. nach. Dadurch wird dieser Teil der Frauengeschichte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Arbeit der in den verschiedenen Frauengruppen der EKHN agierenden Frauen ist zu verdanken, dass in der evangelischen Kirche Frauen gleichberechtigt Pfarrerinnen sein können.

Wikipedia – mehr Sichtbarkeit

Für diese Sichtbarkeit im Internet war von Helga Engler-Heidle und Ute Knie auch eine erweiterte Präsenz in der Wikipedia gewünscht. Von Dr. Antje Schrupp wurde ich als Beraterin und Lektorin empfohlen und dann von der EKHN beauftragt. Nach einem von mir erteilten Wikipedia-Workshop, an dem auch Führungspersonen der EKHN begeistert teilnahmen, konnte die Umsetzung beginnen. So entstanden unter meiner Anleitung nach und nach ein Hauptartikel zur Frauenbewegung in der EKHN sowie sechs Personenartikel zu bedeutenden Frauenpersönlichkeiten auch aus Forschung und Lehre, die massiv zu dieser Emanzipation, Bewegung und Gleichberechtigung in Kirche und Gesellschaft beigetragen haben, wie z. B. Heidi Rosenstock, Dr. h. c. Eva Renate Schmidt, Helga Trösken und Ursula Trautwein.

Einer der LaudatorInnen – Propst Dr. Klaus-Volker Schütz – hob “besonders die kompetente Integration von Wikipedia-Artikeln” und die “herausragende Beratung” hervor, die mit dazu beigetragen habe, dass “dieses Projekt so auszeichnungswürdig ist”. Die Sichtbarmachung von Leistungen von Frauen ist ein bedeutender Beitrag und unabdingbarer Baustein zur Gleichberechtigung.  Erstmals ging der Leonore-Siegele-Wenschkewitz-Preis an ein Online-Projekt.

Meilenstein

Miniatur in einer Pariser Handschrift der “Cité des Dames” © Wikimedia.Commons (gemeinfrei)

Durch meine Arbeit konnte ich zu diesem Meilenstein beitragen – auch als Femmage und Fortsetzung an und von Christine de Pizans (1364–nach 1429) Stadt der Frauen. Darin erschaffen sich Frauen ihre eigene Erinnerungswelt, in der ihnen vorangegangene Frauen die Bausteine für die Gegenwart und Zukunft darstellen, weithin sichtbar als strahlende, glänzende Stadt und feste Burg.

Zum Weiterlesen:
Antje Schrupp: So kam die Frauengeschichte der hessen-nassauischen Kirche ins Internet, in: Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach (Hg.): Evangelisches Frankfurt und Offenbach, veröffentlicht am 22. August 2018 (Stand: 9. November 2019).
Melanie Keim: Wer schreibt eigentlich für Wikipedia? Vor allem Männer. Das soll sich ändern, in: Neue Zürcher Zeitung (NZZ, Hg.), Online-Artikel vom 8. Februar 2019 (Stand: 10. November 2019).

Netzwerke für Frauen in der Musik: Radio zum Nachhören

Netzwerk © Susanne Wosnitzka
Netzwerk © Susanne Wosnitzka

Für die BR-Klassik-Sendung Allegro (3. Juli 2019) wurde ich zum Thema Warum gibt es so wenig Netzwerke für oder von Frauen in der Musik befragt, aber eigentlich muss man fragen: Es gibt sehr viele, aber warum kennt man sie nicht?

Eine Grundlage in Deutschland schuf dafür 1979 der Internationale Arbeitskreis Frau und Musik e. V., der auch das Archiv Frau und Musik gründete. Dieser Verein gilt als “Mutter” aller europäischen Frauenmusiknetzwerke, der auch eng mit dem Münchner Verein und Netzwerk musica femina münchen kooperiert. Auf der Website des Archivs findet man verschiedene Links, in denen Frauenmusiknetzwerke zusammengetragen wurden – je mehr, desto besser. Zu Frauenmusikinstitutionen gelangen Sie unter diesem Link, und zu vielen weiteren Online-Quellen und Social-Media-Empfehlungen unter diesem Link, die ich in meiner Arbeit für dieses  Archiv zusammengetragen habe.

Einen großartigen Einblick in Netzwerke von Frauen in der Musik weltweit gibt Mirca Lotz mit musicBYwomen. In einer Grafik zeigt sie klickbare miteinander vernetzte Frauenmusikwerke auf.

Dass man so wenig über Frauenmusiknetzwerke weiß, hängt damit zusammen, dass über viele Jahrhunderte und Jahrzehnte Musik von Frauen v. a. in der Musikforschung so gut wie nicht beachtet wurde und Musik von Frauen bzw. Komponistinnen nicht für gleichwertig erachtet wurden. Das brachte erst die Zweite Frauenbewegung mit sich seit Ende der 1960er Jahre. Trotz über 40 Jahren fundierter Forschung in diesem Bereich findet man die Leistungen von Komponistinnen und Dirigentinnen bis heute so gut wie nicht in Schulmusikbüchern oder als selbstverständlichen Anteil in der Lehre an Musikschulen und Musikhochschulen.
Man findet sie höchstens in Nebensätzen als “Frau von”, “Schwester von” oder “Muse von”, aber nicht als eigenständige Persönlichkeiten mit immensen Verdiensten für das Gesamt-Kulturleben. Und genau das spiegelt sich auch in ihrem extrem niedrigen Anteil im alltäglichen Leben und Kulturleben, im Radiobetrieb, im Konzert- und Bühnenprogramm wieder. Aktuelle Zahlen, Daten und Fakten dazu finden Sie unter diesem Link zu meiner Festrede zum 30jährigen Jubiläum von musica femina münchen e. V., die zu einer Zornrede wurde.

Es ist längst Zeit, diese traurigen und beschämenden Zahlen zu ändern, vor allem dann, wenn es eigentlich wirklich nur um gute Musik geht.

Vilma von Webenau – neueste Erkenntnisse zur Schönberg-Schülerin

Konzertplakat in Wien © Susanne Wosnitzka
Konzertplakat in Wien © Susanne Wosnitzka

Eine neue Publikation zu meiner Forschungsarbeit zu Vilma von Webenau (1875-1953, erste bekannte Schülerin von Arnold Schönberg) ist nun als Blogtext erschienen als eine Art Vorschau auf eine geplante größere Publikation mit dem Certosa-Verlag mit bislang unveröffentlichten und unbekannten Neuauffindungen zu Vilmas Todesumständen, zu ihrem lesbischen Freundinnenkreis (war auch sie selbst eine “Lesbe unterm Hakenkreuz”?), zu ihrem Nachlass, mit Überlegungen zu ihrer durchaus möglichen Mozart-Urenkelinnenschaft bis hin zu Aufführungen ihrer Werke in Graz unter GMD Oksana Lyniv (2020) und in Wien unter Marin Alsop (Saison 2019/20)!

Mit Dank an Gaby Dos Santos und dem Jourfixe Muenchen e. V. für die Veröffentlichung.

Danke für Vilma

Und das alles wäre NICHT möglich gewesen ohne die Vorarbeit von musica femina münchen e. V. und dem großen Interesse an meiner Arbeit durch das Münchner Stadtmuseum, der MDW Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, QWIEN, dem Primavera Festival Wien sowie zahlreichen begeisterten Leuten wie Andreas Brunner, Prof. Dr. Annegret Huber (mdw), Attilia Kiyoko Cernitori (Einstudierung/Dirigat von Webenau-Werken in Wien 2018), León de Castillo, Gerhard Alexander von Webenau, dem Frauen-Orchester-Projekt unter Leitung von Mary Ellen Kitchens (Einstudierung/Dirigat eines großen Webenau-Werks in Berlin 2018), Dr. Christian-Alexander Wäldner für u. a. Fotos von Vilmas ehem. Grablege, dem Archiv Frau und Musik für vorangegangene Veröffentlichungen dazu in der “VivaVoce”, dem Sophie Drinker Institut für eine ebensolche Veröffentlichung und so vielen mehr, die dafür gesorgt haben, dass ein Interesse an Leben und Werk von Vilma von Webenau nach “ganz oben” durchgesickert ist. Das kam nicht von alleine.

D*A*N*K*E für euren/Ihren Support für diese Arbeit, die ich derzeit noch privat betreibe.

Einzelheiten sowie den Blogtext finden Sie hier im Jourfixe-Blog sowie viele, viele wesentlich detailliertere Ausführungen mehr dann in der ausführlichen kommenden Publikation (in Arbeit).
 

Vilma von Webenau – verwehte Spuren finden

Als in Ulm einmal ein Elefant in der Donau badete

Nabadender Elefant in der Donau in Ulm © Susanne Wosnitzka
Nabadender Elefant in der Donau in Ulm © Susanne Wosnitzka

Im Juli des Jahres 1839 gastierte einst eine Schausteller- und Zirkustruppe in Ulm, unter deren Attraktionen sich auch ein Elefant befand. Solche durch die Lande rollenden Sensationen waren immer beliebt – und leider oft auch die einzige Möglichkeit für Menschen, die „anders“ beschaffen waren, eigenständig Geld zu verdienen: Kleinwüchsige oder die “dickste Frau der Welt”, KünstlerInnen ohne Arme oder Beine, die auf Musikinstrumenten spielten – alles war dort als ‘Freakshow’ zu sehen, alles strömte in die Vorstellungen und ergötzte sich auch an der Exotik “wilder” Tiere, die oft unter grauenhaften Umständen aus der Natur gerissen, über die Meere transportiert und in engen und kleinen Käfigen gehalten und begafft wurden.

Nabadender Elefant

Im jenem Sommer von 1838 war es wohl auch so heiß wie bei uns gerade jetzt. „Als in Ulm einmal ein Elefant in der Donau badete“ weiterlesen

Colette und Willy? Colette und Max!

Ich komme grade aus Colette, ein neues Biopic über die französische Schriftstellerin Colette mit Keira Knightley in der Hauptrolle.

Man hätte meinen können, Colette hätte nicht in Paris gelebt, sondern weiterhin im Dorf oder in einer Kleinstadt – als hätte sie vom Lebensgefühl der Zeit nicht viel mitbekommen. Willy und Colette wäre passender gewesen – viel zu viel Schwerpunkt auf Willy. Colette erschien mir nur eher als Beiwerk, sie erfuhr kaum Aha-Erlebnisse im Gegensatz zum Beispiel zur Hauptprotagonistin in Suffragette. Viel zu viel My-fair-Lady-Story als Emanzipationsvorgänge. Ersteres war zwar auch Colettes Lebensthema, aber eher später und später in ihren Romanen umfassender verarbeitet.

Leider fehlt in diesem Biopic Colettes wichtige Bezugsperson Natalie Clifford-Barney, mit der sie zeitweise zusammenlebte und ein Liebesverhältnis hatte, komplett. Ebenso fehlen „Colette und Willy? Colette und Max!“ weiterlesen

Sammelthread News III

Verschneite Winterlandschaft bei Erbach/Württemberg © Susanne Wosnitzka
Verschneite Winterlandschaft bei Erbach/Württemberg © Susanne Wosnitzka

Mit dieser Linksammlung erweitere ich die nun verschneite Wissenslandschaft von News aus aller Welt. Kommen Sie gut ins neue Jahr!

Archiv Frau und Musik: Neue Video-Reihe mit Komponistinnen. Die Musik als “Laboratorium der Frauenbewegung” (frankfurter-wochenblatt.de)

Die neuesten Bachtrack-Statistiken für 2018 sind da! samt einer Stellungnahme (bachtrack.com)

Olga Neuwirth im Interview: Stadt ohne Juden (theguardian.com)

State of Gliss – The Art of Gloria Coates (theamericanscholarg.org)

Royal Opera House to join the #MeToo era as it challenges misogyny on stage by asking: Does opera hate women? (telegraph.co.uk)

Clara Schumann, solo piano works – open Spotify playlist (spotify.com)

Women Composers 365 Days a Year: Daily Calender (donne35.blogspot.com)

40.000 Kronen für schwedische Komponistin Cecilia Damstroem (mynewsdesk.com)

Komponistin L(o)uise Reichardt in RISM (rism.info)

For One Violinist, Elevating Music by Black Composers is a 20-Year Mission: Rachel Barton Pine (npr.org)

Leipzig ehrt Clara Schumann zum 200. Geburtstag (wdr.de)

Gender Pay Gap: A Star Flutist has Sued the Boston Symphony Orchestra: Her Cas Could Change How Orchestras Pay Men and Women (washingtonpost.com)

Venus Unwrapped: In 2019 Kings Place’s Award-Winning Flagship Series Focuses on the Creative Firepower of Women Composers (kingsplace.co.uk)

87 Jahre – Die Komponistin María Dolores Malumbra vorgestellt (amp.europapress.es)

About Nannerl Mozart (thevintagenews.com)

#MeToo am Theater – Was hat sich verändert? Dramaturgin Elena von Liebenstein erzählt (wdr.de)

*****
Conductor Oksana Lyniv Step Down Chief Conductor Graz Opera Philharmonic/Austria (theviolinchannel.com)

Wenn eine Frau ein Orchester dirigiert. Claire Gibault über Diskriminierung im Klassikbetrieb (deine-korrespondentin.de)

Simone Young Reflects on a Rich Career (limelightmagazine.com.au)

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Schumann-Preis für Ragna Schirmer und Janina Klassen (nmz.de)

Frauen in Berufsorchestern: Der lange Weg nach oben (deutschlandfunk.de; siehe auch den neuen gratis downloadbaren Aufsatz Der lange Weg von Berufsmusikerinnen in die Orchester 1807-2018 von Christian Ahrens, hg. von Volker Timmermann/Sophie Drinker Institut)

Sexistische Weihnachtslieder: Klassiker der Grenzüberschreitung (deutschlandfunkkultur.de)

Schlechte Noten und Gender Pay Gap: Unter 30-jährige Musikerinnen verdienten 2017 im Durchschnitt 10.883 Euro pro Jahr, Männer im gleichen Alter 13.649 Euro (zeit.de)

 

Sammelthread News II

Aus dem Nähkästchen © Susanne Wosnitzka
Aus dem Nähkästchen © Susanne Wosnitzka

Teil 2 meiner Linksammlung zu bunten Meldungen aus aller Welt aus dem Nähkästchen geplaudert:

Zwei Latin Grammys für Claudia Montero! Ihr Gitarrenkonzert erhielt die Auszeichnung als bestes zeitgenössisches/klassisches Werk, ihr Album Mágica y Misteriosa wurde als bestes Album ausgezeichnet (latingrammy.com)

BR-Klassik mit interessanter Reihe zu Geschlechtergerechtigkeit und neuem Hashtag #istdasgerecht (br-klassik.com)

Werden junge Mütter an deutschen Theatern diskriminiert?(mdr.de)

Union Deutscher Jazzmusiker fordert Gleichstellung von Frauen im Jazz (swrmediathek.de – Podcast)

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Dorothea Pichelt neu erlebbar – Lexikon

Deckblatt Lexikon mit Pichelt-Artikel © Susanne Wosnitzka
Deckblatt Lexikon mit Pichelt-Artikel © Susanne Wosnitzka

Frauen in Uniform – gar kein so seltenes Phänomen im 18. und 19. Jahrhundert. Im Zuge meiner Dissertation, in der ich eine Handvoll Augsburger Tageszeitungen zwischen 1746 und 1849 auf Musiknachrichten untersuchte, kam auch allerhand anderes Interessantes wieder ans Tageslicht, darunter eine Vielzahl an unbekannten Meldungen zu Frauen in Hosen, aus denen ich den Vortrag Die Löwinnen von Paris – Frauen in Hosen an vorderster Front kreiert habe, der seit dessen Premiere von München bis Wien begeistert die Runde macht.

Dorothea Pichelt ans Tageslicht

Aus diesen historischen Meldungen kristallisierte sich auch eines Tages die Biografie von Dorothea Pichelt verh. Geiger (1790-1824) heraus, die sich in Magdeburg in die dort hindurch reisende und Station machende Königin Luise von Preußen wohl schockverliebt hatte und „Dorothea Pichelt neu erlebbar – Lexikon“ weiterlesen